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Günter Nevermann

05. November 1933 – 16. Dezember 1942
Poeler Straße 102
ermordet in der Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg (Schwerin)

 


"Meine Mutter war schockiert und wir mussten zwei Jahre jeden Tag mit ihr zum Friedhof gehen."
(Günter Nevermanns Schwester Irmgard Munkwitz in einem Interview über die Reaktion ihrer Mutter auf die Todesnachricht.)

Im Alter von zwei Jahren wurde bei Günter Nevermann eine zebrale Kinderlähmung ("Littlesche Krankheit") diagnostiziert, die sein Gehvermögen, aber nicht seine geistige Entwicklung beeinträchtigte. Günter wurde in den nächsten Jahren in der Orthopädischen und Pädriatrischen Klinik sowie der Psychiatrischen Poliklinik in Rostock untersucht und immer wieder mit Spreizbett und -gips behandelt. Um seine Beschulung zu gewährleisten, sollte 1942 eine dauerhafte Einweisung in das Elisabethheim Rostock erfolgen, wo körperbehinderte Kinder neben der fachärztlichen Betreuung auch eine schulische und berufliche Ausbildung erhielten. Zuvor wurde eine "Sippenuntersuchung" angeordnet, deren Resultuat die Familie als "nicht förderungswürdig" einstufte und Günter zu "bildungsunfähig" erklärte. Daraufhin wurde er aus der Schulpflicht entlassen. Im Wismarer Gesundheitsamt war man jedoch der Meinung, Günter müsse eine Schulbesuch ermöglicht werden. Im September 1942 wurde er zur Beschulung in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg geschickt. Als ihn der dort verantwortliche Arzt Dr. Alfred Leu (1900 - 1975) für schwachsinnig erklärte, holte ihn seine Mutter Elfriede Nevermann sofort nach Hause. Dr. Leu drängte jedoch auf eine erneute Aufnahme, die Mitte November 1942 erfolgte. Etwa einen Monat später kam Günter in die Heil- und Pflegeanstalt im Alter von 9 Jahren ums Leben. Dr. Leu wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für die Ermordung hunderter kranker und behinderter Kinder und Erwachsener verantwortlich gemacht.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Günter Nevermann wurde am 15. Juli 2008 in der Poeler Straße 102 ein STOLPERSTEIN verlegt. Die Patenschaft für den Stein hat Herr Schulz übernommen.

Zum Weiterlesen:
Falk Bersch, Stolpersteine in Wismar, Wismar: 2018.