Bade, Wilhelm

Kapitän und Nordpolarfahrer

geboren am 20. Februar 1843 in Hohen Wieschendorf,
gestorben am 27. Juli 1903 in Rostock
Vater: Rittergutsbesitzer


Leistungen und Reisen

Wilhelm Bade gilt als Entdecker Spitzbergens als Reiseland:

  • 1869/1870: Teilnahme an der 2. Deutschen Nordpolarexpedition nach Spitzbergen

  • 1892/1893–1903: Organisation mehrerer Touristenreisen nach Spitzbergen

  • Sein Tagebuch über die Expedition befindet sich im Stadtarchiv Wismar

Busch, Johannes Karl Ludwig

Architekt

geboren am 3. März 1869 in Kaköhl,
gestorben am 15. Juni 1953 in Wismar


Im Jahr 1895 ließ sich Johannes Busch als freiberuflicher Architekt in Wismar nieder.
Ab 1902 war er als Gutachter und Berater für die Stadt tätig.
Seit 1910 gehörte er dem Bürgerausschuss an, dessen Vorsitz er von 1913 bis 1916 innehatte.

Zudem war Busch Mitglied in der städtischen „Kommission zur Erhaltung des Stadtbildes“, im Haus- und Grundbesitzerverein, im Gewerbeverein sowie Stadtverordneter und später unbesoldeter Stadtrat.

Sein Werk umfasst neben Wohnhäusern, Villen und Gutshäusern auch Schulen, Kaufhäuser und Fabrikhallen.
In Wismar können ihm bislang rund 70 Gebäude zugeschrieben werden.

Zu seinen bekanntesten Neubauten zählen:

  • das Karstadt-Kaufhaus in der Krämerstraße / Ecke Lübsche Straße (1906–1908),

  • die ehemalige Knabenvolksschule – heute das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium – in der Dahlmannstraße (1903–1905),

  • sowie die Villa in der Schweriner Straße 2 (1903).

Canow, Carl Georg Nicolaus

Porträtmaler

geboren am 9. Januar 1814 in Wismar,
gestorben am 30. Oktober 1870 in Wismar
Vater: Schuster


Lebensstationen

  • Erster Zeichenunterricht bei Malermeister Meese in Wismar

  • 1831: Abschluss der Lehre bei Maler Carlsburg in Neubukow

  • Anschließend Schüler bei Ernst Düberg in Wismar

  • 1837: Atelierschüler bei Professor Herbig in Berlin

  • 1838–1840: Studium an der Berliner Akademie der Künste

  • 1840: Rückkehr nach Wismar

  • Malte vor allem Porträts bekannter Persönlichkeiten aus Wismar,z. B. des Bürgermeisters Gabriel Christoph Lembke oder der Frau Paepke

  • Schuf auch Selbstporträts und Porträts seiner Eltern

  • Später auch Genrebilder

  • Altarbilder für die mecklenburgischen Kirchen in Walkendorf bei Tessin und Camin

  • 1870: Er erkrankte plötzlich geistig schwer und nahm sich auf der Feldmark bei Wismar das Leben

  • Gilt als einer der Meister der mecklenburgischen Porträtkunst des 19. Jahrhunderts


Leben und Werk

Schon in seiner Jugend entdeckte Carl Canow seine Leidenschaft für die Malerei.
Nach seiner Malerlehre wurde er Schüler des Kunstmalers Carl Düberg.
Dank der Förderung durch Mäzene konnte Canow von 1837 bis 1840 an der Akademie der Künste in Berlin studieren.

Nach Abschluss seines Studiums kehrte er nach Wismar zurück und erreichte in den folgenden Jahren den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens.

Sein Lebenswerk umfasst rund 120 Porträts, 30 Genrebilder, zwölf Landschafts- und Altarbilder sowie 28 Handzeichnungen.
Während sich viele seiner Werke in Privatbesitz befinden, bewahrt das Stadtgeschichtliche Museum Wismar 25 Gemälde und zehn Grafiken auf;
weitere fünf Grafiken befinden sich im Stadtarchiv Wismar.

Carl Georg Nicolaus Canow gilt als einer der bedeutendsten mecklenburgischen Maler seiner Zeit.


Carl Canow - von der entschiedenen Neigung zur Malerei

Von 8. Oktober 2004 bis 6. März 2005 widmete das Stadtgeschichtliche Museum Wismar dem Wismarer Maler Carl Canow (1814–1870) eine große Sonderausstellung unter dem Titel
„Carl Canow – Von der entschiedenen Neigung zur Malerei“.

