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Wismarer Persönlichkeiten

Quelle: "Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern?", Autor: Grewolls, Grete, Bremen, Edition TEMMEN 1995
Weitere ausführlichere Informationen erhalten Sie beim Stadtarchiv der Hansestadt Wismar.

Bade, Wilhelm

Kapitän, Nordpolarfahrer
geboren am 20.02.1843 in Hohen-Wieschendorf, gestorben am 27.07.1903 in Rostock,
Vater: Rittergutsbesitzer

Entdeckte Spitzbergen als Reiseland:

  • 1869/ 70 Teilnahme an der 2. Deutschen Nordpolarexpedition nach Spitzbergen
  • 1892/93-1903 Organisation mehrerer Touristenreisen nach Spitzbergen
  • sein Tagebuch über die Expedition befindet sich im Stadtarchiv Wismar

Busch, Johannes Karl Ludwig

Architekt 
geboren am 03.03.1869 in Kaköhl, gestorben am 15.06.1953 in Wismar

Im Jahr 1895 ließ sich Busch als freiberuflicher Architekt in Wismar nieder. Ab 1902 fungierte er als Gutachter und Berater für die Stadt. Seit 1910 gehörte Busch dem Bürgerausschuss an, in welchem er von 1913 bis 1916 den Vorsitz inne hatte. Außerdem war er Mitglied in der städtischen „Kommission zur Erhaltung des Stadtbildes“, im Haus- und Grundbesitzerverein und im Gewerbeverein sowie Stadtverordneter und später unbesoldeter Stadtrat.

Sein Werk umfasst neben einfachen Wohnhäusern, Villen und Gutshäusern auch Schulen, Kaufhäuser und Fabrikhallen. In Wismar können ihm bisher 70 Gebäude zugeschrieben werden. Dazu zählen die Neubauten: des Karstadt-Kaufhauses in der Krämerstraße / Ecke Lübsche Straße (1906-1908), der ehemaligen Knabenvolksschule (heute: G.-Hauptmann-Gymnasium) in der Dahlmannstraße (1903-1905) und der Villa in der Schweriner Straße 2 (1903).

Canow, Carl Georg Nicolaus

Portrait- Maler
geboren am 09.01.1814 in Wismar, gestorben am 30.10.1870 in Wismar,
Vater: Schuster
  • erster Zeichenunterricht bei Malermeister Meese in Wismar
  • 1831 Abschluss der Lehre bei Maler Carlsburg in Neubukow
  • danach Schüler hei Ernst Düberg in Wismar
  • 1837 Atelierschüler bei Prof. Herbig in Berlin
  • 1838-I840 Berliner Akademie der Künste
  • 1840 Rückkehr nach Wismar
  • malte Porträts, vor allem bekannter Persönlichkeiten aus Wismar, wie den Bürgermeister Gabriel Christoph Lembke oder die Frau Paepke
  • Selbstporträt, Porträt seiner Eltern
  • malt später auch Genrebilder
  • Altarbild für die mecklenburgischen Kirchen in Walkendorf bei Tessin und Camin
  • 1870 setzte eine plötzliche Geistesverwirrung ein und er erhängte sich auf der Feldmark bei Wismar
  • gehörte zu den Meistern der mecklenburgischen Porträtkunst des vorigen Jahrhunderts

Seine Leidenschaft zur Malerei entdeckte Canow bereits in frühester Jugend.
Er vollendete eine Malerlehre und wurde anschließend Schüler des Kunstmalers Carl Düberg. Förderungen durch Mäzene ermöglichten Canow ein Studium an der Akademie der Künste in Berlin von 1837 bis 1840. Nach dem Abschluss seines Studiums kehrte er wieder nach Wismar zurück und erreichte in den Folgejahren den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens.
Sein Lebenswerk umfasst etwa120 Portraits, 30 Genrebilder, zwölf Landschafts- und Altarbilder sowie 28 Handzeichnungen. Während die meisten seiner Werke in Privatbesitz sind, befinden sich 25 Bilder und zehn Grafiken im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums und fünf Grafiken im Stadtarchiv Wismar.
C. G. N. Canow war einer der bedeutendsten mecklenburgischen Maler seiner Zeit.

