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Wismarer Sagen "Verhext und verwünscht - sagenhaftes Wismar"

Das Teufelsgitter in der Marienkirche zu Wismar

 

Das Teufelsgitter in der Marienkirche zu Wismar © Hansestadt Wismar, Stadtgeschichtliches Museum
Fotograf: Kay Zimmermann 

Das Gitter um den Taufstein der Marienkirche in Wismar ist von so kunstreicher Eisenarbeit, daß es fast aussieht, als sei es von lauter ineinandergeflochtenen Stricken zusammengesetzt.

Die Sage berichtet:
Es war im Jahre 1344, daß ein Schlossergeselle zu Wismar seines Meisters einziges Töchterlein liebte, aber von dem Meister zurückgewiesen wurde, wenn er nicht hundert Goldgulden zum Mahlschatz bringen könne. Der Gesell traf einen feinen Herrn, dem er auf Befragen den Grund seiner Betrübnis erzählte.

Darauf erklärte sich der Herr bereit, ihm zu helfen; er werde am anderen Morgen kommen und ein Gitter um das Taufbecken bestellen, das aus einem Stücke geflochten sein müsse.

Die Arbeit werde keiner übernehmen wollen, da solle denn er, der Geselle, sich dazu erbieten. Wenn er das Gitter in der Zeit vom Hahnenschrei bis Nachts ein Uhr vollendete, dann bekomme er hundert Goldgulden, wenn nicht, so gehöre er ihm.

Der Geselle wußte nun wohl, mit wem er zu tun hatte; aber er ging den Vertrag ein, den er mit seinem Blute unterzeichnen mußte.

Der Geselle ging an die Arbeit, und es gelang ihm auch, sie in der festgelegten Zeit soweit zu vollenden, daß nur noch ein einziger Stift einzunieten war.

Da hörte er, wie die Glocke Eins ansagte. In seiner Angst rief er die Mutter Gottes an. Da schlug es Eins, ein furchtbares Geheul ertönte, und der Geselle fiel besinnungslos hin. Als er erwachte, lag sein Kontrakt nehmen ihm und die hundert Goldgulden lagen dabei. Er beichtete alles und erhielt nicht nur Verzeihung, sondern auch von seinem Meister die Hand seiner Tochter.

Die Arbeit war vollendet, doch ist das eine Loch bis auf den heutigen Tag ohne Niet geblieben.. zurück
Quelle: Stadtgeschichtliches Museum der Hansestadt Wismar