Mit mehr als 80 Werken zeigte die Schau so umfassend wie nie zuvor das Schaffen des Künstlers – von eindrucksvollen Porträts des Wismarer Bürgertums bis hin zu Genrebildern, mit denen Canow auch auf dem überregionalen Kunstmarkt des 19. Jahrhunderts vertreten war.

Zur Ausstellung erschien ein Begleitkatalog, der über die Museumsverwaltung in der Beguinenstraße 4 erhältlich war.
Bitte erfragen Sie dort, ob noch Exemplare verfügbar sind.




Dahlmann, Friedrich Christoph

Historiker und Politiker

geboren am 13. Mai 1785 in Wismar,
gestorben am 5. Dezember 1860 in Bonn
Vater: Johann Christian Ehrenfried Dahlmann, Bürgermeister


Lebensstationen
  • Besuchte die Schule in Wismar

  • Studierte in Kopenhagen, Halle und Wittenberg

  • 1813: Professor für Geschichte in Kiel

  • Sekretär der Schleswig-Holsteinischen Prälaten und Ritterschaft

  • 1829: Professor für Staatswissenschaften in Göttingen

  • 1837: Als einer der „Göttinger Sieben“ seines Amtes enthoben

  • 1842–1860: Universitätsprofessor in Bonn

  • 1848: Vertrauensmann Preußens beim Bundestag

  • Pflegte eine enge Freundschaft mit Heinrich von Kleist


Düberg, (Johann Christian) Peter

Jurist

geboren am 16. Februar 1806 in Wismar,
gestorben am 12. Januar 1873 in Wismar
Vater: Kaufmann


Tätigkeiten und Veröffentlichungen
  • War Advokat und Notar

  • Trat auch als Politiker hervor

  • Herausgeber des „Handbuchs für den gesamten schriftlichen Verkehr des Mecklenburgers im privaten und im öffentlichen Leben“

  • Verfasste ein chronologisches und systematisches Inhaltsverzeichnis zum Regierungsblatt für das Großherzogtum Schwerin (1857–1866)

  • Herausgeber der „Mecklenburgischen Ausführungsverordnungen zu den Reichsjustizgesetzen mit Anmerkungen und Registern“ (1879)

Dubois, Heinz

Maler

geboren am 6. August 1914 in Schwirgsten (Ostpreußen),
gestorben am 30. Mai 1966 in Wismar


Lebensstationen

  • 1928–1932: Musikerlehre

  • Bis 1943 in einer Militärkapelle in Königsberg tätig

  • 1941–1942: Gastschüler an der Akademie der Künste Königsberg

  • 1944–1945: Soldat

  • 1945: Ankunft in Schwerin

  • 1949–1952: Dozent an der Fachschule für angewandte Kunst Wismar, später Heiligendamm

  • 1950–1952: Meisterschüler der Akademie der Künste Berlin

  • 1961: Übersiedlung nach Hoben bei Wismar

  • Seit 1946: Mitglied des Verbands Bildender Künstler, zeitweise dessen Vorsitzender

  • 1957: Auszeichnung mit dem Fritz-Reuter-Kunstpreis

  • Malte vor allem Landschaften, Stillleben und Porträts


Kurzbiografie

Heinz Dubois war ein vielseitig begabter Künstler, der seine Laufbahn zunächst als Musiker begann.
Nach dem Krieg fand er in Mecklenburg eine neue Heimat und wandte sich zunehmend der Malerei zu.
Er wirkte als Dozent in Wismar und Heiligendamm und prägte das Kunstleben der Region über viele Jahre.

Seine Arbeiten zeigen eine besondere Verbindung von Natur und Mensch, oft in ruhigen Landschafts- und Porträtmotiven.
Mit dem Fritz-Reuter-Kunstpreis (1957) wurde sein Schaffen offiziell gewürdigt.

Prof. Dr. Frege, Friedrich Ludwig Gottlob

Mathematiker, Logiker, Philosoph

Geboren: 8. November 1848 in Wismar
Gestorben: 26. Juli 1925 in Bad Kleinen
Begraben: auf dem Wismarer Friedhof, neben seinen Eltern


Das Elternhaus war für Freges Werdegang von besonderer Bedeutung.
Sein Vater Carl Alexander Frege (1809–1866) gründete in Wismar eine höhere Töchterschule.
Nach seinem Tod übernahm die Mutter Auguste Frege (1815–1898) die Leitung der Schule und zog später zu ihrem Sohn nach Jena.

Großen Einfluss auf Freges Entwicklung hatte auch das Wismarer Gymnasium – die Große Stadtschule, die er bis 1869 besuchte und an der er sein Abitur ablegte.


