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01.11.2019

Eine Werft, eine Stadt, eine Entwicklung - Wismar besucht Papenburg

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung haben sich in Papenburg über die Entwicklung der Stadt im Zusammenhang mit der Meyer-Werft informiert. Papenburg - mit inzwischen fast 40000 Einwohnern - war von Beginn der Stadtgründung an Werftstandort. Seit Mitte der 80er Jahre jedoch - mit dem Bau von Kreuzfahrtschiffen - haben sich die Anforderungen an die Stadt gewandelt.

3450 Beschäftigte gehören bei der in siebenter Generation geführten Meyer-Werft zur Stammbesetzung. Die Menschen leben laut Werft zu 96 Prozent in der Region - in den Landkreisen Emsland und Leer. In Spitzenzeiten steigt die Zahl der Beschäftigten auf 12000 an. Für den wenige Kilometer langen Weg von Papenburgs Wohngebieten bis zur Werft brauchen die Beschäftigten dann gut 30 Minuten, erzählt Johannes Gößler, 18 Jahre lang Mitarbeiter der Werft und nun Geschäftsführer der MV Werften Fertigmodule GmbH in Wismar. 16900 Autos seien täglich in Richtung Werft unterwegs. Für Genting-Chef Colin Au habe er die Parkplätze bei der Meyer-Werft gezählt: 3300 seien es, aber sie reichten nicht aus. Weitere würden gebaut.

Für Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft bedeutet dies seit Jahren: Infrastruktur neu denken und anpassen. Zwar würden die größeren Subunternehmen ihre Beschäftigten vielfach mit Kleinbussen von den Unterkünften in die Werft bringen, dennoch soll in Zukunft die Busverbindung zur Werft verbessert werden. Der Landkreis als Aufgabenträger sehe dieses Problem inzwischen auch und wolle daran mitwirken. Darüber hinaus sollen am Bahnhof Fahrradabstellplätze gebaut werden, um einen größeren Anreiz fürs Radfahren zu schaffen. Das Radverkehrsnetz habe die Stadt deshalb besonders im Blick: Ortsteile sollen besser verbunden, die Werft besser angebunden werden.
Die Kreisstraße, die die Beschäftigten im Auto aus dem Umland zur Werft nutzen, werde nun ein drittes Mal verlegt. In Kooperation mit dem Landkreis und unter Kostenbeteiligung der Stadt. Das angrenzende Gewerbegebiet für Zulieferer und andere Firmen werde damit vergrößert. Flächenbedarf, der im Ankauf beispielsweise von Höfen ansässiger Landwirte mündet. Papenburg will zudem das Hafenbecken erweitern. Insgesamt Kosten von rund 100 Millionen Euro. Geld, das nicht in dieser Größenordnung wieder eingespielt werde - das aber in Form von Ansiedlung und weiteren Arbeitsplätzen zur Wirtschaftsentwicklung beitrage, sagt Bechtluft. Die Arbeitslosenquote in Papenburg liegt derzeit bei drei Prozent.

In den vergangenen 13 Jahren habe sich die Zahl der Einwohner von etwa 35000 auf knapp 40000 erhöht, sagt Bechtluft. Auch, weil Beschäftigte der Werft ihre Familien nachgeholt hätten. Neue Kitas, Schulen seien gebaut worden, in Zusammenarbeit mit dem Landkreis gebe es in Kitas und Schulen Sprachförderung für die Kinder der zugezogenen Familien. Der Einzelhandel habe profitiert, das Leben im öffentlichen Raum sei vielfältiger geworden. Der Druck auf den Immobilienmarkt größer. In Papenburg lebt mehr als die Hälfte der Einwohner in einem Einfamilienhaus.

Das wiederum geht auf die Geschichte der Stadt zurück. Kanal um Kanal wurde in Papenburg ausgehoben, um Torf abzubauen. Jeder, der dabei half, bekam ein Stück Land am Kanal für den Bau eines eigenen Hauses. So prägen Eigenheime das Bild der Stadt. Eigenheime, aufgekauft von Subunternehmen der Werft oder von Ortsansässigen vermietet, in denen seit Jahren auch Werksvertragsarbeiter untergebracht werden. Nach einem Brand in einer dieser Unterkünfte, bei dem zwei rumänische Arbeiter ums Leben gekommen waren, habe die Stadt Kontrollen der Unterkünfte eingeführt, sagte Bechtluft. Mehr als 400 Objekte würden derzeit regelmäßig unangekündigt überprüft. Noch wirksamer aber sei die Sozial-Carta der Meyer-Werft, die deren Subunternehmer unter anderem verpflichte, Standards bei der Unterbringung oder bei Löhnen einzuhalten. Zudem habe das Land Niedersachsen nach dem Brand einen Erlass herausgegeben, der die Standards für solche Unterkünfte gesetzlich regelt.   

Inzwischen spricht Bürgermeister Bechtluft von einem Paradigmenwechsel. Nach und nach setze sich die Einsicht durch, dass größere Wohneinheiten für die zusätzlichen Beschäftigten der Subunternehmen benötigt würden, die in den Spitzenzeiten in Papenburg sind. Gerade plane ein Investor ein Wohneinheit mit 560 Betten, die Stadt selbst prüfe Standorte für Objekte mit 120 Betten. Die Mieten in Papenburg seien deutlich gestiegen, lägen im Bereich sozialer Wohnungsbau bei 5,60 Euro pro Quadratmeter, bei 7,50 Euro im Wohnungsmarkt mit normalem Standard und bei 9,50 Euro bei hohem Standard. Die Nachfrage nach inbesondere Einfamilienhäusern, aber auch nach Mehrfamilienhäusern und Geschosswohnungen steige laut Prognosen weiter. Noch hat Papenburg Flächen. Aber auch die Umlandgemeinden wachsen mit.

Im Hinblick auf das veränderte soziale Gefüge der Stadt sagte Bechtluft: "In Papenburg leben 102 Nationen - den sozialen Frieden gefährdet das nicht." Ein Großteil der Werksvertragsarbeiter aber bliebe unter sich. Vorwiegend seien es junge Männer, die im Stadtpark oder an den Kanälen säßen und beispielsweise angelten. Derzeit sei eine studentische Untersuchung in Arbeit, die das Freizeitverhalten der Werkvertragsarbeiter erfrage. "Damit wir gegebenenfalls entsprechende Angebote machen können", so Bechtluft. Das sei ein Riesenthema. "Wir merken, dass wir uns als Stadt massiv anstrengen müssen, um die Menschen hierzuhalten. Es geht nicht nur um faire Entlohnung, sondern auch um Respekt und Wertschätzung. Die Arbeiter sind ja nicht nur ein paar Monate hier, sondern mehrere Jahre."

An die Wismarer Delegation gerichtet, sagte Bechtluft: "Ihre Herausforderung wird sein, unsere Entwicklung aus vielen, vielen Jahren in nur wenigen zu stemmen." Man dürfe sich dabei aber nicht der Illusion hingeben, dass man als Kommune so schnell reagieren kann, wie es die Entwicklung auf der Werft mitunter erfordert. Trotz aller Quartalsgespräche und Abstimmungen mit der Werftführung. 

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

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