Carl Canow - von der entschiedenen Neigung zur Malerei

8. Oktober 2004 bis 6. März 2005

So vollständig wie nie zuvor zeigte die Ausstellung "Carl Canow - Von der entschiedenen Neigung zur Malerei" mit mehr als 80 Werken die Bandbreite des Wismarer Malers Carl Canow.

Ungefähr die Hälfte der ausgestellten Werke stammten aus dem Bestand des Stadtgeschichtlichen Museums, die anderen Werke stellten das Staatliche Museum Schwerin, die Stiftung Mecklenburg, das Kulturhistorische Museum Rostock sowie Privatleihgeber zur Verfügung.

Vor allem Porträts des Wismarer Bürgertums und des Landadels der Umgebung prägten Canows Ruf. Dass er 1814 als Sohn eines Schustermeisters in Wismar geboren wurde, mit Unterstützung Wismarer Bürger zeitweise an der Berliner Akademie studierte, eine Vielzahl von Porträts Wismarer Bürger malte, sich schließlich 1870 in geistiger Umnachtung umbrachte und auf dem Wismarer Friedhof beerdigt wurde, gehört zu den bekannten Eckpfeilern in der Biographie Carl Canows.

Doch zwischen den Polen "arm geboren" und "geisteskrank gestorben" entfaltete sich ein reiches Künstlerleben, das sich in der Herstellung von Auftragsporträts längst nicht erschöpfte. Insbesondere mit seinen Genrebildern nahm Carl Canow am nationalen Kunstleben des 19. Jahrhunderts teil.

Mit Unterstützung verschiedener Kunstvereine in Deutschland und der Schweiz bot Canow seine Genrebilder auf dem freien Kunstmarkt an und verkaufte sie auf Ausstellungen zwischen Tilsit und Stuttgart sowie nach Schweden. Obgleich er bis auf seine kurze Studienzeit in Berlin stets in Wismar ansässig war, reichte sein Radius durch diese Teilnahme am überregionalen Kunstmarkt weit über seine Heimatstadt hinaus.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der in der Beguinenstraße 4 bei der Museumsverwaltung zu erwerben ist.

Dahlmann, Friedrich Christoph

Historiker, Politiker
geboren am 13.05.1785 in Wismar, gestorben am 05.12.1860 in Bonn
Vater: Johann Christian Ehrenfried Dahlmann, Bürgermeister

 

  • besuchte die Schule in Wismar
  • studierte in Kopenhagen, Halle und Wittenberg
  • wurde 1813 Professor für Geschichte in Kiel
  • Sekretär der Schleswig-Holsteinischen Prälaten und Ritterschaft
  • 1829 Professor für Staatswissenschaften in Göttingen
  • wird 1837 als einer der Göttinger Sieben seines Amtes enthoben
  • 1842 - 1860 Universitätsprofessor in Bonn
  • 1848 Vertrauensmann Preußens beim Bundestag
  • ihn verbindet enge Freundschaft mit Heinrich von Kleist

Dubois, Heinz

Maler
geboren am 06.08.1914 in Schwirgsten (Ostpreußen), gestorben am 30.05.1966 in Wismar

 

  • 1928 - 1932 Musikerlehre
  • bis 1943 in einer Militärkapelle in Königsberg beschäftigt
  • 1941 - 1942 Gastschüler an der Akademie der Künste Königsberg
  • 1944 - 1945 Soldat
  • kam 1945 nach Schwerin
  • 1949 -1952 Dozent an der Fachschule für angewandte Kunst Wismar, später Heiligendamm
  • 1950 -1952 Meisterschüler der Akademie der Künste Berlin
  • 1961 Übersiedlung nach Hoben bei Wismar
  • seit 1946 Mitglied des Verbandes Bildender Künstler und zeitweise dessen Vorsitzender
  • 1957 Fritz-Reuter-Kunstpreis
  • malte Landschaften, Stilleben und Porträts

Düberg, (Johann Christian) Peter

Jurist
geboren am 16.02.1806 in Wismar, gestorben am 12.01.1873 in Wismar
Vater: Kaufmann

