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04.03.2019

Kaffee im Glas nur mit Zauberlöffel

Minus 14 Grad steht auf der Temperaturanzeige über der Hotelbar. Eine Lüge, sagt die Rezeptionistin. Die zeige immer zwei Grad zu wenig an. Am Flughafen von Kemi/Finnland türmt sich der Schnee haushoch. Unter den Sohlen knirscht er auf Straßen und Wegen. Kemi ist im Sonnenschein ein einziges Glitzern. Drei Lagen über den Beinen mindern die Kälte nur bedingt. Doch neben den Einheimischen draußen in Jogginghose lässt sich das niemand von der Delegation aus Wismar anmerken.

Bürgerschaftsmitglied Maren Teß, Bürgermeister Thomas Beyer und Andreas Nielsen, in der Stadtverwaltung unter anderem verantwortlich für Städtepartnerschaften, sind der Einladung der finnischen Partnerstadt Kemi gefolgt. Denn Kemi - gelegen an einem Meerbusen hoch oben in Lappland - feiert 150-jähriges Stadtjubiläum. Zu Gast sind aus diesem Anlass auch Vertreter aus Kemis ungarischer Partnerstadt Székesfehérvár.

Gemeinsam geht es durch die klare Winterlandschaft auf die Rentierfarm von Päivi und Samuli. Glocken klingeln an den Hälsen der Rentiere. "Speedy Gonzales", "White Shamane", "Silver Comet" und "Prince Harry" warten angepflockt auf Arbeit. Vor zwei Jahren haben Päivi und Samuli die Farm übernommen. Seitdem lassen sie Touristen aus Australien, Japan oder eben Mitteleuropa die Tiere mit Moosflechten füttern, vom Rentierfleisch probieren oder auf Rentier-Schlitten durch den Winter Lapplands gleiten.

200 000 Rentiere gebe es in Finnland, erzählt Päivi. "And the number is limited." Zu viele Tiere würden zu viel Natur wegfressen. Und: Es sei ganz egal, wo wir den Rentieren begegnen würden - im Wald, auf der Straße oder eben auf einer Farm - ein jedes Tier habe einen Besitzer. Wilde Rentiere gebe es in Finnland nicht.

Jetzt - im März - tragen nur noch die weiblichen Tiere Geweih. So hätten sie die Möglichkeit, sich die männlichen Fressfeinde über den Winter vom Leibe zu halten, erklärt Päivi. Schließlich werde der Nachwuchs im Mai geboren. Da bräuchten die Muttertiere ausreichend Kraft. Eines der im vergangenen Mai geborenen Jungtiere auf Päivis und Samulis Farm heißt Rudolph. "Everyone asked us where Rudolph the rednosed reindeer is", sagt Päivi und lacht. Seit Mai also lebt Rudolph mit der roten Nase in Kemi.

In einem Holzhaus - konstruiert wie ein riesiges Zelt - wärmt das Feuer lodernder Holzscheite die schon frühlingsverwöhnten Mitteleuropäer. Daran, sich auch nur einer der drei Lagen zu entledigen, denkt trotzdem niemand. Den Kaffee im Glas gibt es hier nur mit Zauberlöffel. Ohne den Löffel würde der heiße Kaffee das Glas zum Bersten bringen.


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