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05.11.2019

Arbeiten, reisen, warten - Besuch von Wandergesellinnen und Wandergesellen

50 Kilometer Tippeln liegen vor Tobi, dem Wandergesellen. 50 Kilometer beträgt der Radius der Bannmeile, die den 24-Jährigen aus der Nähe von Wismar von nun an für zwei Jahre und 364 Tage aus der Heimat fernhalten soll und den Wandergesellinnen und -gesellen traditionell ausschließlich zu Fuß durchqueren. Danach ist Trampen erlaubt. Nur Geld ausgeben dürfen sie nicht für den Transport, genau so wenig wie für die Unterkunft des Nachts.

Tobi hat sich gemeinsam mit Altgeselle Sado von Bürgermeister Thomas Beyer im Rathaus verabschiedet. Mit ihm sieben weitere Gesellinnen und Gesellen. "Die ersten und letzten Tage der Wanderjahre ist man nie allein, immer in Gruppe unterwegs", erklärt Sado. Dem Berliner fehlen nur noch Tage, dann ist seine Walz offiziell beendet. Doch er wird Tobi zunächst unter seine Fittiche nehmen.

Der junge Zimmermann weiß weder, wohin es geht, noch hat er bereits einen Stenz, den charakteristischen Wanderstab. "Der Stenz findet ihn", sagt Sado und grient. Für Tobi bleibt zunächst Vieles im Ungewissen. Vertrauen in den Altgesellen - unerlässlich.

Der ist - wie die meisten anderen in der Gruppe - ein erfahrener Wandergeselle. Bis in den Libanon, nach Ägypten, nach Spanien oder Israel hat es die jungen Frauen und Männer bereits verschlagen. "Man merkt, wie groß die Welt ist, wie unterschiedlich und am Ende doch gleich die Menschen sind", erzählt Sado. Er habe auf seinen Wanderung Demut gelernt, Respekt und Wertschätzung zum Beispiel dem gegenüber, wie er selbst aufwachsen konnte.

Behutsam nimmt Sado seinen wertvollsten Besitz und schlägt ihn aus einem Tuch. Seine Fleppe - sein Wanderbuch. Neun Mal drückt Bürgermeister Beyer den Stempel in die Bücher mit Stempeln aus aller Welt. Die Hälfte der Wanderjahre arbeiten, die andere reisen - das sei die ideale Aufteilung, sagt Sado. Die Erfahrung aber habe ihn gelehrt, dass ein Jahr arbeiten, ein Jahr reisen und ein Jahr Warten realistischer sei. "Man wartet viel als Wandergeselle."

Dann geht es hinaus in den grauen Novemberniesel. "So lange es nicht schneit ....", sagt Sado und grient wieder. 35 Grad im Schatten seien auch nicht besser, ergänzt ein anderer Geselle. Da sei man schließlich auch nass. Sie nehmen ihr in ein bedrucktes Tuch gewickeltes Hab und Gut auf, ihren Charlottenburger, - zwischen einem halben und 15 Kilogramm schwer, wie sie noch erzählen - und machen sich auf hinaus die Welt.

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

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