Stadtanzeiger / Stadtleben Rückblick auf den Neujahrsempfang in der St.-Georgen-Kirche

Quelle: Pressestelle der Hansestadt Wismar

Etwa 500 Bürgerinnen und Bürger aus Wismar sowie weitere Gäste waren am 10. Januar 2026 beim Neujahrsempfang der Hansestadt Wismar dabei. Bürgermeister Thomas Beyer, Senator Michael Berkhahn, Senatorin Heike Bansemer und Bürgerschaftspräsidentin Sylvia Bartsch blickten in der beheizten St.-Georgen-Kirche auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück und wünschten alles Gute für 2026.

Für Unterhaltung sorgten "The Jellyfish Jazz Orchestra" sowie die ukrainischen Musiker und Brüder Radion Brumar (Violine) und Ivan Brumar (Akkordeon). Angestoßen wurde mit Sekt und Saft. Zur Stärkung gab es Würstchen und herzhafte Snacks.

Fotorückblick

Reden beim Neujahrsempfang

Bürgermeister Thomas Beyer:

Sehr geehrte Frau Präsidentin Bartsch,

liebe Ehrengäste,

verehrte Einwohnerinnen und Einwohner der Hansestadt Wismar,

liebe Gäste,

warum nur ist dieses Jahr 2025 wie im Fluge vergangen?

Oft begegnete mir diese Aussage in den letzten Wochen und ich habe selbst das ausgesprochen, was ich als Kind oder Heranwachsender selten verstand, als Erwachsene sagten: "Wie schnell nur ist das Jahr vergangen …".

Es mag zum einen daran liegen, dass uns das Weltgeschehen in Atem hielt und uns vielleicht auch zunehmend bewusst wird, bewusst werden muss, wie sehr wir unmittelbar betroffen sind von dem, was sich in den Vereinigten Staaten, in Russland, in China, wo auch immer tut, von dem, was auf diversen Konferenzen entschieden oder eben auch nicht entschieden wird.

Ich habe mir sehr gewünscht, dass vor meiner Neujahrsrede die ukrainischen Brüder Radion und Ivan Brumar ein ukrainisches Musikstück spielen und sage Ihnen nochmal herzlich Dankeschön!

Denn was in der Ukraine geschieht, ist nicht nur furchtbar, menschenverachtend und mörderisch, nein, diese Aggression Russlands geht uns alle etwas an. Nicht nur Solidarität mit der Ukraine ist gefragt, die wir, mit Ihrer Unterstützung, meine Damen und Herren, in unserer Städtepartnerschaft mit Tschornomorsk leben, sondern wir werden nicht umhinkommen, uns selbst darauf einzustellen, dass in Europa ein Aggressor wütet, der in seiner Aggression weit über die Grenzen der Ukraine hinaus nicht nur denkt, sondern bereits handelt.

Gewiss ist dies nicht das Einzige, was uns in Atem hielt im Jahr 2025, was das Jahr so verfliegen ließ, aber es ist ein Teil dessen, nämlich, dass wir einen Veränderungsprozess wahrnehmen, sowohl weltweit, als auch in Deutschland, der uns betrifft, unsere Lebensweise in Frage stellt und uns herausfordert, uns auf diese Situation einzustellen.

Sicher komme ich auf dieses alles noch einmal zurück, zu sehr beeinflusst die weltweite Entwicklung unser Leben, aber es soll natürlich um Wismar gehen, um unsere Stadt, in der das Jahr eben auch reichlich schnell verflogen ist, Menschen zum Beispiel immer wieder auf die Straße gingen, unter anderem weil sie in Sorge um den erstarkenden Rechtsextremismus sind, wo wir auch um Orientierung ringen in einem sich verändernden Umfeld, wo wir um Entscheidungen, auch Wahlentscheidungen stritten und aber auch miteinander unsere Stadt weiterentwickelt haben. Konzentrieren wir uns also erstmal auf Wismar.

Stellen Sie sich vor, Sie nähmen sich vor, einmal in jedem Stadtteil spazieren zu gehen. Wenn Sie genau hinschauen, würden Sie überall etwas entdecken, manchmal kleine Veränderungen, manchmal größere. Beginnen wir doch aus Richtung Insel Poel kommend.

Apropos Insel: Ich denke dabei an das Landeserntedankfest, das wir gemeinsam mit der Gemeinde Insel Poel und dem Landkreis ausrichteten, währenddessen wir auch ein schönes Schaumkunstprojekt im St.-Marien-Forum erleben konnten.

Kommen wir also aus der Richtung, am Hohen Damm vorbei, wo die Wohnungsbaugesellschaft mit unserem Bauamt weiter an der Planung des Wohngebietes arbeitet, verweilen am Schwanzenbusch, wo auch 2025 Wohnungen gebaut wurden und wir den Spielplatz "Mühlenwiese" übergeben konnten. Weiter geht es über den Kagenmarkt. Dort konnten wir aus restlichen Städtebaufördermitteln ein neues Mini-Fußballfeld bauen für die Kleineren, das ergänzt den dortigen Freizeitpark, der auch in 2026 die Sanierung des größeren Fußballfeldes erleben wird, diesmal aus Mitteln, die wir für die größere Zahl von Geflüchteten bekamen, die Wismar aufgenommen hat.

Meine Damen und Herren, was ich von dem erzähle, was wir in Wismar bewerkstelligt haben, das ist nicht meine Bilanz, sondern unsere, das gilt für die Verwaltung insgesamt, das gilt aber auch für alle anderen, die mitwirkten, das gilt für unser Miteinander.

Um dies besonders zu verdeutlichen, sollen auch meine beiden Stellvertreter, Michael Berkhahn und Heike Bansemer, an unterschiedlichen Stellen in der Rede zu Wort kommen.

Wir sind ja gerade jetzt in der Poeler Straße gewesen, da bietet es sich an, dass Senator Berkhahn etwas sagt. Michael, Du hast das Wort.

Senator Michael Berkhahn:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

gerne lasse ich auf unserem Spaziergang den Bahnhofs- und Hafenbereich Revue passieren.

