Hilfsnavigation
Seiteninhalt
05.03.2019

So soll Kemi wachsen

In Kemi ist Winter. Aber so richtig. An den Straßen türmt sich der Schnee zu kleinen Hügeln. Auf den richtigen inmitten der Häuser rodeln Kleine und Große. Am Hafen liegen die Schiffe auf Böcken, die Ostsee ist Eis. Loipen führen hinüber zu Inseln, und wer nicht Ski läuft, der spaziert auf der See im schneidenden Wind.

Dass Kemi, dass Finnland keine Zukunft habe, sei falsch. Mari Vaattovaara steht hinter einem Rednerpult im Kulturzentrum Kemis. Bibliothek, Museum, Veranstaltungssäle sind dort untergebracht. Vaattovaara ist Professorin für Soziale und Ökonomische Geographie. Sie widerspricht den Zeitungen, den Fernseh- und Radiostationen, die Finnland längst ausbluten sehen. Finnland und Kemi. Zeitungen und Medien seien in ihrer Berichterstattung in den vergangenen Jahren immer einseitiger geworden, sagt sie und wirft eine Folie auf die Leinwand. Die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in der Gruppe der jungen und gut gebildeten Finnen und Kemianer zeigt das Gegenteil. "And I will tell you why." Diesen Menschen seien vor allem die sozialen Bindungen wichtig, Familie, Freunde.  Selbst, wenn sie zum Studium oder für die Ausbildung weggingen, kämen sie vielfach wieder zurück - nach Finnland oder eben Kemi.

Vaattovaara zitiert einen finnischen Ökonomen, der vor allem zwei Erfolgsfaktoren für die Zukunft von Städten wie Kemi ausgemacht hat: Erstens: Die Fähigkeit, ein starkes regionales Wirtschaftsnetzwerk aufzubauen. Zweitens: Das Potenzial lokaler Akteure erkennen und vereinen. Dazu gehören demnach Universitäten gleichermaßen wie Sportvereine, das Gesundheitswesen, ein Chor oder die Kunst. Vaattovaaras Rat: Investieren Sie in die lokalen Akteure.

Kemi will in Zukunft vor allem auf eines setzen: "Das grüne Abenteuer". Mit "Grün und nachhaltig" ist denn auch die Präsentation überschrieben, zu der Kemis Bürgermeister Tero Nissinen vorträgt. Plastiktüten hätten sie bereits aus dem Stadthaus verbannt. Das mache 10000 Tüten weniger pro Jahr. Erst im Juni 2018 hätten die Stadtvertreter ein Strategiepapier beschlossen, nach dem Schritt für Schritt die sogenannte Kreislaufwirtschaft etabliert werden soll. Es sollen also nach und nach mehr Produkte entwickelt und genutzt werden, deren Material Ressourcen und Umwelt schont, weil es wiederverwertbar und oder extrem langlebig ist. Dafür wiederum seien mehr interdisziplinäre Kooperationen nötig.  Die Hauptsache dabei, sagt Nissinen, sei, dass die Menschen in Kemi ein gutes Leben haben. Denn es gehe nicht nur um ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch um soziale und finanzielle. "Daily life in Kemi should be smooth."