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Schüler forschen für die nächsten Stolpersteine


Die Projektgruppe „Stolpersteine“, jetzt mit Mitstreitern aus der Großen Stadtschule, erforscht weitere Schicksale von Naziopfern.
Wismar (OZ) - 13 Stolpersteine erinnern in der Hansestadt an die Verbrechen der Nazis. „Unter anderem für Gertrud Bernhard. Seit dem Weitertransport nach Auschwitz am 16. Mai 1944 verliert sich ihre Spur“, berichtete Petra Steffan von der Projektgruppe „Stolpersteine“ am Dienstagabend im Zeughaus. Die Gruppe hatte anlässlich des Gedenktages zur Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Mai 1945 eingeladen. „Auschwitz, ein Sinnbild für den Holocaust, ein Symbol für die Schrecken des dritten Reiches“, so Petra Steffan weiter. „Mehr als sechs Millionen Menschen starben in den Konzentrationslagern, davon 1,3 Millionen im KZ Auschwitz. Sie wurden ermordet, starben in Gaskammern, an den Folgen der Zwangsarbeit, des Hungers, an Misshandlungen oder an grausamen medizinischen Versuchen“, erinnerte Petra Steffan. „Auschwitz war ein Vernichtungslager am menschlichen Leben, ein unvorstellbares Grauen.“ Im Ansatz vorstellbar wurde dieses Grauen für die gut 70 Gäste des Abends mit dem Film „Fateless — Roman eines Schicksallosen“. Er erzählt die Geschichte eines 14-jährigen Jungen, der die Konzentrationslager AuschwitzBirkenau, Buchenwald und Zeitz überlebte. Sehr menschlich, ohne jegliche Effekthascherei, sondern einfach nur ehrlich und damit unglaublich schrecklich wird das Schicksal des Jugendlichen geschildert. Ein Film über den unbedarften Optimismus eines Jungen, über seinen körperlichen und seelischen Verfall im Konzentrationslager. Ein Film, der verstört und gleichzeitig einen Funken Hoffnung macht.

Sichtlich bewegt ehrten danach Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider und Petra Steffan zwei Menschen, die wichtige Grundlagen zu den Forschungen zu den Stolpersteinen gelegt haben: Lilo Schumann und Falk Bertsch.

Nun werden zwölf Jugendliche der Großen Stadtschule „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ weiter forschen. Sie setzen die Arbeit der Schülergruppe am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium fort. „Ich habe selbst jüdische Wurzeln“, erklärt Leon Skoba (18). Im Wismarer Archiv hat er schon die Spuren jüdischer Menschen in den Telefonbüchern verfolgt. „Es ist erschreckend, wenn die Namen auf einmal verschwinden.

Wurden die Menschen deportiert oder sind sie einfach nur umgezogen?“ Das Erforschen weiterer Schicksale wird für die Jugendlichen nicht einfach, weil es nun Kleinstarbeit bedeutet.

„Es ist bemerkenswert, wie groß das Engagement in Wismar ist“, zeigte sich Sylvia Bretschneider beeindruckt. „Wir müssen dafür sorgen, dass dieses demokratische Engagement auch sichtbar ist“, forderte sie. Denn nur so könne den heutigen Nazis die Stirn geboten werden. „Ich habe Angst vor Gleichgültigkeit und Schweigen, denn das ist das Ende, wie wir im Film gesehen haben.“
NICOLE HOLLATZ




Autor: Petra Steffan, 28.01.2010 
Quelle: Ostsee-Zeitung