Urkunde im Rathaus überreicht: Wismar ist jetzt Fairtrade-Stadt

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

"Ab heute spielt die Hansestadt Wismar in der Champions League - zusammen mit Metropolen wie Amsterdam, Brüssel, Oslo, Kopenhagen, London, Madrid, Paris, Rom, Dortmund und München", sagte Manfred Holz. Der "Fairtrade-Ehrenbotschafter" aus Neuss (Nordrhein-Westfalen) hat am 16. Juni 2026 eine Urkunde im Rathaus überreicht, die bescheinigt, dass sich Wismar in den kommenden zwei Jahren - bis zu einer Rezertifizierung - Fairtrade-Stadt nennen darf.

Die Urkunde und das Gütesiegel nahmen Bürgermeister Thomas Beyer und Ronny Keßler, Sprecher der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt, entgegen. Mit dabei waren Unterstützerinnen und Unterstützer aus den Bereichen Kirche, Schule, Handel und Verwaltung, die sich ebenfalls verpflichtet haben, einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in vielen Ländern zu leisten. Darunter auch Kerry Zander, Leiterin des Amtes für nachhaltige Stadtentwicklung, Projektmanagement und Welterbe, sowie Petra Steffan vom Büro für Chancengleichheit.

Auf der Urkunde steht unter anderem: "Nach Erfüllung aller Kriterien der Kampagne Fairtrade-Towns wird Wismar mit dem Titel Fairtrade-Stadt ausgezeichnet. Durch ihr Engagement für den Fairen Handel vor Ort setzt Wismar ein Zeichen für eine gerechtere Welt und leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Produzentengruppen im globalen Süden."

Fairer Handel, bessere Preise, menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Das Sozialsiegel "Fairtrade", das für jeweils zwei Jahre durch den gemeinnützigen Verein Fairtrade Deutschland e.V. aus Köln verliehen wird, steht für fairen Handel, bessere Preise und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Wismar ist die 942. Kommune in Deutschland mit diesem Siegel. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nun acht Fairtrade-Städte.

Thomas Beyer dankte der Steuerungsgruppe, die bereits viele Menschen aus der Stadtgesellschaft für den Fairen Handel begeistern konnte. "Es ist ein Schritt zur Bewusstseinsbildung, sich klar darüber zu sein, wie man konsumiert - und dies auch bewusst zu tun", sagte der Bürgermeister. "Der Titel Fairtrade-Stadt soll dazu genutzt werden, den Fairen Handel in Wismar zu stärken. Wir werden als Verwaltung dieses Vorhaben auch weiterhin im positiven Sinne begleiten."

Stadtverwaltung nutzt Fairtrade-Produkte

Mehrere gastronomische Einrichtungen, Geschäfte des Einzelhandels, Cafés, Restaurants, Schulen und kirchliche Einrichtungen in Wismar bieten fair gehandelte Produkte an. Auch die Stadtverwaltung der Hansestadt unterstützt das Vorhaben und ist eine der Mitwirkenden bei der Umsetzung der Kriterien, indem sie Fairtrade-Produkte nutzt. Unterstützt durch die Auszeichnung, soll die Etablierung von Fairtrade-Produkten fortgesetzt werden.

Die Wismarer Bürgerschaft hatte im März 2025 das Ziel bestätigt, das Sozialsiegel auch für Wismar anzustreben. Im Anschluss wurde eine Steuerungsgruppe mit Aktiven aus der Stadtgesellschaft gegründet. Die ehrenamtlich Engagierten kümmerten sich darum, dass die geforderten Kriterien erfüllt werden.

"Jetzt geht die Arbeit aber erst richtig los", erklärte Ronny Keßler, Sprecher der Steuerungsgruppe. "Die Zivilgesellschaft soll weiter aktiviert und der Faire Handel Stück für Stück ausgebaut werden. Wir wollen den Kreis langsam vergrößern. Das ist ein Ewigkeitsprojekt." Ronny Keßler hatte Anfang dieses Jahres die Fairtrade-Bewerbung eingereicht.

"Gütesiegel ist keine Ablassplakette"

"Für die Auszeichnung ,Fairtrade-Stadt' hat Wismar mit Bravour die weltweit gestellten fünf Kriterien bestens erfüllt", betonte Manfred Holz vom Fairtrade Deutschland e.V. "Es braucht Zeit, bis wir Konsumentinnen und Konsumenten das Gütesiegel nicht als gelegentliches Beruhigungsmittel für das eigene Gewissen verstehen. Fairer Handel lebt vom Handeln. Als reichste Industrienation stehen wir in der Pflicht, unseren konkreten Beitrag für den Frieden und gegen die Armut zu leisten. Denn die Reichen werden immer reicher und die Armen zahlreicher. Fair ist, nicht billig einzukaufen, wofür andere teuer bezahlen."

Weiter sagte Manfred Holz: "Das Fairtrade-Siegel ist keine Ablassplakette. Mit dem Kauf von Fairtrade-Produkten geben wir keine Spende oder Almosen, sondern leisten einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und bekämpfen somit aktiv eine der Fluchtursachen."