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14.05.2019

Infrastrukturminister Pegel wegen Hochbrücke in Wismar: "Trog nicht realisierbar"

Anlässlich der aktuellen Debatte um den Ersatzneubau der Hochbrücke in Wismar informierten Infrastrukturminister Christian Pegel und Wismars Bürgermeister Thomas Beyer über den aktuellen Stand der Planung. Im Zentrum standen dabei die jüngsten Vorschläge der Bürgerinitiative (BI) "Arbeitsgruppe Baukultur" für eine Troglösung unter Mühlenteich und Bahn.

"Wir freuen uns sehr, dass sich Bürgerinnen und Bürger engagieren und kreative Lösungen für komplexe bautechnische Herausforderungen entwickeln oder zumindest anstoßen", sagte Minister Christian Pegel, wies aber zugleich darauf hin: "Die Lösung, die die Bürgerinitiative vorschlägt, ist allerdings aus umweltfachlicher Sicht nicht genehmigungsfähig, aus bautechnologischer Sicht schwer realisierbar und aufgrund immenser Kosten auch nicht bezahlbar. Diese Idee müssen wir deshalb leider verwerfen."

Land hatte Troglösung von Beginn der Planungen an untersucht und verworfen

"Der Neubau der Hochbrücke ist ein zentrales Verkehrsprojekt für die Hansestadt Wismar. Es ist gut, dass die alte Brücke während des Baus weiter genutzt werden kann. So vermeiden wir ein erhebliches Verkehrsproblem", sagt Bürgermeister Thomas Beyer und fügt hinzu: "Im Zuge der Vorplanung haben unsere Stadtplaner auch die städtebauliche Entwicklung des Gebiets um den Mühlenteich skizziert. Unter anderem mit der Erschließung von Rad- und Fußwegebeziehungen, Wohnen und Gewerbe sowie Grünflächen für Aufenthalt, Spielen oder auch Vereinsnutzung - alles jedoch mit einem Mindestabstand zur Schutzzone Mühlenteich von mindestens 30 bis 50 Metern. Es ist gut, dass das Land klargestellt hat, dass eine Trogvariante den Boden des Machbaren verlässt."

Die Projektgruppe Großprojekte der Landesstraßenbauverwaltung, die den Ersatz für die alte, marode Brücke im Verlauf der Landesstraße 12 plant, hatte bereits zu Beginn des Prozesses eine Troglösung zur Überführung der Bahnstrecke sowie der Straße Platter Kamp als eine von vielen Varianten untersucht – und sie schon damals wegen großer Unwägbarkeiten verworfen. "Nachdem die Bürgerinitiative nun diese neue Troglösung vom Mühlenbach bis zur Kreuzung Philosophenweg ins Spiel gebracht hat, hat sich die Projektgruppe in den zurückliegenden Wochen – neben der Vorbereitung der weiteren Planungsschritte – nochmals gründlich mit dieser Variante auseinandergesetzt", so Christian Pegel. Das Ergebnis: Sie ist nicht realisierbar.


Umweltfachliche Gründe

  1. Verschiedene Aspekte sprechen dafür, dass die vorgeschlagene Troglösung keine Chance auf umweltfachliche Genehmigung hat. Diese sind:
  2. Das Einbringen der Spundwände wird Erschütterungen auslösen, die die umgebende Bebauung schädigen könnten.
  3. Diese Spundwände würden den Grundwasserfluss erheblich stören.
  4. Der wasserdichte Trog mit Bahn-, Straßen und Gewässerüberführung erfordert den Aushub beträchtlicher Bodenmengen, größtenteils im Landschaftsschutzgebiet.
  5. Es wären Lärmschutzwände im Bereich ab der Querung des Mühlenbachs beidseitig des Trogs in einer Höhe von bis zu fünf Metern notwendig, die in den Randbereichen des Trogs über diesen hinausreichen würden. Der gewünschte Erhalt der Sichtachsen wäre nicht zu gewährleisten.
  6. Ein Trog nimmt deutlich mehr Fläche in Anspruch als jede Brückenvariante.

Bautechnologische Risiken

Die streckenweise mehr als 30 Meter langen Spundwände wären auf 600 Metern Baugrubenlänge beidseitig wasserdicht einzubringen. Anschließend müssten enorme Erdmassen aus der 15 Meter breiten und mindestens 15 Meter tiefen Baugrube entnommen werden, um dann eine meterdicke Betonsohle herzustellen. Diese müsste gegen Auftrieb im darunter liegenden Boden verankert werden. Um zu ermitteln, ob dies überhaupt technisch machbar ist, wären Sondierungen in Tiefen von bis zu 50 Metern erforderlich.
"Andere Technologien wie Tunnelbohrmaschinen, wie sie beim Bau des Elbtunnels verwendet wurden oder Absenkelemente wie beim Fehmarnbelttunnel wären noch aufwändiger", erläuterte Dr. René Firgt, Leiter der Projektgruppe Großprojekte.

Kosten

Eine belastbare Kostenschätzung kann aufgrund all dieser Unwägbarkeiten nicht abgegeben werden. Aber: Mit der Unterführung der Poeler Straße liegt in der Hansestadt ein Vergleichsobjekt vor, das weitaus weniger Anforderungen genügen muss als das lange Trogbauwerk. Die Kostenschätzung dafür beläuft sich auf mehr als 50 Millionen Euro. "Die Kosten für den Trog, den die Bürgerinitiative an Stelle der Hochbrücke vorschlägt, dürften weit darüber liegen" – darin sind sich Christian Pegel und Thomas Beyer einig.

Quelle: Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung MV + Pressestelle der Hansestadt Wismar

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