Die kleinen »Ünnerirdschen« verlassen Wismar
Früher lebten in Mecklenburg die kleinen Ünnerirdischen – winzige Zwerge, kaum größer als ein Zuckerhut.
Sie verstanden sich meist gut mit den Menschen, waren fröhlich, tanzten gern und besaßen große Schätze. Manchmal baten sie die Menschen um Hilfe und belohnten sie reich dafür. Sie wohnten in Hügeln und Bergen, aber auch in unterirdischen Gängen unter den Häusern. Dort stibitzten sie Lebensmittel – bis die Menschen es bemerkten.
Doch dann kam das Christentum ins Land. Von da an wurde das Brot gesegnet – und die Ünnerirdischen konnten es nicht mehr essen. Aus Angst, zu verhungern, beschlossen sie, Mecklenburg zu verlassen.
So kam es, dass sie vom Hafen in Wismar aus in den Norden zogen.
Die Sage erzählt:
Ein alter Schiffer hatte lange keine Arbeit mehr. Traurig ging er am Hafen entlang. Da erschien ihm ein winziges Männchen und fragte, warum er so bedrückt sei. Der Schiffer klagte, dass er keine Fracht bekomme. Da bot ihm das Männchen an, er solle doch einmal „Ballast“ laden.
Am Abend verließ der Schiffer sein Schiff, wie ihm geraten war, und am nächsten Morgen war es plötzlich schwer beladen. Der Kleine beruhigte ihn: „Alles ist in Ordnung.“ Sie fuhren los.
Auf See fragte das Männchen: „Weißt du eigentlich, was du geladen hast?“ – „Na, Ballast“, meinte der Schiffer. „Schau doch mal nach“, sagte der Kleine.
Als der Schiffer in den Laderaum blickte, staunte er: Das Schiff war voller kleiner Ünnerirdischer!
Er brachte sie dorthin, wo der Kleine es wollte. Am nächsten Tag war das Schiff wieder leer. Aber der Schiffer hatte seitdem nie wieder Sorgen – er fand immer genug Fracht.