Lebensstationen

  • Studium der Mathematik in Jena und Göttingen (1869–1874)

  • Promotion 1873, Habilitation 1874

  • Lehrtätigkeit in Jena von 1874 bis 1918

  • Außerordentlicher Professor für Mathematik ab 1879

  • Ordentlicher Honorarprofessor ab 1896

  • Bedeutendste Werke:

    • Begriffsschrift (1879)

    • Grundlagen der Arithmetik (1884)

    • Grundgesetze der Arithmetik (Bd. I: 1893, Bd. II: 1903)

  • Rückkehr nach Mecklenburg und Ruhestand 1918


Bedeutung und Nachwirkung

Gottlob Frege hat die Entwicklung der modernen Wissenschaft weltweit maßgeblich beeinflusst.
In Fachkreisen wird er wegen seiner herausragenden Leistungen oft als der „Aristoteles der Neuzeit“ bezeichnet.

Mit seiner Begriffsschrift (1879) entwickelte Frege die moderne, zweiwertige Prädikatenlogik auf der Grundlage eines Axiomensystems.
Dieser wissenschaftliche Durchbruch gilt als eine der Grundlagen der heutigen Computerwissenschaften.

Darüber hinaus hinterließ Frege zahlreiche weitere bedeutsame Arbeiten zu den Grundlagen der Wissenschaft und Logik.

„Dieser Frege ist einer der größten deutschen Denker gewesen. Ja, einer der größten abendländischen Denker überhaupt.
Ein Denker vom Rang und der Tiefe eines Leibniz und einer schöpferischen Kraft, die von der seltensten Mächtigkeit ist.“
(Prof. Heinrich Scholz, Nachlassverwalter, Universität Münster)


Ehrung durch die Hansestadt Wismar

Die Hansestadt Wismar ehrt Frege unter anderem durch die Aufstellung einer Büste auf dem Areal der St.-Marienkirche.
Anlässlich seines 100. Todesjahres im Jahr 2025 sind eine internationale Konferenz, Ausstellungen, Führungen und weitere Veranstaltungen geplant.

Weitere Informationen enthält der Flyer über Gottlob Frege, der auch in englischer Sprache verfügbar ist.

Seit dem Jahr 2000 besteht an der Hochschule Wismar das Gottlob-Frege-Zentrum.

Siehe unter: https://www.hs-wismar.de/vernetzung/institutionen-hochschulunternehmen/gottlob-frege-zentrum



Gildemeister, Karl

Plattdeutscher Dichter

geboren am 17. Juni 1857 in Wendorf bei Wismar,
gestorben am 22. Januar 1936 in Wendorf
Vater: Dorfschulze


Lebensstationen und Werke
  • Entstammte einer alteingesessenen mecklenburgischen Familie

  • Besuchte die Dorfschule und anschließend die Realschule Wismar

  • Schloss eine Landwirtschaftslehre ab

  • Wurde 1888 Dorfschulze in Vor Wendorf und Erbpächter nach dem Tod seines Vaters

  • Verfasste bereits 1881 die Sammlung „Plattdütsche Gedichte“

  • Es folgten weitere Werke:

    • 1894: „Tafel-Lieder“

    • 1895: „Jochen Frank“

    • 1896: „Fiken Bolt“

    • 1896 und 1900: „Ketelbeuters“, Band 1 und 2

    • 1903: „Dörpschult un Senater“ (unvollendeter Roman)

  • Zwischen 1926 und 1930 veröffentlichte er drei Hefte unter dem Titel
    „Eddelplattdütsch – stimmungsvulle Gedichte för Gemeutsminschen“


Kurzbiografie

Karl Gildemeister war ein plattdeutscher Dichter aus einer mecklenburgischen Bauernfamilie.
Neben seiner Tätigkeit als Dorfschulze und Landwirt widmete er sich der niederdeutschen Literatur.
Mit seinen Gedichten und Erzählungen bewahrte er den mecklenburgischen Dialekt und beschrieb in humorvoller und zugleich einfühlsamer Weise das Leben auf dem Land.

Seine Werke fanden große Anerkennung bei Liebhabern der plattdeutschen Sprache und trugen dazu bei, die niederdeutsche Dichtung in Mecklenburg zu festigen.

