Rede von Bürgermeister Thomas Beyer zum Neujahrsempfang 2024

Quelle: Büro des Bürgermeisters

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner der Hansestadt Wismar, liebe Gäste dieses Neujahrsempfangs, meine sehr verehrten Damen und Herren,

dass das vergangene Jahr 2023 ein in vielerlei Hinsicht herausforderndes war, ist wohl in allen Jahresrückblicken betont worden. Sich herausfordern zu lassen, muss beileibe jedoch nichts Schlechtes sein, im Gegenteil. Ich werde mich jetzt bezüglich vieler Ereignisse, Entscheidungen und Debatten des Jahres 2023, die uns herausgefordert haben, zurückhalten, bezüglich vieler, nicht aller. Vielmehr ist mir ein größeres Anliegen, mit Ihnen gemeinsam zu reflektieren, wie wir hier in unserer Stadt unsere Herausforderungen angenommen, wie wir bestanden haben. Ich möchte das – wie schon öfter – auf einem Spaziergang durch Wismar tun und ich will eines vorweg nehmen. Ich finde schon, dass Sie, Sie, die Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadt, dieses Jahr 2023 ausgesprochen gut gemeistert haben, dass Sie sich nicht haben beirren lassen durch schrille Töne, von welcher Seite auch immer, dass Sie sich vor allem nicht niederdrücken ließen durch Inflation und noch so negative Prognosen oder all die Bad-News, die so lustvoll medial verbreitet werden, und dass Sie nicht nachließen in Ihrem Tun, ob im Beruf, in der Familie und im Ehrenamt.  Warum kann ich das so behaupten? Weil sich die Stadt sonst nicht so zeigen würde, wie sie es tut. Wunderschön, weiterentwickelt, viel besucht, lebendig, vielfarbig, robust und international.

International ist ein gutes Stichwort, denn international ging es in Wismar durchaus zu bzw. die Stadt zeigte sich auf internationaler Bühne und das in einer Zeit, in der manch Zeitgenosse allzu gern die Rückkehr zum Nationalen als Heilsweg predigt - diesen Irrweg haben wir jedenfalls nicht beschritten. Wenn wir also den Blick beim Spaziergang am Hafen über die See schweifen lassen, denke ich daran, dass wir Hansestädterinnen und Hansestädter Gastgeberinnen und Gastgeber sein durften für die Außenministerinnen und Außenminister der Ostseeanrainer, für die Tagung des Ostseerates also, und zeitgleich auch für die Bauministerinnen und Bauminister der Ostseeländer, also die VASAB-Konferenz. Und wenn wir den Blick noch weiter über den Horizont heben, z.B. herunter von der Aussichtsplattform von St. Georgen gen Europa, denke ich an die ECON-Konferenz des Ausschusses der Regionen der Europäischen Union im Herbst des Jahres 2023, die in Wismar auf Einladung des Mitgliedes dieses Ausschusses, Tilo Gundlack, hier tagte und Vertreterinnen und Vertreter aller EU-Mitgliedstaaten nach Wismar lockte. Beeindruckend war für mich die fachliche Arbeit dieser Konferenz, die auf hohem Niveau stattfand und eben eine ausgeprägte, starke Seite der Europäischen Union zeigte.

Ich lasse weiter meinen Blick über unsere Stadtgrenzen schweifen und denke an den Oktober, als ich endlich unseren Partnerschaftsvertrag mit der ukrainischen Stadt Tschornomorsk dort in Tschornomorsk unterzeichnen konnte, nachdem Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, Anfang des Jahres 2023 mit Ihren Spenden dazu beitrugen, dass wir die ukrainischen Freundinnen und Freunde mit Generatoren unterstützten. Genauso nämlich nehmen wir die Herausforderungen dieses schändlichen Krieges an, solidarisch, und diese Solidarität tut gerade jetzt auch in diesem Jahr weiter besonders Not.

