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Gedanken zum Volkstrauertag

Bürgermeister Thomas Beyers Rede zur Begrüßung bei der zentralen Gedenkfeier des Landes Mecklenburg-Vorpommern zum Volkstrauertag am 18. November 2018 in der Hansestadt Wismar

„Es ist eine herrliche Reise. Wunderbares Wetter. Wir sitzen lange Strecken auf den Maschinengewehren, die auf den offenen Wagen stehen... Enorme Begeisterung überall. Wenn Du noch dabei wärst, wäre es die schönste Reise, die ich je gemacht habe.“


Meine sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesen Worten schrieb Hauptmann Heinrich von Helldorff am 10. August 1914 an seine Frau. Es war der Beginn des Ersten Weltkriegs. 700 dieser historischen Dokumente wurden nun von der Deutschen Digitalen Bibliothek online gestellt und dokumentieren einen fundamentalen Wechsel in der Vorstellung der Soldaten vom Krieg.


Es ist jetzt hundert Jahre her, dass der erste Weltkrieg beendet wurde. Gab es zu Beginn dieses Krieges nicht wenige Menschen, die mit Hurra in den Krieg zogen, so ist an dessen Ende auch dem letzten Soldaten wie Zivilisten das Grauen des Krieges ins Gesicht geschrieben. 17 Millionen Menschen verloren ihr Leben.

Eindrucksvoll sind die Briefe, die viele der Soldaten hinterlassen haben. Die Korrespondenz der Soldaten nach Beginn der Kriegshandlungen ist erschütternd, insbesondere, wenn man die Aussagen des Anfangszitats betrachtet.
So schrieb der Infanterist Carlpeter B. am 4. Oktober 1915 an seine Frau: „Wir haben den Tod in jedem Stadium monatelang vor Augen gehabt. Nach missglückten Vorstößen blieben verwundete Kameraden in dem Stacheldraht vor den feindlichen Gräben hängen. Wir konnten und durften ihnen keine Hilfe bringen, da die Franzosen unbarmherzig niederschossen, was in ihre Nähe kam. Das entsetzliche Geschrei der Sterbenden hallte Tag und Nacht in unsere Ohren, bis es verstummte. Dann atmeten wir auf. Aber was nun kam, war ebenso fürchterlich. Man trug es schwerer als das vergebliche Hilferufen der unglücklichen Kameraden, bei dem sich viele von uns auf die Erde warfen und in Angst mitschrien. Was kam, war die Verwesung mit den unerträglichen quälenden Gerüchen, gegen welche man sich nur durch Zigarrenrauch schützen kann. Ja, wir sahen Leichen in dem Stadium der Gerippe vor uns, die wir einst Freunde nannten.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir dürfen das Grauen dieses Krieges, das an dieser Stelle stellvertretend für alle Kriege stehen soll, nicht vergessen. Und es ist unsere Aufgabe, dieses Wissen wach zu halten, denn es ist eben nicht so, wie es Carl von Clausewitz einst schrieb, dass "Der Krieg [...]eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln [ist].“

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
seit vielen Jahren sind es engagierte, ehrenamtliche Mitglieder des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die auch in unserer Stadt die Erinnerung an die großen Kriege und all das damit verbundene Leid wach halten. Insofern ist es eine große Ehre für uns, dass die zentrale Veranstaltung unseres Landes zum Volkstrauertag in diesem Jahr in der Hansestadt Wismar stattfindet.


Am Volkstrauertag erinnern wir uns in jedem Jahr an das Leid, das Krieg und Gewalt über die Menschen gebracht hat. Insbesondere denken wir an die ersten beiden Weltkriege, die Millionen von Menschen das Leben kosteten, ganze Landschaften verödeten und ein tiefes Trauma in den Seelen der Überlebenden hinterließen.

Wir erinnern am heutigen Tage ebenfalls an die Opfer der Gewaltherrschaften in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Aber auch heute im 21. Jahrhundert ist der Krieg Alltag vieler Menschen, ist der Krieg Ursache von Flucht und Vertreibung. Es kommen Menschen auch nach Wismar, die die frische Erinnerung an Krieg, Gewalt und Verfolgung mitbringen in unsere heile Welt, und die zeigen, wie zerbrechlich der Mensch, wie dünn die Firnis der Menschlichkeit und wie bedroht die Würde des Menschen auch heute noch ist.

Daher ist Krieg niemals eine nur politische Entscheidung unter vielen. Krieg darf nie eine selbstverständliche Option sein. So ist der Volkstrauertag für mich nicht nur ein Erinnern an die Vergangenheit, sondern auch eine Mahnung daran, dass Frieden die Maxime jeglichen politischen Handelns sein sollte.


Die Erinnerung und das Gedenken verlangen von uns, auch klar Stellung zu beziehen und nicht die Augen vor Krieg und Leid in vielen Teilen der Welt zu verschließen. Sie mahnen uns, an die Menschen zu denken, die Leid erfahren durch Krieg und Vertreibung. Sie mahnen uns, denjenigen die Hand zur Hilfe auszustrecken, die Opfer der Gewalt sind – ob im Jemen, in Syrien in Deutschland oder in der eigenen Familie oder im Bekanntenkreis.

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

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