Wir gehen also durch die Unterführung und betrachten vor dem Poeler Tor auf der linken Seite den Bahnhofsvorplatz. In diesem Jahr soll der nächste Abschnitt zur Gestaltung des Bahnhofsumfeldes begonnen werden. 2022 wurde bereits ein Bürgergutachten, basierend auf einer Öffentlichkeitsbeteiligung mit Bürgerinnen und Bürgern, erstellt und in den Planungsprozess einbezogen. Im Sommer 2025 wurde der Fördermittelbescheid durch die Bundesbauministerin in Höhe von über 1 Millionen Euro übergeben.

Das etwa 3.700 Quadratmeter große Areal wird entsiegelt, vorhandener Baumbestand erhalten, das Gelände modelliert, um das Oberflächenwasser in Verdunstungsmulden zurückhalten zu können. Standort- und klimagerechte Gehölze und Stauden werden gepflanzt sowie Wiesen und Wegeflächen angelegt, um dauerhaftes Grün auf den beiden Vorplatzflächen zu schaffen. "Grüne Inseln" sowie Spiel- und Bewegungspunkte werden entstehen, um dadurch eine verbesserte Aufenthaltsqualität zu erreichen.

Die Promenade zwischen Lindengarten und Hafen wird somit vervollständigt und ein Willkommensgruß für alle ankommenden Gäste und die Bürgerinnen und Bürger wird entstehen.

Gehen wir nun weiter in Richtung Hafen, so sehen wir auf der linken Seite ein Areal vor dem ZOB, das sich ebenfalls in der Planung für eine Neugestaltung befindet. Außerdem konnte in 2025 erreicht werden, dass eine vertragliche Vereinbarung mit der Nahbus GmbH getroffen wurde, um in den nächsten 10 Jahren die Unterhaltung des ZOBs zu sichern.

Ein weiteres Großprojekt wird auf der rechten Seite hinter dem Gebäude der Ladestraße auf den ehemaligen Flächen des Seehafens entstehen. Hier werden die neue Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr, aber auch ein Funktionsteil für die Unterbringung des Ordnungsamtes entstehen.

Bereits 2021 hat die Bürgerschaft der Hansestadt Wismar mit einem Grundsatzbeschluss die Weichen für dieses Vorhaben gestellt. In einem anschließenden hochbau- und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb wurde der Entwurf von Dresdner Architekten als bestes Konzept ausgewählt. Auf dem rund 18.500 Quadratmeter großen städtischen Grundstück entsteht somit in den kommenden Jahren ein zweigeschossiger, zusammenhängender Funktionsbau mit einer Gesamtbruttogeschossfläche von knapp 8.900 Quadratmetern.

Die Gesamtkosten des Projektes werden aktuell auf rund 41 Millionen Euro geschätzt. Dies ist nur leistbar, da wir durch das Land mit einer Städtebauförderung von insgesamt 21 Millionen Euro unterstützt werden. In Aussicht wurden noch weitere 2 Millionen Euro Sonderbedarfszuweisung gestellt.

Der Neubau ist eine wichtige Investition in die Infrastruktur, um die Dienstleistungen der Stadt zu verbessern sowie den Brandschutz unter anderem für die sehr bedeutsame Altstadt, als auch für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt mit den wichtigen Industriezweigen adäquat auch zukünftig abdecken zu können. Der Baubeginn ist momentan für das dritte Quartal in 2026 vorgesehen.

Gehen wir weiter in den Alten Hafen hinein. Dort fällt uns hinter dem Verwaltungsgebäude der Seehafen Wismar GmbH auf der rechten Seite gleich ins Auge, dass hier der Brunkowkai völlig neugestaltet wurde. Erste Überlegungen zur Sanierung des Brunkowkais gab es bereits 2017. Sie merken also, es braucht teilweise einen langen Atem, aber den haben wir auch hier an den Tag legen können.

Nach der Überwindung der Hürden der Finanzierung, des Baugrundes und baufachlicher Bewertungen ging ab 2021 die eigentliche Planung mit Variantenuntersuchungen los. Baubeginn war im Frühjahr 2024. Die Fertigstellung der Uferbefestigung und Hochwasserschutzwand erfolgten im Dezember 2025. Es wird noch im Frühjahr die Möblierung und Grünflächengestaltung erfolgen.

Hier entstehen 14 neue Liegeplätze für Wasserwanderer und zwei Liegeplätze für Behördenboote an einem separaten Schwimmsteg. Die Kosten liegen bei insgesamt circa 8,5 Millionen Euro.

Gehen wir weiter, so sehen wir auf der linken Seite unser Parkhaus "Alter Hafen". Hier werden wir in diesem Jahr die Planung vorantreiben, um einen 2. Bauabschnitt mit weiteren etwa 200 Stellplätzen für die Zukunft zu errichten. Weiterhin soll auf der Hafenhalbinsel die mögliche Nutzung an der Hafenspitze erweitert werden, wofür der bestehende Bebauungsplan geändert werden muss. Entsprechende erste Beschlussfassungen sind durch die Bürgerschaft erfolgt.

Die Investoren an der "Hafenspitze" wollen die bislang ungenutzte Dachfläche zu einer sogenannten "Sky Lounge" ausbauen. Weiterhin soll die Markthalle zu einem multifunktionalen Kulturzentrum erweitert und umgebaut werden. Entsprechende Planungen wurden bereits mit der Denkmalpflege und den Sachverständigenbeirat abgesprochen.

Der Blick am Hafenbecken des Alten Hafens sowohl in Richtung Wendeplatte, als auch in Richtung Wesenbergbrücke macht die Größe unseres Hafens und der verschiedenen Hafenbecken deutlich. In der Natur der Sache liegt allerdings auch, dass solche Kaianlagen ständig unterhalten und gegebenenfalls erneuert werden müssen. Insofern haben wir in 2025 die Planungsleistungen ausgeschrieben sowie die Statik von notwendigen Baumaßnahmen vergeben.

Die mit dem Planungsbüro abgestimmten Planungsziele sind bereits abgestimmt. Diese werden dann in diesem Jahr in der AG Welterbe und dem Sachverständigenbeirat vorgestellt.

Sie sehen also, auch in diesem Jahr wird uns nicht langweilig werden. Nun aber haben wir die Hafenhalbinsel umrundet und kommen am Wassertor an der Bushaltestelle an, von wo der virtuelle Spaziergang durch Herrn Beyer fortgeführt wird. Vielen Dank.

