Die Wischberg-Wallfahrt am 18. Oktober

Der Wischberg bei Wismar ist ein alter Hügel, der früher den Fischern als Seezeichen diente. Um ihn rankt sich eine merkwürdige Sage.

Man erzählt: Tief im Inneren des Wischbergs liegt eine goldene Wiege verborgen. Jedes Jahr, am 18. Oktober, öffnet sich der Berg. Dann zieht eine seltsame Prozession hinauf zur Spitze.

Oben leuchtet die goldene Wiege. Zu ihr reitet ein bunter Zug von Männern – nicht auf Pferden, sondern auf Hähnen, Ziegenböcken, Fischen, Hunden oder sogar Igeln. Andere kommen auf einer Säge, einem Besenstiel, einer Tonne oder einem Stock daher.

Von der anderen Seite des Berges treiben Frauen eine Schar Krebse den Hügel hinauf. Diese merkwürdigen Reiter und Treiber sollen Ehemänner und Ehefrauen sein, die nach vielen Jahren Ehe noch keine Kinder haben.

Oben angekommen wird der jüngste Ehemann in die goldene Wiege gelegt und geschaukelt. Andere Männer bringen Wasser in winzigen Gefäßen: mit einem Teelöffel aus dem Köppernitzbach oder sogar mit einem Fingerhut aus dem weit entfernten Metelsdorf.

Schon am Vortag haben sie Mücken sammeln müssen. Diese werden dann vom „Ältermann der Wischberggilde“ aufgespießt – und als besonderes Mahl serviert.