Hasse, Sella

Malerin und Grafikerin

geboren am 12. Februar 1878 in Bitterfeld,
gestorben am 27. April 1963 in Berlin


Lebensstationen

  • 1896: Beginn des Studiums an der Berliner Akademie bei Franz Skarbina, Walter Leistikow und Lovis Corinth

  • 1902: Begegnung mit Käthe Kollwitz, mit der sie zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb

  • 1904–1910: Wohnsitz in Hamburg

  • 1910–1930: Leben und Arbeiten in Wismar, wo ihr Ehemann als Dozent an die damalige Ingenieurakademie berufen wurde

  • Seit 1912: Mitglied des Deutschen Künstlerbundes

  • 1930–1963: Mit Unterbrechungen wohnhaft in Berlin

  • 1937: Ihre Werke wurden als „entartete Kunst“ diffamiert, 15 Arbeiten wurden beschlagnahmt

  • 1943–1945: Aufenthalt im Elsass

  • Gestaltete in ihren Werken vor allem arbeitende Menschen und ihre Umwelt

  • Schuf Stadtlandschaften und arbeitete im Linol- und Holzschnitt sowie in der Gebrauchsgrafik


Leben und Werk

Sella Hasse stammte aus einer Arbeiterfamilie.
Aufgrund ihrer künstlerischen Begabung erhielt sie in Berlin eine fundierte Ausbildung.
Unter dem Einfluss von Käthe Kollwitz entwickelte sie sich zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Zeit, die in ihren Werken den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt stellte.

Ab 1910 lebte und arbeitete sie in Wismar.
Nach dem Tod ihres Ehemannes und ihrer Tochter zog sie 1930 nach Berlin.
Während des Zweiten Weltkriegs hielt sie sich 1943–1945 in Frankreich (Elsass) auf und kehrte anschließend nach Berlin zurück.

Schon zu Lebzeiten wurde Sella Hasse mit hohen Auszeichnungen geehrt.
Der Hauptteil ihres künstlerischen Nachlasses befindet sich heute in der Akademie der Künste in Berlin.
Studienarbeiten und Skizzenbücher sind Teil des Bestands des Stadtgeschichtlichen Museums Wismar.


Haupt, Anton Johann Friedrich

Jurist, Bürgermeister und Initiator des Wismarer Friedhofs

geboren am 18. September 1800 in Wismar,
gestorben am 22. November 1835 in Wismar
Vater: Rechtsgelehrter


Lebensstationen

  • 1817 legte er an der Großen Stadtschule Wismar die Reifeprüfung ab.

  • Anschließend nahm er ein Jurastudium in Jena auf.

  • Dort schloss er sich den Burschenschaften an und nahm am Wartburgfest 1817 teil.

  • 1819 wechselte er an die Universität Bonn und wurde wegen seiner Zugehörigkeit zur fortschrittlichen Studentenbewegung verhaftet.

  • Nach Beendigung des Studiums kehrte er nach Wismar zurück und wurde dort Rechtsanwalt.

  • Bereits 1822 verfasste er die Schrift „Über die Idee eines neuen Gesetzbuches für Mecklenburg“.

  • 1823 wurde er Ratsmitglied und Vorsitzender des Direktoriums des Nieder- und Waisengerichts.

  • 1826 wählte ihn der Rat zum Bürgermeister von Wismar.

  • 1827 erließ er eine neue Armenordnung, machte Reformvorschläge zur Errichtung des ersten städtischen Krankenhauses und zur Verlegung des Friedhofs außerhalb der Stadt – angesichts der drohenden Choleraepidemie.

  • Unter seiner Leitung wurden die städtische Gesetzgebung und Verwaltungsordnung verbessert.

  • Er reformierte die Kämmereiverwaltung und gründete 1832 das Hebungsdepartment.

  • 1835 forderte er die Pressefreiheit für das feudal geprägte Mecklenburg.

  • Zudem war er Direktor des städtischen Obergerichts, des Ehegerichts, der Ersparnisanstalt und des Stadtbuchwesens.


Wirken für die Stadt Wismar

Anton Haupt studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Jena und Bonn.
Nach seiner Rückkehr nach Wismar im Jahr 1820 arbeitete er als Rechtsanwalt.

Als Ratsmitglied und später als Bürgermeister widmete er seine Kraft dem Wohle seiner Heimatstadt.
Er führte umfassende Reformen in der Verwaltung des Polizei-, Armen- und Stadtbuchwesens, der Geistlichen Hebungen, der Kämmerei sowie in der städtischen Rechtsprechung durch.

Auf seine Initiative wurde der neue Friedhof auf dem ehemaligen Hinrichtungsplatz – dem sogenannten Galgenberg – errichtet und am 24. Oktober 1831 kirchlich geweiht.
Seine Idee beruhte auf Eindrücken, die er auf Reisen durch parkähnliche Friedhöfe in Koblenz und Darmstadt gesammelt hatte.

Seine Grabstätte wählte Anton Haupt exakt an der Stelle, an der sich einst der Galgen befand.


