Verkehrsfreigabe im neu erschlossenen Großgewerbegebiet Wismar-Kritzow

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar/Bauamt

Nach gut dreijähriger Bauzeit kann nun der Verkehr durch das neue Großgewerbegebiet Wismar-Kritzow rollen. Am Nachmittag des 23. September 2025 haben Wismars Bürgermeister Thomas Beyer, Senator Michael Berkhahn, Nordwestmecklenburgs Landrat Tino Schomann, Toni Brüggert, stellvertretender Präsident der Bürgerschaft, Andreas Treumann, Bürgermeister der Gemeinde Hornstorf, Alexander Keding vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, Referat Förderung der kommunalen Infrastruktur, und Daniel Seemann, Bauleiter der Firma Strabag, ein weiß-rotes Band durchtrennt. Es war über die neue Straße An der Osttangente gespannt.

Bei der Verkehrsfreigabe waren neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Verwaltungen unter anderem auch Mitglieder der Bürgerschaft sowie Expertinnen und Experten aus Planungsbüros und von Baufirmen anwesend.

Für den öffentlichen Verkehr werden die Straßen am 24. September 2025 freigegeben. Zuvor müssen noch unter anderem Absperrzäune abgebaut und die Ampelanlage eingeschaltet werden. Die Verkehrsfreigabe auf dem Gebiet der Gemeinde Hornstorf soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

48 Hektar für gewerbliche Bauflächen

Nach der Erschließung des gut erreichbaren Großgewerbestandortes stehen nun weitere attraktive Flächen für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben zur Verfügung. "Ziel ist es, die regionale Wirtschaft zu unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie den Wirtschaftsstandort zu stärken", sagte Thomas Beyer. Der Bürgermeister betonte: "Dies ist eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen, die wir in der letzten Zeit in Wismar umgesetzt haben. Ein guter Tag für die Stadt, die Region und das Land Mecklenburg-Vorpommern." Nun werde nach und nach die Ansiedlung von Unternehmen beginnen.

Alexander Keding nannte das Großgewerbegebiet "einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Infrastruktur im Land. Es hat eine erhebliche Attraktivität für Unternehmen, die sich hier ansiedeln werden. Sie werden dei Wirtschaftskraft der Region nachhaltig stärken." 

Das neue, seit dem Jahr 2003 geplante Gewerbegebiet ist etwa 120 Hektar groß. Davon befinden sich 75 Hektar innerhalb der Hansestadt Wismar, wobei netto 48 Hektar für die gewerblichen Bauflächen zur Vermarktung vorgesehen sind.

Straßen, Gehwege, Leitungen und ein Regenrückhaltebecken

Im Großgewerbegebiet an der Osttangente sind Straßen inklusive Geh- und Radwegen mit einer Gesamtlänge von 2,42 Kilometern entstanden. Außerdem wurden 76 Straßenbeleuchtungsmasten aufgestellt. Zum Projektumfang gehörten unter anderem auch 4,3 Kilometer Regen- und Schmutzwasserkanäle, 125 Kontrollschächte für die Kanalisation, ein Regenrückhaltebecken mit einer Speicherkapazität von 11.700 Kubikmetern Wasser, eine Regenwasserbehandlungsanlage, 2,3 Kilometer Gas- und 2,95 Kilometer Wasserversorgungsleitungen, eine Druckerhöhungsanlage für die Wasserversorgung, sechs Kilometer Elektroleitungen und 2,1 Kilometer Rohrverbände mit Glasfaserkabeln für die Telekommunikation.

Für die Kanalisationsgräben mussten rund 115.000 Kubikmeter Boden ausgehoben und etwa 21.000 Kubikmeter Boden ausgetauscht werden.

Neuer Kreuzungspunkt am Nord-Ost-Zubringer

Für die Erschließung des Gewerbestandortes war die Herstellung neuer Erschließungsstraßen - mit den Bezeichnungen An der Osttangente und Hinter der Kritzowburg - notwendig. Für die Anbindung an das übergeordnete Verkehrsnetz wurde ein neuer Kreuzungspunkt inklusive einer Ampelanlage am Nord-Ost-Zubringer geschaffen. Eine verkehrliche Anbindung an die vorhandene Straße Am Ring im Gewerbegebiet Dargetzow entstand im Westen des Großgewerbegebietes. Dazwischen verlaufen die neuen Gewerbegebietsstraßen inklusive Geh- und Radwegen.

