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Biografien zu den verlegten Stolpersteinen

Gertrud Bernhard, geb. Haendel

13. Januar 1875 -
16. Mai 1944
Am Schilde 4
ermordet im KZ Ausschwitz

 

 

 

 

Kurzbiografie:

"Vor dem Haus standen eine alte Linde und eine Bank, auf der abends die Nachbarn saßen und klönten..(...) Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, dass es von den Anwohnern Am Schilde irgendwelche Aversionen gegen die Familie Bernhard gab. Es war eine normale Nachbarschaft mit Guten Tag und Guten Weg." (Aus den Erinnerungen von Hans G. Koch an Familie Bernhard vor der nationalsozialistischen Verfolgung.)

Gertrud Haendel wurde in Landsberg an der Warthe geboren. Sie war jüdischer Abstammung. 1897 heiratete sie den jüdischen Kaufmann Paul Bernhard. Das Ehepaar zog nach Wismar und übernahm die Wolle- und Produktionshandlung samt Gerberei Am Schilde 4, die Paul Bernhards Vater bis dahin führte. Nachdem Tod ihres Mannes 1930 wurde Gertrud Bernhard die Inhaberin des Betriebes. Wie lange sie es noch führte und inwieweit sie dabei den Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war, lässt sich derzeit nicht feststellen. 1935 waren Geschäft und Grundstück bereits an Nachbarn verkauft.

Ihrem Sohn Herrmann gelang es 1939, Deutschland zu verlassen und nach China zu emigrieren. Nach Gertrud Bernhards Verhaftung in Wismar wurde sie am 12. Januar 1943 mit dem Transport 1/83 von Berlin aus in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Seit dem Weitertransport nach Ausschwitz am 16. Mai 1944 verliert sich ihre Spur.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Gertrud Bernhard wurde am 15. Juli 2008 Am Schilde 4 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den Stolperstein hat Maren Schmidt übernommen.

Zum Weiterlesen:

  • Bersch, Falk, Stolpersteine in Wismar. Wismar: 2018
  • Michael Buddrus/Sigrid Fritzlar, Juden in Mecklenburg 1845-1945. Bd 2, Kurzbiografien, Schwerin: 2018 2019, S. 63, 64, 67.

Herrmann Bernhard

 

 

 

 

Kurzbiografie:

"1939 wanderte ich wegen der Judenverfolgung durch die Nazis nach Schanghei-China aus." (Aus einem Lebenslauf Herrmann Bernhards, 1950)

Herrmann Bernhard wurde 1901 als Sohn von Paul und Gertrud Bernhard in Wismar geboren. Beide Eltern waren jüdischer Abstammung und die Familie praktizierte den jüdischen Glauben. Nach der Schulzeit lernte er in der Wolle- und Produktionshandlung seines Vaters. Danach ging er nach Schwerin und arbeitete in einer Ziegelei. In der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 wurde er verhaftet, in der Strafanstalt Neustrelitz-Strelitz eingeliefert und erst am Frühjahr 1939 entlassen. Er kehrte zurück zu seiner Mutter nach Wismar und arbeitete in der Dachpappen-Fabrik Eggert. Am 12. August 1939 verließ er Deutschland und fand in Schanghai Asyl. Seine Mutter wurde 1942 deportiert und 1944 im KZ Ausschwitz ermordert.

In Schanghei überlebte Herrmann Bernhard den Zweiten Weltkrieg. Er arbeitete als Lagerarbeitet und Zeitungsjunge. 1947 kam er nach Wismar zurück. Er hatte verschiedene Arbeitsstellen, war unter anderem in der Stadtverwaltung tätig und ab 1949 als Betriebspolizist bei der Wismarer Werft. 1950 heiratete er Gertrud Ruttloh.

Um 1963 verlor Herrmann Bernhard aufgrund politischer Unzuverlässigkeit seine Stelle bei der Betriebspolizei. Das Ehepaar Berndhard zog mit Tochter Petra im Herbst 1966 nach Dresden. Kurz darauf ist Herrmann Bernhard dort verstorben.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Herrmann Bernhard wurde am 16. Februar 2019 am Schilde 4 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den Stolperstein haben Petra Milatz und Maren Schmidt übernommen.

Zum Weiterlesen:

  • Michael Buddrus/Sigrid Fritzlar, Juden in Mecklenburg 1845-1945. Bd. 2, Kurzbiografien, Schwerin: 2019, S. 63, 64, 67

Familie Blass

 

Familie Blass überlebte den Holocaust. Sie konnten nach England flüchten und emigrierten später in die USA.
ABC-Straße 14

Kurzbiografie:

Der 1897 in Hrubieszow (Kreis Lubmin, Polen) geborene Max Blass kam mit seiner Frau Jenny etwa 1920 nach Wismar. Drei Kinder wurden ihnen hier geboren. Bernhard, Ernst und Paula.
Die jüdische Familie wohnte zunächst in der Sargmacherstraße 9, wo Max Blass auch eine Schuh- und Kleiderhandlung eröffnete.
Später zog die Familie in die Mühlengrube 36. Spätestens 1927 eröffnete Max Blass dann eine Schuhwaren- und Konfektionshandlung in der ABC-Straße 14, kurz darauf wohnte seine Familie auch dort.


