Herrmann Bernhard
10. März 1901 – 20. Dezember 1966
Wohnort: Am Schilde 4
Schicksal: Überlebt
Kurzbiografie
„1939 wanderte ich wegen der Judenverfolgung durch die Nazis nach Schanghai, China, aus.“
(Aus einem Lebenslauf Herrmann Bernhards, 1950)
Herrmann Bernhard wurde 1901 als Sohn von Paul und Gertrud Bernhard in Wismar geboren. Die Familie war jüdischer Abstammung und praktizierte den jüdischen Glauben. Nach seiner Schulzeit arbeitete er zunächst in der Wolle- und Produktionshandlung seines Vaters, später in einer Ziegelei in Schwerin.
In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde Herrmann Bernhard verhaftet und in die Strafanstalt Neustrelitz-Strelitz eingeliefert. Erst im Frühjahr 1939 kam er wieder frei. Er kehrte zu seiner Mutter nach Wismar zurück und arbeitete in der Dachpappenfabrik Eggert. Am 12. August 1939 gelang ihm die Flucht nach Schanghai, wo er Asyl fand. Seine Mutter wurde 1942 deportiert und 1944 im KZ Auschwitz ermordet.
In Schanghai überlebte Herrmann Bernhard den Zweiten Weltkrieg. Er schlug sich als Lagerarbeiter und Zeitungsjunge durch. 1947 kehrte er nach Wismar zurück. Dort arbeitete er in verschiedenen Berufen, unter anderem in der Stadtverwaltung und ab 1949 als Betriebspolizist bei der Wismarer Werft. 1950 heiratete er Gertrud Ruttloh.
Um 1963 verlor Herrmann Bernhard aufgrund politischer Vorwürfe der „Unzuverlässigkeit“ seine Stelle bei der Betriebspolizei. Mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter Petra zog er im Herbst 1966 nach Dresden. Kurz darauf verstarb er dort.
Verlegung des Stolpersteins
Für Herrmann Bernhard wurde am 16. Februar 2019 vor dem Haus Am Schilde 4 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft übernahmen Petra Milatz und Maren Schmidt.
Zum Weiterlesen
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Michael Buddrus / Sigrid Fritzlar: Juden in Mecklenburg 1845–1945. Band 2: Kurzbiografien. Schwerin, 2019, Seiten 63, 64, 67.