 

  • war Advokat und Notar
  • ist auch als Politiker hervorgetreten
  • Herausgeber des »Handbuch für  den gesamten schriftlichen Verkehr des Mecklenburgers im privaten- und im öffentlichen Lebens
  • fertigte ein chronologisches und systematisches Inhaltsverzeichnis zum Regierungsblatt für das Großherzogtum Schwerin 1857-1866 an
  • gab die »Mecklenburgischen Ausführungsverordnungen zu den "Reichsjustizgesetzen mit Anmerkungen und Registern heraus« (1879) 

Prof. Dr. Frege, Friedrich Ludwig Gottlob

Logiker und Mathematiker, Professor

geboren am 08.11.1848 in Wismar, gestorben am 26.07.1925 in Bad Kleinen
Vater: Leiter einer privaten Mädchenschule

Nach dem Abitur an der Großen Stadtschule zu Wismar studierte Frege Mathematik, Physik, Chemie und Philosophie an den Universitäten Jena und Göttingen. Er promovierte 1873 und war seit 1874 als Privatdozent in Jena tätig, wo er im selben Jahr bei Ernst Abbe habilitierte. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten förderten nicht nur die Entwicklung der Mathematik, sondern stellen eine wesentliche Voraussetzung für ihre Anwendung in der Rechentechnik und somit in der Kybernetik dar. Er wird als der bedeutendste Denker und Logiker des 19. Jahrhunderts bezeichnet und gilt als Begründer der analytischen Philosophie.

Er war „ ... einer der größten abendländischen Denker überhaupt vom Rang und der Tiefe eines Leibnitz und zudem der größte Logiker seit Aristoteles ... .“ (Prof. Chr. Thiel, Universität Erlangen-Nürnberg)

  • bis 1869 an der Großen Stadtschule in Wismar
  • Mathematikstudium in Jena und Göttingen
  • in Göttingen promoviert und in Jena habilitiert
  • 1874-1879 Privatdozent
  • 1879 Titularprofessor
  • 1896 ordentlicher Honorarprofessor in Jena bis zu seiner Emeritierung 1918
  • kehrte in seine mecklenburgische Heimat zurück und wohnte und arbeitete bis zu seinem Tode in Bad Kleinen
  • 1884 »Die Grundlagen der Arithmetik«
  • 1893 und 1903 2 Bände »Grundgesetze der Arithmetik«

Gildemeister, Karl

Plattdeutscher Dichter
geboren am 17.06.1857 in Wendorf bei Wismar, gestorben am 22.01.1936 in Wendorf
Vater: Dorfschulze
  • entstammt einer alteingesessenen mecklenburgischen Familie
  • besuchte die Dorfschule und anschließend die Realschule Wismar
  • schloss eine Landwirtschaftslehre ab
  • wurde 1888 Dorfschulze in Vor Wendorf und Erbpächter nach des Vaters Tod
  • hatte bereits 1881 »Plattdütsche Gedichte« geschrieben
  • es folgen:
    • 1894 »Tafel-Lieder«
    • 1895 »Jochen Frank«
    • 1896 »Fiken Bolt«
    • 1896 und 1900»Ketelbeuters« Bd. 1 und 2
    • 1903»Dörpschult un Senater« (unvollendeter Roman)
  • in den Jahren 1926-1930 brachte er 3 Hefte »Eddelplattdütsch - stimmungsvulle Gedichte för Gemeutsminschen« heraus

Hasse, Sella

Malerin und Grafikerin

geboren am 12.02.1878 in Bitterfeld, gestorben am 27.04.1963 in Berlin
  • begann 1896 an der Berliner Akademie bei Franz Skarbina, Walter Leistikow und Lovis Corinth zu studieren
  • begegnete 1902 Käthe Kollwitz, mit der sie ein Leben lang freundschaftlich verbunden blieb
  • 1904-1910 in Hamburg ansässig
  • lebte von 1910-1930 in Wismar, wo ihr Mann als Dozent an die damalige Ingenieurakademie berufen wurde
  • seit 1912 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes
  • von 1930-1963 mit Unterbrechungen wohnhaft in Berlin
  • 1937 wurden ihre Bilder als entartete Kunst verfehmt und 15 Werke beschlagnahmt
  • von 1943-1945 hielt sie sich im Elsaß auf
  • gestaltete vor allem den arbeitenden Menschen und seine Umwelt
  • schuf Städtelandschaften
  • arbeitete auch im Linol- und Holzschnitt und in der Gebrauchsgrafik

