Ausstellung "Rauminspektion" von Simon Mehling im Kunstraum St. Georgen

Quelle: Veranstaltungszentrale

"Rauminspektion“ heißt die Ausstellung des Künstlers Simon Mehling, die ab dem 26. September 2026 im Kunstraum St. Georgen in Wismar, St.-Georgen-Kirchhof 1a, gezeigt wird. Die Eröffnung findet am Freitag, dem 25. September 2026, um 17.00 Uhr statt.

Die Ausstellung ist bis zum 8. November 2026 zu sehen - im September und Oktober täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, ab November täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die St.-Georgen-Kirche in Wismar ist ein architektonisches Juwel historischer Baukunst und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. In ihren monumentalen Räumen, geprägt von der Backsteingotik, eröffnen sich außergewöhnliche Möglichkeiten, zeitgenössische Kunst zu präsentieren und sie in Beziehung zu Geschichte und Raum zu setzen.

Simon Mehling sammelt für seine Skulpturen gebrauchte Materialien, die mit Bau und Konstruktion zu tun haben. Holzpaneele, Planen, Gläser, Armierungseisen, Betonplatten und diverse Bleche werden zu dreidimensionalen Collagen zusammengefügt. Jedes Teil bleibt in seiner Materialiät sichtbar erhalten.

Dieses von Menschenhand gemachte, zumeist industrielle Material wird zu einer skulpturalen Ganzheit. Er entwickelt aus den gegebenen Einzelformen eine neue, ungewohnte Großform. Heterogenität und Homogenität stehen sich in einem gleichsam dialektischen Verhältnis gegenüber, sind simultan gegeben und sukzessive erfahrbar. Es entsteht eine Ganzheit in der Vielheit. In den sichtbaren Gebrauchspuren bleibt immer auch ein historisches Moment erhalten.

Der Künstler verwendet dieses Material nicht nur einmalig für einzelne abgeschlossene Werke, sondern er gebraucht es immer wieder für neue Werke. Das Recycling findet so innerhalb der künstlerischen Produktion selbst statt, ist Thema. So wird das einmal ausgeführte Werk wieder auseinandergenommen und in seine Bestandteile zerlegt und platzsparend gelagert. Die Kunst verwandelt sich zurück ins reine Material.

Der Wechsel der Erscheinungsform vom Billigen zum Wertvollen und zurück zum Billigen bedeutet immer auch einen Bedeutungswechsel. Es ist ein künstlerisches Handlungskonzept, das zwischen den Sphären des Ökonomischen und des Ästhetischen vermittelt, zwischen dem Realismus des Stoffs und der Abstraktion der Form.

Erst durch den Formwillen und die Formschaffung entsteht das autonome Kunstwerk. Es entwickelt sich eine Spannung zwischen Präzision und Unschärfe, Eindeutigkeit und Vielschichtigkeit, Schönheit und Verfall. Dabei hat das einzelne Werk eine klare, abgrenzbare Präsenz. Es behauptet seine Autonomie deutlich gegenüber dem umgebenden Raum und jeglichem Aufstellungsort.

Hinzu kommt ein architektonisches Moment. Das plastische Gebilde ist nicht nur Konstruktion aus geometrischen Grundformen. Zugleich ist ein Innenraum umschrieben, der sich gelegentlich durch kleine Öffnungen zeigt oder durch eine Folie der Sichtbarkeit entzogen wird und doch auf ein Dahinter verweist. Das Werk wird zur Behausung, zum Haus.

Kaum ein größerer Kontrast zur Erhabenheit des Kirchenraumes von St. Georgen ist vorstellbar. Aber die Fremdartigkeit dieser zusammengezimmerten Objekte ohne wirkliche Funktion zeigen sehr deutlich den Gestaltungswillen des Künstlers. Bei aller Differenz zum historischen Kirchenraum haben gerade hier die Werke ihre ästhetische Berechtigung.

Simon Mehling ist Absolvent der Kunstakademie Münster und Meisterschüler der Professoren Maik und Dirk Löbbert. Er lebt und arbeitet in Wuppertal.

Kurator der Ausstellung: Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Veranstalter: Hansestadt Wismar, Amt für Tourismus und Kultur, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und den Landkreis Nordwestmecklenburg.