Hinstorff, Dethloff Carl

Verleger und Ratsbuchdrucker

geboren am 2. Juni 1811 in Brüel,
gestorben am 10. August 1882 in Wismar


Nach seiner Lehre in der „Schmidt & v. Cosselschen Buchhandlung“ in Wismar eröffnete Hinstorff 1831 seine erste eigene Hofbuchdruckerei und Buchhandlung in Parchim.
Durch Ehrgeiz und Zielstrebigkeit entwickelte er sich zu einem erfolgreichen Geschäftsmann.

1849 erwarb er das Wismarer Bürgerrecht und bezog das Haus Am Markt 19, das heutige Reuterhaus.
Zu dieser Zeit war Hinstorff der einzige Verleger juristischer Werke in Mecklenburg.

Seit 1858 war Hinstorff der Verleger von Fritz Reuter, dem wohl bedeutendsten Dichter der niederdeutschen Sprache.
Mit Reuters Werken gelang es ihm, auch Belletristik in größerem Umfang zu veröffentlichen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

1864 gründete Hinstorff eine Großbuchdruckerei in Rostock.
In Wismar erhielt er 1867 die Konzession als Ratsbuchdrucker und wurde Herausgeber der „Wismarschen Zeitung“.

Sein Vermächtnis lebt bis heute im „Hinstorff Verlag“ Rostock weiter.


Martens, Johann Gottfried

Schiffsklarierer und Kaufmann, Mitinitiator des Wismarer Friedhofs

geboren am 25. November 1786 in Wismar,
gestorben am 21. Februar 1864 in Wismar

Unter seinen Zeitgenossen war Johann Gottfried Martens für seine mitunter derben Scherze bekannt – und berüchtigt.
Für den Wismarer Friedhof hat er sich jedoch nachhaltig und mit großem Engagement eingesetzt.

Nach der Weihe des Friedhofs im Jahr 1831 rief er die Bürgerinnen und Bürger Wismars dazu auf, Sträucher und Bäume aus ihren Gärten zur Verschönerung der Anlage zu spenden.
Bald darauf konnten nach den Plänen des Architekten I. G. Borgwardt die Anpflanzungen von Liguster, Eiben, Fichten, Birken, Trauerweiden, Pappeln und Linden umgesetzt werden.

Martens war an zwei bedeutenden Friedhofsbauten beteiligt:
am Entwurf des Wohn- und Leichenwärterhauses am Rasenrondell sowie an seiner eigenen Grabkapelle.
Mit dem Bau dieser neoklassizistischen Kapellenanlage aus dem Jahr 1832 setzte er sich und seiner Familie ein in Mecklenburg einzigartiges Denkmal.


Mevius, David

Jurist

geboren am 6. Dezember 1609 in Greifswald,
gestorben am 14. August 1670 in Greifswald,
begraben in Wismar


Lebensstationen und Wirken
  • 1635: Außerordentlicher Professor in Greifswald

  • 1636: Ordentlicher Professor

  • 1638–1653: Syndikus der Stadt Stralsund

  • 1653–1670: Vizepräsident und Gründungsdirektor des Wismarer Tribunals, das er zu einem europäischen Modellgerichtshof entwickelte

  • Verfasser des ersten wissenschaftlichen Kommentars des Lübischen Rechts sowie eines Mecklenburgischen Landrechts, das jedoch nicht umgesetzt wurde

  • Herausgeber der „Decisionen“ – der Entscheidungen des Wismarer Tribunals

  • Sein Epitaph befindet sich in der St.-Nikolai-Kirche Wismar


Kurzbiografie

David Mevius zählt zu den bedeutendsten Juristen Norddeutschlands des 17. Jahrhunderts.
Mit seiner Arbeit am Wismarer Tribunal, dem höchsten Gericht des schwedischen Pommern und Mecklenburgs, prägte er die Rechtsprechung in Nordeuropa nachhaltig.
Seine „Decisionen“ dienten lange Zeit als Vorbild für europäische Gerichtsverfahren.


Morhof, Daniel Georg

Polyhistor, Philologe, Dichter und Bibliothekar

geboren am 6. Februar 1639 in Wismar,
gestorben am 30. Juli 1691 in Lübeck
Vater: Notar


Lebensstationen und Wirken
  • 1655–1657: Besuch der Wismarer Gelehrtenschule und des Pädagogiums in Stettin

  • 1657: Beginn des Studiums der Rechte, Medizin und neuen Sprachen in Rostock

  • 1659: Bereits im Alter von 21 Jahren zum Professor der Poesie an der Universität Rostock ernannt

  • 1665: Berufung zum Professor der Eloquenz und Poesie in Kiel

  • 1680: Leiter der Universitätsbibliothek Kiel; veröffentlichte als erster Deutscher eine umfassende Geschichte der Weltliteratur

  • Wurde als „Vater der deutschen Literaturgeschichte“ bezeichnet

  • Verfasste Schriften zur Poetik, lateinische und deutsche Gedichte sowie das Bildungswerk „Polyhistor“

  • Erlangte als Wissenschaftler internationale Bedeutung


Kurzbiografie

Daniel Georg Morhof gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten Norddeutschlands im 17. Jahrhundert.
Mit seinem Werk „Polyhistor“ schuf er ein Grundlagenwerk der europäischen Geistesgeschichte.
Er war einer der ersten, die das Wissen seiner Zeit systematisch und fächerübergreifend zusammenstellten.
Seine Arbeiten prägten die deutsche Literaturwissenschaft und Bildungsgeschichte nachhaltig.