Bürgermeister Thomas Beyer:

Während wir uns vorhin aus Richtung Poel der Stadt näherten, starten wir nun in Kritzow. Das dortige Gewerbegebiet ist ein Gemeinschaftswerk mit der Nachbargemeinde Hornstorf. Ende des Jahres konnten wir die Verkehrsfreigabe begehen. Diese etwa 45 Hektar auf der Wismarer Seite sind nun Besiedlungsflächen, man könnte auch von Flächenreserven für die nächsten Jahre sprechen. Andere Flächen haben wir nicht mehr. Es ist gut, dass sie zur Verfügung stehen. Vor allem Unternehmen, die gute Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, sollen sich dort ansiedeln. Ich bin mir sicher, dass die Verfügbarkeit der Flächen der Entwicklung Wismars in den nächsten Jahren guttun wird, das Ansiedlungsgeschehen geht ja oft wellenartig vonstatten, insofern gilt es, zum rechten Zeitpunkt diese Flächen bereitzuhalten.

Zweimal haben wir uns der Stadt aus dem Umland genähert. Das gibt mir Gelegenheit, nun auf dem Weg durch Dargetzow Richtung Zentrum etwas zu unseren Stadt-Umland-Beziehungen zu sagen. Sie sind gut geworden. Das dokumentiert sich zum einen darin, dass die Vereinbarung, die wir bezüglich des Wohnungsbaus trafen, mit Leben erfüllt wurde. Wir haben mehr Entwicklungsspielraum für unsere Nachbarn verabredet, der wurde zur Halbzeit auch genau zur Hälfte ausgefüllt – offensichtlich lagen wir mit unserer Prognose also richtig. Und wenn ich weiterhin prognostiziere, dass wir in den nächsten Jahren mehr Wohnungsbau brauchen, dann brauchen wir dazu eben auch unsere Umlandgemeinden.

Außerdem haben wir mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg unseren Vertrag verlängert, der unter anderem die Umlandgemeinden in den Stadtbusverkehr einbezieht – das, liebe Anwesende, ist eine Erfolgsstory. Mögen die Busse in Zukunft noch stärker in Anspruch genommen werden. Hornstorf gehört zu den angeschlossenen Gemeinden, der Bus von dort fährt auch über die Hochbrücke Richtung Zentrum.

Das ist ein eigenes Kapitel, die Hochbrücke. Um die Entscheidung, sie mit kombinierten Geh- und Radwegen beidseitig auszustatten, haben wir gestritten – letztlich aber positiv entschieden. Jetzt – ich sage es pointiert: Verdammt nochmal – soll das Land endlich gefälligst das Planfeststellungsverfahren beginnen.

Lassen wir den Bus weiter Richtung Lindengarten fahren und widmen wir uns nun den beiden großen Wohngebieten Wendorf und Friedenshof, auch dort lohnen sich Spaziergänge. In Wendorf konnte die Perspektive Wismar, unsere Kita gGmbH, mit dem Ersatzneubau für die Kita Seebad Wendorf beginnen, das ist erfreulich, die europäische Förderkulisse EFRE macht es möglich.

Die Zierower Landstraße wird weitergebaut.

Eine wichtige Entscheidung hat die Bürgerschaft gemeinsam mit der Verwaltung getroffen, die auch Wendorf betrifft: Nämlich den Neubau der Ostsee-Schule mit Dreifeldsporthalle am Standort Wendorf-Süd. Darüber bin ich wirklich froh, das ist doch auch Grundlage für eine positive Stadtentwicklung, etwas, nämlich Schulsanierung und -neubau, was immer Schwerpunkt war in den letzten Jahrzehnten in unserer Stadt.

Die Wohnungsbaugesellschaft plant eine Weiterentwicklung und Sanierung im Quartier Etkar-André-Straße, auch für Menschen mit Behinderungen, gemeinsam mit den Wismarer Werkstätten. Und der PSV konnte mit kräftiger Unterstützung der Hansestadt Wismar sein HW-Leasing Stadion komplett sanieren und ein zusätzliches Gebäude errichten.

Bezüglich einiger Sportstätten profitiert die Hansestadt Wismar auch aus Bundesförderprogrammen, das gilt auch für die beiden Sporthallen am Friedenshof, das ist nicht selbstverständlich und auch dem Engagement des örtlichen Bundestagsabgeordneten geschuldet.

Damit bin ich bereits am Friedenshof. Ja, es dauert lange mit der Sanierung der Stadthalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße. Ja, manches im dortigen Baugeschehen ärgert auch mich. Aber auch ja, wir mussten in einer Situation damit beginnen, als wir kein Geld hatten, nur eine Teilsanierung anstreben konnten und wir bauten drei Jahre in der Pandemie-Zeit und schließlich, ja, es war richtig, die Halle zu sanieren, einen Neubau hätten wir niemals stemmen können. Und ja, wir werden die Halle in den nächsten Monaten zur Nutzung übergeben können und auch den Neubau der Sporthalle Friedenshof I werden wir bald übergeben. Ich freue mich auf beide Feste und Sie können sicher sein, die Sektkorken werden besonders laut knallen.

Aber nicht nur in Sachen Sport – halt stopp, die neue Calisthenics-Anlage in der Nähe der Erich-Weinert-Promenade will ich nicht vergessen – also nicht nur in Sachen Sport tut sich einiges, zum Beispiel auch bezüglich des Wohnungsbaus.

Der Bebauungsplan "Wohngebiet Schweriner Straße/Westfriedhof" im Bereich Umspannwerk ist endlich fertig, dort kann es losgehen. Die Wismarer Wohnungsgenossenschaft plant ebenfalls dort, wo einst die Geschäftsstelle (Philipp-Müller-Straße 65) war, über den Bebauungsplan "Wohngebiet Phillip-Müller-Straße/Am Wischberg" neue Wohnungen.

Die Seniorenheime der Hansestadt Wismar wollen auch in Wohnungen investieren. 2025 wurde zunächst ein größerer Wohnbereich des Pflegeheims komplett und aufwendig saniert. Und, fast unbemerkt, investierte auch das Sana Hanse-Klinikum weiter, diesmal in die Endoskopie. Wir müssen allesamt aufpassen, dass übertriebene Anforderungen aus der Krankenhausreform unseren Standort nicht unangemessen negativ treffen, mit allesamt meine ich Landkreis, Land, Bund zusammen mit der Hansestadt Wismar und mit dem Klinikum.