Sella Hasse stammte aus einer Arbeiterfamilie. Aufgrund ihrer künstlerischen Begabung wurde sie in Berlin ausgebildet. Unter dem Einfluss von Käthe Kollwitz reifte sie zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen heran, die in ihren Werken den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt stellte.
Seit 1910 arbeitete und lebte Sella Hasse in Wismar. Nachdem sie ihren Mann und ihre Tochter verlor, zog sie 1930 nach Berlin. 1943 ging Sella Hasse nach Frankreich und kehrte 1945 wieder nach Berlin zurück. Schon zu Lebzeiten erhielt Sella Hasse hohe Ehrungen und Auszeichnungen. Der Hauptteil ihres künstlerischen Nachlasses befindet sich in der Akademie der Künste in Berlin. Studienarbeiten und Skizzenbücher bilden einen großen Bestand des Stadtgeschichtlichen Museums in Wismar.

Haupt, Anton Johann Friedrich

Jurist, Bürgermeister und Initiator des Friedhofs

geboren am 18.09.1800 in Wismar, gestorben am 22.11.1835 in Wismar
Vater: Rechtsgelehrter
  • legte an der Großen Stadtschule Wismar 1817 die Reifeprüfung ab
  • nahm das Jurastudium in Jena auf
  • schloss  sich dort den Burschenschaftern an und nahm am Wartburgfest 1817 teil
  • wechselte 1819 an die Universität Bonn wurde dort wegen seiner Zugehörigkeit zur fortschrittlichen Studentenbewegung verhaftet
  • nach Beendigung des Studiums wurde er in Wismar Rechtsanwalt
  • schrieb bereits 1822 »Über die Idee eines neuen Gesetzbuches für Mecklenburg«
  • wurde 1823 Ratsmitglied und der Vorsitzende des Direktoriums des Nieder- und Waisengerichts
  • 1826 zum Bürgermeister von Wismar gewählt
  • schuf 1827 eine neue Armenordnung, machte Reformvorschläge zur Errichtung eines ersten städtischen Krankenhauses und der Verlegung des Friedhofs außerhalb der Stadt angesichts der drohenden Choleraepidemie
  • von ihm wurde die städtische Gesetzgebung und Ordnung verbessert
  • reformierte die Kämmereiverwaltung
  • begründete 1832 das Hebungsdepartment
  • forderte 1835 die Pressefreiheit für das feudale reaktionäre Mecklenburg
  • war außerdem Direktor des städtischen Obergerichts, des Ehegerichts, der Ersparnisanstalt und des Stadtbuchwesens

 
Anton Haupt studierte Jura an den Universitäten Jena und Bonn. Nach Wismar kehrte er 1820 zurück und praktizierte als Anwalt.
Als Ratsmitglied und seit 1826 als Bürgermeister, widmete Anton Haupt seine Kraft dem Wohle seiner Heimatstadt. Er vollzog umfangreiche Reformen in der Verwaltung des Polizei-, Armen- und Stadtbuchwesens, der Geistlichen Hebungen, der Kämmerei und der städtischen Rechtsprechung.

Auf seine Initiative wurde der neue Friedhof auf dem ehemaligen Hinrichtungsort – dem sogenannten Galgenberg - errichtet und am 24.10.1831 kirchlich geweiht. Hier vereinen sich seine Eindrücke, die er auf Reisen auf den parkähnlichen Friedhöfen in Koblenz und Darmstadt gesammelt hatte.
Seine Grabstätte wählte Anton Haupt exakt an der Stelle, auf der vormals der Galgen stand.

