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02.01.2019

Die Abrafaxe in Wismar

Bekannte Comic-Reihe erzählt vom Leben in der Hanse

„Dann mal auf ins Getümmel!“ Mit diesem Satz trat der schlaksige Blonde voller Schwung auf die buckligen Pflastersteine des Marktplatzes. […] „Mensch, ist hier was los!“ Califax staunte mit offenem Mund in die Runde. So ein mittelalterlicher Markt war aber auch ein höchst eindrucksvolles Erlebnis. Das Gedränge, der Lärm und erst recht der Gestank waren einfach unbeschreiblich. Und der Marktplatz von Wismar galt im Jahre 1396 als einer der größten in weitem Umkreis.

Fast quadratisch war der mit roh behauenen Steinen gepflasterte Platz, und mehr als 100 Meter lang und breit. Das große Ratsgebäude auf der Nordseite mit seinem hoch geschwungenen Arkadengang beherrschte die Fläche. […] Zur Mitte des großen Platzes hin lichtete sich das Getümmel etwas. Hier gab es keine festen Stände oder Buden mehr, hier boten die Kleinhändler, die Höker, ihre Waren auf roh aufgestellten Tischen an. […] Hans Sievert, der Hansekaufmann, bei dem die Abrafaxe in Wismar zu Gast waren, hatte nicht übertrieben. In den Holzbuden mit ihren zum Markt hin heruntergeklappten Läden gab es die erstaunlichsten Dinge zu sehen. Natürlich gehörten die meisten dieser Buden ganz gewöhnlichen Gewerben an: Neben Handwerkern wie Kupfergießern, Eisenmachern und Kannengießern waren das vor allem die Fleisch- und Knochenhauer genannten Metzger, weiter nördlich am Platze dann die Lakenmacher- und Leinwandhändlerinnen. In einigen Buden aber, gelegentlich auf den von der Stadt vermieteten Verkaufsbänken davor, fanden sich seltsame Dinge, die Reisende und Fernkaufleute von ihren Fahrten mitgebracht hatten. 1

Moment! Die Abrafaxe? In Wismar? Dem geneigten Leser dürften diese drei Kobolde aus dem Mosaik bekannt sein. 1976 lösten sie die Digedags ab und ziehen seither durch die Comicreihe, überstehen Abenteuer und schreiben (nebenbei) Geschichte. Bekannt sind ihre Erlebnisse an der Adria, im fernen Indien und Ostasien, in Griechenland und Amerika. Und nun Wismar?
Nicht ganz. Zwar bereisen die Abrafaxe in dem 2000 erschienenen Buch durchaus die Hansestadt im Jahr 1396. Sie erkunden den Marktplatz, auf dem ein geschäftiger Handelstag läuft, sind anwesend bei einer Gerichtsverhandlung und verfolgen einen flüchtigen Verurteilten. Nebenbei lernen sie das Leben in einem mittelalterlichen Dielenhaus kennen und feilschen tags darauf um wertvolles Krämergut. Doch schlussendlich führt sie ihre Reise auf ein Schiff zu einem Piratenabenteuer.

Der „Adler von Rostock“, eine imposante Kogge, begegnet uns dann im Mai 2018 wieder. Ein weiteres Mal verschlägt es die Kobolde Abrax, Brabax und Califax, kurz – die Abrafaxe - an die Ostsee. Von Leipzig führt es sie über Lübeck und Rostock erst nach Gotland und Nowgorod sowie Köln und London. Wie bereits an zitierter Stelle, versuchen die Autoren das Leben zur Hansezeit den historischen Erkenntnissen für das 15. Jahrhundert getreu wiederzugeben. Das Ganze verpackt in einer kinder- und jugendgerechten Sprache sowie einer detailreichen Bildergeschichte.


Mit ihrem Kompagnon Simon lernen sie Gefahren und Unwägbarkeiten einer mittelalterlichen (Handels-)Reise kennen, feilschen um feinstes Brügger Brokat und Seide aus London, handeln mit Salz und Hering vor der südschwedischen Küste und mit russischem Pelz. Sie erleben, wie hochgeborene Ratsmitglieder die Politik ihrer Stadt bestimmen und nicht nur zum Wohle der Gemeinschaft agieren, sondern auch Taler in die eigene Tasche zu wirtschaften versuchen.


Die Bildergeschichte des Heftes wird seit den frühen 1990er Jahren durch einen bebilderten und informativen Mittelteil unterstützt. So lernen die Leser in der Hansereihe, wie der christliche Glaube den Menschen im Mittelalter prägte, was sie täglich zu essen bekamen, welche Spiele sie spielten und wie sich der Hansebund von einem Zusammenschluss von Kaufleuten zu einem mächtigen Bündnis entwickeln konnte. Und selbst wenn Wismar in der vorliegenden Reihe (noch) nicht direkt vorkommt, so ist die Hansestadt doch ein wichtiger Teil dessen gewesen und steht dafür mit Stralsund und neben Lübeck als Weltkulturerbe für jene Zeit.

1Aus: Senf/Tiefenbrunner: Koggen, Kähne, Kaperfahrer. Die Abrafaxe zur Zeit der Hanse. MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag GmbH, Berlin, 2000, S. 7-19.

Autor/in: Matthias Gralow
Quelle: Amt für Welterbe, Tourismus und Kultur

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