Ab 1933 rief die NSDAP zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Max Blass war davon unmittelbar betroffen. Im nationalsozialistischen Niederdeutschen Beobachter wurden Kunden davor gewarnt, bei ihm einzukaufen. Zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde sein Geschäft zerstört, er und sein Sohn Ernst in Schutzhaft genommen und in der Landesstrafanstalt Neustrelitz-Strelitz inhaftiert. Wieder freigelassen und jeglicher Existenzgrundlage beraubt verließ Familie Blass Wismar. Über Großbritannien gelangten sie in die USA und begannen ein neues Leben.
Max Blass starb 1976 in Ramat-Gan (Israel).

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Max Ehrlich

26. Dezember 1873 bis 21. September 1942
Dankwartstraße 35
ermordet in Treblinka

Kurzbiografie:

Kein Ergebnis gefunden.

"Mein Vater Max Ehrlich ist am 15. 1. 1942 (....) nach Theresienstadt gekommen und von dort aus am 21. 9. 1942 weiter transportiert, in die Gaskammer!!"
(Kurt Ehrlich in einem Fragebogen vom 11. August 1958)

Max Ehrlich wurde am 26. Dezember 1873 im pommerschen Sonnenburg geboren. Zu welchem Zeitpunkt die Familie Ehrlich nach Berlin zog, ist nicht bekannt. Max Ehrlich wurde nach der Schulentlassung bei der Berliner Firma Emil Blumenthal & Co als Lehrling eingestellt. Nach der Lehrzeit arbeitete er sich dort vom kaufmännischen Angestellten zum Geschäftsführer hoch. Etwa dreißig Jahre blieb er der Firma treu, dann gründete er in Berlin eine Wäschefabrik. Am 13. Oktober 1898 heiratete er in Berlin die Schneiderin Sara Prager (1874-1942). Der Sohn Kurt wurde 1900 und die Tochter Frieda 1904 geboren. Die Ehe wurde 1927 geschieden. Im Anschluss verließ Max Ehrlich auf der berufliche Erfolg.

Um das Jahr 1930 zog er nach Wismar. Er gehörte zur Jüdischen Gemeinde Schwerin. Für das Jahr 1932 ist bekannt, dass er als Verkäufer in einem Herrenbekleidungsgeschäft arbeitete. Eine Unterkunft hatte er zu dieser Zeit in der Lübschen Straße 18, im Haus von Schlachtermeister Karl Stübe. Für das Jahr 1935 verzeichnet das Wismarer Adressbuch seine Wohnung in der Dankwartstraße 43 und bezeichnete Max Ehrlich als Verkäufer. Mitte der 1930er Jahre verlor er aufgrund der nationalistischen Repressalien seine Stellung. Max Ehrlich versuchte sich als Vertreter mit dem Verkauf von Anzügen von Haus zu Haus zu ernähren. Im Zuge der Reichsprogromnacht kam er am 10. November 1938 in Haft. Etwa eine Woche verbrachte er in der Haftanstalt Neustrelitz-Strelitz. Am 17. November wurde er entlassen. Das Überleben in  Wismar wurde ihm nun unmöglich gemacht. Max Ehrlich verließ Wismar. 1939 war er in Rostock in der Strandstraße 86 gemeldet, dies schien aber nur ein kurzzeitiger Wohnort gewesen zu sein. 

Am 14. März 1940 zog er - nun völlig mittellos - nach Hamburg und fand Unterkunft im Altenheim des Jüdischen Religionsverbandes im Jungfrauentahl 37. 1941 musste er in eines der sogenannten "Judenhäuser" ziehen, in denen die zum Transport in die Konzentrationslager bestimmten Juden gesammelt wurden. Am 16. Juli 1942 wurde er mit dem Transport VI/1 von Hamburg in das KZ Theresienstadt gebracht. Von Theresienstadt kam er am 21. September 1942 zur Deportation nach Treblinka. Auf diesem Transport sollen sich 2002 Personen befunden haben, von denen nur eine überlebte. In Treplinka wurden in der Zeit vom 22. Juli 1942 bis 21. August 1943 zwischen 700.000 und 1,1 Million Menschen ermordert.

Max Ehrlichs Sohn Kurt gelang mit seiner Frau 1938 die Emigration nach Shanghai. 1947 konnte er von dort in die USA ausreisen. Auch Tochter Frieda konnte in den USA ein neues Leben beginnen. Max Ehrlichs geschiedene Frau Sara, die in zweiter Ehe Cohnheim hieß, nahm sich am 6. August 1942 in Berlin das Leben. Wenige Tage später nach ihrem Tod wurden ihre jüdischen Nachbarn abtransportiert und ermordert.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Max Ehrlich wurde am 10. August 2013 in der Dankwartstraße 35 ein Stolperstein verlegt.