Sportlich übrigens wird es am Friedenshof auch weitergehen, nämlich mit den weiteren Sanierungsschritten im Kurt-Bürger-Stadion und mit dem Neubau eines Umkleidegebäudes an dieser Stelle.

Zwischen den Stadtteilen Friedenshof und Wendorf liegt Wismar West – damit nähern wir uns der Werft. Im November konnte es weitergehen mit dem Neubau des neuen Werftzubringers, die Planung wurde angepasst und selbstverständlich wird die neue Erschließung die weitere Stadt vom Schwerverkehr entlasten, immerhin verbindet sie über die Westtangente die Werft mit der Autobahn und der neue Eigentümer TKMS hat diese neue Infrastruktur außerordentlich begrüßt.

Liebe Gäste, war es nicht ein tolles Ereignis, als die "Disney Adventure" Wismar verließ? Natürlich, damit wurde das Kapitel Kreuzfahrtschiffbau in unserer Stadt vorerst abgeschlossen, aber es wurde wenigstens so abgeschlossen und eben nicht mit der Verschrottung eines zu drei Vierteln fertiggestellten Schiffes. Unsere Schiffbauer können auf dieses Schiff wirklich stolz sein.

Künftig werden andere Schiffe auf der Werft gebaut, U-Boote und voraussichtlich auch Fregatten für die Marine, ja, für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Das bescherte uns Bundesprominenz im letzten Jahr mit Boris Pistorius, genauso wie der Bau der "Polarstern II" in Wismar Cem Özdemir als Forschungsminister auf den Plan und in die Werft rief.

Natürlich ist nicht jede und jeder damit froh, dass hier jetzt Marineschiffe gebaut werden, das weiß ich wohl. Dennoch werde ich nicht von der Linie abweichen, die Werftentwicklung weiter positiv zu unterstützen, zumal wir unmittelbar vor der Haustür, nämlich auf der Ostsee, erleben, wie hybride Kriegsführung vonstattengeht. Davor können und dürfen wir um unserer eigenen Sicherheit willen nicht die Augen verschließen.

Von TKMS erwarte ich, dass die Einstellung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Interesse derer, die darauf warten, schneller erfolgt.

So, meine Damen und Herren, wir waren zwar nicht in allen Wohngebieten, dafür haben wir dann das ganze Jahr 2026 noch Zeit, jetzt machen wir aber noch einen Spaziergang durch die Altstadt.

Der Spielplatz "Seefahrer" an der St.-Nikolai-Kirche wurde im März übergeben. Wismar möchte nach dem Willen der Bürgerschaft gern den Titel "Kinderfreundliche Kommune" bekommen, eine neue Mitarbeiterin nahm für dieses Projekt Anfang des Jahres ihren Dienst auf. Möge am Ende dieser Titel das deutlich zeigen, was seit vielen Jahren Bestandteil der Stadtpolitik ist, nämlich gerade unsere Kinder und Jugendlichen im Auge zu haben. In Wendorf hat sich dafür eine Interessengemeinschaft zusammengefunden, die seit fast zwei Jahren daran arbeitet, Kindern und Jugendlichen mehr Gehör und mehr Raum zu verschaffen, in kleinen Schritten erfolgreich, und das ist gut so – das sei an dieser Stelle dann noch hinzugefügt.

Wir bleiben gleich bei der St.-Nikolai-Kirche, dort wird kräftig saniert, die Arbeiten an den Hochschiffgewölben konnten vollendet werden. Auch in St. Georgen tut sich etwas: Das Beleuchtungskonzept wurde umgesetzt. Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, zwei eigens für St. Georgen errichtete Stiftungen sowie Städtebaufördermittel und Eigenmittel der Stadt ermöglichen laufende Sanierungsarbeiten in St. Georgen und am St.-Marien-Kirchturm Jahr für Jahr, denn, daran muss immer mal erinnert werden, die Hansestadt Wismar ist Eigentümerin aller drei Stadtkirchen.

Wenn wir nun einmal in der Altstadt sind, in der auch fleißig weitergebaut wird, siehe Schatterau/Bergstraße oder siehe Doppelgiebel in der Dankwartstraße oder indem wir aktuell an der Planung der Breiten Straße arbeiten, will ich noch auf etwas anderes eingehen. Wir haben die Öffnungszeiten in der Stadtbibliothek im Zeughaus ausgeweitet. Auch am Samstagnachmittag ist die Bibliothek offen, beaufsichtigt durch einen Sicherheitsdienst.

Ein Begegnungsort ist die Bibliothek schon unter der Woche, nun soll sie es auch am Samstag sein. Letztlich entspringt diese Idee der Auffassung, dass es solcher Begegnungsorte in unserer Stadt bedarf. Es gibt sie bereits, im Treff im Lindengarten (TiL), im Mehrgenerationenhaus des Deutschen Roten Kreuzes, im Kirchenladen, in den Mietertreffpunkten der Wohnungsbaugesellschaft, im Schabbell mit dem Projekt "Tell me your Story". Und damit habe ich noch nicht alle genannt.

Ich bin mir sicher, dass wir mehr Gespräche benötigen, mehr Begegnung. Dabei hat kommunale Selbstverwaltung beziehungsweise Kommunalpolitik ihre Grenzen, wir können diese Orte schaffen beziehungsweise unterstützen, vielleicht können wir auch das eine oder andere moderieren, wir können Grenzen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Extremismus, gegen Fake News und Verschwörungstheorien. Das alles tun wir.  Der Wille, sich auszutauschen, einander zuzuhören, einander ausreden zu lassen, sich auf zunächst fremd erscheinende Themen einzulassen, auf andere Meinungen, der Wille, sich aus der eigenen Blase heraus zu begeben – dies alles können wir nicht steuern, das liegt in der Hand eines jeden, einer jeden Einzelnen. Die Angebote sind da, nutzen wir sie, Sie sind dazu eingeladen – wir brauchen dieses Gespräch und diese Begegnung.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, an großen Planungen haben wir gearbeitet. Unser ISEK, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das im letzten Monitoring der Stadt eine stabile Entwicklung attestierte, gerade auch hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung, was absolut keine Selbstverständlichkeit ist, ist DIE Planungsgrundlage. Die Verkehrsentwicklungsplanung und die kommunale Wärmeplanung stehen kurz vor dem Abschluss, ein Klimaanpassungskonzept wird erarbeitet.