Hinstorff, Dethloff Carl

Verleger und Ratsbuchdrucker
geboren am 02.06.1811 in Brüel, gestorben am 10.08.1882 in Wismar

Nach der Lehre bei der „Schmidt & v. Cosselschen Buchhandlung“ in Wismar eröffnete Hinstorff 1831 seine erste eigene Hofbuchdruckerei und Buchhandlung in Parchim. Durch Ehrgeiz und Zielstrebigkeit wurde er ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Er erwarb 1849 das Wismarer Bürgerrecht und bezog das Haus Am Markt 19, dem heutigen Reuterhaus. Hinstorff war seinerzeit der einzige Verleger juristischer Werke in Mecklenburg. Seit 1858 wurde Hinstorff der Verleger von Fritz Reuter, dem wohl bedeutendsten Dichter der niederdeutschen Sprache. Mit Reuters Werken konnte Hinstorff Belletristik im größeren Umfang präsentieren.

1864 gründete er eine Großbuchdruckerei in Rostock. In Wismar erhielt er 1867 die Konzession als Rats-buchdrucker und Herausgeber der „Wismarschen Zeitung“.
Sein Vermächtnis lebt heute im „Hinstorff-Verlag“ Rostock weiter.

Martens, Johann Gottfried

Schiffsklarierer und Kaufmann, Mitinitiator des Wismarer Friedhofs

geboren am 25.11.1786 in Wismar, gestorben am 21.02.1864 in Wismar

Unter seinen Zeitgenossen war Martens mitunter durch seine groben Scherze berühmt-berüchtigt. Für den Friedhof hat er sich jedoch nachhaltig eingesetzt. So rief er die Bürger der Stadt nach der Weihe des Friedhofs 1831 auf, zur Verschönerung desselben Sträucher und Bäume aus ihren Gärten zu spenden. Alsbald konnten die Anpflanzungen von Liguster, Eiben, Fichten, Birken, Trauerweiden, Pappeln, Linden nach den Plänen des Architekten I. G. Borgwardt ausgeführt werden. Martens war an zwei bedeutenden Friedhofsbauten beteiligt: am Entwurf des Wohn- und Leichenwärterhauses am Rasenrondell sowie an seiner eigenen Grabkapelle. Mit dem Bau dieser neoklassizistischen Kapellenanlage aus dem Jahr 1832 hat er sich und seiner Familie ein, in Mecklenburg einzigartiges Denkmal gesetzt.

Mevius, David

Jurist
geboren am 06.12.1609 in Greifswald, gestorben am 14.08.1670 in Greifswald, begraben in Wismar 
  • 1635 außerordentliche Professor in Greifswald
  • 1636 ordentlicher Professor
  • 1638-1653 Syndikus der Stadt Stralsund
  • 1653-1670 Vizepräsident und Gründungsdirektor des Wismarer Tribunals, das er zu einem europäischen Modellgerichtshof entwickelte
  • Verfasser eines ersten wissenschaftlichen Kommentars des Lübischen Rechts sowie eines Mecklenburgischen Landrechts, das nicht umgesetzt wurde.
  • Herausgeber der Entscheidungen („Decisionen“) des Wismarer Tribunals
  • sein Epitaph hängt in St. Nikolai, Wismar

 

 

Morhof, Daniel Georg

Polyhistor, Philologe, Dichter, Bibliothekar
geboren am 06.02.1639 in Wismar, gestorben am 30.07.1691 in Lübeck
Vater: Notar

 

  • 1655-1657 Wismarer Gelehrtenschule und Pädagogium Stettin
  • 1657 Studium der Rechte, Medizin und neuen Sprachen in Rostock
  • bereits mit 21 Jahren 1659 zum Professor der Poesie in Rostock ernannt
  • 1665 Professor der Eloquenz und Poesie in Kiel
  • 1680 Leiter der Kieler Universitätsbibliothek, gab als erster Deutscher eine umfassende Geschichte der Weltliteratur heraus
  • wurde der »Vater der deutschen Literaturgeschichte« genannt
  • veröffentlichte Schriften zur Poetik, lateinische und deutsche Gedichte und das Bildungswerk »Polyhistor«
  • erlangte als Wissenschaftler internationale Bedeutung

Podeus, Heinrich Wilhelm Joachim Jacob

Kapitän, Kaufmann, Industrieller
geboren am 09.11.1832 in Warnemünde, gestorben am 21.07.1905 in Wismar