Zum Weiterlesen:
Falk Bersch, Stolpersteine in Wismar, Wismar: 2018

Johann Frehse

10. Januar 1886 – 20. Januar 1942
letzter Wohnort Kanalstraße 8
ermordet in Dachau / Schloss Hartheim

 

Kurzbiografie

Johann Frehse wurde im Januar 1886 als Sohn einer Landarbeiterfamilie in Bantow geboren. Später lebte der gelernter Schiffszimmermann in Wismar und arbeitete als Fischer.
Sein Leben wurde schon früh durch seine Kriegsinvalidität eingeschränkt, im 1. Weltkrieg verlor er seine linke Hand und sein linkes Augenlicht.
Geprägt durch die Kriegserlebnisse nahm Frehse an antifaschistischen Aktionen teil. Auch nach der Machtübernahme der Nazis blieb er in der KPD und wechselte in den Widerstand. Aus diesem Grund wurde er am 6. Dezember 1934 im Zuge eines Hochverratsprozesses zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Frehse war unter anderem daran beteiligt, Parteigenossen mit seinem Fischerboot nach Dänemark ins Exil zu bringen. Darunter war am 5. Mai 1934 Franz Jakubek, der Vorsitzende der Wismarer Ortsgruppe. Bei dem Versuch wurden sie aufgegriffen und Frehse musste eine Haftstrafe in Dreibergen-Bützow absitzen.
Danach kehrte er wieder nach Wismar zurück, wo er bis 1939 mit seiner Familie lebte. In diesem Jahr wurde er erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen überführt. Am 29. August wurde er nach Dachau überführt und am 20. Januar 1942 in der Tötungsanstalt Schloß Hartheim vergast.

Pate:

Bernhard Krummhauer, Pächter der Tankstelle „Total-Station“ an der Dr. Leber-Straße, hat die Patenschaft für diesen STOLPERSTEIN übernommen.
Nach der Verlegung am 15. Juli 2008 wurde der Stein in der Nacht vom 1. Oktober 2008 von Unbekannten entfernt. Die Projektgruppe STOLPERSTEINE konnte mit Hilfe von Spenden einen neuen Stein anfertigen lassen. Ein Mitarbeiter des Bauamtes der Hansestadt Wismar verlegte dann den neuen Stein am 20. November 2008.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Johann Frehse wurde am 15. Juli 2008 in der Kanalstraße 8 ein Stolperstein verlegt.

Carl Glöde

11. Mai 1881 – 20. April 1943
Krönkenhagen 26
ermordet im KZ Neuengamme

Kurzbiografie:

"Die Überführung der Aschenreste kann unter Beiführung einer Beisetzungsgenehmigung der Friedhofsverwaltung, welche die Beisetzung vornehmen soll, beim Krematorium des hiesigen Lagers beantragt (werden)."
(Aus der Todesmitteilung des Konzentrationslagers Neuengamme an Martha Glöde vom 20. April 1943.)

Im Jahr 1937 kehrte der Maschinenschlosser Carl Glöde aus Ostpreußen in seine Geburtsstadt Wismar zurück. Das Ehepaar Glöde, das zur Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas gehörte, fand in Krönkenhagen 26 eine Wohnung. Carl Glöde versuchte die von der Gestapo zerschlagenen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Wismar wieder zu aktivieren. Er wurde jedoch von einem Nachbarn denunziert und  wegen Aufrechterhaltung seiner Glaubensaktivitäten zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Weitere Gerichtsverurteilungen wegen kritischer Äußerungen gegen die Nationalsozialisten folgten. Nach Haftverbüßung in Dreibergen-Bützow wurde Carl Glöde in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Neuengamme überführt. Im April 1943 wurde er in Neuengamme ermordet. 

 Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Carl Glöde wurde am 15. Juli 2008 in Krönkenhagen 26 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den Stolperstein hat Duncan Ò Ceallaigh übernommen.

Zum Weiterlesen:
Falk Bersch, Stolpersteine in Wismar; Wismar: 2018.

Willi Gotthardt

09. November 1913 – 20. Januar 1945
Am Torney 31
erschossen in Krotoschin / Polen

Kurzbiografie:

Willi Gotthardt wurde 1913 in Kamps bei Schwaan geboren. Er zog Mitte der 1930er Jahre nach Wismar und wohnte mit seiner Familie Am Torney 31. Beschäftigt war er als Maler in der Waggonfabrik und als Spritzlackerierer in den Dornier-Werken. Gleich zu Beginn der NS-Herrschaft kam er in Konflikt mit dem Regime, indem er sich weigerte, den "Arbeitsdienst" weiter durchzuführen, nachdem dieser uniformiert worden war. Auch nach seiner Einberufung zur Wehrmacht - im November 1939 - verhielt er sich unangepasst. Willi Gotthardt verweigerte den Gehorsam und gab im Rahmen einer Auseinanderandersetzung einem Unteroffizier eine Backpfeife, was ihm neben einer unehrenhaften Entlassung auch acht Monate Wehrmachtsgefängnis einbrachte. Nach Wismar zurückgekehrt beschäftigte ihn die Deutsche Reichsbahn. Aber auch hier blieb Willi Gotthardt nicht still. Als er an seinem Dienstort in Petersdorf einen Transport russischer Kriegsgefangener beobachtete, empörte er sich über die unmenschliche Behandlung - was nicht ungehört blieb. Nach einer Anzeige folgte ein Prozess vor dem Schweriner Sondergericht, dass ihn zu eineinhalb Jahren Gefängnishaft verurteilte, die er in Bützow-Dreibergen absaß. Im April 1944 - nach der Haft - wurde Willi Gotthardt erneut zur Wehrmacht eingezogen und der Organisation Todt zugeteilt. Auf dem Rückmarsch durch Polen hat ihn am 20. Januar 1945 ein deutscher General willkürlich erschossen.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Willi Gotthardt wurde am 28. Juli 2009 Am Torney 31 ein Stolperstein verlegt.