Die Versorgung mit Trinkwasser und einer Druckerhöhungsstation wurden durch die Stadtwerke Wismar realisiert. Das Trennsystem für Schmutz- und Niederschlagswasser wurde in Verantwortung des Entsorgungs- und Verkehrsbetriebes der Hansestadt Wismar (EVB) gebaut. Da der Boden für eine Versickerung von anfallendem Niederschlagswasser nicht geeignet ist, wurde das Regenrückhaltebecken mit Drosselbauwerk gebaut. Ebenso erfolgen die Versorgung mit Elektroleitungen und entsprechenden Trafostationen sowie die angeschlossene Möglichkeit der Gasversorgung über die Stadtwerke Wismar. Die Telekommunikations- und Breitbandleitungen wurden durch die Deutsche Telekom AG und E.DIS umgesetzt.

Grün- und Kompensationsmaßnahmen

Es wurden öffentliche Grün- und Kompensationsmaßnahmen innerhalb beziehungsweise in unmittelbarer Nähe des Gebietes umgesetzt. Dazu zählen die Entwicklung von 60,8 Hektar extensiven Wiesen mit zweischüriger Mahd, die Pflanzung von 11,2 Hektar Gehölz- und Heckenstrukturen mit heimischen Gehölzen (Feldgehölzhecken) und die Pflanzung von 41 standortgerechten Bäumen.

Da nicht alle Eingriffe in Natur und Landschaft innerhalb des Gebietes kompensiert werden konnten, wurden darüber hinaus 826.934 Ökopunkte (Kompensationsflächenäquivalente) in der Landschaftszone Ostseeküstenland für den Flächenpool Unrow-Lüßvitz auf Rügen für die Herstellung und Pflege von Dauergrünland mit Kraut- und Waldsäumen, natürliche Sukzession, Standgewässer und Bewaldung von Ackerflächen (Küstenwald) sowie Einzelbäume erworben. 

Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern

Die Kosten der Baumaßnahme von insgesamt 28,12 Millionen Euro werden durch das Land Mecklenburg-Vorpommern mit 22,9 Millionen Euro gefördert. Die restlichen Kosten werden durch Eigenanteile der Eigentümer der Flächen – Hansestadt Wismar, LGE Mecklenburg-Vorpommern GmbH, Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH - finanziert.

Darüber hinaus sind ebenso Kosten durch die verschiedenen Leitungsträger – Stadtwerke, Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb der Hansestadt Wismar (EVB), Telekom, EDIS - zu tragen. Zu diesem Zwecke wurden umfangreiche Kostenteilungs- beziehungsweise Erschließungsvereinbarungen zwischen der Hansestadt Wismar als Vorhabensträger und den genannten Beteiligten geschlossen.

Archäologische Untersuchungen mit vielen Einzelfunden

Aufgrund des Vorhandenseins bekannter Bodendenkmäler wurden im Vorfeld der Baumaßnahme Prospektionsarbeiten zur Verifizierung der bereits bekannten Fundplätze durchgeführt. Im Rahmen der anschließenden archäologischen Hauptuntersuchungen konnten im Bereich der Erschließungsarbeiten urgeschichtliche sowie kaiserzeitliche Siedlungsspuren dokumentiert werden. Zudem wurde ein bisher unbekannter Fundplatz der jüngeren Bronzezeit/frühen Eisenzeit entdeckt und untersucht.

Neben der archäologischen Aufnahme der benannten Siedlungsstrukturen wurden zahlreiche Einzelfunde, wie Scherben verschiedener Keramikgefäße, Buntmetallschlacken oder Knochenfunde von Tieren und Feuersteinwerkzeuge, dokumentiert. Die Dichte der Befunde lässt Rückschlüsse darauf zu, dass auch außerhalb der bisher untersuchten Bereiche weitere Spuren eines weitläufigen Siedlungsfundplatzes zu finden sind.