Nun haben wir beim Blick auf die See von St. Georgen schon tief Luft geholt und können uns jetzt auf den Weg durch Wismar machen. Sie werden merken, Internationales wird immer wieder aufscheinen. Wir gehen also los am Hafen, denken an die Eröffnung der Heringstage am 11. März, auf die wir uns, cool organisiert von Wismarer Gastronominnen und Gastronomen um Anne Werth, auch 2024 freuen dürfen, erinnern uns an das 30. Hafenfest, den Besuch der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern. Uns ist bewusst, dass wir in unsere Kaianlagen investieren müssen, auch in Ladeinfrastruktur für Schiffe, und wir wissen, dass wir in diesem Jahr die Brunkow-Kaianlage, an der wir gerade vorbei gehen, sanieren werden. Wir lassen die Markthalle, die nun mit neuem Eigentümer einen ordentlichen Re-Start hinlegen kann, und das Parkhaus, das – man höre und staune – am 30. September Standort einer Kunstaktion war, rechts liegen, und laufen über den ZOB Richtung Poeler Straße. Am ZOB fällt auf, dass unsere Stadtbuslinien nicht mehr nur Stadtlinien sind, sie fahren seit 2023 nach Zierow, Hornstorf und Lübow, die Linie 12 fuhr schon länger auch nach Gägelow/Proseken, sie ist jetzt auch an den Kagenmarkt angebunden. Das ist ein Fortschritt in der Verbindung mit unseren Umlandgemeinden, weitere Fortschritte müssen folgen. Von weitem sehen wir nach St. Nikolai – die Turmbekrönung nach Sanierung mit den goldenen Kugeln am 22. Februar in luftiger Höhe war für mich schon etwas sehr Besonderes. Nun sind wir an der Poeler Straße, der Verkehr rollt wieder, am 28. April konnte die Deutsche Bahn die Eisenbahnüberführung öffentlich mit einem kleinen Fest übergeben, kleinere Mängel mussten danach und müssen auch heute noch behoben werden, ein Fortschritt aber ist auch das allemal. Überhaupt, die Eisenbahn stand auch mit dem 175-jährigen Jubiläum der Strecke Wismar – Schwerin oder am Tag der Schiene im September, als uns ein in Wismar gebautes Schweineschnäutzchen der Borkumer Kleinbahn besuchte, und mit der Neueröffnung des Spielplatzes im Lindengarten, der auch ganz im Zeichen der Bahn gebaut wurde, im Mittelpunkt. Bürgerinnen und Bürger befassten sich bereits 2022 im Rahmen einer Bürgerbeteiligung mit einer zu gestaltenden Fläche zwischen Bahnhof und Poeler Straße und es wurde ein Bürgergutachten erstellt, das Grundlage der weiteren Planungen ist. So reagieren Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, auf die Herausforderungen stärkerer Beteiligung, super ist das. Und wir werden das Jahr 2024 und auch wahrscheinlich einen Teil des Jahres 2025 für die Planung der neuen Feuerwehr an der Poeler Straße nutzen.

So, nun steigen wir in den Bus Linie 13 Richtung Redentin. Wir fahren vorbei am Lindengarten, wo im TiL so viele gute Begegnungsveranstaltungen von Jung und Alt, Alteingesessenen und Zugezogenen stattfinden und dessen von Randalierern beschädigte Stelen wieder erneuert werden konnten. Wir fahren über die Hochbrücke, die zwar einem Belastungstest standhielt, aber immer noch auf die für 2023 angekündigte Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens wartet – und wir warten erst recht darauf! Via Philosophenweg erreichen wir den Kagenmarkt, der sich wirklich gut herausgeputzt hat. In diesem Jahr werden wir die Spielfläche des Sportplatzes dort erneuern; weil wir viele Flüchtlinge aufnahmen, stellt das Land dafür zusätzliches Geld zur Verfügung. Und am Kagenmarkt muss ich vor allem an die 80-jährige Lehrerin Ingrid Becker denken, die das Lehrer-Kollegium der Tarnow-Schule unterstützt, da kann ich nur sagen: Respekt!

