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07.03.2019

Urlaub im Eis. Wie ein Bürgermeister Touristen nach Kemi lockte

"Das ist die Hochzeitssuite", sagt Päivi und grient. "Warum drei Kissen im Bett? - "Das dritte? Für die Schwiegermutter!" Lachen schallt wider von den Gewölben aus Schnee. In drei, vier Wochen sei Kemis "Snow Hotel" aufgebaut, erzählt Päivi. Zimmer mit Betten aus Eis, eine Kirche mit Altar aus Eis, ein Restaurant mit Tischen, Bänken und Theke aus Eis. Für die kunstvolle Wandgestaltung reisen eigens Profis aus Russland und der Ukraine an. Der Schnee kommt aus Lappland, das Eis aus der See, die noch im März vom Schnee bedeckten Land nicht zu unterscheiden ist. Im Frühling dann, erzählt Päivi weiter, würden Schnee und Eis zurück in die See gegeben.

Seit 1996 bauen sie in Kemi Winter für Winter das Hotel aus Schnee. Bei minus fünf Grad schlafen die Gäste dort wie im Traumland, glaubt man Päivi. Die Idee hatte der damalige Bürgermeister. "Ein weiser Mann." Päivi nickt. Die Touristen sollten nicht mehr vorbeifahren an Kemi auf dem Weg in den Winterurlaub.

Inzwischen kommen die Besucher aus mehr als 50 Ländern. Längst haben vor allem Asiaten die Weite Lapplands als Abenteuer entdeckt. Des Nachts stapfen sie mit Stativen und Kamera durch die Straßen - auf der Suche nach dem Polarlicht. Des Tags besuchen sie das Schneehotel. Und seit kurzem auch das "Snow Castle". Komplett aus Eis, lässt sich dort "Elsa" ablichten. Bietet der Thron der Froschkönigin Gelegenheit, sich einen kalten Hintern zu holen, ebenso wie beim Hinunterrutschen vom Schlösschen, dessen eisiger Turm über nur wenige eisige Stufen zu erklimmen ist. Und auch dort können sich Heiratswillige das Ja-Wort geben.

Das Schneehotel, das Schneeschloss, etliche kleine Appartements unterhalb der Schneehäuser direkt an der See sowie ein angegliedertes modernes Tageszentrum gehören inzwischen zu der hundertprozentigen Tochter der Stadt. Die Freizeitanlage hatte sich bereits amortisiert. Nun müsse das Tagungszentrum refinanziert werden. Doch Päivi ist optimistisch. "The sea is our treasure." Die See sei Kemis Schatz.

Im Tagungszentrum treffen wenig später auf Einladung von Kemis Bürgermeister Tero Nissinen Wissenschaftler und Unternehmer zusammen. Um die See geht es, um den Wald, um Sonne und Wind. Um die endlichen Ressourcen dieser Erde und Wege, nachhaltiger zu produzieren. Das Thema treibt die Finnen um. Von Juli an übernehmen sie die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union. Wachstum und Digitalisierung seien die beiden großen Themen, die Finnland in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen wolle, sagt Nissinen. Und innerhalb von Wachstum spiele vor allem die Kreislaufwirtschaft eine große Rolle.

Nissinen sähe die am liebsten überall: in der Land- und Forstwirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Industrie. Allein 19 Hochschulen in Finnland haben sich zu diesem Thema zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, forschen darüber, teilen und geben ihr Wissen an Projektpartner weltweit weiter. Die Stimmung im Saal ist gut, die Vortragenden sind sich einig. Dann eine Frage aus dem Publikum: Was passiert mit Finnlands Wirtschaft, wenn alles nachhaltiger wird, wenn die Mehrzahl der Menschen dann tatsächlich deutlich weniger konsumiert?" Gute Frage, schwierige Frage, antworten Wissenschaftler und Unternehmer. Eine Antwort darauf aber hätten sie nicht.

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

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