Bertha Heinsius, geborene Waack

02. Januar 1889 – 18. Juli 1941
Poelerstraße 59
ermordet in Bernburg

 

Kurzbiografie:

"Die Zeugin Jehovas, die aus dem Zuchthaus kam - die Begnadigung wurde ihr Verhängns." (Helga Schubert berichtet in ihrem Buch "Die Welt da drinnen. Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom "unwerten Leben" über Bertha Heinsius.)

Die Hausfrau Bertha Heinsius lebte mit ihrer Familie in der Poeler Straße 59. 1927 schloss sie sich den Bibelforschern (Zeugen Jehovas)  an. Auch nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft im Jahre 1933 blieb sie ihrem Glauben treu.  Im Februar 1937 verurteilte sie das Schweriner Sondergericht zu neun Monaten Gefängnishaft. Grundlage des Urteils bildete die "Reichstagsbrandverordnung". Das Sondergericht hatte ihr den Kontakt zu ihren Glaubensgeschwistern sowie den Besitz eines christlichen Abreisskalenders nachgewiesen.

In der Haftanstalt Dreibergen-Bützow brach bei Bertha Heinsius eine Krankheit aus, die der Anstaltsarzt zunächst nicht erkannte. So wurde Bertha Heinsius gefesselt in eine Arrestzelle gesperrt.

Erst im Oktober 1937 wurde die schwerkranke Fraun in die Nervenklinik der Heil- und Pflegeanstalt Gehlsheim gebracht. Sie wurde 1938 mit der Auflage einer Bewährungsfrist begnadigt. Schließlich kam sie in die Heil- und Pflegeanstalt Schwerin-Sachsenberg. Im Zuge der sogenanntn "Aktion T4" wurde Bertha Heinsius am 18. Juli 1941 von Schwerin in die Vernichtsanstalt Bernburg transportiert und dort vergast.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Bertha Heinsius wurde am 15. Juli 2008 in der Poelerstraße 59 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den Stein haben das Ehepaar Markus und Jutta Stein übernommen.

 

Zum Weiterlesen:

  • Falk Bersch, Stolpersteine in Wismar, Wismar: 2018
  • Helga Schubert, Die Welt da drinnen. Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom "unwerten Leben", Frankfurt am Main: 2003, S. 47, 90-101,197.

Familie Karseboom


Am Samstag, 16. Februar 2019 wurde im Beisein von Gunter Demnig, vielen Familienangehörigen, Paten und Interessierten  acht Stolpersteine  in der  Wismarer Altstadt verlegt.

Sieben Stolpersteine wurde für Familie Karseboom verlegt. Die jüdische Kaufmannsfamilie Karseboom lebte seit 1902 in Wismar und betrieb hier ein großes Kaufhaus. Adolf Karseboom war ein angesehener Kaufmann, der auch dem Wismarer Stadtparlament angehörte. Er spielte zudem bei der Religionsausübung der jüdischen Bürger eine tragende Rolle. Sein Sohn Friedrich Karseboom (1900 bis 1987) über im Jahr 1926 das Kaufhaus (heute Hinter dem Rathaus 17).

Als große und wirtschaftlich erfolgreiche Familie waren die Karsebooms seit 1933 nationalsozialistischen Boykottmaßnahmen und antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Tatsächlich waren Friedrich Karseboom und sein im Stadtzentrum gelegenes Kaufhaus das Hauptangriffsziel der Nationalsozialistischen Presse. Ende des Jahres 1933 sah sich die Familie deshalb gezwungen nach Hamburg zu ziehen. Im Jahr 1935 gab Friedrich Karseboom gezwungener Maßen sein Geschäft auf, es wurde „arisiert“.
Friedrich Karseboom konnte im Jahr 1937/38 mit seiner Frau und den drei Kindern nach Palästina fliehen. Weitere Familienangehörige konnten Deutschland jedoch nicht mehr verlassen. Sie kamen in Konzentrationslagern ums Leben.
Im Beisein von Lawrence Marks sowie Caryn, Vicki und Ethan Hertz wurden vor dem letzten freiwilligen Wohnort am Vogelsang 7 fünf Stolpersteine verlegt. Ein weiterer Stein für Frieda Karseboom, der Mutter von Friedrich, in der Dr.-Leber-Straße, Höhe Clever Fit. Das ehemalige Wohnhaus steht heute nicht mehr.
Vor dem einstigen Kaufhaus der Karsebooms erinnert ein Stein mit der Gravur „Hier arbeitete Friedrich Karseboom“ an die dunkle Zeit der deutschen Geschichte und mahnt uns.

