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07.10.2019

30 Jahre Friedliche Revolution - Proseken erzählt

"Unser Hausmeister hat erzählt, dass er nicht reingekommen sei in die Kirche - so voll sei sie gewesen." Anakin überlegt und erzählt weiter. "In Gägelow an der Kreuzung haben sie die Kennzeichen der parkenden Autos aufgeschrieben - bis sie es irgendwann nicht mehr geschafft und nur noch den Verkehr geregelt haben." In einem Informationsbericht an den Rat des Kreises Wismar heißt es: "Fahrzeuge mit den Kennzeichen A, B, Y, H, I, und M. Pkw ca. 200. Bürger kommen mit Fahrrädern aus Wismar und Umgebung."

Der 16 Jahre alte Schüler der Regionalschule in Proseken steht Journalistinnen und Journalisten Rede und Antwort. Anlass des Pressegesprächs: der 30. Jahrestag der friedlichen Revolution in der damaligen DDR. Anakin hat mit anderen Schülerinnen und Schülern Zeitzeugen befragt - warum sie am 18. Oktober 1989 nach Proseken gefahren sind, warum sie die Veranstaltung an jenem Tag im Oktober vor 30 Jahren überhaupt organisiert haben. Warum ....... 

Entstanden ist in Zusammenarbeit mit dem Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern ein 15 Minuten langer Film, der am 18. Oktober dieses Jahres in Proseken zu sehen sein wird. Manfred Harloff, damals Pastor in der kleinen Gemeinde westlich von Wismar, ist gespannt. "Uns geht es bei dieser Veranstaltung ja vor allem um die Zeit vor dem Mauerfall." Die Verhältnisse in der DDR haben sie ordnen wollen, Pressefreiheit, Gewaltenteilung, Reisefreiheit - demokratische Strukturen - schaffen.

"Wir wussten, dass das ein enormes Risiko war", erinnert sich Harloff an die Kurzprotokolle, in denen sie gelesen hatten von den Prügelattacken gegen Demonstranten in Berlin und Dresden am 7. Oktober 1989. Dennoch trafen sie sich zwei Tage später in Voßkuhl bei Fritz Kalf - dort entschied sich der Kirchengemeinderat dafür, die Kirche in Proseken am 18. Oktober 1989 zu öffnen. Inmitten der Menschen in der Kirche wird derweil für den Rat des Kreises Wismar protokolliert: "Kalf zitiert Marx [...] "Nur durch Pressefreiheit kann das Volk zur Vernunft gebracht werden. (Beifall) In einer hysterischen Art äußerte er: 'Seit 40 Jahren haben wir uns Unehrlichkeit gefallen lassen, wie lange soll es noch so weitergehen' (lang anhaltender Beifall)." "Ohne Gewalt in der Diskussion zu guten Ergebnissen kommen - das war unser Ziel", beschreibt Hans Kreher, damals Mitglied im Neuen Forum, das Ziel der Versammlung.

Thomas Beyer, Wismars Bürgermeister und damals ebenfalls Mitglied des Neuen Forums, benennt das Ziel der Veranstaltung 30 Jahre danach so: "Sie dient dazu, klarzumachen, dass auch bei uns in der Region etwas stattgefunden hat, dass das nicht abstrakt in der Ferne in Berlin, sondern hier vor Ort stattgefunden hat." Zehntausende Menschen hatten sich im Oktober und November 1989 in Proseken, Wismar und Neukloster zusammengefunden.

"Ich wusste gar nicht so viel darüber - in Geschichte war das noch kein Thema", sagt Julian (15). Nach der Arbeit an dem Film habe er einen anderen Blick darauf. "Es ist wichtig, dass wir die Vergangenheit nicht verdrängen, sondern sie begreifen. Wenn man das tut, kann man auch Zukunft gestalten", sagt Harloff. Deshalb hätten sie diese Veranstaltung 30 Jahre danach organisiert.

“Vergangenheit begreifen - Zukunft gestalten“ am 18. Oktober 2019 in der Kirche in Proseken von 16:30 bis 18:30 Uhr

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

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