Jetzt machen wir mit dem Bus einen Schlenker über das Haffeld – ich weiß, so fährt er sonst nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden, zumindest hörte ich, dass Nahbus und die Holzunternehmen miteinander im Gespräch seien. Wir fahren da jedenfalls entlang, weil nämlich investiert wird, von Egger in eine neue Leimfabrik und in weitere Infrastrukturen, von uns in neue Gleisanlagen, vom Hafen in neue Flächen und Energieinfrastruktur und - von Wismar-Pellets initiiert - in das neue Biomasse-Kraftwerk, das 2023 ans Netz ging. Wenn wir auf der Rückfahrt, linker Hand, genau hinschauen, sehen wir auch das von den Stadtwerken neu errichtete Umspannwerk, eine Grundvoraussetzung für die Energiewende mit hohem Strombedarf und eine der letzten guten Taten von Andreas Grzesko, der sich nun als Geschäftsführer der Stadtwerke in den Ruhestand begeben hat, ihm sei auch hier für sein Engagement gedankt. Mit dem Bus fahren wir noch bis zur Haltestelle Am Wiesengrund, steigen dort aus und können uns einmal kurz umschauen und feststellen, dass im Bereich Schwanzenbusch weiter Wohnungen gebaut werden. Außerdem können wir uns freuen, dass zum einen mit einer privaten Firma endlich ein Grundstücksgeschäft geglückt ist, was Grundvoraussetzung für eine sehr notwendige zusätzliche Erschließung in diesem Gebiet ist. Und zum anderen, dass wir als Stadt von der BVVG auf dieser Seite Wismars einige größere Flächen erworben haben, z.B. auch in Müggenburg, die für die Entwicklung unserer Stadt durchaus Bedeutung haben und über die dann wir, die Hansestadt Wismar, genauer gesagt, die Bürgerschaft, entscheiden können.

Wir nehmen jetzt einfach den Bus auch zurück, gleiche Linie, wir haben etwas Zeit, um ein wenig nachzudenken. Bewegt hat sicher auch uns in Wismar im Jahr 2023 und auch heute, was am 07. Oktober in Israel geschah und danach in Gaza. Ich denke gerade daran, dass unter uns jüdische Emigrantinnen und Emigranten leben, die nach 1990 in die Stadt kamen. Ich denke auch daran, dass ebenfalls unter uns Palästinenserinnen und Palästinenser leben oder Menschen, die Freunde und Familienmitglieder in Gaza haben. Die kurze Busfahrt reicht überhaupt nicht aus, all die Facetten dessen zu bedenken, was dort passiert und warum es geschieht. Es ist ein furchtbarer, blutiger, unmenschlicher Krieg, das steht für mich jedenfalls fest. Wenn wir am Zeughaus dann vorbeifahren, erinnere ich mich dankbar an das Friedensgebet am 11. Oktober, zu dem der evangelische Pastor Thorsten Markert, der muslimische Imam Mohamed Al-Moalmi und der jüdische Rabbiner Yuriy Kadnykov einluden. Für unser Zusammenleben war das eine angemessene Form des Umgangs mit den dortigen Ereignissen. Wie schön wäre es, wenn es Wiederholungen dieser Form gäbe!

Und da ich gerade am Zeughaus bin, erinnere ich mich auch gern an all die vielen Veranstaltungen der Bibliothek und an das Konzert mit Pierre Velghe anlässlich der Wiederbelebung unserer Partnerschaft mit Calais, die deutsch-französische Gesellschaft war da besonders aktiv. Gern denke ich auch an die Sprachrunden im Zeughaus, niedrigschwellige Sprachkurse, ehrenamtlich geführt, fest etabliert seit vielen Jahren, wie auch bei anderen Vereinen, z.B. bei den IJGD, beim Boot und an einigen anderen Orten. Sie sehen, wir kommen immer wieder auf das Internationale zurück. Und unsere Vernetzungen sind da ja noch viel weitgehender, ob zum einen über all unsere Unternehmen oder zum anderen über die Hochschule.

Mittlerweile sind wir am Phantechnikum angelangt, freuen uns über die Rekord-Besucherzahl von über 52.000 des Jahres 2023, über die guten Veranstaltungen und Ausstellungen, z.B. über den Flugsimulator, der am 8. Juni übergeben und maßgeblich von Schülerinnen und Schülern des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums entwickelt wurde. Den Festplatz sehen wir noch links während der Weiterfahrt, dort konnte ich am 27. Mai das Landesjugendlager des THW mit eröffnen. Wismar war an den Tagen in das Blau des THW getaucht und wir waren es gern! Für den Tierpark müssen wir uns ein anderes Mal Zeit nehmen, ein toller Magnet für Besucherinnen und Besucher aus nah und fern ist er allemal geworden.