 

  • wird bereits mit 26 Jahren Kapitän
  • gibt 1858 sein erstes Schiff in Auftrag bei einem Rostocker Schiffbaumeister
  • führte seine Bark »Hans Georg« 13 Jahre lang auf Frachttouren
  • 1870 Niederlassung in Wismar als Kohlenimporteur, später als Holzgroßhändler, Dampfschiffsreeder und Industrieunternehmer
  • übernahm 1879 die Crullsche Eisengießerei
  • schuf eine Abteilung zum Bau von landwirtschaftlichen Maschinen
  • richtete einen Produktionsbereich für den Bau von Schiffshilfsmaschinen ein
  • gründete 1894 eine Waggonfabrik
  • baute 1906 eine Automobilabteilung auf
  • 1932 erfolgte die Schließung des Betriebes
  • war 1885 zum Kommerzienrat, 1895 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt worden
  • 1891 Berufung zum Landeseisenbahnrat
  • 1892 Mitbegründer des Wismarer Kanalbauvereins
  • 1894 zum Ältesten in der Wismarer Kaufmannskompagnie gewählt und deren Vorsitzender
  • Britischer Konsularagent in Wismar
  • Aufsichtsratmitglied der Wismarer Vereinsbank AG
  • Mitglied des Seeamtes und des Bürgerausschusses

 
Heinrich Podeus besuchte die Navigationsschule in Wustrow, wo er 1857 das Kapitänspatent erlangte. 1862 ließ er sich in Wismar nieder und beendete seine Laufbahn auf See 1870. Fortan war Podeus als Kaufmann tätig. Zu seinen erfolgreichen Firmengründungen gehörten ein Kohlehandel, eine Dampfschiffreederei, ein Säge- und Hobelwerk, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik sowie eine Waggonfabrik. Er beförderte mit seinem Pioniergeist die Industrialisierung Mecklenburgs und machte Wismar zu einem industriellen Zentrum.

Am öffentlichen Leben der Stadt nahm er regen Anteil, sodass dem engagierten Geschäftsmann bereits zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen und Titel zuteil wurden. Dort, wo viele seiner Unternehmen beheimatet waren, trägt heute eine Straße seinen Namen.

Schabbell, Hinrich

Brauer, Ratsherr, Bürgermeister
gestorben am 30.12.1600 in Wismar

 

seit 1565 Ratsherr, ab 1579 Bürgermeister, erwarb in Wismar mehrere an der Grube gelegene Grundstücke
  • errichtete 1569 ein großes Brauhaus an der Schweinsbrücke, das sogenannte Schabbellhaus
  • betrieb neben der Brauerei  auch andere Handelsgeschäfte
  • ihm wurden Vorwürfe der Unterschlagung städtischer Gelder gemacht
  • lieferte den Entwurf einer Armen- und Hochzeitsordnung
  • sein Grabstein und Epitaph mit Porträt (1605) befinden sich in der Nikolai-Kirche Wismar
  • das Schabbellhaus blieb bis ins 18. Jahrhundert im Besitz der Familie, wurde bis ins 20.Jahrhundert als Brauhaus genutzt, ab 1921 im städtischen Besitz, seit 1934 städtisches Museum

 

Schmidt, Robert

Gründer der Ingenieur-Akademie Wismar und heutigen Hochschule Wismar

geboren am 02.03.1850 in Büchen, Herzogtum Lauenburg, gestorben am 28.07.1928 in Wismar

Robert Schmidt ist der Ideengeber und Gründer der Ingenieur-Akademie in Wismar. Nach Studien der Kunst- und Literaturgeschichte, Finanzwirtschaft, Geologie, Architektur, antiken Baukunst und des Bauingenieurwesens in Zürich, Darmstadt, München und Wien arbeitete er als Architekt und Fachlehrer.

Im Auftrag der preußischen Regierung inventarisierte und erforschte er Architektur- und Kunstdenkmäler in Schleswig-Holstein, bevor er 1887 in Zerbst eine private Fachschule gründete. Nach deren Verkauf versuchte er bereits 1899 in Wismar eine „Höhere Polytechnische Lehranstalt“ zu etablieren. Der Versuch scheiterte und Schmidt eröffnete im hessischen Friedberg eine Gewerbeakademie.