Podeus, Heinrich Wilhelm Joachim Jacob

Kapitän, Kaufmann und Industrieller

geboren am 9. November 1832 in Warnemünde,
gestorben am 21. Juli 1905 in Wismar


Lebensstationen und Tätigkeiten

  • Mit 26 Jahren wurde er Kapitän.

  • 1858 gab er bei einem Rostocker Schiffbaumeister sein erstes Schiff in Auftrag.

  • Seine Bark „Hans Georg“ führte er 13 Jahre lang auf Frachttouren.

  • 1870 ließ er sich in Wismar nieder – zunächst als Kohlenimporteur, später als Holzgroßhändler, Dampfschiffsreeder und Industrieunternehmer.

  • 1879 übernahm er die Crullsche Eisengießerei.

  • Er gründete dort eine Abteilung für landwirtschaftliche Maschinen und später einen Produktionsbereich für Schiffshilfsmaschinen.

  • 1894 gründete er eine Waggonfabrik,

  • 1906 folgte eine Automobilabteilung (nach seinem Tod weitergeführt).

  • 1932 wurde der Betrieb geschlossen.

  • 1885 wurde er zum Kommerzienrat, 1895 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt.

  • 1891 erfolgte seine Berufung zum Landeseisenbahnrat.

  • 1892 war er Mitbegründer des Wismarer Kanalbauvereins.

  • 1894 wurde er zum Ältesten der Wismarer Kaufmannskompanie gewählt und übernahm dort den Vorsitz.

  • Er war Britischer Konsularagent in Wismar,
    Aufsichtsratsmitglied der Wismarer Vereinsbank AG,
    sowie Mitglied des Seeamtes und des Bürgerausschusses.


Leben und Wirken

Heinrich Podeus besuchte die Navigationsschule in Wustrow, wo er 1857 das Kapitänspatent erlangte.
1862 ließ er sich in Wismar nieder und beendete 1870 seine Laufbahn auf See.

Fortan war Podeus als Kaufmann und Unternehmer tätig.
Zu seinen erfolgreichen Gründungen gehörten ein Kohlehandel, eine Dampfschiffreederei, ein Säge- und Hobelwerk, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik sowie eine Waggonfabrik.

Mit seinem Pioniergeist trug er wesentlich zur Industrialisierung Mecklenburgs bei und machte Wismar zu einem industriellen Zentrum.

Podeus nahm aktiv am öffentlichen Leben der Stadt teil.
Sein unternehmerisches und gesellschaftliches Engagement wurde bereits zu Lebzeiten mit zahlreichen Ehrungen und Titeln gewürdigt.
Dort, wo viele seiner Unternehmen angesiedelt waren, trägt heute eine Straße seinen Namen.



Schabbell, Hinrich

Brauer, Ratsherr, Bürgermeister
gestorben am 30.12.1600 in Wismar

 

seit 1565 Ratsherr, ab 1579 Bürgermeister, erwarb in Wismar mehrere an der Grube gelegene Grundstücke
  • errichtete 1569 ein großes Brauhaus an der Schweinsbrücke, das sogenannte Schabbellhaus
  • betrieb neben der Brauerei  auch andere Handelsgeschäfte
  • ihm wurden Vorwürfe der Unterschlagung städtischer Gelder gemacht
  • lieferte den Entwurf einer Armen- und Hochzeitsordnung
  • sein Grabstein und Epitaph mit Porträt (1605) befinden sich in der Nikolai-Kirche Wismar
  • das Schabbellhaus blieb bis ins 18. Jahrhundert im Besitz der Familie, wurde bis ins 20. Jahrhundert als Brauhaus genutzt, ab 1921 im städtischen Besitz, seit 1934 städtisches Museum

Schmidt, Robert

Gründer der Ingenieur-Akademie Wismar, der heutigen Hochschule Wismar

geboren am 2. März 1850 in Büchen (Herzogtum Lauenburg),
gestorben am 28. Juli 1928 in Wismar


Robert Schmidt war der Ideengeber und Gründer der Ingenieur-Akademie Wismar, aus der die heutige Hochschule Wismar hervorging.