Der Bus rollt weiter, vorbei am HW-Leasing-Stadion, wo der PSV mit Bundes- und Stadthilfe reichlich investiert, vorbei am seit 16. August beleuchteten Radweg gen Ostseeblick, wo wir Marktkauf sehen, den Markt, der seine Einrichtung komplett und sehr vorteilhaft erneuerte, wovon ich mich beim Eröffnungsfrühstück am 01.06 überzeugen konnte.

Wir steigen im Ostseeblick aus, schauen kurz zur Zierower Landstraße, die wir als Stadt jetzt gerade erneuern und mit einem Rad- und Gehweg komplettieren und nehmen dann das Fahrrad zurück in die Stadt durch Wendorf, wo die Perspektive Wismar für Seebad Wendorf eine neue Kita als Ersatzbau plant und wo die Wohnungsbaugesellschaft und die Genossenschaften gemeinsam mit den Stadtwerken - wie am Friedenshof auch -  einmal durchspielen, wie Wohnquartiere in Zukunft energetisch und modern ausgestattet werden müssen. Weiter geht es über den Schwarzen Weg, der ja auch eine Veränderung mit Brücke usw. erfuhr im Zusammenhang mit der neuen Werftstraße. Die Werft sehen wir im Vorbeifahren, wünschen Erfolg beim Ausbau des Disney-Schiffes und für den nachfolgenden Wechsel zu TKMS und deren Schiffbauprogramm, fahren durch die Straße Am Köppernitztal, wo die Wohnungsbaugesellschaft ein neues Wohnhaus errichtet und kurven dann ein wenig über den Friedenshof, wo auch die neuen Wohnblöcke an der freiwilligen Feuerwehr in der Störtebekerstr. 1 und an der Kapitänspromenade gut vermietet sind, wo Kinderwelt e.V. z.B. mit der Kita Plappersnut das 20-jährige Jubiläum im Jahr 2023 feierte und wo wir uns die Baustellen der neuen Sporthalle und der Sport- und Mehrzweckhalle anschauen können. Eine weitere wird bald hinzukommen, wenn die Wohnungsbaugesellschaft mit der Sanierung der alten Mensa beginnt. Von weitem können wir noch das Theater erahnen, in dem Jauxi das Musical „The Addams Family“ großartig in Szene setzte, wo die Niederdeutsche Bühne sich auf ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2025 vorbereitet und in dem wir zu einem ukrainischen Abend eingeladen waren, gestaltet von hier bei uns lebenden Ukrainerinnen und Ukrainern, das sind zurzeit ca. 1500, und das überhaupt im Jahr 2023 30.000 Besucherinnen und Besuchern begrüßte. Eine regelmäßige Nutzerin des Theaters ist auch die Hochschule Wismar, gut vom Fahrrad aus hinter dem Theater für uns erkennbar, obgleich wir weiter weg sind. Die Hochschule bringt sich sehr in die Projekte der Metropolregion Hamburg ein, die am Standort Wismar erfreulicherweise umgesetzt werden, nämlich in die Innovationsagentur und in den Innovations- und Wissenschaftspark. Nun treten wir ordentlich in die Pedale Richtung Schweriner Straße, sehen die große Baustelle, wo noch 2024, so kündigten es uns die Investoren an, die ersten Einkaufsmärkte ihre Pforten öffnen werden. Wir queren das Dreweswäldchen, das sich als Naturwald selbst erneuern soll, wie uns die Fachleute raten, fahren in den Klußer Damm, dürfen feststellen, dass weiter neue Wohnhäuser im neuen Wohngebiet entstehen, fahren dann ein kleines Stück zurück, hinein in den Lenensruher Weg. Für den ÖSW – der Ökologische Schulort Wismar – in Trägerschaft der hiesigen AWO – haben wir heute keine Zeit – erinnern uns aber gern an das Willkommens- und Gartenfest für Geflüchtete, die in Wismar in Sporthallen wohnten oder auch an den Kita-Cup der Wohnungsbaugesellschaft, an das Zuckerfest und viele weitere sehr schöne Veranstaltungen dieser für die Stadt segensreichen Einrichtung.

