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Wilhelm Leonhardt

Dr. Wilhelm Leonhardt

15. Dezember 1875 - 13.Juni 1942
Goethestraße 9
ermordet im KZ Sachsenhausen

Kurzbiografie:

"Am 16. Juni traf ein Brief von ihm ein, geschrieben am 9. Juni, worin er sich freut, bald wieder zu Hause sein zu dürfen(...) Vier Tage vor seinem Tod schreibt er das. Kommentar überflüssig."
(Ilse Leonhardt in einem Schreiben an Sella Hasse.)

Wilhelm Leonhardt kam am 15. Dezember 1875 in Brüel / Mecklenburg auf die Welt. Seine Approbation als Tierarzt erhielt er 1901. Zwischen 1922 und 1925 zog der Oberstabsveterinär a.D. nach Wismar in das Haus Fürstengarten 9 (heute Goethestraße), wo er eine Tierarztpraxis eröffnete. Am 14. November 1933 heiratete Dr. Leonhardt die Buchhändlerin Ilse Rothe, eine gemeinsame Tochter wurde 1935 geboren.

Dr. Leonhard war seit Gründung des Bundes für Mutterschutz und Geburtenregelung 1905 dessen Mitglied. Auch der Weltliga für Sexualreform trat er 1928 bei. Auf den Kongressen für Sexual-Reform und Geburtenregelung in den Jahren 1928 bis 1930 stellte er eine Möglichkeit der Geburtenregelung vor, die dort internation anerkannt und von Fachärzten als sicher bezeichnet wurde. Besonderes Lob erhielt er für diese "Secura" genannte Erfindung 1929 vom Direktor der Staatsanstalt für Mutter- und Kleinkinderschutz in Moskau.

Am 30. Dezember 1941 suchten zwei Gestapobeamte Wilhelm Leonhardt in seiner Wohnung auf. Sie beschlagnahmten einen Teil seiner Korrespondenz und verhörten ihn eineinhalb Stunden. Anschließend musste er sie begleiten, angeblich um das Protokoll zu unterschreiben. Er kehrte nie mehr nach Hause zurück. Von Wismar wurde er in das Schweriner Gerichtsgefängnis am Demmlerplatz überführt, wo er bis Anfang Februar in Einzelhaft verbrachte. In dieser Zeit durfte ihn seine Frau zweimal besuchen. Am 6. Februar 1942 deportierte ihn die Gestapo in das KZ Sachsenhausen. Dr. Leonhardt trug dort die Häftlingsnummer 40.988. Seine Frau erhielt am 15. Juni 1942 die Nachricht, dass er in Sachsenhausen an Tuberkulose verstorben sein. In den Aufzeichnungen des Konzentrationslagers wurde eine "Allgemeininfektion nach Furunkelose" als Todesursache vermerkt. Ilse Leonhardt verfasste einige Monate später ein Schreiben, in dem es heißt: "Am 16. Juni traf ein Brief von ihm ein, geschrieben am 9. Juni, worin er sich freut, bald wieder zu Hause zu sein dürfen.(...) Vier Tage vor seinem Tod schreibt er das. Kommentar überflüssig.

Was der genaue Grund für seine Verhaftung war, lässt sich derzeitig nicht belegen. Der Nationalsozialismus in Deutschland verhinderte allerdings sexualreformerische Bemühungen. Der Gründer der Weltliga für Sexualreform Magnus Hirschfeld war schon 1931 aufgrund nationalsozialistischer Anfeindungen ins Exil gegangen. Die Ziele der Liga wie die Geburtenregelung oder die Entkriminalisierung der Homosexualität waren mit dem nationalistischen Gedankengut nicht in Übereinstimmung zu bringen. In Wismar verursachte die Festnahme und Tod von Dr. Wilhelm Leonhardt großes Aufsehen.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Wilhelm Leonhardt wurde am 10. August 2013 in der Goethestraße 9 ein STOLPERSTEIN verlegt.

Zum Weiterlesen:
Falk Bersch, Stolpersteine in Wismar, Wismar: 2018