All dies entspringt Notwendigkeiten, nämlich der Notwendigkeit von Veränderungen. Eine Stadt ist nie fertig, nie, es wäre eher ein schlechtes Zeichen, wenn sie den Anschein erwecken würde. Der Klimawandel zwingt uns beispielsweise zu reagieren, das hat sich nicht verändert, auch wenn die Grünen nicht mehr in der Bundesregierung vertreten sind.

Die Umsetzung unserer Planungen wird in Schritten erfolgen, zum Beispiel die Umsetzung der Wärmeplanung, bezüglich derer ich von unseren Stadtwerken zusammen mit den Wohnungsunternehmen eine Vorreiterrolle erwarte. Dass im Stadtverkehr dem Fahrrad und den Fußgängerinnen und Fußgängern mehr Raum und mehr Sicherheit gegeben werden muss, liegt auf der Hand. Dazu gehört im Übrigen auch, dass wir künftig den Winterdienst auch auf den Radwegen verbessern sollten. Das alles hat nichts mit Autofeindlichkeit oder dergleichen zu tun, es erfordert aber Entscheidungen, auch Entscheidungen, die dem einen oder anderen, der besonders laut ist, nicht schmecken.

Dass wir dabei alle Interessengruppen im Blick haben, den Handel einerseits und die Aufenthaltsqualität für die Menschen andererseits in der Innenstadt zum Beispiel, ist klar.

Kommunalpolitik besteht nicht darin, es allen recht zu machen, das ist die Kunst, die keiner kann. Sie besteht aber schon darin, große Interessengruppen, die vielleicht leiser als andere sind, zu berücksichtigen, die Stadt als Ganzes im Auge zu haben, nicht Einzelne zu bevorzugen, schon gar nicht immer die Stärkeren zu privilegieren. Die Planungsgrundlagen haben wir dafür geschaffen, nun gilt es umzusetzen, Stück für Stück.

Eine dieser wichtigen Planungen ist unser Haushaltsplan für die Jahre 2026/27. Darüber, über das was unsere Wirtschaft uns dankenswerterweise an Steuern beschert, wie wir das Jahr 2025 abgeschlossen haben, über unsere finanziellen Grundlagen, wird jetzt Heike Bansemer etwas sagen.

Senatorin Heike Bansemer:

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Bürgerinnen und Bürger,

liebe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verwaltung,

zu Beginn des Jahres 2026 ist es gute Tradition, gemeinsam zurückzublicken – auf das, was hinter uns liegt, und auf das, was vor uns liegt – und die Haushaltszahlen sind hier ein sehr zentraler Gradmesser.

Wenn wir auf das vergangene Jahr und die vorläufigen Jahresabschlusszahlen unserer Stadt schauen, können wir durchaus positive Entwicklungen feststellen. Geplant war für die laufende Verwaltungstätigkeit ein Defizit von 17,5 Millionen Euro. Der vorläufige Jahresabschluss weist nun jedoch in Anführungsstrichen nur noch einen Negativsaldo von 4,7 Millionen Euro aus. Das bedeutet: Es ist uns gelungen, das Ergebnis um 12,8 Millionen Euro zu verbessern.

Dieses negative Jahresergebnis können wir zwar noch durch positive Vorträge aus den Vorjahren kompensieren – aber das können wir natürlich nicht dauerhaft tun. Umso wichtiger ist es, weiterhin verantwortungsvoll zu wirtschaften.

Erfreulich ist der Blick auf unsere Liquidität. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 verfügte die Stadt über liquide Mittel in Höhe von 19,4 Millionen Euro – das sind 2,2 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Zahlungsfähigkeit der Stadt war zu jedem Zeitpunkt gesichert.

Trotz der nicht einfachen finanziellen Lage der Stadt haben wir investiert: Rund 20 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr aus dem Haushalt umgesetzt. Für diese Investitionen wurden Kredite in Höhe von 8,3 Millionen Euro aufgenommen.

Diese positiven Aspekte des Haushalts sind Ausdruck der Leistungsfähigkeit unserer Stadtgesellschaft. Sie zeigen, wie eng die finanzielle Situation der Stadt mit der Leistung der Bürgerinnen und Bürger und der Stärke unserer Unternehmen verbunden ist. Wenn es unserer Wirtschaft gut geht, profitiert auch die Stadt – und umgekehrt. Dafür möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich Danke sagen.

Meine Damen und Herren,

mit dem Beschluss der Bürgerschaft zur Prioritätenliste haben wir bereits im September wichtige Weichen für die Investitionsplanung der kommenden Jahre gestellt. Allein im Kernhaushalt beläuft sich das Investitionsvolumen für die nächsten beiden Haushaltsjahre auf über 43 Millionen Euro.

Wir werden damit große Projekte umsetzen, der Bürgermeister und Senator Michael Berkhahn haben viele wichtige bereits erwähnt. Und dies war nur ein Teil der Vorhaben, die unsere Stadt in den kommenden Jahren prägen werden.

Nicht zu vergessen sind auch die Investitionen in unsere Straßeninfrastruktur. Beispielhaft möchte ich noch die Deckschichtensanierung am Nordostzubringer anführen, diese ist wichtig, damit der Schwerlastverkehr auch weiterhin direkt zum Holzcluster fahren kann und wir so die Benutzbarkeit der Straße deutlich verlängern können.  Würden wir das nicht tun, müsste wir in wenigen Jahren viel tiefgreifender sanieren.

Um diese Investitionen realisieren zu können, werden Kreditaufnahmen notwendig sein. Für das Jahr 2026 sind Kredite in Höhe von 10,6 Millionen Euro vorgesehen, für 2027 weitere fast 20 Millionen Euro. Seien Sie aber versichert, wir werden die Kreditaufnahmen auf das unbedingt notwendige Maß begrenzen, um die finanzielle Belastung für kommende Generationen möglichst gering zu halten.

Ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung unserer Stadt kommt auch von unseren Eigenbetrieben und Beteiligungsgesellschaften. Für das Jahr 2026 sind dort Investitionen von rund 41 Millionen Euro geplant.

