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Abteilung Denkmalpflege erfasst mittelalterliche Grabplatten


Jeder Besucher der Wismarer Nikolaikirche hat sie schon betreten und vielleicht auch bestaunt. Gemeint sind die mittelalterlichen Grabplatten, die dort im Fußboden verlegt sind und das Ziegelpflaster mit einer Art Bilderteppich schmücken. Die zu ehemaligen Bestattungsplätzen innerhalb der Kirche gehörenden Steine,  bildeten ursprünglich,  den oberen Abschluss der Grabstätten, erst im Zuge der Kirchenrenovierung zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie in die heutige Lage gebracht. Auffallend sind die zahlreichen Inschriften und die teilweise üppigen Dekorationen mit Eckverzierungen, Wappen, Hausmarken, Zunftzeichen und anderen Symbolen. Teilweise weichen die Platten auch in Größe, Material und Farbigkeit voneinander ab. Die überwiegend hellgrauen Kalksteinplatten aus Öland und Gotland sind reich an Fossilien und meist im Format von ca. 1 x 2 Meter verwendet, daneben gibt es aber auch "Übergrößen" bis nahezu 3 Meter Seitenlänge und trapezförmige Steine in roter und grüner Färbung.

Da bislang kein Verzeichnis über den Bestand und die Qualität der erhaltenen Platten existiert, wird momentan von der Abteilung Denkmalpflege, unterstützt durch Praktikanten und Jugendliche im freiwilligen denkmalpflegerischen Jahr, die Erfassung der Grabplatten vorgenommen. Neben der Nikolaikirche werden auch die verbliebenen Stücke aus der St. Georgen-Kirche sowie die an der Frischen Grube eingepflasterten Bruchstücke aus St. Marien registriert. Hinzu kommen Platten, die bei archäologischen Untersuchungen in der Altstadt zutage treten, die zwischenzeitlich umgelagert wurden oder die zufällig neu entdeckt werden. Im Ergebnis der Katalogaufnahme sollen Aussagen getroffen werden, welche Grabdenkmäler z. B. aus künstlerischen, personen- oder stadtgeschichtlichen Gründen oder aufgrund ihrer hervorragenden Erhaltung besondere Bedeutung besitzen. Diese Informationen dienen dann als Entscheidungshilfe für perspektivische Schutzmaßnahmen.



Zu den außergewöhnlichen Grabdenkmälern in der Nikolaikirche gehört die im nördlichen Seitenschiff gelegene, 1,28 m x 2,28 m große Figurengrabplatte des 1440 in den Wismarer Rat gewählten Consuls Petrus van Barke und seiner Frau Adelheid. Auf dem sehr dekorativ gestalteten Stein sind die Umrisse der Verstorbenen unter reich geschmückten Baldachinen eingraviert und in den Ecken symbolisieren geflügelte Wesen die vier Evangelisten. Dazwischen steht in gotischen Minuskeln ein lateinischer Text, der übersetzt die Todesnachricht enthält:

Im Jahr des Herrn 1451, zwei Feiertage nach Visitatio Mariae (2. Juli), starb Consul Petrus van Barke / Im Jahr des Herrn 1477, sieben Sonntage nach Fronleichnam, starb seine Frau Adelheid. Bete für sie.
Diese Inschrift, mit einem an den Leser gerichteten Wunsch nach Fürbitte, entspricht der üblichen spätmittelalterlichen Grabformel. Offensichtlich wurde dieser Stein auch nachträglich weiterverwendet, ersichtlich an den Jahres- und Namensangaben aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die nur von spärlicher bildlicher Verzierung begleitet, den Kopf der Figuren umlaufen, ihnen zu Füßen in ein Wappen gesetzt waren oder ihren Schoß überlagern. Meist handelt es sich dabei aber lediglich um eine Besitzkennzeichnung von "Stein und Stätte".

Als Grabdenkmale gehören die Platten zu den wenigen verfügbaren und künstlerisch wertvollen Natursteinarbeiten in unserem Gebiet und mit ihren Darstellungen, Inschriften und ihrer Symbolik besitzen sie ein Informationspotential, das als Quelle für historische Erkenntnisse bisher kaum genutzt wurde.

Für Hinweise zu weiteren mittelalterlichen Grabplatten im Bereich der Hansestadt Wismar ist die Abt. Denkmalpflege jederzeit dankbar.

Ansprechpartnerin: Frau Gralow












24.09.2005 
Quelle: Bauordnungs- und Denkmalamt, Rita Gralow