Die Patenschaft für den Stein für Frieda Karseboom hat Maren Schmidt übernommen.

Wilhelm Leonhardt

Jahrgang 1875 bis 13.Juni 1942
Goethestraße 9
ermordet in Sachsenhausen

Kurzbiografie:

Der Oberstabsveterinär Dr. med. vet. Wilhelm Leonhardt wurde am 15. Dezember 1875 in Brüel geboren. Später zog er nach Wismar und heiratete in zweiter Ehe die Buchhändlerin Ilse Rathke. Gemeinsam wohnten sie in der Straße Fürstengarten Nr. 9 in Nachbarschaft mit der Malerin Sella Hasse.

Leonhardt machte auf dem Gebiet der Geburtenregelung eine Erfindung, die international große Anerkennung fand. Während der NS-Zeit wurde seine patentierte Entdeckung verboten. Am 30. Dezember 1941 wurde er von Gestapo-Beamten in seiner Wohnung verhört. Nach der Unterzeichnung des Verhörprotokolls auf dem Polizeiamt wurde Leonhardt nach Schwerin in das dortige Gefängnis gebracht. Von hier wurde er später in das KZ-Sachsenhausen überführt. Am 15. Juni 1942 erhielt seine Frau telegrafisch die Nachricht, dass ihr Mann am 13. Juni an Tuberkulose verstorben sei.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Wilhelm Leonhardt wird am 10. August 2013 in der Goethestraße 9 ein Stolperstein verlegt.

Paten:

Louis Lewinski

1. April 1869 bis 26. März 1943
Altwismarstraße 17
ermordet in Sobibor

Kurzbiografie:

Der Kaufmann Louis Lewinski wurde am 1. April 1869 in Konitz (Westpreußen) geboren. Anfang der 1930er Jahre zog er nach Wismar, lebte in der Altwismarstraße 17 (damals Nr. 12) und eröffnete in der Dankwartstraße 14 ein Schuhgeschäft. Mitte der 1930er Jahre zog Arthur Lewinski, ein Verwandter, zu ihm.

Während des Novemberprogroms 1938 wurde Louis Lewinski so wie andere Wismarer Juden verhaftet und für etwa eine Woche im Zuchthaus Neustrelitz-Strelitz festgehalten. Nach seiner Ent-lassung kehrte er zunächst nach Wismar zurück, stellte aber fest, dass ihm hier die Lebensgrundlagen entzogen wurden. Er emigrierte in die Niederlande und lebte in Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht auch in die Niederlande einmarschierte und die Juden auch dort verfolgte, wurde Louis Lewinski am
9. März 1943 verhaftet und im Sammel- und Durchgangslager Westerbork inhaftiert. Am 23. März 1943 wurde er mit 1250 anderen Personen in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Louis Lewinski wird am 10. August 2013 in der Altwismarstraße 17 ein Stolperstein verlegt.

Paten:

Arthur Lewinski

6. Februar 1867 bis 24. Januar 1943
Altwismarstraße 17
ermordet in Theresienstadt

Kurzbiografie:

Der jüdische Kaufmann Arthur Lewinski wurde am 6. Februar 1867 in Saalfeld (Ostpreußen) geboren. Mitte der 1930 Jahre zog er nach Wismar und lebte bei einem Verwandten (Louis Lewinski) in der Altwismarstraße 17 (damals Nr. 12). Nach dem Novemberprogrom 1938 wurden auch ihm die Lebensgrundlagen in Wismar entzogen, so dass er sich entschied, nach Eisenach zu ziehen. Dort wurde er verhaftet und nach Leipzig gebracht, von wo er am 20. September 1942 mit einem Transport nach Theresienstadt kam. Hier starb er am 24. Januar 1943.

 

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Arthur Lewinski wird am 10. August 2013 in der Altwismarstraße 17 ein Stolperstein verlegt.

Dr. Leopold Liebenthal

26. Mai 1868 – 30. November 1938
Altwismarstraße 10
verfolgt und gestorben in Wismar

Kurzbiografie:

Leopold Liebenthal wurde als Sohn des Kaufmanns Lois Liebenthal und dessen Frau Emmi, geborene Leopold, am 26. Mai 1868 in Bergen auf Rügen geboren. Er absolvierte 1894 die Medizinische Staatsprüfung in Berlin und promovierte. Im Oktober 1894 kam Dr. Liebenthal als praktizierender Arzt nach Wismar und richtete in der Altwismarstraße 10 seine Praxis ein. Am 10. August 1898 ließ er sich in St. Marien taufen und heiratete die 24jährige Marie Spohr. Dr. Liebenthal war wegen seiner beispielhaften, unermüdlichen und selbstlosen Hilfe vor allem in der armen Bevölkerung hoch geschätzt. Sein soziales Engagement ging so weit, dass er zum Teil Behandlungen nicht in Rechnung stellte oder sogar Medikamente, die zur Behandlung notwendig waren, aus eigener Tasche finanzierte. "Liebenthal kümmt ümmer" hieß es in Wismar. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurde seine Praxis geschlossen und ihm wurde verboten zu praktizieren. Liebenthal litt sehr unter der Isolierung und des psychischen Terrors.