Die Stadtwerke und der Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb EVB setzen, wie bereits erwähnt, ihre Arbeiten in der Schatterau und in der Zierower Landstraße fort, treiben den Netzausbau voran und errichten neue öffentliche Ladestationen. Zudem entstehen Photovoltaik-Anlagen – unter anderem auf dem Dach des Hauses Friedenshof der Seniorenheime sowie auf dem Verwaltungsgebäude der Wohnungsbaugesellschaft – als wichtiger Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit und geringeren Energiekosten.

Die Wohnungsbaugesellschaft setzt die Sanierung ihres Bestandes fort, unter anderem mit Fassadenerneuerungen und Balkonanbauten, und sie treibt die Entwicklung der Neubaugebiete "Alte Gärtnerei" und Wendorf-Süd voran.

Auch die Seehafen Wismar GmbH investiert in die Zukunft: Wichtige Verkehrsanlagen werden erneuert, und mit der geplanten Errichtung einer Windenergieanlage verfolgt der Hafen das Ziel einer autarken und klimaneutralen Energieversorgung.

Meine Damen und Herren, all diese Projekte zeigen: Unsere Stadt entwickelt sich weiter – mit Augenmaß, mit Verantwortung und mit Zuversicht. Lassen Sie uns diesen Weg auch im neuen Jahr gemeinsam gehen.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement, Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung und wünsche Ihnen allen ein gesundes, erfolgreiches und zuversichtliches Jahr 2026.

Vielen Dank.

Bürgermeister Thomas Beyer:

Natürlich, meine Damen und Herren, bestand dieses schnell vergangene Jahr nicht nur aus Planungen, aus Investitionen, Bauprojekten, es gab noch viel, viel mehr. Tolle Veranstaltungen beispielsweise. Das Schwedenfest war für mich das schönste überhaupt. Wir sind einander begegnet, haben Europa gefeiert, mit Schwedinnen und Schweden, mit unseren ukrainischen Freundinnen und Freunden und ja, meistens ohne die, die Europa, die Europäische Union abschaffen wollen.

Wir haben eines unserer größten Söhne, nämlich Gottlob Frege, gedacht, viele haben daran mitgewirkt. Danke dafür!

"„80 Jahre Kriegsende": Unter dem Motto stand die Gedenkveranstaltung im April, gestaltet durch Schülerinnen und Schüler des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums. Wir konnten 100 Jahre Niederdeutsche Bühne feiern – ein großartiges Jubiläum. Die Interkulturellen Wochen sowie die Aktionswochen gegen Rassismus waren wieder Bestandteil des Jahreskalenders, notwendigerweise.

Wismar definiert sich auch über Veranstaltungen in vielfältiger Weise, ich habe nur einen Bruchteil erwähnt, zahlreiche Menschen und Institutionen wirken darin mit, ob es politische Veranstaltungen sind oder weniger politische, Konzerte, das Musical von "Jauxi! Entertainment", Theateraufführungen, Lesungen und Ausstellungen – allen, die daran mitwirkten, sei gedankt!

Überhaupt, was an ehrenamtliches Engagement geleistet wird, ist immens. Die Wismarer Tafel gehört dazu, der Theatersommer, die Stadtmütter, das Kinder- und Jugendparlament und der Seniorenbeirat, die Sportvereine, die Serviceclubs, der Verein "Licht am Horizont" oder "Kanonbra", ein neuer Verein in unserer Stadt, viele Kirchengemeinden, Fördervereine, Menschen, die sich privat für Integration engagieren, Deutschkurse veranstalten, die sich in Nachbarschaftshilfe engagieren oder wo auch immer, Kinderfeste, die ausgerichtet werden, beispielsweise in Dargetzow, mit dem Technischen Hilfswerk konnten wir ein Helferfest feiern, es fand eine Blaulichtparty statt.

Das, meine Damen und Herren, verdient unser aller Respekt und Anerkennung und es lädt ein, gleiches zu tun, fühlen Sie sich gern eingeladen.

Wir mussten auch Abschied nehmen. Der Weltkünstler Günther Uecker, der sein Studium der Malerei einst in Wismar begann und unserer Stadt sehr verbunden war, starb am 10. Juni 2025 im Alter von 95 Jahren.

Menschen, die sich in der Stadt auf unterschiedliche Weise engagierten, starben im Jahr 2025. Beispielhaft seien genannt der einstige Vorsitzende der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft, Jürgen-Bernhard Kruse, der ehemalige Präsident der Bürgerschaft, Sigfried Rakow, unser langjähriger Freund und Förderer der Städtepartnerschaft mit Kalmar, Göran Häggfors, und ehrenamtlich Engagierte, wie Heiko Seefeldt von der Freiwilligen Feuerwehr Friedenshof, Heinz Röpcke vom Schützenverein und Wilfried Firgt als im Sport Engagierter. Sie stehen beispielhaft für die vielen, von denen wir Abschied nahmen. Sie werden einen Platz im Gedächtnis der Stadt behalten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Wismarerinnen und Wismarer, liebe Gäste, die Unruhe des Jahres 2025, die es uns so schnell vergehen ließ, wird sich wohl auch 2026 fortsetzen. Schaue ich allein auf die ersten Tage des Jahres, in denen einfach mal Caracas durch die Vereinigten Staaten bombardiert wird und der dortige, ganz sicher despotische und undemokratische Machthaber von einer Weltmacht und einem UN-Mitglied entführt wird, schaue ich auf all dies, sehe ich kaum Aussicht darauf, dass sich etwas ändern wird.

So sind mir oft Menschen begegnet, die zu Beginn des neuen Jahres sagten, dass sie wenig Zuversicht haben. Und so ringe auch ich darum zu fragen, was eigentlich mir Zuversicht gibt.

Die wachsende Akzeptanz rechter Haltungen und Handlungen gewiss nicht. Als Bürgermeister respektiere ich selbstverständlich die Wahl des künftigen Senators und werde mit ihm in meiner Amtszeit konstruktiv zusammenarbeiten. Als politisch denkender und handelnder Mensch allerdings kritisiere ich und befinde es als inakzeptabel, dass sich ein stellvertretender Bürgermeister mit aller Selbstverständlichkeit gewollt und sichtbar abgesprochen von fünf AfD-Stimmen mitwählen lässt. Ich kann nur hoffen, dass er in den ab März folgenden 7,5 Jahren zeigt, dass er eben auf diese Stimmen nicht angewiesen ist.

