Johann Frehse

10. Januar 1886 – 20. Januar 1942
Letzter Wohnort: Kanalstraße 8
Schicksal: Ermordet in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim


Kurzbiografie

„Der Schutzhäftling Johann Frehse (wurde) am 25. Januar 1940 (…) der Geheimen Staatspolizei, Außenstelle Neustrelitz, zwecks Überführung in das Konzentrationslager Sachsenhausen mittels Sammeltransport ausgeliefert.“
(Schreiben von Regierungsoberinspektor Zamm, Landesstrafanstalt Neustrelitz-Strelitz, an die Geheime Staatspolizei Schwerin, 25. Januar 1940)


Johann Frehse wurde am 10. Januar 1886 in Bantow als Sohn einer Landarbeiterfamilie geboren. Später lebte der gelernte Schiffszimmermann in Wismar und arbeitete als Fischer. Sein Leben war von Invalidität geprägt: Noch vor dem Ersten Weltkrieg verlor er seine linke Hand und sein linkes Augenlicht.

Politisch engagierte er sich zunächst in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, wechselte später in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei und 1928/1929 in den „Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit“. 1931 trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands bei und übernahm dort verschiedene Funktionen.

Auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten blieb er in der Kommunistischen Partei aktiv und beteiligte sich am Widerstand. Bereits 1933 wurde er deshalb kurzzeitig inhaftiert. Er half, verfolgte Genossen mit seinem Fischerboot ins Exil zu bringen. Im Mai 1934 wollte er dem Vorsitzenden der Wismarer Ortsgruppe der Kommunistischen Partei, Franz Jakubek, zur Flucht nach Dänemark verhelfen, wurde jedoch bei der Insel Poel verhaftet. Am 6. Dezember 1934 verurteilte ihn das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu eineinhalb Jahren Gefängnis, die er im Zuchthaus Dreibergen-Bützow verbüßte.

Nach der Haft kehrte er nach Wismar zurück, wo er bis 1939 mit seiner Familie lebte. Im November 1939 wurde er erneut verhaftet, weil er weiterhin im Widerstand tätig war. Die Geheime Staatspolizei wies ihn am 12. Dezember 1939 in die Landesstrafanstalt Neustrelitz-Strelitz ein. Am 25. Januar 1940 wurde er von dort in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Später, am 28. August 1940, verlegte man ihn in das Konzentrationslager Dachau.

Im Rahmen der sogenannten „Sonderbehandlung 14 f 13“, einem Mordprogramm an kranken und arbeitsunfähigen Häftlingen, wurde Johann Frehse am 20. Januar 1942 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim deportiert und dort vergast. Insgesamt wurden fast 2600 im Konzentrationslager Dachau inhaftierte Menschen in Hartheim ermordet. Diese Aktion unterlag strengster Geheimhaltung: In seiner Sterbeurkunde wurde als offizieller Todesort das Konzentrationslager Dachau angegeben, Todesursache angeblich Herz-Kreislaufversagen.


Verlegung des Stolpersteins

Bild vergrößern: Patenschaften / Unterstützung Bild: © Projektgruppe Stolpersteine
Der Enkel von Johann Frehse als Pate

Für Johann Frehse wurde am 15. Juli 2008 an der Kreuzung Kanalstraße / Dr.-Leber-Straße (ehemals Kanalstraße 8) ein Stolperstein verlegt. In der Nacht zum 1. Oktober 2008 wurde er von Unbekannten entfernt. Dank Spenden konnte die Projektgruppe Stolpersteine einen neuen Stein anfertigen lassen, der am 20. November 2008 durch Mitarbeiter des Entsorgungs- und Verkehrsbetriebes erneut verlegt wurde. Bernhard Krummhauer, Pächter der Tankstelle „Total“ an der Dr.-Leber-Straße, übernahm die Patenschaft.


Zum Weiterlesen
  • Falk Bersch: Stolpersteine in Wismar. Wismar, 2018.

  • Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim: Online-Biografie von Johann Frehse. 
    lebensspuren.schloss-hartheim.at