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06.09.2019

Per Zeitreise in die Gegenwart

Schweden 1917 – Krieg in Europa und darüber hinaus, Revolution in Russland – auch im Norden Europas spüren die Menschen die Auswirkungen. In Kalmar verlieren immer mehr ihre Anstellung, haben nicht genug Geld, um das Nötigste zu bezahlen. Die Missernte des Sommers lässt die Brotlaiber knapp werden.

Protest formiert sich – in den Fabrikhallen, auf den Straßen. Henrik Fanger ist einer der Wortführer – Gewerkschafter, getrieben von Gerechtigkeit, von Gleichheit und Frieden. Fanger arbeitet in einem großen Maschinenwerk, malt Forderungen nach einem politischen Umbruch auf Transparente,  mobilisiert seine Leute, diskutiert mit ihnen und bringt sie schließlich auf die Straße.

 "Plötzlich springst du in diese Rolle rein." Henrik Fanger, Stoffhose, Hemd, sitzt in seinem Büro in der Wismarer Stadtverwaltung. Die Rolle als Gewerkschafter hatten sie ihm in Kalmar zugeschrieben. Dorthin war der stellvertretende Amtsleiter der Finanzverwaltung mit Vertretern des Stadtgeschichtlichen Museums gereist, um sich auf eine Zeitreise zu begeben – in ein Schweden mit hungernder, revoltierender Bevölkerung, in Kleidung aus damaliger Zeit, umgeben von ebensolchen Requisiten wie Blechtöpfen beispielsweise fürs Bekochen der streikenden Arbeiter im Park.

In Wismars schwedischer Partnerschaft Kalmar organisiert das dortige Museum regelmäßig solche Zeitreisen – für Schulen, Seniorenheime, Unternehmen, private Gruppen. "Time Travel Method" heißt das pädagogische Konzept dahinter, das Themen wie Mobbing, Migration oder Arbeitswelt umfassen kann. "Das ist eine sehr lebendige Methode, die aktuelle gesellschaftliche Themen in den Mittelpunkt stellt", sagt Wismars Museumspädagogin Anne-Christin Liebscher. Menschen schlüpften in Rollen, die ihnen vielleicht fremd seien, vertreten dann Meinungen, die sie im wirklichen Leben nicht teilen. Ein Perspektivwechsel.

Schabbell entwickelt Deutschlands erste Zeitreise nach der Time-Travel-Methode

Im "Schabbell" soll diese Methode künftig auch umgesetzt werden. "Wir wollen das Museum nicht nur nutzen, um in die Vergangenheit zu blicken, sondern auch, um das Relevante in die Gegenwart mitzunehmen", erklärt Liebscher. Im Rahmen des europäischen Projekts "Crossroads in history" treffen sich die Wismarer Museumsmitarbeiter von nun an regelmäßig mit sechs Netzwerkpartnern aus weiteren drei Ländern - Schweden, Litauen, Polen - und tauschen sich über den Fortgang der Vorbereitungen für die Time-Travel-Methode aus.

Das verbindende Thema zwischen den Partnern ist Migration. Jeder entwirft sein eigenes Szenario, in das die Museumsbesucher dann eintauchen können. In Wismar haben die Museumsmitarbeiter schon eine erste Idee. Ein Ausstellungsstück aus dem Schabbell soll die Geschichte liefern: ein Teppich – gewoben aus den Lebensgeschichten jener Flamen, die einst in Wismar Zuflucht suchten.

Für Wismars Schabbell ist es das erste internationale Projekt. Zwei Jahre lang bleibt Zeit, sich auszutauschen und alles vorzubereiten. 67000 Euro stehen dafür aus EU-Mitteln zur Verfügung. "Das ist sehr gut angelegtes Geld", sagt Henrik Fanger, der Finanzverwalter.  Den Gewerkschafter Henrik Fanger aus der Zeitreise ins Schweden von 1917 dürfte das ebenso freuen – denn schließlich müssen die Kostüme für den Fundus genäht, die Requisiten gebaut und die Zeitreisen durchgeführt werden.

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

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