Nun sind wir am Turnplatz, wo am 14. Mai das Unternehmen Albanischer Markt seinen Start beging – Wismar international eben, mit albanischem Wein und Öl.

Wir fahren weiter bis zum neu eröffneten Parkplatz an der Turmstraße. Dort steigen wir vom Rad und lassen es dort stehen und steigen in ein Auto ein, das uns Richtung Kritzow bringt, denn diese Großbaustelle können und dürfen wir nicht einfach auslassen. Flächenentwicklung ist für eine wachsende Stadt ein Gebot der Stunde, dort tun wir es gemeinsam mit Hornstorf, auf jeder Seite sind es brutto jeweils 60 Hektar Gewerbefläche. Das ist schon ein sehr großes Investment, was wir dort umsetzen.

Bald drehen wir wieder um, wir wollen ja wieder zurück und hier in St. Georgen ankommen. Das geht aber natürlich nicht ohne einen Rundgang durch die Altstadt. In der Dankwartstraße parken wir und steigen aus. Hier eröffnete Paul Menninghaus am 25. März seinen Kulturkontor, eine tolle private Initiative, und hier befindet sich der Doppel-Giebel endlich in Sanierung, das ist wirklich hoch erfreulich - es entstehen nicht wenige neue Wohnungen. Auch das ist absolut begrüßenswertes privates Investment. Während wir jetzt weiter ausschreiten Richtung Hegede, denke ich an all die Veranstaltungen in der Innenstadt, an unser Schwedenfest, an die Nosferatour, ich würde mich gar nicht wundern, wenn wir die Truppe am Krämerbrunnen treffen würden. Ich denke an die Lesegärten, an tolle Ausstellungen, den Tag des offenen Denkmals, an den Tag der Städtebauförderung, an dem wir mit Ehepaar Pleuger als großzügige Spender und unserem Sanierungsträger DSK zusammen das Marienforum am 13. Mai eröffneten, ich denke an das Sommertheater, die wunderbaren Konzerte von NDR und Festspielen, aber auch von Musik in der Kirche und der Kantorei, an die Interkulturellen Wochen. All das werden wir auch in diesem Jahr erleben, mit der ersten Sparkasse Mecklenburgs, mit ihren 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ihren 15 Filialen im Kreisgebiet und ihren 70.000 Kunden werden wir kräftig den 200. Geburtstag feiern und auch das Straßentheaterfest BoulevART wird wieder stattfinden – Wismar international auch in der Kultur.

Unser Weg führt über den Karstadt-Platz, um das Stammhaus haben wir wieder und wieder gebangt, auch jetzt läuft leider wieder ein Insolvenzverfahren. Optimistisch stimmt mich, dass Jahr für Jahr gute Geschäftserfolge erzielt, schwarze Zahlen geschrieben werden. Ich bin sicher, dass dies so bleiben wird.

Auf dem Weg Richtung St. Georgen können wir uns im Marienforum niederlassen, dies soll ja ohnehin eher ein ruhigerer Aufenthaltsort sein.

In das Jahr 2023 haben wir jetzt ausführlich geschaut. 2024 wird auch herausfordernd, das wird jeder und jedem klar sein. Wir haben uns wichtige Planungen vorgenommen, die Verkehrsentwicklungsplanung, zu der ich Sie immer wieder gern im Rahmen der Beteiligungsformate einlade. Die kommunale Wärmeplanung, mit der wir auch ein gehöriges Stück Neuland betreten, vor allem aber beachten werden, dass die Belastungen nicht zu groß werden, dass diese Planung eine Soziale wird. Auch weitere Bauleitplanungen wird es geben, denn wir müssen in Sachen Wohnungsbau z.B. am Hohen Damm weiterkommen. Investiert wird auch, natürlich. Viele der großen Vorhaben z.B. im Sport, die ich schon benannt habe, werden fortgesetzt, Straßensanierungen, wie z.B. der Um- und Ausbau der Schatterau und Bergstraße oder die Deckschichtsanierung der Lübschen Straße, Erneuerung von Spielplätzen bspw. der Spielplatz "St. Nikolai – Kleine Seefahrer" und im Wohngebiet Schwanzenbusch "Mühlenwiese", und die schon benannte Feuerwehr kommen hinzu. Auch unsere Eigengesellschaften und Eigenbetriebe, wie EVB und Seniorenheime, werden investieren, genauso wie das Hanse-Klinikum, das ist doch klar. In Deutschland wurde in vielerlei Hinsicht in den letzten beiden Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren. Wismar ist davon nicht ausgenommen, umso wichtiger ist es, dass wir unsere kommunalen Investitionen vorantreiben und uns zukunftsfähig aufstellen, außerdem soll davon gern unsere Wirtschaft profitieren.

