Gleichstellungsbeauftragte aus Wismar bei Bundeskonferenz in Lübeck dabei

Quelle: Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Wismar

Mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten an der 29. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands in Lübeck teilgenommen. Die Konferenz mit dem Titel "Feministischer Kompass: Kurs halten in antifeministischen Gewässern" fand vom 17. bis zum 19. Mai 2026 statt – mit einem abschließenden Austausch am 20. Mai 2026.

Diskutiert wurde über die Gefahr von Antifeminismus für Gleichstellung und Demokratie und über weitere zentrale Herausforderungen zum Thema Gleichstellung von Frauen. Mit dabei war auch Petra Steffan, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Wismar.

Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrates, machte eindrücklich klar, wohin Antifeminismus führt: "Die aktuellen Angriffe auf Gleichstellung zeigen nicht ihre Schwäche, sondern ihre gesellschaftliche Bedeutung. Antifeministische Akteurinnen und Akteure arbeiten gezielt mit Angst, Polarisierung und einfachen Feindbildern. Politik und Gesellschaft müssen dem mit Solidarität, demokratischer Orientierung und einer starken Infrastruktur für Gleichstellung entgegentreten."

Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck und Gastgeberin der 29. Bundeskonferenz, betonte in ihrem Grußwort: "Eins ist klar: Angriffe gegen feministische Netzwerke, Fachberatungsstellen und queere Expertinnen und Experten – das sind auch wir! Wir engagieren uns gemeinsam gegen jegliche Form von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts."

Konstanze Morgenroth, BAG-Bundessprecherin: "Antifeminismus gefährdet nicht ,nur‘ Frauen und Gleichstellung. Er gefährdet die Demokratie an sich. Wir als BAG setzen uns mit aller Kraft für Gleichstellung ein, denn Gleichstellung bedeutet Gerechtigkeit und Teilhabe für alle."

Während einer Demonstration zum Holstentor brachten etwa 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bundeskonferenz und Lübecker Unterstützerinnen und Unterstützer ihre Forderungen lautstark auf die Straße. Mit der Lübecker Erklärung und der Verabschiedung von mehr als 30 Anträgen richteten die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten klare Forderungen an die Politik. 

Feministische Demo in Lübeck

Etwa 700 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte und Lübecker Unterstützerinnen und Unterstützer hatten am 18. Mai 2026 ihre Empörung über Angriffe auf Gleichstellung und fehlende Geschlechtergerechtigkeit, Gewalt gegen Frauen, Sexismus und jede Form der Benachteiligung von Mädchen und Frauen lautstark vor das Holstentor in Lübeck gebracht. „Wir sind wütend!“, so die Botschaft der Demonstrantinnen.

"Wütend, weil im Jahre 2026 Geschlechtergerechtigkeit noch immer nicht erreicht ist", sagte Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck. "Weil Männergewalt weiterhin den Alltag vieler Frauen bestimmt: zu Hause, im Netz, auf der Straße und auf der Arbeit und Mädchen und Frauen dadurch massiv bedroht und eingeschränkt werden.
Wütend, weil Frauen immer noch weniger ,verdienen‘ als Männer, weil Alleinerziehende massiv benachteiligt werden, weil Frauen auch weiterhin die Hauptlast der (unbezahlten) Care-Arbeit tragen, und weil Frauen unter anderem dadurch zu einem überproportionalen Anteil von Altersarmut betroffen sind.
Wütend, dass Männer auch weiterhin wenig Verantwortung für Familie, eine geschlechtergerechte und damit demokratische Gesellschaft ohne Benachteiligung und Unterdrückung von und Gewalt gegen Mädchen und Frauen übernehmen."

"Wir brauchen Feminismus für mehr Geschlechtergerechtigkeit, weil das Patriarchat kein Naturgesetz ist, weil Feminismus notwendig für die Demokratie ist, für eine gerechte Welt für alle", betonte Petra Steffan, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Wismar und LAG-Sprecherin in Mecklenburg-Vorpommern.

Lübecker Erklärung – Gegen Gewalt, Frauenhass und Antifeminismus 

"Antifeminismus ist kein Randphänomen und zieht sich quer durch alle Bereiche der Gesellschaft. Antifeminismus hat eine große Basis bei religiösen Fundamentalisten, völkischen Bewegungen und Rechtsextremisten und fungiert als gefährliche Brückenideologie für verfassungsfeindliche Ansichten bis in die bürgerliche Mitte", heißt es in der Lübecker Erklärung der 29. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. "Ziel ist: Frauenrechte zu beschneiden und tradierte Rollenbilder wieder aufleben zu lassen. Frauen werden diffamiert, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Frauen in der Öffentlichkeit beschädigt, Lehrinhalte von Schulen und Universitäten bekämpft oder es wird gefordert, die Pflicht zur Bestellung kommunaler Gleichstellungsbeauftragter abzuschaffen."

In der Lübecker Erklärung wird unter anderem der Schutz und die Förderung zivilgesellschaftlicher gleichstellungspolitischer Organisationen, gezielte Aufklärung zu frauenverachtenden Rollenklischees und eine konsequenten Bekämpfung jeglicher Form von Antifeminismus gefordert.

Hier lesen Sie ausführliche Berichte zur 29. Bundeskonferenz der BAG kommunale Frauenbüros und Gleichstellungsstellen.

Und hier lesen Sie die Lübecker Erklärung.