Am 29. November 1938 folgte eine „Sicherungsverordnung zur Vermögungssicherung von jüdischen Bürgern“. Das Eigentum von Dr. Liebenthal wurde beschlagnahmt wegen des Verdachtes auf Auswanderung. Am 30. November 1938 starb Dr. Leopold Liebenthal an Herzversagen im Alter von 70 Jahren. Sein Trauerzug wurde auf Grund des Drucks der Nationalsozialisten nur von zwei Personen verfolgt, jedoch ehrten viele Liebenthal, in dem sie an den Straßen oder auf dem Friedhof zu der Zeit „zu tun“ hatten. In der Altwismarstraße 10 wurde zu Ehren von Dr. Liebenthal eine Gedenktafel angebracht, hier wohnte und arbeitete er. Auch eine Straße in Wismar trägt seinen Namen. Er liegt heute mit seiner Frau auf dem Westfriedhof an der Schweriner Straße in Wismar.

Dr. med. Liebenthal wude am 1. Januar 1895 in die Freimaurerloge Wismar aufgenommen. Die Wismarer Loge hat sich bei Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht von seinem Mitglied getrennt. Immerhin waren etwa 130 Männer aus der Wismarer Gesellschaft Mitglied der Loge, darunter etwa der hochgeachtete Direktor der Stadtwerke Lindekungel und der letzte Vorsitzende war Karl-Ludwig Eschenhagen, Fabrikant einer bekannten Spirituosenfabrik und weiterer Unternehmungen. Es gehörten Männer der Loge an, dessen Familiennachfahren noch heute in Wismar leben.
Die Wismarer Loge wurde am 16. Juli 1935 zwangsweise aufgelöst.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Dr. Leopold Liebenthal wurde am 15. Juli 2008 in der Altwismarstraße 10 ein Stolperstein verlegt.

 

Patenschaft:

Die Patenschaft für den verlegten Stolperstein hat die Loge zur Vaterlandsliebe Wismar e. V. übernommen.

Walter Mantow

30. Mai 1897 – 18. Juli 1941
Krönkenhagen 20
ermordet in Bernburg

Kurzbiografie:

Walter Mantow wurde am 30. Mai 1897 in Wismar geboren. Er wohnte in Krönkenhagen 20 und war bis zum Ausbruch eines Nervenleidens als Malermeister tätig. Auf Grund dieser Krankheit konnte er seine Arbeit nicht mehr ausüben und war auf die Hilfe und Pflege seiner Mutter angewiesen. Sie stellte zahlreiche Anträge an das Wohlfahrtsamt Wismar und erhielt Hilfe durch einen Armenpfleger.

Im Mai 1933 konnte Walter Mantow für kurze Zeit arbeiten gehen. Jedoch verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand in den folgenden Wochen. Der Arzt unterstützte die dringende Aufnahme des Wiedererkrankten in eine Heilanstalt und so stellte die Mutter schließlich den Antrag auf Aufnahme ihres Sohnes in ein Wismarer Heim. Walter Mantow wurde aufgenommen und ein Jahr später „zur dauerhaften Anstaltspflege“ in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg Schwerin umquartiert.

Am 18. Juli 1941 wurde Walter Mantow mit anderen Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg mit der „Gemeinnützigen Krankentransportgesellschaft“ einer Organisation der SS – in die Tötungsanstalt Bernburg verlegt und noch am selben Tag vergast. Er starb im Alter von 44 Jahren.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Walter Mantow wurde am 15. Juli 2008 in Krönkenhagen 20 ein STOLPERSTEIN verlegt.

Günter Nevermann

05. November 1933 – 16. Dezember 1942
Poeler Straße 102
ermordet in Schwerin

 

Kurzbiografie:

Besonders deutlich wird die verbrecherische Politik der Nationalsozialisten bei der Ermordung unschuldiger Kinder. Im Alter von zwei Jahren wurde bei Günter Nevermann die „Littlesche Krankheit“ diagnostiziert. Diese Krankheit verursachten starke Krämpfe, durch welche sein Gang beeinträchtigt war. 1937 erfolgte dann eine geplante Hüftoperation. Der Befund des Arztes am 5. Juli 1939 beschreibt eine stark rundrückige Sitzhaltung sowie einen schwachen Eindruck des Jungen. Die Mutter von Günter möchte trotz der Empfehlung des Arztes der Einlieferung ihres Sohnes nicht zustimmen.

Am 22. September 1942 erhalten die Eltern ein Schreiben von der Pflegeanstalt, indem ihr Kind für schwachsinnig erklärt wird. Der Vater von Günter Nevermann schrieb auf diese Diagnose eine Widerlegung dieser Ansichten. Er betonte, dass sein Kind keinesfalls geisteskrank sei, sondern lediglich an einer Lähmung leide, die in keinem Fall seine psychischen Fähigkeiten beeinträchtigte.

