Hilfsnavigation
Hauptbild-Startseite © Pressestelle der Hansestadt Wismar
Seiteninhalt

Ausstellung "Zeugen Jehovas in Wismar und Grevesmühlen"

Die Wanderausstellung widmet sich Zeuginnen und Zeugen Jehovas, die im NS-Staat unter anderem im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert und später in der DDR erneut verfolgt waren. Ausstellungseröffnung: 27. Januar 2020, 19.00 Uhr geöffnet: Montag - Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr | Samstag 10.00 bis 16.00 Uhr

28.01.2020 bis 28.02.2020
Gerichtslaube, Rathaus, Am Markt 1
Projektgruppe Stolpersteine
Falk Bersch, E-Mail: falk.bersch@01019freenet.de

Vom 28. Januar bis zum 28. Februar 2020 wird in der Gerichtslaube im Rathaus die Wanderausstellung "Zeugen Jehovas im Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück und in den Haftanstalten der DDR" gezeigt.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und wurde 2018 erstmals in der Gedenkstätte Ravensbrück gezeigt. Sie widmet sich Zeuginnen und Zeugen Jehovas (auch als Bibelforscher bekannt), die im Nationalsozialismus unter anderem im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert und später in der DDR erneut verfolgt waren. Von völkischen und nationalistischen Kreisen wurden die Bibelforscher bereits in den 1920er Jahren als "jüdische Bolschweisten", "Volksverräger" und "Kommunisten" verunglimpft. Rund 2.800 deutsche Zeuginnen und Zeugen Jehovas sowie 1.400 aus den besetzten Ländern wurden als "Schutzhäftlinge" der Gestapo in die Konzentrationslager deportiert.
Im KZ Ravensbrück waren bis zur Befreiuung 782 weibliche und 218 männliche Bibelforscher inhaftiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die verfolgten Zeugen Jehovas in der Sowjetischen Besatzungszone als Opfer des Faschismus (OdF) anerkannt. Unmittelbar nach der Gründung der DDR warf man ihnen jedoch "Kosmopolitismus", "Boykotthetze" und "Spionage für den Westen" vor. Die Religionsgemeinschaft wurde verboten, ihre Mitglieder verloren ihren Status als Opfer des Faschismus und viele von ihnen wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR (1962) wurden Zeugen Jehovas wegen der Totalverweigerung des Wehrdienstes vor Gericht gestellt und verurteilt.
In der Bundesrepublik wurden sie zwischen 1960 und 1969 ebenfalls verurteilt, wenn sie auch den Ersatzdienst ablehnten.

Auch in Wismar waren Zeuginnen und Zeugen Jehovas unter beiden deutschen Diktaturen Verfolgungen ausgesetzt. Insgesamt vier Stolpersteine erinnern derzeit an von den Nationalsozialisten ermordete Angehörige der Religionsgemeinschaft. Einige Zeugen Jehovas waren sowohl in der NS-Zeit als auch in der DDR inhaftiert, manchmal in der gleichen Haftanstalt. So der Wismarer Ernst Hartig, der 1937 aufgrund des Besitzes verbotener christlicher Literatur, der Verweigerung des Hitlergrußes und des Kriegsdienstes zu neun Monaten Haft verurteilt wurde, die er in Dreibergen-Bützow verbüßte. In der DDR verhaftete die Staatssicherheit im Rahmen ihres Vorgehens gegen die Zeugen Jehovas auch ihn und Ernst Hartig erhielt 1954 eine sechsjährige Zuchthausstrafe. 1958 kam er im Bützower Gefängnis auf bisher ungeklärte Weise ums Leben.

Die Ausstellung wird am Montag, dem 27. Januar 2020, 19.00 Uhr im Wismarer Rathaus im Beisein der Kuratorin Dr. Christel Wickert sowie mit der im Jahr 2016 von Schülern der Projektgruppe "Kriegsgräber" der Europaschule Rövershagen erarbeiteten Ausstellung "Jehovas Zeugen in beiden Diktaturen in Mecklenburg-Vorpommern" eröffnet. Die Schülerausstellung stellt ebenfalls vom Nationalsozialismus und der DDR ver


folgte Angehörige der Religionsgemeinschaft vor, legt den Fokus jedoch noch mehr auf Schicksale der Region.

Zur Einführung findet am Dienstag, dem 21. Januar 2020, 19.00 Uhr im Wismarer Stadtarchiv eine Veranstaltung zum Thema statt. Falk Bersch wird an diesem Abend sein Buch "Aberkannt! Die Verfolgung von Jehovas Zeugen im Nationalsozialismus und in der SBZ/DDR" vorstellen.

Interessierte sind herzlich willkommen.

Kontakt

Büro für Chancengleichheit
der Hansestadt Wismar
Postfach 1245
23952 Wismar
Karte anzeigen
Gleichstellungsbeauftragte
der Hansestadt Wismar
Rathaus, Am Markt 1
23966 Wismar
Karte anzeigen
Telefon: 03841 251-9032
E-Mail oder Kontaktformular