Wilhelm Wohler

20. Oktober 1889 – 5. April 1940
Wohnort: Poelerstraße 63
Schicksal: Ermordet im Konzentrationslager Sachsenhausen


Kurzbiografie

„Man steckt uns in Schutzhaft, um uns mundtot zu machen, bedenkt aber nicht, dass man durch die Verhaftung des Warners die Gefahr nicht beseitigt, sondern eher noch vergrößert.“
(Wilhelm Wohler im Oktober 1936 aus der Landesstrafanstalt Neustrelitz-Strelitz an seine Schwester)

Wilhelm Wohler wurde am 20. Oktober 1889 in Dodow bei Wittenburg geboren. 1919 zog er nach Wismar und gründete dort eine Stellmacherei. Seine Schwester Anna zog zu ihm und führte den Haushalt. Beide lernten die Bibelforscher (Zeugen Jehovas) kennen und traten der Glaubensgemeinschaft bei. 1920/21 trat Wilhelm Wohler aus der Kirche aus und ließ sich taufen.

Durch die Inflation verlor er sein Geschäft. Nach einem Unfall, bei dem er die Sehkraft seines rechten Auges einbüßte, konnte er nicht mehr als Stellmacher arbeiten. 1933 fand er eine Beschäftigung in der Schleiferei der Firma Häussler.

Trotz des Verbots der Bibelforschervereinigung engagierte er sich weiter für seinen Glauben: Er organisierte Zusammenkünfte, sprach mit anderen über seine Überzeugungen und hielt Kontakt zu Predigern im Untergrund. 1936 wurde er verhaftet. Im Februar 1937 verurteilte ihn das Schweriner Sondergericht, das im Fürstenhof tagte, zu zwei Jahren Gefängnis.

22 Briefe Wilhelm Wohlers aus der Haft sind überliefert. Er schrieb sie aus den Gefängnissen Neustrelitz-Strelitz und Dreibergen-Bützow sowie aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen an seine Schwester Anna. Diese Briefe sind ein eindrucksvolles Zeugnis seines Lebensweges im Widerstand: Der erste Brief entstand kurz nach seiner Verhaftung, der letzte etwa zwei Wochen vor seinem Tod.

Beim Lesen wird deutlich, dass er nicht über eigenes Leid oder Demütigungen schrieb, sondern seiner Schwester Mut machen wollte. Selbst über den verlorenen Kampf gegen eine Zwangssterilisation im Gefängnis schwieg er. Stattdessen berichtete er von Hoffnungen und Plänen für die Zukunft:
„Nun sind die Tage schon zu zählen, es sind keine hundert mehr. Habe ich die vielen herumgekriegt, werde ich die wenigen auch noch herumbekommen.“

Doch es kam anders: Nach Verbüßung seiner Strafe wurde er nicht entlassen, sondern in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.

Sein letzter Brief vom 24. März 1940 enthielt nur wenige Sätze, die ihm erlaubt wurden:
„Mir geht es gut, grüße bitte alle Verwandten und Bekannten.“
In Wirklichkeit ging es ihm schlecht – er war schwer geschwächt. Am 5. April 1940 starb Wilhelm Wohler im Alter von 50 Jahren in Sachsenhausen. In diesem Winter kam nahezu jeder vierte inhaftierte Zeuge Jehovas in Sachsenhausen ums Leben.

Bild vergrößern: Todesanzeige von Wilhelm Wohler Bild: © Projektgruppe Stolpersteine
Todesanzeige von Wilhelm Wohler


Verlegung des Stolpersteins

Für Wilhelm Wohler wurde am 28. Juli 2009 vor dem Haus Poelerstraße 63 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft übernahmen Markus und Jutta Stein.

Bild vergrößern: Verlegung des Stolpersteines Wohler Bild: © Projektgruppe Stolpersteine
Verlegung des Stolpersteines Wohler


Zum Weiterlesen
  • Falk Bersch: „Die Briefe des Zeugen Jehovas Wilhelm Wohler aus den Strafanstalten Neustrelitz-Strelitz, Dreibergen-Bützow und dem Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 bis 1940“, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, 19. Jg., 2015, Heft 1, S. 72–87.

  • Falk Bersch: Stolpersteine in Wismar. Wismar, 2018.

  • Falk Bersch: „Wohler, Wilhelm“, in: Wolf Karge (Hg.): Biografisches Lexikon für Mecklenburg, Band 9, Schwerin, 2018, S. 294–295.