Zahlen und Entwicklung

Statistik

Gesamtfläche: 22 Hektar
Grabflächen: 7,5 Hektar
Bäume: 2.500 Stück
Hauptwege: 3 Hektar
Hecken: 2 Kilometer
Arbeitskräfte: 3 Verwaltung, 8 Gärtner (inklusive Trauerfeiern / Beisetzungen)
Trauerfeiern:  272 (Stand: 2015)
Begräbnisse: circa 530 jährlich (davon circa 60 Prozent anonym)



Friedhofsentwicklungskonzept

Entwicklung / Erweiterungen des Friedhofs Wismar

  • 1831/1832 – Alter Friedhof
    • Entstehung und kirchliche Weihe
    • Initiatoren: Bürgermeister Anton J. F. Haupt und Johann Gottfried Martens
  • um 1862 – Westfriedhof (1. Erweiterung)
    • Planung: Gartenbaudirektor Theodor Klett
  • um 1901 – Pavillon (2. Erweiterung)
    • Planung: Kammeringenieur Carl Dolberg
  • um 1915 – Buchstabenfelder (3. Erweiterung)
    • Planung: Gartenbauarchitekt Alexander Kurilin
  • um 1938 – Ziffernfelder und Feierhalle (4. Erweiterung)
    • Planung: Gartenbauarchitekt Wilhelm Hübotter
    • Bau der Feierhalle: 1942–1945
  • um 1950/1960 – Aufgang Wiesenweg (5. Erweiterung)
    • Planung: Gartenbauarchitekt Otto Frank
  • 1986 – Denkmalschutz
    • Eintragung als Flächendenkmal

Geschichte des denkmalgeschützten Friedhofes der Hansestadt Wismar

Der denkmalgeschützte Friedhof der Hansestadt Wismar ist ein Ort der Totenehrung und des Gedenkens.
Über viele Jahre und Jahrzehnte kann ein Grabmal mit seiner Inschrift Auskunft über das Leben einer verstorbenen Person geben und Erinnerungen wachhalten.
Diese Erinnerungen können trösten und Mut machen, das eigene Leben wieder kraftvoll und zuversichtlich zu gestalten.


Der Friedhof hat in seiner langjährigen Entwicklung eine Vielzahl kultureller und geschichtlicher Wandlungen erlebt.

Immer jedoch blieb er ein parkartig gestalteter Friedhof mit einem gut erhaltenen alten Baumbestand, unter dessen schützendem grünen Blätterdach für die Verstorbenen eine würdige Grabstätte gestaltet werden kann.
Die Stille und Abgeschiedenheit des Ortes bieten einen angemessenen Raum, um Trauer zu erleben und zu verarbeiten.

Die Pflicht der Kommune als Trägerin des Friedhofs ist es, würdige und zweckentsprechende Voraussetzungen zu schaffen.
Bereits 1986 wurde der Friedhof als Flächendenkmal unter Schutz gestellt.
Nach der politischen Wende 1989 hat die Stadt bisher mehr als zwei Millionen D-Mark in Sanierungs- und Baumaßnahmen auf dem Friedhof investiert.

Die Anerkennung durch Bürgerinnen, Bürger und Besucherinnen, Besucher zeigt, dass der gesamte Friedhof als Kulturgut bewahrt und den Bedürfnissen entsprechend sorgfältig verwaltet wird.

Friedhöfe sind nicht nur Orte der Besinnung und Erinnerung an Verstorbene, sondern in ihrer Gestaltung, Anlage und Grabmalvielfalt zugleich Zeugnisse geistiger und künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Thema Tod – in Vergangenheit und Gegenwart.
Sie spiegeln Geschichte, kulturgeschichtliche Entwicklungen und die Handwerkskunst verschiedener Epochen auf engem Raum wider.

Die Entwicklung der städtischen Friedhöfe wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend vom aufstrebenden Bürgertum geprägt.
Das Erbbegräbnis und das Familiengrab blieben den wohlhabenden Familien vorbehalten, während die ärmeren Bevölkerungsschichten das Reihengrab wählten.

