Neues Multimediahaus im Ökologischen Schulort Wismar

Quelle: PROTINUS Projektentwicklung gGmbH/Pressestelle der Hansestadt Wismar

Im Beisein von Bürgermeister Frank Junge und von André Konsolke, Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, hat Monika Naß, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Wismar, am 16. September 2026 ein neues Gebäude, das Multimediahaus, im Ökologischen Schulort Wismar, kurz ÖSW, eröffnet. Mit dabei waren unter anderem auch Tilo Gundlack, Vorsitzender des Vorstands der AWO Wismar, Mitglieder der Bürgerschaft, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWO und des Büros Bünger Ingenieure aus Wismar.

Wo früher eine baufällige Scheune stand, verbindet heute ein rund 200 Quadratmeter großes, helles und mit Holz verkleidetes Haus Naturerleben mit moderner Medienbildung. Die verglaste Seite öffnet den Blick zum Mühlenteich. Ein Gründach, Photovoltaik und Wärmepumpe gehören zum nachhaltigen Gebäudekonzept.

Im Inneren ist Raum für Workshops, Ausstellungen und digitale Lernwerkstätten. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können Pflanzen unter dem digitalen Mikroskop untersuchen und bestimmen, Tiere über Live-Kameras beobachten oder eigene Foto- und Filmprojekte zu Klima- und Umweltfragen umsetzen.

Natur, Nachhaltigkeit und gemeinsames Lernen

Bürgermeister Frank Junge sagte: "Der Ökologische Schulort Wismar erreicht bereits heute jährlich viele tausend Menschen und arbeitet mit zahlreichen Kooperationspartnern zusammen. Mit den neuen Angeboten kann dieser Ort noch mehr Menschen für Natur, Nachhaltigkeit und gemeinsames Lernen begeistern. Ich wünsche dem Multimediahaus, mit dem hier die Qualität der Arbeit auf ein neues Niveau gehoben wird, viele neugierige Besucherinnen und Besucher, spannende Projekte und eine erfolgreiche Zukunft. Möge es ein lebendiger Ort des Lernens, des Austauschs und der Verantwortung für unsere Umwelt sein."

Staatssekretär André Konsolke sprach von einem "beachtlichen Ergebnis" und wünschte, dass das Gebäude "mit Ideen, Neugier und Engagement" gefüllt wird.

Fördermittelbescheid, Grundsteinlegung, Wasserschaden

Der Weg zum neuen Gebäude in der Nähe des Mühlenteichs war länger als ursprünglich geplant. Den Fördermittelbescheid über 500.000 Euro aus dem Strategiefonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern hatte Umweltminister Dr. Till Backhaus bereits im Oktober 2020 übergeben. Wegen der Corona-Pandemie musste das Projekt zunächst zurückgestellt werden. Danach stiegen die kalkulierten Baukosten zeitweise auf 1,4 Millionen Euro. Die Planung wurde deshalb überarbeitet und der Grundriss verkleinert.

Rund 900.000 Euro wurden schließlich investiert. Davon stellte das Land Mecklenburg-Vorpommern 500.000 Euro bereit. Die weiteren rund 400.000 Euro wurden aus Mitteln der PROTINUS Projektentwicklung gGmbH, einer Tochtergesellschaft des AWO-Kreisverbandes Wismar e.V., sowie mit Unterstützung von Stiftungen und weiteren Förderinstitutionen aufgebracht.

Im Oktober 2024 begannen die Bauarbeiten, am 10. Dezember 2024 wurde der Grundstein gelegt. In einer Kupferkapsel im Fundament liegen bis heute gute Wünsche der Gäste, Münzen und eine Tageszeitung.

Kurz vor der geplanten Fertigstellung kam es im Juli 2025 zu einem Wasserschaden. Der komplette Fußboden einschließlich der Fußbodenheizung sowie sämtliche betroffenen Einbauten bis zu einer Höhe von einem Meter mussten erneuert werden. Die Eröffnung verzögerte sich dadurch um ein Jahr.

Neues Gebäude und mehr

Während das Multimediahaus wuchs, entstanden auf dem Gelände weitere neue Lernorte. Seit November 2025 prägt der GeoDome das Bild des ÖSW. Die geodätische Kuppel mit acht Metern Durchmesser ist Gewächshaus, Forschungsraum und Klassenzimmer zugleich. An Hochbeeten und zwischen Feige, Granatapfel oder Olive lassen sich nachhaltige Anbausysteme, biologische Vielfalt sowie die Reaktion von Pflanzen auf Temperatur und Feuchtigkeit unmittelbar beobachten.

