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23.10.2019

Tourismus-Azubi entdeckt schwedische Partnerstadt Kalmar

Jeden Sommer im August feiert Wismar das bekannte Schwedenfest, um an die 155-jährige Zugehörigkeit Wismars zu Schweden zu erinnern. Da sowohl regionale, als auch schwedische Traditionen und Spezialitäten zu dem großen Stadtfest gehören, ist es umso schöner, auch schwedische Vertreter vor Ort begrüßen zu dürfen, wie zum Beispiel Mitarbeiter der Tourist-Information Kalmar.

Weil Kalmar seit 2002 unsere Partnerstadt ist, entwickelte man die Idee zwischen den Städten einen Austausch in Form eines Auslandspraktikums zu organisieren. Anfang des Jahres fragte unsere Chefin, Frau Donath, alle Mitarbeiter der Tourist-Information, ob Interesse an einem solchen Praktikum in Kalmar besteht. Ohne zu zögern meldete ich mich dazu bereit, musste aber noch die anderen Interessenbekundungen abwarten.

Einige Wochen später stand dann fest: Im Oktober geht es für mich nach Kalmar! Doch vorher schon blieb eine Angestellte der Kalmarer Tourist-Information, Carina Johannsson, eine Woche bei uns: nämlich anschließend ans Schwedenfest im August. Wir bemühten uns sehr ihr einen spannenden und schönen Aufenthalt zu ermöglichen, sodass sie tunlichst viel von der Stadt kennenlernt. In ihrer positiven Rückmeldung war zu erfahren, dass sie genau diesen hatte. Es war schön zu wissen, dass ich bei meinem Aufenthalt schon jemanden kennen würde. Doch auch von August bis Oktober war es noch eine recht lange Zeit bis ich meinen Austausch antrat.

Auch wenn einige Monate dazwischen lagen, richtig realisiert habe ich meine Reise erst, als ich in den Zug stieg. Voller Vorfreude und Nervosität verbrachte ich dann den Montag, 14.10.2019, in Zügen und auf Bahnhöfen. Trotz Anreiseschwierigkeiten, bedingt durch Zugverspätungen, kam ich dann nach 12 Stunden, müde und erschöpft, in Kalmar auf dem Bahnhof an. Dort erwartete mich schon der Leiter der dortigen Tourist-Information und brachte mich zu dem Hotel, welches er für mich organisiert hatte. Der erste von fünf Tagen war also schon vorbei.

Am Dienstagmorgen wurde ich vom Hotel abgeholt und zur Tourist-Information mitgenommen. Dort lernte ich zuerst das Gebäude und auch alle der ca. 15 Mitarbeiter kennen. Es war ungewohnt, sich ununterbrochen auf Englisch zu verständigen, doch bereits nach den ersten paar Stunden war dies für keine der beiden Seiten mehr ein Problem.

Anschließend erzählte mir Carina Johannsson, wie man dort arbeitet und was für Aufgaben sie hat. Nach einem weiteren Gespräch mit einer anderen Mitarbeiterin, die mir erklärte, wofür sie zuständig ist, ging es mit Carina in die Stadt. Sie zeigte mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie das älteste Stadttor, den Wasserturm und das Rathaus, ging mit mir sowohl in das Landes- als auch in das Kunstmuseum und zeigte mir die schönsten Plätze in Kalmar. Zu letzteren gehört definitiv der Ausblick von den Resten der ehemaligen Stadtmauer über den Hafen und das Zentrum und der Blick vom "Waschhaus" über verschiedene Stadtviertel.

Den Rest des Tages hatte ich zur freien Verfügung, also fuhr ich mit dem Fahrrad, welches mir bereit gestellt wurde, nochmal in die Altstadt und bewunderte nochmal die Vielfalt der kleinen und bunten Häuser zwischen all den großen Häuserfronten. Das passendste Beispiel dafür ist wahrscheinlich die Häuserreihe ,"Tripp, Trapp, Trull".

Am Mittwoch hatte sich Stefan Johnson, Leiter der Tourist-Information Kalmar, für mich Zeit genommen, um mir zu erklären, wie die Organisation der Veranstaltungen gehandhabt wird, wie der Ablauf von Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Partnerschaften ist und natürlich, wie die Struktur, in die die Tourist-Information als Teil der Stadtverwaltung Kalmar gehört, aufgebaut ist. Dabei stellten sich große Unterschiede im Vergleich zu Wismar heraus, doch auch einige Gemeinsamkeiten. Am Nachmittag hatte ich dann Gelegenheit, mir die Tourist-Information genauer anzuschauen, mitsamt der Souvenirs, Angebote und ausliegenden Prospekte.

