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Wismarer Sagen "Verhext und verwünscht - sagenhaftes Wismar"

Der „Moort“

 

Der Moort © Hansestadt Wismar, Stadtgeschichtliches Museum
Fotograf: Kay Zimmermann 

Das Albdrücken heißt bei uns „Moort-Riden“. Es wird nach der Sage hervorgerufen durch ein unheimliches Wesen, den „Moort“, der sich rittlings auf den schlafenden Menschen setzt und ihn umklammert und beengt. Der Moort kommt ins Zimmer, indem er sich ganz lang und dünn macht und durch das Schlüsselloch oder ein anderes Loch schlüpft. Auf dem gleichen Wege muß er das Zimmer auch wieder verlassen.

Verklebt man das Schlüsselloch, solange der Moort im Zimmer ist, oder faßt man ihn mit einem Erbhandschuh an, so muß er sich in seiner wahren Gestalt zeigen. Man sieht dann, daß es ein hübsches junges Mädchen ist.
Ein Knecht heiratete einmal ein solches Mädchen, das sich bei ihm als Moort eingeschlichen hatte, und hatte mehrere Kinder mit ihr. Trotzdem wurde die Frau eine heimliche Unruhe und Sehnsucht niemals los. Einmal bat sie ihren Mann, ihr doch das Loch zu zeigen, durch das sie gekommen sei. Der Mann machte das Loch frei, und im gleichen Augenblick war die Frau verschwunden. Er sah sie nie wieder. Aber jeden Sonnabend kam sie, wusch und kämmte die Kinder und zog ihnen reine Hemden an. Sobald aber der Mann sie belauschen wollte, kam sie nicht.

Häufig hat man festgestellt, daß ein Moort über die Ostsee kam, so bei Timmendorf auf Poel, am Strand beim Schwarzen Busch, auch bei Reric. Der Moort hat bei solchen Fahrten seine menschliche Gestalt, als Fahrzeug benutzt er eine Molle (Back- oder Fleischmulde), als Ruder dient ihm eine Flachsschwinge und als Segel der Rand eines großen Kornsiebes. (Diese drei Teile sind uralte Zaubergeräte). - Am Schwarzen Busch fanden Kinder einmal solche Sachen und nahmen sie mit. Bald darauf hörten sie ein jämmerliches Klagen und Schluchzen.

Eine Stimme rief immerfort: „Min Swing, min Moll, mien Säbenrand! Min Mudder röppt in Engelland: Liesch, stah up un melk de Käuh!“

Bei Timmendorf fanden Hütejungen die drei Zauberteile und versteckten sie im Korn. Eines Tages sahen sie den Moort kommen und hörten ihn flehen und klagen. Er versprach ihnen 6 Bolzen Leinen, als sie die Sachen zurückbrachten. - Später fand man das Leinen beim Mähen. Es war aber schon ganz vermodert.
Bei Reric sah einmal ein Schäfer, wie ein Moort im Schilf in der „Huke“ saß. Der Moort bat ihn, er möge ihm die drei Teile holen, die unter einem Laubhaufen in der Nähe versteckt lägen. Er holte die Sachen und erhielt als Lohn ebenfalls einen Bolzen Linnen. Nach der Erzählung des Schäfers hatte die Erscheinung langes, welliges Haar.zurück
Quelle: Stadtgeschichtliches Museum der Hansestadt Wismar