Zu dem, was mir ebenfalls wenig Zuversicht gibt, gehört auch, dass ich manches, was in Berlin entschieden wurde, auch mit der Stimme des hiesigen Bundestagsabgeordneten, zum Beispiel bezüglich von Menschen aus Afghanistan, deren Freunde und Angehörige in unserer Stadt leben, die Deutschland und die Bundeswehr als Ortskräfte unterstützten und die jetzt trotz Zusage nicht einreisen dürfen, nicht akzeptieren kann. Dazu gehört auch die Ich-Ich-Haltung, die ich zunehmend feststelle, auch in unserer Stadt.

Was also, meine Damen und Herren, soll uns Zuversicht geben? Sicher, einiges von dem, was ich vorhin erzählte, vom Engagement in unserer Stadt. Aber das hält den Extremismus und das In-Frage-Stellen der Demokratie, was ich für fatal und lebensfeindlich halte, ob hier oder weltweit, offensichtlich nicht auf. Oder doch? Der Schlüssel liegt, so meine ich, bei uns, der Schlüssel zur Zuversicht.

Natürlich ist das, was unsere Ehrenamtlichen leisten, großartig. Natürlich ist das, was Menschen in der Pflege ihrer Angehörigen oder in stiller Solidarität mit den Schwachen in unserer Stadtgesellschaft oder in klarer öffentlicher Positionierung für Vielfalt und Toleranz leisten, großartig. Natürlich freue ich mich, wenn die Zivilgesellschaft in Wismar auf unsinnige Stadtbilddiskussionen reagiert. Daran gilt es anzuknüpfen, an das, was wir zu leisten vermögen. Unsere Kraft ist das, was uns Zuversicht geben kann.

Ich habe in all den letzten Jahrzehnten immer an das Potenzial unserer Stadt geglaubt, habe mich gefreut, dass das Selbstbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger wuchs. Darauf gilt es sich zu besinnen, um der Ich-Gesellschaft zu trotzen. Diese Kraft, ja diese Macht haben wir und wir können über dies auch von anderen in dieser Hinsicht etwas lernen.

Der ukrainische General Budanov sagt in seiner Neujahrsbotschaft über sein Volk: "Wir sind ein Vorbild für die ganze Welt. Ein Beispiel dafür, wie man zu seiner Meinung steht, wie man kämpft, anstatt zu jammern, wie man die Werte der Freiheit und Demokratie nicht mit Rhetorik, sondern mit Taten verteidigt, wie man ohne kindische Erwartungen auf der Erde lebt, die Realität wie ein Erwachsener wahrnimmt, sich nicht mit dem Bösen abfindet, sondern es vernichtet." Gewiss, das sind markige und auch selbstbewusste Worte, nicht alles würde ich mir zu eigen machen, aber ich wollte das Zitat auch nicht verkürzen.

Darum jedenfalls geht es, nicht auf Hilfe von wo auch immer zu warten, eben nicht zu jammern, sondern anzupacken, überall, sich auf unser Potenzial, unsere Kraft besinnen, die Werte von Freiheit und Demokratie mit Taten zu verteidigen, die Realität wahrzunehmen und sich dennoch nicht mit dem Bösen abzufinden. Von diesem Vorbild können wir durchaus lernen, tun wir das, packen wir an, wir können das.

Liebe Wismarerinnen, liebe Wismarer, liebe Gäste,

ich wünsche Ihnen für das Jahr 2026 genau diese Tatkraft, diese Haltung, ich wüschen Ihnen Gesundheit und Freude über Lebensglück, das Sie sich, das wir uns selbst erkämpft haben.

Vielen Dank!

Bürgerschaftspräsidentin Sylvia Bartsch:

Liebe Wismarerinnen und Wismarer,

sehr geehrte Ehrengäste,

liebe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Ehrenamt und Gesellschaft,

im Namen der Wismarer Bürgerschaft heiße ich Sie – gemeinsam mit unserem Bürgermeister Thomas Beyer – herzlich willkommen zum Neujahrsempfang 2026 hier in unserer St.-Georgen-Kirche.

Als eines der Wahrzeichen unserer Stadt erinnert uns der heutige Veranstaltungsort auch an die stetige Weiterentwicklung, an das Voranschreiten der Zeit durch die zwei Gerüststellungen hier in der Kirche: im Bereich des südlichen Seitenschiffes an zwei Pfeilern sowie an einem Bogen zur südlichen Seitenkapelle.

Es ist schön zu sehen, dass so viele Menschen heute hier zusammengekommen sind: Menschen, die unsere Stadt auf ganz unterschiedliche Weise prägen, begleiten und mitgestalten. Ein großer Dank gilt der Wohnungsbaugesellschaft der Hansestadt Wismar sowie der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest für die Unterstützung und das Sponsoring dieses Empfangs. Ich begrüße sehr herzlich die Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft, Frau Katharina Franzke, sowie den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, Herrn Kay Facklam.

Mein Dank gilt allen, die vor und hinter den Kulissen zum Gelingen dieser Veranstaltung beitragen. Bevor ich mit der namentlichen Begrüßung fortfahre, möchte ich nun gemeinsam mit Herrn Bürgermeister Thomas Beyer, Herrn Senator Michael Berkhahn und Frau Senatorin Heike Bansemer – und natürlich mit Ihnen, liebe Gäste – auf das neue Jahr anstoßen. Auf ein gesundes, friedvolles und glückliches neues Jahr. Auf gute Entscheidungen – für uns alle und für unsere Stadt.

Ganz besonders herzlich begrüße ich die Mitglieder unserer Bürgerschaft, die sachkundigen Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Mitglieder des Seniorenbeirates. Auch in diesem Jahr dürfen wir zahlreiche Ehrengäste willkommen heißen. Ein besonderer Gruß gilt dem Bundestagsabgeordneten Herrn Frank Junge und den Landtagsabgeordneten Herrn Tilo Gundlack und Herrn René Domke – ein herzliches Willkommen. Von Seiten des Landes begrüße ich sehr herzlich Frau Landtagspräsidentin Birgit Hesse sowie Frau Staatssekretärin Susanne Bowen aus dem Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten. Ebenfalls heute anwesend ist der neue Bürgerbeauftragte des Landes, Herr Silvio Witt – herzlich willkommen! Ein besonderer Willkommensgruß gilt der ersten Stellvertreterin des Landrats des Landkreises Nordwestmecklenburg, Frau Katrin Patynowski.

