Günter Anlauf - Von Bären, Nixen und Fabelwesen

Die Gerichtslaube in Wismar ist ein zweischiffiger, sechsjochiger Saal mit Kreuzrippengewölbe
auf Rundpfeilern mit glasierten und unglasierten Ziegeln aus dem 14. Jahrhundert, der in
den Rathausneubau von 1817 integriert wurde. Ein architektonisches Juwel historischer Baukunst
mit außergewöhnlichen Möglichkeiten Kunst zu präsentieren.




Beginn:
Ende:
Ort:

Gerichtslaube, Rathaus

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Die Eröffnung findet am 14. November 2025 um 17.00 Uhr statt.

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag - 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Samstag - 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Sonntag - geschlossen

Führungen mit der Kuratorin Dr. Karen E. Hammer
Samstag, 22.11.2025 um 14.00 Uhr
Samstag, 29.11.2025 um 14.00 Uhr
Freitag, 05.12.2025 um 14.00 Uhr
Samstag, 13.12.2025 um 14.00 Uhr
Die Teilnahme ist kostenfrei.

Der Bildhauer Günter Anlauf
Seine Denkmäler prägen bis heute das Berliner Stadtbild, trotzdem ist Günter Anlauf – wie viele andere Künstler der Nachkriegszeit in Deutschland - in Vergessenheit geraten. Anlässlich des 25. Todestages kann mit einer Ausstellung an ihn erinnert werden.

Günter Anlauf (1924 bis 2000) hat das Wappentier der Berliner, den Bären, als Großplastik an der Autobahn und auf der Moabiter Brücke in den Jahren 1980-83 geschaffen. Mit mehreren Kollegen arbeitet er jahrzehntlang am Wiederaufbau des Charlottenburger Schlosses und gestaltet es u.a.mit Putten, Stuckarbeiten, Brunneneinfassungen und vier Attikafiguren. Rund 70 kahle Hausfassaden im ehemaligen West-Berlin gestaltet er mit seinem Formenrepertoire, ebenso Kirchenräume. Zahlreiche Grabplastiken, große Skulpturen im öffentlichen Raum und Kleinplastiken entstehen in seinen Ateliers. Sein hintergründiger Humor wird immer wieder durch Zitate von historischen Formen mit Witz und Ironie sichtbar. Kein Wunder, dass die bekannten Kunsthistoriker der Zeit Martin Sperlich (1919–2003) und Helmut Börsch-Supan (1933) sich zu seinen Arbeiten gerne in Reden und Texten äußerten.

Durch die Bereitschaft eines Sammlers und seiner Familie sowie der Witwe des Künstlers kann in Wismar eine Ausstellung mit kleineren Formaten gezeigt werden.

Seit 1953 beteiligte sich Günter Anlauf an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland und gründet 1959 in Berlin Kreuzberg mit den Freunden und Malerpoeten Günter Bruno Fuchs und Robert Wolfgang Schnell die legendäre Hinterhofgalerie "Zinke", in der sich Künstler aus Westund Ostberlin bis zum Mauerbau 1961 in Kreuzberg trafen. Es war ihm immer ein Anliegen seine Kollegen in sein Leben und Wirken einzubeziehen.

Günter Anlauf stammt aus Schlesien und kommt 1946, nach Kriegsdienst und sowjetischer Gefangenschaft, nach Berlin. Hier studiert er an der Hochschule in Weißensee und vertieft anschließend seine handwerklichen Fähigkeiten mit einer Steinmetzlehre. Inspiration gibt ihn Constantin Brâncuși (1876–1957), der berühmte rumänisch-französische Bildhauer der Moderne. Die Beseitigung von Kriegsschäden gewinnt heute wieder an Aktualität und wies Anlauf vor 80 Jahren die Richtung für sein ganzes Leben: Schäden beheben und darauf achten, dass nicht neue durch die Wiederholung alter Fehler entstehen. Er erreicht mit seiner Arbeit und der Bewältigung der vielfältigen Aufgaben eine wirtschaftliche Unabhängigkeit, so dass er seine eigenen Stein- und Bronzefiguren ausführen kann. Mehrfach zieht es ihn an die Ostsee, wo er mit vielen Künstlerinnen und Künstlern im Kloster Cismar ausstellt. Nach seinem Tod im Jahr 2000 in Berlin erhält er ein Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Heerstraße.