Für all unsere Aufgaben und natürlich auch für unsere Investitionen benötigen wir selbstverständlich Geld. An dieser Stelle will ich Sie über unser vorläufiges Finanzergebnis im Jahr 2023 informieren. Es ist kein positiver Saldo, leider, aber wir haben ein deutlich verbessertes Ergebnis im Vergleich zum Haushaltsplan. Der Plan ging von einem Finanzergebnis in Höhe von Minus, gut 23 Millionen Euro aus. Gedämpfte Steuererwartungen sowie hohe, erwartete Energiekosten spielten dabei eine Rolle. Tatsächlich liegt der jahresbezogene Saldo der laufenden Ein- und Auszahlungen bei Minus 1,3 Millionen Euro, wenn man jetzt noch die planmäßige Tilgung unserer Kredite hinzunimmt, ist das bereinigte Finanzergebnis Minus 4,5 Millionen Euro. Ein positives Ergebnis wäre schöner, zweifelsohne. Gleichwohl ist dies eine deutliche Verbesserung zur Planung, geplant Minus 23,4 Millionen, tatsächliches Ergebnis Minus 4,5 Millionen, und wenn man darüber hinaus weiß, dass wir in den vorherigen Haushaltsjahren positive Vorträge erwirtschaften konnten, können wir durchaus auch optimistisch auf die kommenden zwei Haushaltsjahre schauen. Getragen wurde das Haushaltsergebnis unter anderem von Gewerbesteuereinnahmen, von 34,5 Millionen Euro, das ist wiederum ein super Ergebnis, man kann nur gerade denjenigen, die dies erwirtschaften, ein kräftiges Dankeschön sagen. Und immerhin, unsere Auszahlungen für die Investitionen, die wir im Jahr 2023 realisiert haben, betrugen gut 32 Millionen Euro. Logisch das so unser Anlagevermögen dann auf über 600 Millionen Euro anstieg. So viel zu unserem Finanzergebnis des Jahres 2023.  

Apropos Investitionen, auch viele Unternehmen investieren in unserer Stadt. Über deren robuste Entwicklung trotz zweifelsohne vorhandener Belastungen freue ich mich. Das gilt für die Industrie, das Handwerk, den Einzelhandel, die Gastronomie und Hotellerie, die Dienstleistungsunternehmen und alle anderen gleichermaßen. Ich hoffe, dass sich dies fortsetzt trotz der einen oder anderen geäußerten negativen Prognose. Äußerungen von Unternehmern mir gegenüber geben mir für diese Hoffnung Anlass.

Was mir aber vor allem unter den Nägeln brennt, immer und immer wieder, ist unser Zusammenleben als Stadtgesellschaft. Natürlich sind mir Konflikte und Brüche nicht verborgen geblieben, natürlich ist es wichtig, dass die Sozialsysteme funktionieren und diejenigen, die es nicht allein schaffen, unterstützt werden, natürlich gibt es berechtigte Sorgen. Ich glaube, dass wir uns alle wünschen würden, dass noch viel mehr Menschen aus eigener Kraft und selbstbestimmt leben können und daran wird auch gearbeitet, unser Jobcenter engagiert sich hier stark.

