Gedenken an die Zerstörung des Gotischen Viertels

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 waren bei einem Angriff kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs große Teile des Wismarer Altstadtkerns zerstört worden. Besonders im Gotischen Viertel gab es große Schäden. 14 Menschen, darunter auch mehrere Kinder, waren in jener Nacht ums Leben gekommen. In der Gedenkveranstaltung am 14. April 2026 in der St.-Georgen-Kirche Wismar, die etwa 70 Personen besuchten, wurde an diese verheerende Nacht erinnert.

Während der knapp einstündigen Gedenkveranstaltung rief Thomas Beyer nicht nur das Geschehen im Jahr 1945 noch einmal ins Gedächtnis. Der Bürgermeister thematisierte auch die Kriege der jüngsten Zeit und den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Eine Rede hielt ebenso die designierte Pröpstin im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg, Antje Exner, die ebenfalls die Bedeutung der Erinnerungsarbeit für unsere Gegenwart betonte.

Begleitet wurde die Veranstaltung von einem Bläserquintett der Kreismusikschule "Carl Orff" Nordwestmecklenburg.

"Frieden beginnt im Alltag"

In diesem Jahr wurde das Programm von Schülerinnen des Wismarer Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums bereichert, die betonten, dass die Erinnerung an die Vergangenheit auch Verpflichtung ist, über den Frieden nachzudenken: "Frieden ist etwas, das im Kleinen beginnt. Hier. Bei uns. In unserer Stadt. Frieden beginnt im Alltag. Er beginnt in der Art, wie wir miteinander sprechen. Er zeigt sich darin, ob wir zuhören oder nur antworten wollen."

Weitere Zitate:
"Die Welt, in der wir leben, ist geprägt von Spannungen, von Konflikten, von Unsicherheiten. Nachrichten erreichen uns täglich - von Krieg, von Gewalt, von Leid. Und machmal scheint es, als könnten wir daran nichts ändern. Aber das stimmt nicht. Denn jede Haltung, die wir einnehmen, jede Entscheidung, die wir treffen, ist Teil eines größeren Ganzen. Frieden ist kein Zustand, der einfach entsteht. Frieden ist ein Prozess. Er braucht Menschen, die ihn wollen. Menschen, die ihn verteidigen - nicht mit Waffen, sondern mit Haltung, mit Mut und mit Menschlichkeit. Gerade an einem Ort des Gedenkens wird uns bewusst: Frieden ist kein selbstverständliches Erbe. Es ist eine Aufgabe."

"Frieden bedeutet nicht, dass es keine Konflikte gibt. Frieden bedeutet, dass wir lernen, mit ihnen umzugehen, ohne einander zu zerstören. Dass wir Unterschiede nicht als Bedrohung sehen, sondern als Bereicherung. Dass wir und daran erinnern, dass jeder Mensch eine Geschichte hat - und ein Recht auf Würde."

"Wir, die jetzt die Zukunft in der Hand haben, wir tragen die Aufgabe, aus der Vergangenheit zu lernen. Die Zerstörung Wismars im Zweiten Weltkrieg ... muss uns daran erinnern, wie wichtig Verständigung, Toleranz und Zusammenarbeit zwischen Menschen und Nationen sind."

"Frieden ist ein Wert, den wir aktiv schützen müssen. Durch Respekt, durch Dialog und durch das Bewusstsein für unsere gemeinsame Verantwortung. Lassen Sie uns also die Geschichte des Gotischen Viertels nicht nur als Erinnerung an Zerstörung sehen, sondern als Mahnung. Eine Mahnung, Konflikte friedlich zu lösen. Eine Mahnung, Menschlichkeit über Hass und Spott zu stellen. Es ist eine Chance für uns, alles dafür zu tun, dass sich solche Tragödien niemals wiederholen."