Louis und Arthur Lewinski
Louis Lewinski
1. April 1869 – 26. März 1943
Wohnort: Altwismarstraße 17
Schicksal: Ermordet im Vernichtungslager Sobibor
Arthur Lewinski
26. Oktober 1896 – 29. März 1958
Wohnort: Altwismarstraße 17
Schicksal: Überlebt
Kurzbiografie
„Im Juni 1937 war Arthur Lewinski in Wismar unter der Beschuldigung hitlerfeindlicher Äußerungen verhaftet worden und befand sich acht Monate lang im Columbia-Haus in Berlin (Gestapo-Gefängnis).“
(Schreiben des Anwalts van Wien an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in Bad Arolsen, 1958)
Der Kaufmann Louis Lewinski heiratete am 29. August 1893 in Berlin Berta Pagel (1856–1922). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Johanna (geboren 1894) und Arthur (geboren 1896). Die Familie war jüdischen Glaubens. Anfang des 20. Jahrhunderts zog sie nach Rostock, wo 1912 der erste Eintrag im Adressbuch nachweisbar ist.
Berta Lewinski verstarb 1928 in Rostock. Im selben Jahr heiratete Sohn Arthur Grete Heimann (geboren 1901) aus Borken/Westfalen. 1931 wurde die Tochter Evi Bertha geboren. Mitte der 1930er Jahre wurde die Ehe geschieden. Grete heiratete Gustav Kamp und zog mit ihrer Tochter nach Berlin. Am 9. Dezember 1942 wurden Gustav und Grete Kamp sowie Evi Bertha aus Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Anfang der 1930er Jahre zog Louis Lewinski nach Wismar. Er lebte in der Altwismarstraße 12 (heute Nr. 17) und betrieb in der Dankwartstraße 14 ein Schuhgeschäft. Nach der Scheidung zog Sohn Arthur zu ihm.
Arthur Lewinski wurde im Juni 1937 unter dem Vorwurf „anti-nationalsozialistischer Äußerungen“ festgenommen und acht Monate lang im Berliner Gestapo-Gefängnis Columbia-Haus inhaftiert. 1938 verhaftete ihn die Gestapo erneut als „arbeitsscheuen Juden“ und brachte ihn in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Im Februar 1939 wurde er entlassen, kehrte kurzzeitig nach Wismar zurück und floh dann in die Niederlande.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde auch Louis Lewinski, wie viele andere Wismarer Juden, verhaftet und für etwa eine Woche im Zuchthaus Neustrelitz-Strelitz festgehalten. Nach seiner Entlassung floh auch er in die Niederlande und lebte in Amsterdam mit der Familie seiner Tochter Johanna Pories.
Nach der deutschen Besetzung der Niederlande wurde Louis Lewinski am 9. März 1943 verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Am 23. März 1943 deportierte ihn die Gestapo zusammen mit 1250 weiteren Menschen in das Vernichtungslager Sobibor, wo er ermordet wurde. Auch seine Tochter Johanna wurde deportiert: Von Westerbork nach Auschwitz, wo sie am 11. Februar 1944 starb.
Arthur Lewinski überlebte als fast einziges Familienmitglied den Holocaust. Er heiratete ein zweites Mal und verstarb am 29. März 1958 in Amsterdam.
Verlegung der Stolpersteine
Für Louis und Arthur Lewinski wurden am 10. August 2013 vor dem Haus Altwismarstraße 17 zwei Stolpersteine verlegt. Aufgrund falscher Angaben wurde der Stolperstein für Arthur Lewinski im Jahr 2020 ausgetauscht.
Zum Weiterlesen
-
Falk Bersch: Stolpersteine in Wismar. Wismar, 2018.