In Wismar wurde Robert Schmidt 1908 ansässig, nachdem ein Vertrag über die Gründung der Ingenieur-Akademie als Privatinstitut mit der Stadt zustande kam. Am 09.05.1908 wurde die Ingenieurakademie in der Straße Neustadt / Heiligen-Geist-Hof gegründet. Bis zu seiner Pensionierung 1923 stand er ihr als Direktor vor.

Die Hochschule Wismar, dessen Campus sich heute in der Philipp-Müller-Straße befindet, ehrte sein Wirken 2011 mit der Eröffnung des Robert-Schmidt-Instituts.

Sievers, Johann Heinrich

Buchhändler, Publizist
geboren am 17.05.1811 in Lübeck, gestorben 1876 in Bern
Vater: Pächter
  • seit 1845 Buchhändler in Wismar
  • 1849 - 1850 Herausgeber der »Mecklenburgischen  Dorfzeitung«, einem revolutionär-demokratischen Blatt
  • 1850 in einem Hochverrats- und Majestätsbeleidigungsprozess zu längerer Freiheitsstrafe verurteilt
  • Emigration nach England
  • 1860 nach Verlust seines gesamten Vermögens wieder in Mecklenburg
  • Verbüßung der Freiheitsstrafe in Bützow-Dreibergen
  • 1861 Mitarbeit am »Leipziger Journal« Verfasser von politischen Zeitgedichten

Dr. Techen, Friedrich

Historiker und Archivar
geboren am 12.06.1859 in Wismar, gestorben am 30.03.1936 in Wandsbek / Hamburg

Friedrich Techen besuchte die Große Stadtschule und studierte anschließend in Tübingen, München und Leipzig alte Sprachen, Deutsch und Geschichte. Er promovierte 1886 in Göttingen. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Schwerin und Doberan, trat er 1904 - als Nachfolger Friedrich Crulls - die Stelle als Ratsarchivar an. Er war Mitglied / Ehrenmitglied des Vereins für mecklen-burgische Geschichte und Altertumskunde sowie Vorstandsmitglied des Hansischen Geschichtsvereins. Dr. Friedrich Techen widmete sich der Ordnung und wissenschaftlichen Auswertung der Archivbestände und galt als ausgezeichneter Kenner der hansischen, mecklenburgischen und lübischen Geschichte. Er veröffentlichte 70 Werke allein zu Wismars Geschichte – darunter sein Hauptwerk: „Geschichte der Seestadt Wismar“ (1929)

Thormann, Heinrich Gustav

Architekt und Baumeister

geboren am 18.04.1816 in Wismar, gestorben am 15.02.1890 in Wismar

Nach Abschluss seines Architekturstudiums in Berlin kehrte H. Thormann 1839 nach Wismar zurück. 1840 bis 1842 wurde nach seinen Plänen das erste Wismarer Theater in der Mecklenburger Straße erbaut. Er schuf zahlreiche Herrenhäuser und erlangte damit ein hohes Ansehen in ganz Mecklenburg. Die von ihm durchgeführten Restaurierungen des Kommandantenhauses und der Wasserkunst prägen bis heute das Erscheinungsbild Am Markt. In der Bauhofstraße erbaute er 1864 eine Villa, die er bis zu seinem Tod bewohnte.

Die außergewöhnliche Schaffenskraft lag in der Familie: Sein Bruder David, ein Wismarer Kaufmann, begründete die Thormannsche Kunstsammlung, die seit 1891 zum Bestand des Schweriner Museums gehört.

Sein Bruder Johann Christian war einer der wichtigsten Schiffsreeder Wismars, der 1862 den heute denkmalgeschützten „Thormann-Speicher“ am Alten Hafen bauen ließ.

