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Auszug - Hausärztliche Versorgung in Wismar  

Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport, Jugend, Bildung und Soziales
TOP: Ö 6
Gremium: Ausschuss für Kultur, Sport, Jugend, Bildung und Soziales Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mo, 05.09.2016 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:30 - 18:15 Anlass: Sitzung
Raum: Raum 120, Senatszimmer
Ort: Am Markt 1, 23966 Wismar
VO/2016/1864 Hausärztliche Versorgung in Wismar
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Fraktionsantrag
Verfasser/-in:FÜR-WISMAR-Fraktion


Herr Box erläutert den Werdegang der Vorlage und verliest den Beschlussvorschlag. Der Vorlage der FÜR-WISMAR-Fraktion nach, stellt sich die Situation der hausärztlichen Versorgung in Wismar als katastrophal dar.

 

Herr Dr. Kreye von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wird gebeten, die aktuelle Situation in Wismar aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung darzulegen.

Gemäß der Kassenärztlichen Vereinigung liegt in Wismar „keine drohende Unterversorgung“ vor. In Wismar und der unmittelbaren Umgebung kommen auf einen Hausarzt 1.425 Patienten. Gemäß der Richtlinie der Kassenärztlichen Vereinigung sollen in ländlichen Räumen (hierzu gehört auch Wismar) auf einen Hausarzt 1.600 Patienten kommen. Von einer „katastrophalen“ Lage kann also in Wismar keine Rede sein. Zur Zeit können noch 3,5 Hausärzte eine Zulassung in Wismar beantragen. Ist die Zahl erreicht, wird Wismar für Hausärzte gesperrt und weitere Zulassungen werden nicht mehr möglich sein.

Herr Dr. Kreye erklärt, dass die „gefühlte“ Versorgung anders aussehen kann, jedoch sind die Planzahlen in Ordnung. Derzeit praktizieren 34 Hausärzte in Wismar.

Nachfragen erfolgen durch Herrn Keßler und Frau Teß.

 

Herr Jürgensen vom SANA-Klinikum merkt an, dass sich die hausärztliche Versorgungssituation durch den Generationswechsel in den nächsten Jahren verschärfen könnte. Das Klinikum erachtet niedergelassene Ärzte mit eigenen Praxen als wichtig, könnte sich aber vorstellen bei Bedarf Praxen zu übernehmen.

 

Herr Helms-Ferlemann vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) erläutert kurz den Unterschied zwischen niedergelassenen Ärzten und angestellten Ärzten. Er gibt an, dass die Zahl der angestellten Ärzte, insbesondere Ärztinnen, zunimmt. Beim MVZ sind 8 Ärzte angestellt, die in Wismar praktizieren. Derzeit befinden sich zwei niedergelassene Ärzte (beide über 60) im Gespräch mit dem MVZ bezüglich einer Praxisübernahme.

 

Herr Box fasst die Ausführungen von Herrn Dr. Kreye, Herrn Jürgensen und Herrn Helms-Ferlemann zusammen. Er bittet möglichst um Vorschläge, was die Verwaltung der Hansestadt Wismar tun müsste, um mehr Ärzte an Wismar zu binden.

 

Herr Dr. Kreye erklärt, dass für junge Ärzte verschiedene Aspekte dafür eine Rolle spielen können. Hier steht meistens nicht das eigene Haus im Vordergrund, sondern vielmehr spielen ein Job für den Partner, Schulen für die Kinder, Verkehrsanbindungen oder auch Freizeitmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Da in Wismar keine drohende Unterversorgung vorliegt, kann die KV hier im Augenblick auch nicht unterstützend tätig werden.

 

Herr Dr. Schröder gibt zu bedenken, dass zur Zeit der Vorlagenerstellung die Situation in Wismar viel schlechter war. Zu dem Zeitpunkt waren noch 8 Stellen unbesetzt. Er erfragt das Durchschnittsalter der Wismarer Hausärzte.

Dies ist Herrn Dr. Kreye nicht bekannt. Er erklärt den Anwesenden, dass das Studium 10 bis 12 Jahre dauert. Derzeit werden deutlich mehr Allgemeinärzte ausgebildet, davon jedoch deutlich mehr Frauen.

Herr Jürgensen gibt an, dass das SANA-Klinikum über den eigenen Bedarf hinaus ausbildet und die ausgebildeten Ärzte bei der Eröffnung einer eigenen Praxis unterstützt.

Es erfolgten Wortmeldungen von Frau Lechner, Frau Hagemann und Herrn Kothe.

 

Herr Berkhahn sieht nach den gehörten Erläuterungen keinen Handlungsbedarf für die Verwaltung der Hansestadt Wismar. Es gibt keine Zuständigkeit und keine Möglichkeit für die Hansestadt tätig zu werden.

Frau Teß gibt zu bedenken, dass die hausärztliche Unterversorgung nicht nur „gefühlt“ ist, wenn etwa 10 % der Wismarer keinen Hausarzt finden. Es sollte eine Anlaufstelle zur allgemeinen Verfügung stehen. An diese könnten sich dann Patienten wenden, die noch keinen Hausarzt gefunden haben.

 

Herr Dr. Kreye erklärt, dass jeder Arzt selbst einschätzen muss, wie viele Patienten er aufnehmen kann. Die Verwaltung der Hansestadt Wismar und auch die Patienten ohne Hausarzt können sich bei Problemen an die KV wenden. Außerdem sollte die Hansestadt Wismar den Zuzug von Bürgern beachten. Es ist auch möglich, an Studenten heranzutreten und ihnen die Stadt Wismar als möglichen späteren Arbeitsplatz anzubieten. Viele Studenten bleiben sonst in den Städten, in denen sie Ihre Ausbildung absolvieren und bauen sich dort ein Leben auf.

Es erfolgten Wortmeldungen von Herrn Fuhrwerk und Frau Lechner.

 

Es steht der FÜR-WISMAR-Fraktion frei, die Vorlage nach heutiger Diskussion erneut in die Bürgerschaft einzubringen.