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Sicherlich erinnern Sie sich noch an das Schwedenfest im August des Jahres 2002. Es  wurde bereits zum 3. Mal gefeiert, aber nicht nur weil die Wismarer Bürger gesellige Wesen sind. Mit diesem Fest wird an die ehemalige Zugehörigkeit der Hansestadt Wismar zum Königreich Schweden erinnert.


Huldigungsansprache © Presse, Hansestadt Wismar
© Stadtarchiv der Hansestadt Wismar 
Die Stadt Wismar
wurde am 24. Oktober 1648 im Westfälischen Frieden Schweden zugesprochen und  hatte einen besonderen Stellenwert von allen schwedischen Besitzungen auf deutschem Boden - bildete sie doch ein strategisch wichtiges Bindeglied zwischen Schwedisch-Pommern und Bremen-Verden.  Bedingt dadurch erfolgte im 17. Jahrhundert der Ausbau zur größten Festung Europas.

Durch die Abtretung Bremen-Verdens im Jahre 1719 verlor Wismar an Bedeutung für das Königreich Schweden. Es zeichnete sich ab, dass die Rückgabe bzw. Rückforderung Wismars nur noch eine Frage der Zeit war.

Ein Vorzeichen war  u.a. dafür, dass das unglückliche Verlöbnis zwischen dem schwedischen König Gustav IV. Adolf und der mecklenburgischen Prinzessin Luise Charlotte gelöst wurde.



Die russische Zarin setzt den schwedischen König unter Druck


Die am 2. November 1795 geschlossene Verlobung sollte die Beziehung zwischen Schweden und Mecklenburg weiter festigen. Im Allgemeinen dienten Verlöbnisse und Eheverträge zwischen fürstlichen Häusern zur Sicherung bzw. Ausdehnung des Einflusses. In ihrer Bedeutung können sie zum Teil mit Staats- und Geheimverträgen gleichgesetzt werden.

Diese Verlobung war der russischen Kaiserin Katharina nicht recht. Die sich anbahnende Beziehung zwischen Mecklenburg und Schweden beobachtete sie sehr kritisch.  Sie begann zu intrigieren und brachte den jungen König Gustav VI. Adolf in arge Bedrängnis. Als die Zarin sogar mit Krieg drohte, fand eine heimliche Verlobung des schwedischen Königs mit der Großfürstin Alexandra statt. Zeitweilig war er mit der mecklenburgischen Prinzessin und der russischen Großfürstin gleichzeitig verlobt. Die angesagt öffentliche Verlobung mit der russischen Großfürstin Alexandra wurde kurze Zeit später aus Religionsgründen gelöst, bald darauf öste sich auf das Verhältnis mit der mecklenburgischen Prinzessin.

Beide Fürstenhäuser verhandelten nun über eine angemessene Entschädigung. Hierbei wurde erstmals die Abtretung der Herrschaft Wismar mit den Ämtern Poel und Neukloster in Erwägung gezogen. Aber letztendlich einigten sich beide Parteien auf ein Wiedergutmachungsbetrag in Höhe von 100 000 Reichstalern.

Teil des Festzuges © Foto: Stadtarchiv Wismar
© Stadtarchiv der Hansestadt Wismar 
Wiederholte Versuche des Herzogs von Mecklenburg, einen Rückkauf der Herrschaft zu erwirken, blieben lange Zeit erfolglos. Leere Kassen in Schweden deuteten aber Handlungsbedarf, hinsichtlich einer gewinnbringenden Veräußerung Wismars an. Neben erneut beginnenden Verhandlungen mit Mecklenburg versuchten die Vertreter Schwedens auch anderweitig Besitz anzubieten. 

Es gab verschiedene Varianten, beispielsweise sollte Wismar an England, Poel an Lübeck und Neukloster an Privatpersonen verkauft werden, wenn ein Vertrag mit Mecklenburg nicht zustande kommen sollte.



Schwierige Verhandlungen zwischen Mecklenburg und Schweden


Zwischen dem herzoglichen Oberhofmeister von Lützow und dem schwedischen General Baron von Toll begannen erste Verhandlungen im Jahr 1800.  Über den Modus als Verpfändung konnten sich beide Parteien schnell einigen.  Doch müssen die Verhandlungen in ihrem gesamten Verlauf als sehr schwierig eingeschätzt werden, denn  hohe Geldforderungen der schwedischen Seite und anderweitige geheime Verhandlungen komplizierten die Verhandlungsführungen und gefährdeten sie ständig. Nach vielem Hin und Her konnten sich die Vertragsparteien auf eine Summe von 1 250 000 Talern (HB) und einer Verpfändung einigen.

Trotz der getroffenen Vereinbarungen stellten  die Schweden immer wieder neue Forderungen auf, z. B. forderten sie auf den Verzicht der noch zu zahlenden Wiedergutmachungssumme für das aufgelöste Verlöbnis und die extra Bezahlung von Grundstücken in Wismar (z. B. des Fürstenhofes). Die Verhandlungen drohten zu scheitern. Zwischen befreundeten Unterhändlern wurden die Verhandlungen weitergeführt. Der schwedische Kammerrat Schröder und der mecklenburgische Kammerdirektor Brüning verhandelten auch nach Abbruch der offiziellen Gespräche im September 1802 weiter.

Am 26. Juni 1803 wurde der Vertrag nun endlich unterzeichnet. Im Juli des Jahres ratifizierten  ihn der König von Schweden und der Herzog von Mecklenburg.
Die endgültige Rückgabe erfolgte erst 100 Jahre später.



Wiedereinlösung war unmöglich


Der auf 100 Jahre abgeschlossene Vertrag sicherte im Wesentlichen die Rückgabe der Herrschaft Wismar als Pfandbesitz für eine Schuld von 1 250 000 Talern. Die Verzinsung erfolgte mit 5 %, wobei 2 % auf den Pfandbesitz und 3 % Zinseszins auf das Kapital festgeschrieben wurden. Mecklenburg erhielt alle Rechte an Wismar bis auf folgende Einschränkungen:
  1. Der Hafen durfte nicht befestigt werden und nicht als Kriegshafen benutzt werden.
  2. Es durften keine Kriegsschiffe im Hafen stationiert werden.
  3. Die gewährten Privilegien und Verträge mussten beibehalten werden.
  4. Der Herzog durfte im Titel und im Wappen die Herrschaft nicht aufführen.

Für den Fall, dass es nach 100 Jahren zu keiner Einlösung oder anderweitigen Regelungen kommen sollte, war eine Verlängerung des Vertrages um weitere hundert Jahre vorgeschrieben. Aufgrund der Höhe der Pfandsumme und der festgelegten Verzinsung wurde eine Wiedereinlösung für Schweden unmöglich.

Am 19. August 1903 erfolgte die feierliche Übergabe der Herrschaft Wismar durch den schwedischen Kanzler Otto Heinrich von Thun an den Kammerdirektor Konrad Wilhelm Brüning als Bevollmächtigten Mecklenburgs.

Quelle: Wismarer Beiträge, Gerd Giese





05.10.2002 
Quelle: Stadtanzeiger 16/02