Am 16. Juli 1940 erfolgte die Wiederaufnahme in die Orthopädische Klinik in Rostock. Zur weiteren Behandlung wird Günter am 19. Oktober 1942 in die Pflegeanstalt eingewiesen. In der Nacht vom 16. Dezember 1942 verstirbt er. In den Unterlagen des damaligen Facharztes für Orthopädie vom 16. März 1942 ist vermerkt, dass der Arzt Günter für nicht förderungswürdig hielt. Günter Nevermann verstarb im Alter von 9 Jahren.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Günter Nevermann wurde am 15. Juli 2008 in der Poeler Straße 102 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den Stolpersteine hat Herr Schulz übernommen.

Familie Nierath

Martha Nierath, geborene Fromm
13. September 1892 – 18. Juli 1941
Klußer Damm 52
getötet in Bernburg

Rudolf Nierath
02. September 1893 – 18. Juli 1941
Klußer Damm 52
getötet in Bernburg

 

Kurzbiografie:

Stolpersteinverlegung am Klusser Damm Diese Stolpersteine erinnern an Familie Nierath. Wir wissen jedoch kaum etwas über sie.

Martha Nierath wurde am 13. September 1892 in Groß Niendorf bei Wismar geboren und war in erster Ehe mit Albert Ortmann verheiratet. Ihr Sohn Werner, geboren am 4. Januar 1916, lernte den Beruf des Elektrikers und fiel um Zweiten Weltkrieg als Soldat.

Martha und Rudolf heirateten am 22. April 1919, kurze Zeit später zogen sie nach Wismar, in den Klußer Damm 52. Martha Nierath brachte bereits ein Kind aus erster Ehe mit in die Familie ein. Ihre gemeinsame Tochter Elli kam am 30. April 1920 zur Welt. Die Tochter Elli arbeitete später als Hausmädchen.

Rudolf und Martha Nierath wurden im Jahr 1939 in die Heil- und Pflegeanstalt bei Schwerin eingeliefert. Zwei Jahre später wurden sie mit weiteren Patienten dieser Anstalt nach Bernburg transportiert. Sie kamen am Abend des 18. Juli in Bernburg an und wurden noch in der selben Nacht vergast.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Martha und Rudolf Nierath wurden am 28. Juli 2009 am Klußer Damm Stolpersteine verlegt.

Paten:

Familie Junge, wohnhaft am Klußer Damm 52, haben die Patenschaft für die Stolperstein für Martha und Rudolf Nierath übernommen.

Ernst Scheel

16. Juni 1872 – 04. Juli 1944
Böttcherstraße 4
ermordet in Dachau

 

 

Kurzbiografie:

Ernst Scheel wurde 1872 in Loppin geboren, wuchs in Wismar auf, erlernte den Beruf eines Schlossers und fuhr nach der Ausbildung zur See. Er verbrachte viele Jahre im Ausland, bewirtschaftete u. a. eine Farm in Ägypten. Seine Erlebnisse veröffentlichte er später in Büchern. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland zurück. In Wismar wurde er Mitglied der KPD. 1926 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des Rot-Frontkämpferbundes und wirkte beim Aufbau einer Schalmeienkapelle mit, die er finanziell unterstützte.
Nach der Machtergreifung Hitlers blieb er seiner politischen Überzeugung treu und wurde deshalb mehrfach verhaftet.

Zuletzt war er wohnhaft in der Böttcherstraße und wurde von dort aus in das KZ Sachsenhausen gebracht und im November 1942 in das KZ Dachau überführt. Er verstarb dort im Juli 1944 im Alter von 72 Jahren.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Ernst Scheel wurde am 15. Juli 2008 in der Böttcherstraße 4 ein Stolperstein verlegt.

Heinrich Woest

07. Juni 1886 – 08. Februar 1939
St. Georgenkirchhof 13
ermordet in Sachsenhausen

 

Kurzbiografie:

Im St. Georgenkirchhof 13 wohnte und arbeitete der Schuhmacher Heinrich Woest. 1921hatte er sich den Bibelforschern (Zeugen Jehovas) angeschlossen. die Nationlsozialisten verhafteten ihn 1935 das erste Mal und verurteiltenihn zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe, weil er mit anderen Mitgliedern der Wismarer Gemeinde der Zeugen Jehovas einen Protestbrief an die Hitlerregierung geschickt hatte.

Nach seiner Freilassung engagierte er sich weiterhin für die 1933 verbotene Glaubensgemeinschaft und so dauerte es nicht lange bis die Gestapo wieder auf ihn aufmerksam wurde.

Im Sommer 1936 wurde er verhaftet und schließlich am 3. Februar 1937 vom Schweriner  Sondergericht, das im Wismarer Fürstenhof tagte, verurteilt. Die zweijährige Haftstrafe verbrachte er in Neustrelitz-Strelitz und Dreibergen-Bützow. Statt aber 1938 entlassen zu werden, überführte ihn die Gestapo in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort verstarb Heinrich Woest nur wenige Monate später.

Er war einer von 168 Zeugen Jehovas, die in Sachsenhausen um Leben kamen.

 

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Heinrich Woest wurde am 15. Juli 2008 Am St. Georgenkirchof 13 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den STOLPERSTEIN haben das Ehepaar Matthias und Beate Oehm übernommen.

Zum Weiterlesen:
Bersch, Falk, Stolpersteine in Wismar. Wismar: 2018.

