Gertrud Bernhard, geborene Haendel


13. Januar 1875 – 16. Mai 1944
Wohnort: Am Schilde 4
Schicksal: Ermordet im KZ Auschwitz


Kurzbiografie:

„Vor dem Haus standen eine alte Linde und eine Bank, auf der abends die Nachbarn saßen und klönten. (…) Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, dass es von den Anwohnern Am Schilde irgendwelche Aversionen gegen die Familie Bernhard gab. Es war eine normale Nachbarschaft mit Guten Tag und Guten Weg.“
(Aus den Erinnerungen von Hans G. Koch an die Familie Bernhard vor der nationalsozialistischen Verfolgung.)


Gertrud Haendel wurde in Landsberg an der Warthe geboren. Sie war jüdischer Abstammung und heiratete 1897 den jüdischen Kaufmann Paul Bernhard. Das Ehepaar zog nach Wismar und übernahm die Wolle- und Produktionshandlung mit Gerberei in der Straße Am Schilde 4, die zuvor Paul Bernhards Vater geführt hatte.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1930 wurde Gertrud Bernhard Inhaberin des Betriebs. Wie lange sie diesen noch führte und in welchem Umfang sie bereits den Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt war, lässt sich heute nicht genau feststellen. 1935 waren Geschäft und Grundstück bereits an Nachbarn verkauft.

Ihrem Sohn Herrmann gelang es 1939, Deutschland zu verlassen und nach China zu emigrieren. Gertrud Bernhard wurde später in Wismar verhaftet und am 12. Januar 1943 mit dem Transport I/83 von Berlin in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Nach ihrem Weitertransport nach Auschwitz am 16. Mai 1944 verliert sich ihre Spur.


Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Gertrud Bernhard wurde am 15. Juli 2008 vor dem Haus Am Schilde 4 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft übernahm Maren Schmidt.

Zum Weiterlesen
  • Falk Bersch: Stolpersteine in Wismar. Wismar, 2018.

  • Michael Buddrus / Sigrid Fritzlar: Juden in Mecklenburg 1845–1945. Band 2: Kurzbiografien. Schwerin, 2018/2019, Seiten 63, 64, 67.