Bertha Heinsius, geborene Waack
2. Januar 1889 – 18. Juli 1941
Wohnort: Poelerstraße 59
Schicksal: Ermordet in der Tötungsanstalt Bernburg
Kurzbiografie
„Die Zeugin Jehovas, die aus dem Zuchthaus kam – die Begnadigung wurde ihr Verhängnis.“
(Helga Schubert in ihrem Buch Die Welt da drinnen. Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom „unwerten Leben“ über Bertha Heinsius)
Die Hausfrau Bertha Heinsius lebte mit ihrer Familie in der Poelerstraße 59. 1927 schloss sie sich den Bibelforschern – der späteren Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas – an. Auch nach dem Verbot der Gemeinschaft im Jahr 1933 blieb sie ihrem Glauben treu.
Im Februar 1937 verurteilte das Schweriner Sondergericht sie zu neun Monaten Gefängnis. Grundlage war die sogenannte „Reichstagsbrandverordnung“. Vorgeworfen wurden ihr Kontakte zu Glaubensgeschwistern und der Besitz eines christlichen Abreißkalenders.
Während der Haft im Zuchthaus Dreibergen-Bützow erkrankte Bertha Heinsius schwer. Der Anstaltsarzt erkannte ihre Krankheit zunächst nicht, und sie wurde gefesselt in eine Arrestzelle gesperrt. Erst im Oktober 1937 kam sie in die Nervenklinik der Heil- und Pflegeanstalt Gehlsheim. 1938 wurde sie unter Auflagen auf Bewährung entlassen. Später brachte man sie in die Heil- und Pflegeanstalt Schwerin-Sachsenberg.
Im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“, dem NS-Mordprogramm an kranken und behinderten Menschen, wurde Bertha Heinsius am 18. Juli 1941 von Schwerin in die Tötungsanstalt Bernburg deportiert und dort vergast.
Verlegung des Stolpersteins
Für Bertha Heinsius wurde am 15. Juli 2008 vor dem Haus Poelerstraße 59 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft übernahmen Markus und Jutta Stein.
Zum Weiterlesen
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Falk Bersch: Stolpersteine in Wismar. Wismar, 2018.
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Helga Schubert: Die Welt da drinnen. Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom „unwerten Leben“. Frankfurt am Main, 2003, Seite 47, 90–101, 197.