Am Donnerstag waren die Mitarbeiter auf einem Workshop, sodass ich den Tag komplett für mich hatte. Ich bekam eine VIP-Card, mit der ich kostenfrei die Sehenswürdigkeiten besuchen konnte, und gegen Mittag war ich mit der Verantwortlichen für das Kalmarer Schloss verabredet. Die Tourist-Information wurde an diesem Tag von zwei Praktikantinnen besetzt, die den Sommer über dort arbeiten.

Morgens überkam mich tatsächlich ein bisschen das Heimweh, als ich daran dachte, den gesamten Tag auf mich gestellt zu sein, doch dieses verflog schnell wieder, als ich zur Öffnungszeit am Schloss ankam. Schon von außen wirkte es mächtig und interessant, wie es zwischen Altstadt und Stadtzentrum auf seiner eigenen Insel lag. Die Beschreibungen und Schlossführer-Flyer waren nicht nur auf Schwedisch und Englisch, sondern auch auf Deutsch. Zum Glück, denn so konnte ich die Geschichte und den Zusammenhang bestmöglich verstehen.

Nach den gut zwei Stunden Schlossbesichtigung konnte ich mich festlegen, was mir am besten gefiel: Im Inneren des Schlosses die weltweit bekannte Van-Gogh-Ausstellung mit Musik und einer Bildpräsentation via Beamer an Wänden und Boden und der Außenbereich auf dem Schlosswall mit einem wunderschönen Blick über die Altstadt, das Zentrum und den Hafen.

Anschließend ging es für mich zu dem Treffen mit der Verantwortlichen für das Schloss, welche von der Zuständigen für das Schlossmarketing begleitet wurde. Ich erfuhr vieles über die Organisation und Vermarktung der geführten Schlossrundgänge, die Veranstaltungen für Kinder und die jährlichen Ausstellungen. Danach fuhr ich durch den Stadtpark zur Tourist-Information und hatte eine interessante Unterhaltung mit den Praktikantinnen, die etwa im selben Alter waren wie ich, über deren Eindrücke und Gedanken zur Arbeit in der Tourismusbranche. Auch da stellten sich die Arbeits- und Lebensweisen in Kalmar und Wismar als sehr unterschiedlich heraus und wir diskutierten über die Ursachen und Entwicklung.

Darauffolgend nutzte ich meine verbleibende Zeit für eine kleine Shoppingtour im Zentrum und besichtigte den Kalmarer Dom. Auf dem Weg zurück zum Hotel machte ich halt am "Saga" - dem ältesten Kino in Kalmar, welches fortwährend noch in Betrieb ist. Am Hotel angekommen packte ich meine Sachen für die Rückreise, ordnete meine Notizen und genoss die letzte Nacht in einer der ältesten Städte Schwedens.

Freitagmorgen wurde ich dann von Stefan Johnson abgeholt, und wir fuhren noch ein letztes Mal zu der Tourist-Information, wo ich mich dann von allen verabschiedete. Er brachte mich zum Bahnhof, und ich verließ Kalmar mit einem lachenden Auge, voller Vorfreude auf Zuhause, und einem weinenden Auge, welches traurig auf das geendete Praktikum in einer wunderschönen Stadt zurückblickt. Nach elf Stunden Zugfahrt, natürlich wieder mit Zugverspätungen und unverhofften Turbulenzen, kam ich dann gegen 22.00 Uhr Zuhause an, schloss meine Familie in die Arme und berichtete, wohin der nächste Urlaub im folgenden Jahr geht: nach Kalmar!

Mir wurde die Möglichkeit gegeben, Vieles über den Tourismus, die Arbeit und das Leben in der schwedischen Residenzstadt der Provinz zu erfahren, auch im Vergleich zu Wismar. Ich konnte durch die wirklich ambitionierte Organisation der Kalmarer Tourist-Information die wichtigsten Sehenswürdigkeiten entdecken und habe eine Stadt auf eine Art und Weise kennengelernt, wie es nur den Wenigsten möglich ist. Die Reiseschwierigkeiten sind schnell vergessen, und zurück bleibt ein positiver Eindruck meines Auslandspraktikums.

Auch wenn die Städtepartnerschaft einen im einzelnen doch nicht allzu stark beeinflusst, hat sich bei mir, größtenteils auch bedingt durch die große Gastfreundlichkeit, die mir zugekommen war, ein kleines Zugehörigkeitsgefühl entwickelt. Das war definitiv nicht mein letzter Besuch in der Stadt, und ich freue mich schon jetzt die Erfahrung als "richtiger Tourist" machen zu können!

Autor/in: Laura Parbs (20), Auszubildende in der Tourist-Information Wismar
Quelle: Tourist-Information Wismar

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