Es gibt leider auch andere Seiten:

Denn wenn manch Zeitgenosse meint, sich nicht unbedingt an Regeln halten zu müssen, ob im Verkehr oder im Umgang miteinander oder wo auch immer, kann es dafür kein Verständnis geben. Und manche Gruppen von Menschen gar wollen unsere demokratische Weise des Zusammenlebens zerstören. Sie legen es darauf an, wollen eine andere Gesellschaft, das geht, wie wir gerade hörten, bis zu Deportationsphantasien, sie wollen Krisen ignorieren, wollen zurück in eine vermeintlich bessere Vergangenheit. Migrantinnen und Migranten in Wismar erleben widerlichen Alltags-Rassismus, z.B. im Bus, in dem wir vorhin fuhren, auch auf der Straße, im Laden, wo auch immer, nichts kann ich da ausnehmen. Auch das alles ist inakzeptabel und das bleibt es auch, trotz notwendiger, auch kontroverser Debatten über unsere Zukunft in jeglicher Hinsicht und auf allen Ebenen, Diskussionen, z.B. über Gerechtigkeit, über Verteilungskonflikte, Diskussionen um Ressourcen, Ansprüche und Anerkennung sowie Lebensformen. All diese Debatten müssen wir führen, zweifelsohne, aber doch bitte respektvoll!

Ich kann und will die benannten realen Bedrohungen bzw. unschönen Seiten in unserer Stadtgesellschaft jedenfalls nicht ausblenden und nicht wegreden, sondern wir müssen uns damit auseinandersetzen, reale Gefahren erkennen, uns nicht weg ducken, eben auseinandersetzen, im allerbesten Sinne.

Ich möchte aber auch, dass wir an das anknüpfen, was gut gelungen ist im Zusammenleben. Dafür gibt es viele Beispiele.

Sie merken, wir sind jetzt von unserem Spaziergang hier angekommen in St. Georgen. Wir sind an einem Ort der Begegnung versammelt, der dies in ganz unterschiedlicher Weise im Jahr ist. Wir haben andere Orte, wo das auch möglich ist, dass TiL habe ich genannt, das SCHABBELL mit dem Angebot "Tell me your Story" ist auch ein solcher Ort, die Bibliothek ebenfalls und Sie kennen auch all die anderen Möglichkeiten in Wismar, die wir auch weiter unterstützen und finanzieren werden, da gibt es keine Abstriche. Sehr, sehr viele Menschen engagieren sich für ein gutes Miteinander in der Stadt, ehrenamtlich und hauptamtlich. Vieles geschieht auch im Verborgenen, wenn Nachbarinnen und Nachbarn sich helfen, z.B. wenn auf der Straße jemand leise, aber deutlich die Stimme erhebt und Diskriminierung Einhalt gebietet; wenn Unrecht Unrecht genannt wird. Vieles wiederum geschieht aber auch in Vereinen, im Sport bspw., bei der freiwilligen Feuerwehr, bei Licht am Horizont, bei Kaso. Das alles und noch viel mehr sind Organisationen, die demokratisch verfasst und legitimiert sind und die die Stadtgesellschaft mitprägen und tragen, die von uns vielfältig unterstützt werden. Sie sind weiter gefragt, vielleicht noch viel mehr als zuvor, damit wir unsere freie offene und tolerante Form des Miteinanders weiterleben können. Tun wir das! Sie sind dazu eingeladen, beginnen wir heute damit, hier in St. Georgen, einer Kirche, die die Spuren anderer Zeiten, die wir eben nicht wieder haben wollen, noch an sich trägt.

Eleanor Roosevelt, sie war vor 75 Jahren Mitverfasserin der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, stellte die Frage: Wo beginnen die universellen Menschenrechte? Und sie gab auch gleich eine Antwort, ich zitiere: "An den kleinen Orten, nahe dem eigenen Zuhause. So nah und klein, dass diese Orte auf keiner Weltkarte zu finden sind. Und doch sind diese Plätze die Welt des Einzelnen: die Nachbarschaft, in der wir leben, die Schule oder die Universität, die wir besuchen, die Fabrik, der Bauernhof oder das Büro, in dem wir arbeiten. Das sind die Orte, wo jeder Mann, jede Frau und jedes Kind gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Würde ohne Diskriminierung sucht. Wenn diese Rechte hier nicht gelten, gelten sie nirgendwo!", Zitatende. Dem, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist nichts hinzuzufügen. Mögen diese Worte uns motivieren, Wismar immer wieder zu einem solchen Ort, wie Eleanor Roosevelt es beschreibt, zu machen.

Schön, dass Sie alle da sind. Danke für Ihr Engagement im Jahr 2023. Mögen wir auch den Herausforderungen des Jahres 2024 gut gewachsen sein. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes und erfolgreiches, vor allem aber gesundes neues Jahr.

Vielen Dank!