Nach Studien der Kunst- und Literaturgeschichte, Finanzwirtschaft, Geologie, Architektur, antiken Baukunst und des Bauingenieurwesens in Zürich, Darmstadt, München und Wien arbeitete er als Architekt und Fachlehrer.

Im Auftrag der preußischen Regierung inventarisierte und erforschte er Architektur- und Kunstdenkmäler in Schleswig-Holstein, bevor er 1887 in Zerbst eine private Fachschule gründete.
Nach deren Verkauf versuchte er 1899 in Wismar eine „Höhere Polytechnische Lehranstalt“ zu etablieren – dieser Versuch scheiterte.
Daraufhin gründete Schmidt in Friedberg (Hessen) eine Gewerbeakademie.

Im Jahr 1908 kehrte er nach Wismar zurück.
Ein Vertrag über die Gründung der Ingenieur-Akademie als Privatinstitut mit der Stadt Wismar wurde geschlossen, und am 9. Mai 1908 wurde die Akademie in der Neustadt / Heiligen-Geist-Hof eröffnet.
Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1923 leitete Robert Schmidt die Akademie als Direktor.

Die Hochschule Wismar, deren Campus sich heute in der Philipp-Müller-Straße befindet, ehrte Robert Schmidt 2011 mit der Eröffnung des Robert-Schmidt-Instituts.


Sievers, Johann Heinrich

Buchhändler und Publizist

geboren am 17. Mai 1811 in Lübeck,
gestorben 1876 in Bern
Vater: Pächter


Lebensstationen und Wirken

  • Seit 1845: Buchhändler in Wismar

  • 1849–1850: Herausgeber der „Mecklenburgischen Dorfzeitung“, eines revolutionär-demokratischen Blattes

  • 1850: Wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt

  • Anschließend Emigration nach England

  • 1860: Nach dem Verlust seines gesamten Vermögens Rückkehr nach Mecklenburg

  • Verbüßte anschließend seine Freiheitsstrafe im Zuchthaus Bützow-Dreibergen

  • 1861: Mitarbeit am „Leipziger Journal“, Verfasser politischer Zeitgedichte


Kurzbiografie

Johann Heinrich Sievers war ein engagierter Publizist und Vertreter der revolutionär-demokratischen Bewegung in Mecklenburg.
Mit seiner „Mecklenburgischen Dorfzeitung“ setzte er sich für Meinungsfreiheit und soziale Gerechtigkeit ein.
Nach politischer Verfolgung und Haft blieb er publizistisch aktiv und veröffentlichte in späteren Jahren kritische Gedichte und Artikel.

Dr. Techen, Friedrich

Historiker und Archivar

geboren am 12. Juni 1859 in Wismar,
gestorben am 30. März 1936 in Wandsbek (Hamburg)


Friedrich Techen besuchte die Große Stadtschule Wismar und studierte anschließend in Tübingen, München und Leipzig alte Sprachen, Deutsch und Geschichte.
Er promovierte 1886 an der Universität Göttingen.

Nach kurzer Lehrtätigkeit in Schwerin und Doberan trat er 1904 – als Nachfolger Friedrich Crulls – die Stelle als Ratsarchivar der Stadt Wismar an.

Er war Mitglied und Ehrenmitglied des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde sowie Vorstandsmitglied des Hansischen Geschichtsvereins.

Dr. Friedrich Techen widmete sich der ordnungsgemäßen Erfassung und wissenschaftlichen Auswertung der Archivbestände und galt als ausgezeichneter Kenner der hansischen, mecklenburgischen und lübischen Geschichte.

Er veröffentlichte rund 70 Werke allein zur Geschichte Wismars – darunter sein Hauptwerk
„Geschichte der Seestadt Wismar“ (1929).

Thormann, Heinrich Gustav

Architekt und Baumeister

geboren am 18. April 1816 in Wismar,
gestorben am 15. Februar 1890 in Wismar


Nach dem Abschluss seines Architekturstudiums in Berlin kehrte Heinrich Thormann 1839 nach Wismar zurück.
Von 1840 bis 1842 entstand nach seinen Plänen das erste Wismarer Theater in der Mecklenburger Straße.

Er entwarf zahlreiche Herrenhäuser und erlangte dadurch hohes Ansehen in ganz Mecklenburg.
Besonders die von ihm durchgeführten Restaurierungen des Kommandantenhauses und der Wasserkunst prägen bis heute das Erscheinungsbild des Marktplatzes.

In der Bauhofstraße ließ Thormann 1864 eine Villa errichten, die er bis zu seinem Tod bewohnte.