Ich begrüße die Vertreterinnen und Vertreter unserer Nachbarstädte und des Umlandes: So sind Frau Sabina Bruck, Bürgermeisterin von Neukloster, Frau Gabriele Richter, Bürgermeisterin der Gemeinde Insel Poel, Herr Lars Prahler, Bürgermeister von Grevesmühlen, und Herr Andreas Treumann, Bürgermeister von Hornstorf, heute unter uns. Möglicherweise sind noch weitere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister da – auch Sie begrüße ich natürlich sehr herzlich! Ebenfalls begrüße ich meine Kollegin aus der Hansestadt Rostock, Frau Jutta Reinders, stellvertretende Präsidentin der Rostocker Bürgerschaft.

Ganz besonders herzlich heiße ich unsere ehemalige Bürgermeisterin, Frau Dr. Rosemarie Wilcken, willkommen – zugleich Ehrenbürgerin unserer Stadt. Schön, dass Sie heute hier sind. Willkommen, heiße ich außerdem die mit Bürgermedaille, Ehrenring und Sportlerplakette ausgezeichneten Bürgerinnen und Bürger sowie die Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Kammern, Handwerk, Kultur, Sport, Religionsgemeinschaften und Kirchen, der Bundeswehr, der Vereine und Verbände, der Hochschule, der Schulen und weiterer Bildungseinrichtungen. Seien Sie alle herzlich willkommen! Ein herzlicher Gruß geht auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Eigenbetriebe, Eigengesellschaften und Beteiligungen, an die Vertreterinnen und Vertreter der Behörden, Privat- und Genossenschaftsbanken, der Sparkasse sowie der Medien.

Ganz besonders begrüße ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Sie erkennen viele von ihnen an den Namensschildern – einige betreuen heute zudem die Essens- und Getränkestände. Das Catering, das Sie nach den Reden genießen können, kommt von Mixdorf Catering. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Ein Neujahrsempfang ist mehr als ein formeller Termin. Er ist ein Moment des Zusammenkommens, des gemeinsamen Innehaltens – und des bewussten Blicks nach vorn.

Der Jahreswechsel liegt noch nicht lange zurück. Viele von uns haben die Feiertage genutzt, um zur Ruhe zu kommen. Andere hatten Bereitschaftsdienst, haben gearbeitet, Verantwortung übernommen. Schon das zeigt: Unsere Stadt funktioniert, weil Menschen sich kümmern – Tag für Tag, oft ganz selbstverständlich.

Wenn wir auf das neue Jahr blicken, tun wir das in einer Zeit, die viele als unsicher empfinden. Die Nachrichtenlage bleibt angespannt, wirtschaftliche Fragen beschäftigen viele Haushalte, gesellschaftliche Debatten werden rauer. Auch hier in Wismar spüren wir diese Entwicklungen – in Gesprächen, in Sitzungen, im Alltag. Und gerade deshalb möchte ich Ihnen eine kleine Begebenheit erzählen.

Vor einigen Tagen berichtete mir eine ältere Wismarerin von einem Moment, der sie sehr bewegt hat. Sie war mit ihrem Rollator unterwegs, es war kalt, der Gehweg glatt. An einer Stelle kam sie nicht weiter. Zwei junge Menschen – ihr völlig unbekannt – blieben stehen, halfen ihr ein Stück und kamen ins Gespräch. Am Ende sagte einer der Jugendlichen: "Das ist doch selbstverständlich, dass wir Ihnen helfen." Diese Begegnung war kurz. Aber sie hat bei der Frau etwas ausgelöst. Sie sagte mir: "In diesem Moment habe ich wieder gespürt, dass wir in unserer Stadt zusammenhalten und füreinander da sind."

Warum erzähle ich das? Weil sich genau in solchen scheinbar kleinen Augenblicken zeigt, was eine Stadt wirklich ausmacht. Nicht nur große Projekte, nicht nur Haushaltszahlen oder Beschlüsse – sondern das tägliche Miteinander, das Hinsehen, das Unterstützen.

Wismar hat im vergangenen Jahr viel bewegt: in der Stadtentwicklung, im sozialen Bereich, im Ehrenamt, in der Kultur, in unseren Schulen und Vereinen. Vieles davon geschieht leise, abseits der großen Bühne. Aber es trägt – und es verbindet. Als Bürgerschaft erleben wir diese Vielfalt sehr unmittelbar. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu. Kontroverse Debatten ebenso. Demokratie ist kein Wohlfühlprogramm – sie ist Arbeit. Aber sie lebt davon, dass wir einander zuhören, respektvoll bleiben und immer wieder den gemeinsamen Nenner suchen: das Wohl unserer Stadt und ihrer Menschen.

Das neue Jahr wird uns fordern. Aber es bietet uns auch Chancen: Chancen, unsere Stadt weiterzuentwickeln. Chancen, junge Menschen stärker einzubinden. Chancen, Gemeinschaft über Generationen hinweg zu stärken.

Mein Wunsch für dieses Jahr ist, dass wir uns das Gefühl aus dieser kleinen Geschichte bewahren: das Gefühl, nicht allein zu sein. Dass wir hinschauen, wo Hilfe gebraucht wird. Dass wir einander zutrauen, gemeinsam Lösungen zu finden – auch wenn die Wege manchmal mühsam sind.

Ich danke im Namen unserer Bürgerschaft allen, die sich für Wismar engagieren: in Vereinen, Initiativen, Unternehmen, Institutionen, in der Verwaltung und in der Kommunalpolitik. Ihr Einsatz ist das Fundament unseres Zusammenlebens. Lassen Sie uns mit Zuversicht, Offenheit und gegenseitigem Respekt in dieses neue Jahr gehen.

Für eine Stadt, die zusammenhält. Für eine Stadt, die Verantwortung übernimmt. Für unsere Hansestadt Wismar.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, friedliches und zuversichtliches neues Jahr.

Vielen Dank.