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Die besondere Situation der Wismarer Stadtkirchen


Zur Situation der Vermögenszuordnung, -verwaltung und Nutzung der Stadtkirchen in Wismar

Die treuhänderische Stiftung „Geistliche Hebungen“


Die Kirchen St. Nikolai, St. Marien und St. Georgen prägen seit Jahrhunderten das Bild der Hansestadt Wismar. Sie sind eng verbunden mit einer treuhänderischen Stiftung, den sogenannten „Geistlichen Hebungen“. Diese wurde vom mecklenburgischen Großherzog in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel eingerichtet, mit der in der Stiftung verankerten Vermögensmasse u. a. die drei Stadtkirchen baulich zu erhalten.
In der Zeit von 1832 bis 1951 erfolgte die Verwaltung der „Geistlichen Hebungen“ – wie im Regulativ vorgesehen – in Verantwortung der beiden Patrone, sprich dem Bürgermeister und seinem Stellvertreter. Seit 1945 wurden die „Geistlichen Hebungen“ als eine Dienststelle der Stadt geführt und später dem Dezernat Finanzen zugeordnet.

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Die Kirchen St. Nikolai, St. Marien und St. Georgen


St. Nikolai
Die Kirche St. Nikolai steht an einem der ältesten künstlichen Wasserläufe Deutschlands, der Frischen Grube. Sie wurde als Kirche der Seefahrer und Fischer errichtet. Das Mittelschiff erreicht mit 37 Metern Höhe fast das Maß der Lübecker Marienkirche. Es ist das zweithöchste Mittelschiff im Sakralbau der Backsteingotik. Eine Besonderheit stellen die an der Nord- und Südseite hervortretenden Vorhallen dar, die den Armen eines Querschiffs ähneln. Der außerordentlich reich geschmückte Südgiebel nimmt mit seiner Fülle an glasierten figürlichen Formsteinen in der Backsteinbaukunst eine Sonderstellung ein. Von der mittelalterlichen Ausstattung von St. Nikolai sind der aus dem späten 13. Jahrhundert stammende Taufstein aus Granit und der Anfang des 16. Jahrhunderts gefertigte Schifferaltar erhalten. Geprägt ist der Innenraum jedoch durch die komplett erhaltene barocke Ausstattung. Seit 1990 hat die Stadt Wismar ca. 6 Millionen Euro in die Sanierung und Instandhaltung der Kirche investiert. St. Nikolai wird ausschließlich und kostenfrei von der evangelischen Kirchgemeinde genutzt.


St. Marien
Die Kirche St. Marien liegt in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes und des Rathauses. Sie war die Rats- und Hauptpfarrkirche der Stadt. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert zunächst als Hallenkirche errichtet. Ab 1339 begann man unter der Leitung des Baumeisters Hans Grote mit dem Neubau der dreischiffigen Basilika nach dem Vorbild des französischen Kathedralbauschemas. Im Jahr 1375 wurde das Langhaus vollendet. Um 1450 wurde der Westturm um drei Stockwerke erweitert und erreichte eine Höhe von 80 Metern. Die Zifferblätter der Turmuhr haben einen Durchmesser von 5 Metern. Das Uhrwerk lässt dreimal am Tag über das Glockenspiel einen von vierzehn Chorälen erklingen. Von der dreischiffigen Basilika mit kathedralem Umgangschor blieb nach schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg nur noch der 80 Meter hohe Westturm bewahrt. Kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges zerstörten Lufttorpedos die St.-Marien-Kirche und mit ihr das gesamte sogenannte Gotische Viertel. In diesem Zuge wurden jahrhundertealte Gebäude, wie zum Beispiel das Archidiakonat, die Alte Schule an der Südseite der Marienkirche und St. Georgen zum Teil dem Erdboden gleichgemacht. Eines der schönsten gotischen Viertel im Ostseeraum wurde damit vernichtet. Auf Beschluss des damaligen Rates der Stadt als örtlichem Organ des sozialistischen Zentralstaates wurde im Jahr 1960 das beschädigte Kirchenschiff der St.-Marien-Kirche gesprengt, sodass nur noch der 80 Meter hohe Kirchturm übrig geblieben ist.
Seit dem Jahr 2000 erfolgt die Sanierung und Rekonstruktion der Kirche, welche die Stadt Wismar mit bisher ca. 5 Millionen Euro getragen hat. Seit 2002 ist im Marienkirchturm die Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“ zu sehen. Hier hat der Besucher die Möglichkeit, am Beispiel von St. Marien die Techniken des gotischen Backsteinbaus und des mittelalterlichen Handwerks zu erleben. Höhepunkt der Ausstellung ist eine 3-D-Filmpräsentation. Darin wird der Besucher von Bruno Backstein auf eine interessante Reise in die Vergangenheit mitgenommen. Er ist mit dabei, wenn die Marienkirche virtuell entsteht: von der Vermessung des Bauplatzes bis hin zur Herstellung der Backsteine, vom Bau der Gerüste bis zum Mauern der Gewölbe. Seit der Eröffnung der Ausstellung im Jahr 2002 haben bis heute mehr als 750.000 Gäste diese Ausstellung besucht. Derzeitig werden die Grundmauern des Kirchenschiffes von St. Marien nachgemauert, sodass die einstige Größe und Schönheit dieser Kirche erahnt und wieder deutlich werden kann.


St. Georgen  
Die Kirche St. Georgen zählt zu den bedeutendsten Baudenkmalen norddeutscher Backsteingotik. Als ehemalige Pfarrkirche der Neustadt ist sie im südwestlichen Bereich der Altstadt gelegen. Ihre Errichtung fällt in die Zeit des späten Mittelalters und der Reformation. Vor der Fertigstellung von St. Georgen im Jahr 1594 wurde sie während ihrer langen Bauzeit mehrfach verändert. Das kolossale Lang- und Querhaus stellt gleichzeitig den letzten im Mittelalter begonnenen Großbau einer städtischen Pfarrkirche in Norddeutschland dar. Bei einem Luftangriff im April 1945 wurde sie so schwer beschädigt, dass sie als Kirche nicht mehr genutzt werden konnte.
Bis Januar 1990 stand die Ruine ungesichert in der Stadt. Nach einem schweren Orkan, der den Nordgiebel zum Einsturz brachte, begann man mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit dem Wiederaufbau der Backsteinkirche.

Insbesondere die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Förderung durch Bund, Land und Stadt sowie zahlreiche private Spender haben dafür gesorgt, dass dieses gotische Monument wieder entstand und einer breiten öffentlichen und auch einer kirchlichen Nutzung zugänglich gemacht werden konnte.

Insgesamt konnten so mehr als 40 Millionen Euro in den Wiederaufbau investiert werden. Ungeachtet der Bautätigkeiten hat sich die St.-Georgen-Kirche längst zu einem attraktiven kulturellen Veranstaltungsort etabliert. Hier finden mit großer Akzeptanz Kongresse, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und kirchliche Veranstaltungen statt.

Mitte 2013 ist die Fertigstellung des Einbaus eines Fahrstuhls und einer zusätzlich erforderlichen Treppe zur Aussichtsplattform auf dem Westturm sowie der Bau der dazugehörigen Außentreppe mit den entsprechenden Zuwegungen und somit der Abschluss der Hauptarbeiten vorgesehen.

Veranstaltungen in St. Georgen