Die außergewöhnliche Schaffenskraft der Familie Thormann zeigte sich auch in seinen Brüdern:
Sein Bruder David Thormann, ein Wismarer Kaufmann, begründete die Thormannsche Kunstsammlung, die seit 1891 zum Bestand des Staatlichen Museums Schwerin gehört.

Sein Bruder Johann Christian Thormann war einer der bedeutendsten Schiffsreeder Wismars.
Er ließ 1862 den heute denkmalgeschützten „Thormann-Speicher“ am Alten Hafen errichten.


Dr. med. Unruh, Hugo Carl Theodor

Arzt

geboren am 11. Dezember 1854 bei Hagenow,
gestorben am 18. Februar 1923 in Wismar

Nach einem erfolgreichen Medizinstudium an der Universität Greifswald und seiner Promotion nahm er 1882 seine Tätigkeit als praktischer Arzt in Wismar auf.
Im Jahr 1888 wurde er zum Kreisphysikus berufen und übernahm die Leitung des alten Krankenhauses an der Klosterkirche.

Da dieses Krankenhaus schon bald nicht mehr den Anforderungen genügte, setzte sich Dr. Unruh nachdrücklich für den Neubau eines modernen Krankenhauses ein.
Auch die unzureichenden Zustände auf dem Friedhof bestärkten ihn in diesem Vorhaben, denn dort wurden bis dahin Leichen im Wohnhaus des Leichenwärters aufgebahrt und seziert.

Im Mai 1909 wurde schließlich das neue Stadtkrankenhaus am Dahlberg eröffnet.
Der Gebäudekomplex bestand bis 2018.
Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1919 leitete Dr. Unruh das Krankenhaus.

Für seine hervorragenden Leistungen wurde ihm der Titel „Geheimer Medizinalrat“ verliehen.
Seit 1976 verleiht das Krankenhaus Wismar den Dr.-Unruh-Preis“ für herausragende wissenschaftliche Arbeiten.


Willgeroth, Gustav

Heimat- und Familienforscher

geboren am 11. November 1865 in Wismar,
gestorben am 15. März 1937 in Wismar
Vater: Kaufmann


Lebensstationen und Wirken
  • Die Familie stammte ursprünglich aus Braunschweig und war seit Ende des 18. Jahrhunderts in Wismar ansässig.

  • Besuchte die Große Stadtschule Wismar.

  • 1886–1889: Theologiestudium in Rostock und Erlangen, jedoch ohne akademischen Abschluss.

  • Wandte sich anschließend der Journalistik zu.

  • 1893: Gründete in Wismar eine Zeitung, die er jedoch bald wieder aufgab.

  • 1893–1906: Besitzer der Buchdruckerei Willgeroth & Menzel in Wismar.

  • Ab 1897 erschienen dort die „Lyrischen Blätter“.

  • 1898: Veröffentlichung eines Bandes eigener Gedichte.

  • Wegen mangelnden Erfolgs gab er 1906 Druckerei und Verlag auf.

  • Wurde anschließend Vorsteher des Vorschussvereins der Filiale der Rostocker Bank in Wismar.

  • 1928–1936: Leiter des Kirchensteueramtes Wismar.

  • Betrieb intensive Forschungen zur Regional- und Familiengeschichte.


Wichtige Veröffentlichungen
  • 1898: Geschichte der Stadt Wismar. Teil 1 – Bis Mitte des 14. Jahrhunderts

  • 1903: Bilder aus Wismars Vergangenheit

  • 1911: Notizen zur Geschichte Wismars

  • 1924: Die Mecklenburg-Schwerinschen Pfarren

  • 1929: Die Mecklenburgischen Ärzte

  • 1932: Beiträge zur Wismarer Familienkunde

  • 1934: Poeler Familienkunde (in den Jahrbüchern)

  • 1934 und 1935: Die Lehrer der Großen Stadtschule Wismar

Als langjähriger Mitarbeiter des Ratsarchivs Wismar fertigte er zudem Register zu familienkundlichen Beständen an.


Kurzbiografie

Gustav Willgeroth widmete sein Leben der Dokumentation der Geschichte Wismars und Mecklenburgs.
Mit seinen akribischen Forschungen zur Familien- und Kirchengeschichte schuf er wichtige Nachschlagewerke für Historikerinnen, Genealogen und Heimatforscher.
Seine Werke sind bis heute Grundlagen der regionalen Geschichtsforschung.


Quelle: "Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern?", Autor: Grewolls, Grete, Bremen, Edition TEMMEN 1995
Weitere ausführlichere Informationen erhalten Sie beim Stadtarchiv der Hansestadt Wismar.