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Bodendenkmal Archäologie

Bodendenkmale und Archäologie in Wismar - Verfahrensweise

Archäologische Themen sind in den Medien, sei es Zeitung, Fernsehen oder das Internet, stets Präsenz. Die Grabungsergebnisse sind meist aufschlussreich, der Weg dahin aber oft weiter als es im ersten Moment den Anschein hat. Dennoch lohnt sich der Aufwand, hilft die Archäologie doch dabei die Welt zu verstehen indem man die Vergangenheit erforscht.

In zwei Bauabschnitten wurde die Mecklenburger Straße in Wismar saniert. So wie bei den meisten Eingriffen in das Erdreich der Wismarer Altstadt, sind die Bauarbeiten archäologisch betreut worden. Die Ergebnisse stellen somit ein weiteres Puzzleteil dar, welches das historische Bild der Stadt ergänzt. Dieses setzt sich aus einer Vielzahl an Grabungen und Forschungsarbeiten der letzten Jahre zusammen und wird durch weitere Untersuchungen noch nicht ergrabener Gebiete immer weiter ergänzt. Verantwortlich für die Grabung und die anschließende Auswertung ist die Denkmalfachbehörde, das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege.

Für die Stadt Wismar ist die Archäologie ein wichtiger Anhaltspunkt um die Struktur und den Aufbau des Stadtbildes zu verstehen. Vieles ist nicht ausschließlich auf die Ideen heutiger Ingenieure und Stadtplaner zurückzuführen, sondern ist auf die aus dem Mittelalter tradierte Wegführung zurückzuführen. Die Mecklenburger Straße ist dafür nur eines von vielen exemplarischen Beispielen. Grabungen haben gezeigt, dass sich bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert ein mittelalterlicher Bohlenweg an genau der Stelle befand, wo wir auch heute noch entlanglaufen können. Die heute noch erkennbare Straßenführung entstand somit bereits wenige Jahre nach Gründung der Stadt im Jahr 1229. Der Straßenraum dient dabei nicht nur der verkehrstechnischen Erschließung, sondern ist auch für die Wasserversorgung der Stadtbevölkerung von Bedeutung. Auch das erkannten die Wismarer bereits vor mehreren hundert Jahren. Heute sehen wir das an den zum Teil noch gut erhaltenen hölzernen Rohrleitungen der Wismarer Wasserkunst. Die dafür verwendeten Hölzer stammen aus Mittelschweden und wurden, im besser erhaltenen südlichen Straßenabschnitt, zwischen den Jahren 1570 und 1859 gefällt. ¹


Egal ob Teil eines Bauprojektes im öffentlichen Raum oder privat geplantes Bauvorhaben, die Archäologie ist in allen Fällen zu beteiligen. Erster Ansprechpartner, sowohl bei geplanten Bauarbeiten als auch bei zufälligen archäologischen Funden, ist immer die städtische Denkmal-schutzbehörde der Hansestadt Wismar, die in der Abt. Sanierung und Denkmalschutz des Bauamtes zu finden ist. Sie prüft vorab im Rahmen der Genehmigung, ob die Archäologie bei einem Bauvorhaben relevant ist und steht im Kontakt mit den Facharchäologinnen und Facharchäologen des Landes.

Ist dies der Fall und archäologische Funde sind vorhanden, ist es die Aufgabe des Bauherrn oder der Bauherrin die Grabung und Bergung aller Funde und Fundstellen sicherzustellen. Dazu muss eine Vereinbarung mit dem Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege treffen, der zuständigen Fachbehörde in Mecklenburg Vorpommern. Diese oder extern beauftrage Grabungsfirmen und Archäologen oder Archäologinnen sind berechtigt entsprechende Untersuchungen und Grabungen durchzuführen und auszuwerten. Die Dauer einer solchen Ausgrabung ist je nach Größe und Art des Bauvorhabens unterschiedlich.

Mit der Grabung ist dabei jedoch nur der erste Schritt getan. Ein großer Teil der Arbeit erfolgt im Nachhinein bei der Begutachtung und Einordnung der Funde. Oft müssen hier externe Institutionen beauftragt werden um Proben zu untersuchen und zu datieren. Die entstehenden Kosten der Grabung muss der Bauherrn oder die Bauherrin tragen, aber nur für den Bereich des Bodens, der durch das Bauvorhaben gestört wird.

Tieferliegende Fundplätze bleiben dadurch zum Teil unerforscht. Die Planung und Durchführung einer Grabung ist somit ein abgestimmtes Zusammenspiel aus unterer Denkmalbehörde, dem Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege und den Bauherren, eventuell ergänzt durch weitere externe Institutionen. Der betriebene Aufwand ist trotz zahlreicher Beteiligter gerechtfertigt, sind doch alle Zeugnisse der Vergangenheit nach Beendigung der Bauarbeiten zumeist unwiderruflich zerstört.

Neben den ausgebildeten Archäologinnen und Archäologen gibt es zudem ehrenamtlich engagierte Bodendenkmalpfleger und Bodendenkmalpflegerinnen, die mit großen Einsatz neue Funde und Fundplätze um Wismar aufdecken.

Viele Überreste unserer Vorfahren befinden sich im Gemeindegebiet der Stadt Wismar. All diesen Spuren nachzugehen ist eine zeitaufwendige und komplexe Aufgabe, welche die Kapazitäten der Denkmalfachbehörde bei weitem übersteigt.

Aus diesem Grund bietet das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege die Möglichkeit an, interessierte Bürgerinnen und Bürger zu ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger und Bodendenkmalpflegerinnen auszubilden. Jeder Interessierte kann hierzu verschiedene Kurse und Seminare besuchen, um von ausgebildeten Archäologen und Archäologeninnen die Methoden der Prospektion und Merkmale frühgeschichtlicher Zeiten zu erlernen. Wer ausreichend Kurse besucht und Erfahrung gesammelt hat, wird offiziell zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger oder Bodendenkmalpflegerin ernannt.

Doch gilt auch hier zu beachten, Archäologie ist in keinem Fall mit Schatzsuche gleichzusetzen. Zwar ist der Anreiz groß außergewöhnliche Entdeckungen zu machen, behalten darf man diese jedoch nicht. Der wahre Wert sind schließlich die Informationen, welche aus den Funden und deren Umfeld geschlossen werden können. Auch deshalb dürfen ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger oder Bodendenkmalpflegerinnen keine eigenständigen Grabungen durchführen. Alle Funde werden dem Land übergeben, damit Fachleute diese bewerten und einordnen können.

Hendrik Lüers (M.Sc., Sachbearbeiter Denkmalschutz)

(1): Weiterführende Informationen über die Archäologie im Straßenraum der Mecklenburger Straße finden Sie in der derzeitigen Ausgabe (August 2020) des Stadtkerns auf Seite 5.
Bildnachweis: Cathrin Patzelt, Wismar - Rekonstruktion Entwässerungsanlagen Mecklenburger Straße, 2. BA, Hrsg.: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2019, S.: 9 und 14.

Quelle: Hendrik Lüers, Bauamt, Abteilung Sanierung und Denkmalschutz, der Hansestadt Wismar