Wie sich Natur und digitale Technik verbinden lassen, wird bereits ganz praktisch erprobt. Der neue FarmBot ist ein Gartenroboter, der auf einem Hochbeet Aussaat, Bewässerung und Unkrautbekämpfung digital steuern sowie das Pflanzenwachstum überwachen kann. Mit den neuen digitalen Mikroskopen können Blätter, Blüten, Samen, kleine Tiere und andere Funde aus dem Gelände untersucht werden. Die vergrößerten Bilder lassen sich speichern und auf Tablets oder dem Smartboard im Multimediahaus gemeinsam betrachten. Weitere Multimediaanwendungen machen aus Beobachtungen im Garten, am Teich oder im GeoDome anschauliche Lerninhalte.

Nur wenige Schritte weiter ist mit dem holzbeheizten Außenbackofen ein Ort entstanden, an dem Umweltbildung interaktiv wird. Hier kann man nicht nur Wissenswertes über Getreide erfahren, sondern es auch selbst verarbeiten, Teig kneten, backen und gemeinsam verzehren. Überdachte Sitzplätze für 40 bis 50 Menschen machen den Bereich zugleich zu einem Treffpunkt für Gruppen und Veranstaltungen. Eine Outdoorküche wird bald fertiggestellt und das Angebot rund um den Holzbackofen ergänzen.

Eine besondere Rolle spielt die neue Holzwerkstatt. Unter fachlicher Anleitung arbeiten dort Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen einer durch das Jobcenter geförderten Arbeitsgelegenheit. Sie bauen und reparieren Bänke, Hochbeete, Zäune und Hütten. Im Juni 2026 wurde die erste selbst gebaute Hütte fertiggestellt. Daneben entstehen auch kleinere, filigrane Holzarbeiten wie Weihnachtspyramiden oder Schatullen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer weiteren Arbeitsgelegenheit pflegen das weitläufige Gelände und die verschiedenen Gartenbereiche. Ihre Arbeit kommt unmittelbar den Gärten, Bildungsangeboten und Besuchern zugute. So verbindet der ÖSW Umweltbildung mit Beschäftigung, Qualifizierung und sichtbarer Teilhabe.

Ein Lernort für Wismar und die Region

"Als wir den Grundstein gelegt haben, war noch nicht absehbar, wie viele Hürden wir auf dem Weg bis zur Eröffnung nehmen müssen. Umso mehr freue ich mich, dass hier heute nicht einfach nur ein neues Haus steht. Das Multimediahaus, der GeoDome, der Backofen und die Holzwerkstatt greifen ineinander. Kinder können Natur anfassen, beobachten, digital erforschen und selbst etwas herstellen. Und Menschen, die wieder einen Zugang zum Arbeitsleben suchen, tragen ganz konkret dazu bei, dass dieser Ort wächst", erklärte AWO-Geschäftsführerin Monika Naß, die für das kommende Jahr ein Abenteuercamp ankündigte.

Der ÖSW mit der Adresse Lenensruhe 4 erreicht inzwischen mit rund 200 Veranstaltungen pro Jahr etwa 8000 Menschen, darunter rund 4000 Kinder und Jugendliche. 59 Kooperationspartner nutzen das Gelände für Themenvormittage, Projekttage, Lehrveranstaltungen und Freizeitangebote. Kloster-, Kräuter-, Bauern- und Färbergarten, Teiche, Bienen, Fledermäuse und zahlreiche weitere Lebensräume machen Natur zu jeder Jahreszeit erlebbar. Mit dem Pflanzen- und Samenmarkt, Naturtagen und Veranstaltungen wie dem Fledermausabend ist der ÖSW zugleich stärker für die Öffentlichkeit geöffnet. Die neuen digitalen Bildungsangebote bieten die Möglichkeit, die Reichweite des ÖSW weiter zu erhöhen und zusätzliche Zielgruppen zu erreichen.

Tag der offenen Tür

Am 26. September 2026 wird es von 10.00 bis 12.00 Uhr einen Pflanzen- und Samenmarkt im ÖSW geben. Danach folgt von 12.00 bis 16.00 Uhr der erste Tag der offenen Tür, bei dem die Themengärten sowie die Spiel- und Außenbereiche im ÖSW entdeckt werden können.