Dr. med. Unruh, Hugo Carl Theodor

Arzt

geboren am 11.12.1854 bei Hagenow, gestorben am 18.02.1923 in Wismar

Nach erfolgreichem Medizinstudium an der Universität Greifswald und Promotion, nahm er 1882 seine Tätigkeit als praktischer Arzt in Wismar auf. 1888 wurde er als Kreisphysikus berufen und übernahm die Leitung des alten Krankenhauses an der Klosterkirche. Da dieses schon bald nicht mehr seinen Anforderungen genügte, setzte er sich für den Neubau eines Krankenhauses ein. Auch die misslichen Zustände auf dem Friedhof bestärkten seine Bemühungen hierzu, denn dort wurden bis dato Leichen im Wohnhaus des Leichenwärters aufgebahrt und seziert. Im Mai 1909 wurde das neue Stadtkrankenhaus am Dahlberg eröffnet. Der Gebäudekomplex existierte bis 2018. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1919 wurde das Krankenhaus unter der Leitung von Dr. Unruh geführt. Wegen seiner hervorragenden Leistungen wurde ihm der Titel „Geheimer Medizinalrat“ verliehen. Das Krankenhaus Wismar verleiht seit 1976 den „Dr.-Unruh-Preis“ für heraus-ragende wissenschaftliche Arbeiten.

Willgeroth, Gustav

Heimat- und Familienforscher
geboren am 11.11.1865 in Wismar,
gestorben am 15.03.1937 in Wismar
Vater: Kaufmann

  • die Familie stammte aus Braunschweig und war seit Ende des 18. Jahrhunderts in Wismar ansässig
  • besuchte die Große Stadtschule Wismar
  • 1886 - 1889 Theologiestudium in Rostock und Erlangen ohne akademischen Abschluss
  • wandte sich der Journalistik zu
  •  gründete 1893 in Wismar eine Zeitung, die er aber bald wieder aufgab
  •  1893-1906 Besitzer der Buchdruckerei Willgeroth & Menzel in Wismar
  • ab 1897 erschienen dort die »Lyrischen Blätter«
  • 1898 veröffentlichte er auch einen Band eigener Gedichte
  • war nicht sehr erfolgreich und gab 1906 Druckerei und Verlag auf
  • wurde Vorsteher des Vorschussvereins der Filiale der Rostocker Bank in Wismar
  •  war 1928-1936 Leiter des Kirchensteueramtes Wismar
  • betrieb intensive Forschungen zur Regional- und Familiengeschichte
  • 1924  »Die MeckIenburg-Schwerinschen Pfarren“
  •  1929 »Die mecklenburgischen Ärzte«
  • 1932 »Beiträge zur Wismarer Familienkunde«
  • 1934 »Poeler Familienkunde« in den Jahrbüchern
  • 1934 und 1935 »Die Lehrer der Großen Stadtschule Wismar«
  • als jahrelanger Mitarbeiter des Ratsarchivs fertigte er Register zu den familienkundlichen Beständen des Archivs an
  • 1898 "Geschichte der Stadt Wismar« Teil 1 bis Mitte des 14. Jahrhunderts
  • 1903 »Bilder aus Wismars Vergangenheit«
  • 1911 »Notizen zur Geschichte Wismars«

Wismarer Persönlichkeiten

  • Bade, Wilhelm 
    (1843 - 1903)
  • Canow, Carl Georg Nicolaus
    (1814 - 1870)
  • Dahlmann, Friedrich Christoph 
    (1785 - 1860) 
  • Dubois, Heinz
    (1914 - 1966)
  • Düberg, (Johann Christian) Peter
    (1806 - 1873)
  • Frege, Friedrich Ludwig Gottlob 
    (1848 - 1925)
  • Gildemeister, Karl 
    (1857 - 1936) 
  • Hasse, Sella 
    (1878 - 1963)
  • Haupt, Anton Johann Friedrich 
    (1800 - 1835)
  • Mevius, David 
    (1609 - 1670)
  • Morhof, Daniel Georg 
    (1639 - 1691)
  • Podeus, Heinrich 
    (1832 - 1905) 
  • Schabbell, Hinrich
    (?. - 1600)
  • Sievers, Johann Heinrich
    (1811 - 1876)
  • Techen, Friedrich 
    (1859 - 1936)
  • Willgeroth, Gustav 
    (1865 - 1937)