Friedhofsgrundrisse mit pompösen Familiengrüften an repräsentativen Plätzen sind kennzeichnend für diese Epoche.
Später entwickelte sich die Gestaltung vom Erdgrabhügel über das Grabbeet hin zu flächigen Grabformen.

Im Erscheinungsbild des Friedhofs sind noch heute vereinzelt vergitterte Grabstätten zu erkennen.
Als „Totengärtchen“ bezeichnete man jene Familiengrabstätten, die eine besondere Einfriedung umgab.
Diese sollte Schutz und Zierde zugleich sein, aber auch den Besitzanspruch der Familie auf dieses Stück Gottesacker betonen.
Auf dem Wismarer Friedhof sind einige dieser Totengärtchen bis heute erhalten.

Manche Grabsteine sind längst verschwunden, die Eisengitter vom Rost zerfressen – doch auch sie sind wertvolle Relikte der Friedhofskultur vergangener Jahrhunderte.
Die Friedhofsverwaltung bemüht sich, diese Anlagen zu erhalten und instand zu setzen, um das historische Friedhofsbild zu bewahren.

Die Entstehungszeit dieser kunst- und kulturhistorisch wertvollen Grabmale reicht vom Beginn des 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts.
Eine würdevolle Beerdigung und die Pflege der Grabstätten sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil unserer Kultur.

In unseren Regionen sind Erdbestattungen zur Regel geworden – bis in die 1970er Jahre galt das auch für den Wismarer Friedhof.
In den 1970er und 1980er Jahren wurden Feuerbestattungen staatlicherseits gefördert und propagiert.
So entstand Ende der 1980er Jahre auf dem Westfriedhof ein anonymes Urnengrabfeld, das zunächst Verstorbenen ohne Angehörige vorbehalten war.

Die Bepflanzung der Grabstätten ist eine Erscheinung der christlich geprägten Gesellschaften der Neuzeit.
Dabei wurden bestimmte Gehölze und Stauden gepflanzt, denen eine symbolische religiöse Bedeutung zukam.
Hierzu gehören traditionelle Trauerbäume wie die Trauerweide sowie immergrüne Pflanzen wie Buchsbaum und Immergrün – sie galten als Symbole des Lebens, der Ewigkeit und der Unsterblichkeit.


Die Notwendigkeit eines Gottesackers vor den Toren der Stadt

  • Steigende Einwohnerzahlen und eine zunehmende Zahl an Sterbefällen führten dazu, dass die Begräbnisplätze in und an den Kirchen immer stärker belegt waren.
  • Die hygienischen Verhältnisse in den sogenannten Beinhäusern galten als katastrophal.
  • 1791 erließ der Tribunalspräsident, später bestätigt durch die Schwedische Kommission, eine Anordnung zur endgültigen Verlegung der Friedhöfe außerhalb der Stadt.
  • Auf Initiative von Bürgermeister Anton Johann Friedrich Haupt und Johann Gottfried Martens entstand der Wismarer Friedhof auf dem ehemaligen Galgenberg.
    Die kirchliche Weihe erfolgte am 24. Oktober 1831.

Blick vom ältesten Friedhofsteil auf dem ehemaligen Galgenberg
aus: „Mecklenburg in Bildern“, herausgegeben von Lisch, 1842, Vorlage: C. N. Canow

Ältester auffindbarer Plan des Alten Friedhofs, gezeichnet von I. G. Borgwardt, 1844

Erweiterung des Alten Friedhofs um den Garten des Friedhofswärters, Darstellung von 1926

Neuanlage des Westfriedhofs ab 1862, nach Plänen von Theodor Klett (Großherzoglicher Gartenbaudirektor, Schwerin)

Vogelperspektive der Erweiterung des Friedhofs um 1930, von C. Dolberg, W. Hübotter und A. Kurilin
Darstellung mit Buchstabenfeldern, Abschluss am Droschkenplatz und Pavillon.

Entwicklung Friedhofs-Entwicklungskonzept