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Wismar war Ausgangspunkt einer erfolgreichen Geschäftsidee


Museum Leihgaben - Karstadt-Stammhaus, Historisches Kontor  © Presse, Hansestadt Wismar
© Presse, Hansestadt Wismar 
Am 16. Februar 1856 wurde Rudolph Karstadt in Grevesmühlen geboren.
Er träumte davon, Stoffe aus Paris kommen zu lassen und Wohlgerüche aus Arabien. Er wollte die Frauen mit schönem Tuch, mit Spitzen und Bändern und schönen Kleidern ausstaffieren.

Der Visionär entwickelte eine Geschäftsidee, die für damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. In ein und demselben Geschäft konnte man nicht nur Nähseide, Stiefel für die Kinder, Röllchen für den Mann, Bett- und Tischwäsche, sondern auch das dazugehörige Bettgestell und vieles mehr – und das alles zu einem bereits festgesetzten Preis.

Vor 125 Jahren – am 14. Mai 1881 eröffnete der gelernte 25-jährige Einzelhandelskaufmann Rudolph Karstadt sein  „Tuch- Manufactur- und Confektionsgeschäft“ in Wismar.




Mit 1000 Talern und einem Möbelwagen voll Ware und nur einem Angestellten eröffnete er sein erstes Geschäft. Der im Jahr 1856 in Grevesmühlen Geborene hatte für die damaligen Verhältnisse eine revolutionäre Geschäftsidee. Zusammen mit seinen Geschwistern Ernst und Sophie-Charlotte,  wurde festgelegt, dass der Verkauf „zu sehr billigen, festen Preisen, aber nur gegen bar“ stattfinden sollte. Das war unüblich.
Damals kannte man nur die geheimnisvolle Buchstabenauszeichnung, die nur den Kundigen den Einkaufspreis der Ware verriet und es ermöglichte bei der Preisverhandlung jeden Kunden individuell zu behandeln.  Diese Art Geschäfte zu machen war nicht ganz ohne Risiko, da man sich gegenseitig kannte,  nahm man auf Kosten dieser Freundschaft oft unbeschränkten Kredit in Anspruch. Auf Mahnungen wurde empört reagiert.
Mit seinem Geschäftsmodell konnte er  genau kalkulieren und bei den Lieferanten günstige Einkaufskonditionen aushandeln. Bereits drei Jahre später, 1884 eröffnete er in Lübeck seine erste Zweigstelle.

073_Karstadt Stammhaus © Hansestadt Wismar
© Volster & Presse HWI 
Sein Geschäftskonzept ging auf, zum 25. Firmenjubiläum im Jahr 1906 waren bereits 24 Kaufhäuser in Betrieb.

Im Jahr 1920 erfolgte die Umgründung der Rudolph Karstadt KG in eine Aktiengesellschaft, die Mitte des Jahres mit der Firma Althoff fusionierte. Theodor Althoff übernahm 1885 von seiner verwitweten Mutter in Dülmen ein „Kurz-, Woll- Weißwarengeschäft“ mit dem er die auch die Geschäftspolitik wie Rudolph Karstadt verfolgte. Zu diesem Zeitpunkt zählten 44 Verkaufshäuser zum gemeinsamen Besitz.

In den folgenden Jahren wurden weitere Häuser in Schleswig-Holstein und im heutigen Niedersachsen eröffnet. Im Jahr 1931 hatte die Karstadt bei 89 Filialen mit rund 30.000 Mitarbeitern.

Doch die Weltwirtschaftskrise macht auch vor „Karstadt“ nicht Halt. Die bis dahin erfolgreiche Aktiengesellschaft geriet in eine finanzielle Krise. Rudolph Karstadt verlor sein gesamtes privates Vermögen. Im Jahr darauf schied er aus dem Unternehmen aus und verbrachte die letzten zwölf Jahre seines Lebens in Schwerin. Am 15. Dezember 1944 stirbt der Firmengründer Rudolph Karstadt.

Ein einfacher schwarzer Grabstein mit der Aufschrift „Rudolph Karstadt“ erinnert auf dem Schweriner Friedhof an den einstigen Revolutionär des Einzelhandels.


14.02.2006 
Quelle: Petra Steffan