Falk bersch, Protestaktion der Zeugen Jehovas vor 70 Jahren - der 7. Oktober 1943 in Mecklenburg, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern. 8. Jg., 2004, H. 2, S. 5-17

Wilhelm Wohler

20. Oktober 1889 – 05. April 1940
Poelerstraße 63
ermordet im KZ Sachsenhausen

Kurzbiografie:

 Stolpersteineverlegung durch Gunter Demnig für Wilhelm Wohler.

Man steckt uns in Schutzhaft um uns
mundtot zu machen bedenkt aber nicht, daß man durch die Verhaftung des Warners die Gefahr nicht beseitigt, sondern eher noch vergrößert.“
(Wilhelm Wohler im Oktober 1936 aus der Landesstrafanstalt Neustrelitz- Strelitz an seine Schwester)

Wilhelm Wohler, der am 20. Oktober 1889 in Dodow bei Wittenburg geboren wurde, zog 1919 nach Wismar und gründete dort eine Stellmacherei. Seine Schwester Anna zog zu ihm und führte den Haushalt. Beide lernten die Bibelforscher (Zeugen Jehovas) kennen und schlossen sich ihnen an. 1920/21 trat Wilhelm Wohler aus der Kirche aus und ließ sich taufen. Durch die Inflation verlor er sein Geschäft und aufgrund eines Unfalls, bei dem er die Sehkraft des rechten Auges einbüßte, konnte er nicht mehr als Stellmacher arbeiten. 1933 fand er in der Schleiferei der Firma Häussler eine Beschäftigung.

Trotz des Verbotes der Bibelforschervereinigung durch die Nationalsozialisten betätigte sich Wilhelm Wohler weiter für seinen Glauben.  Wilhelm Wohler organisierte Zusammenkünfte, sprach mit anderen über seinen Glauben und hielt Kontakt mit im Untergrund reisenden Predigern der Zeugen Jehovas. 1936 verhaftete man ihn . Im Februar 1937 wurde er zusammen mit anderen Wismarer Zeugen Jehovas vor das Schweriner Sondergericht gestellt, das im Fürstenhof tagte, und ihn zu zwei Jahren Gefängnishaft verurteilte.

22 Briefe Wilhelm Wohlers aus der Haft sind überliefert; Briefe, die er aus den Gefängnissen Neustrelitz-Strelitz, Dreibergen-Bützow sowie aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen an seine Schwester Anna schrieb. Sie sind ein eindrucksvolles Zeugnis, da sie Wilhelm Wohlers gesamten Haftweg dokumentieren– den ersten Brief verfasste er kurz nach seiner Verhaftung, den letzten etwa zwei Wochen vor seinem Tod.

Man erfährt beim Lesen der Briefe nicht nur die religiösen Gründe seiner Ablehnung des Hitlerregimes, wie sie etwa in obigen Worten zum Ausdruck kommen. Er schreibt positive Erlebnisse nieder,  will seiner Schwester Mut machen und sie stärken. Kein Wort von seinem Leiden und von den Demütigungen. Auch über seinem verlorenen Kampf gegen die Zwangssterilisation im Gefängnis schreibt er nichts.

Bewegend, wenn man immer wieder liest, wie er sich über seine angekündigte Entlassung freut und Pläne für die Zukunft schmiedet: „Nun sind die Tage schon zu zählen, es sind keine hundert mehr. Habe ich die vielen herumgekriegt, werde ich die wenigen auch noch herumbekommen.“ Als diese Zeilen entstanden, ahnte er noch nicht, dass die Gestapo ihn nicht nach Hause, sondern in ein Konzentrationslager schicken sollte.

 Erschütternd der letzte Brief vom 24. März   1940. Weil er nach wie vor zu seinem Glauben stand, durfte Wilhelm Wohler nur wenige Zeilen  aus Sachsenhausen schreiben. Die Sätze: „Mir geht es gut, grüße bitte alle Verwandten und Bekannten.“ sollten die letzten sein, die seine Schwester von ihm erhielt. Denn gut ging es ihm wahrlich nicht. Am 5. April 1940 starb Wilhelm Wohler in Sachsenhausen an Körperschwäche. In diesem Winter kam beinahe jeder vierte inhaftierte Zeuge Jehovas in Sachsenhausen ums Leben.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Wilhelm Wohler wurde am 28. Juli 2009 in der Poelerstraße 63 ein Stolperstein verlegt.Die Patenschaft für den STOLPERSTEIN  haben das Ehepaar Markus und Jutta Stein übernommen.

Zum Weiterlesen:
Falk Bersch, Die Briefe des Zeugen Jehovas Wilhelm Wohler aus den Strafanstalten Neustrelitz-Strelitz, Dreibergen-Bützow und dem Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 bis 1940, in : Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, 19. Jg., 2015, H. 1, S. 72-87

Falk Bersch, Stolpersteine in Wismar, Wismar: 2018

Falk Bersch, Wohler, Wilhelm, in: Karge, Wolf (Hg.), Biografisches Lexikon für Mecklenburg, Bd. 9, Schwerin: 2018, S. 294, 295.

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Frau Petra Steffan
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Fax: 03841 251-9037
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