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Wismarer Projektgruppe "Stolpersteine" erhielt Spende


Wismarer Projektgruppe
© Projektgruppe Stolpersteine 
Wismar (OA) - Bereits vor 18 Jahren entstand durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig der erste Entwurf des Projektes "Stolpersteine" in Deutschland. Sein Anliegen war es, an die Opfer zu erinnern, die im Nationalsozialismus emordert, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden waren. Vor ihrem letzten Wohnort, in dem sie gearbeitet und gelebt hatten, wird ein Pflasterstein, versehen mit einer Messingplatte, verlegt. Darauf ist der Name sowie das Geburts- und Todestatum des Menschen eingraviert.
Die erste Verlegung, damals noch nicht genehmigt, inzwischen jedoch legalisiert, erfolgte 1997 in Berlin-Kreuzberg. Erst ab dem Jahr 2000 durften mit amtlicher Genehmigung Stolpersteine verlegt werden. In der Folgezeit wude das Projekt zum Selbstläufer und von der ehemaligen Berlinerin Lilo Schumann nach Wismar geholt. 2008 erfolgte die erste Verlegung von neun Stolpersteinen und 2009 von vier weiteren in der Hansestadt.
Im Vorfeld wurden in mühevolle Kleinarbeit die Schicksale dieser Menschen, die dem NS-Regime zum Opfer gefallen waren, erforscht. Schüler und Lehrer des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums und der Großen Stadtschule, Gerd Giese vom Stadtarchiv, Petra Steffan, Mitarbeiterin der Pressestelle der Hansestadt Wismar, sowie Regionalforscher Falk Bersch engagierten sich bei den Forschungsarbeiten. Es mussten Zeitzeugen aufindig gemacht und der letzte Wohnort der Betroffenen ermittelt werden und vieles mehr.
Ein großes Dankeschön gilt auch den zahlreichen Sponsoren, ohne deren finanzielle Unterstützung das Verlegen der Stolpersteine nicht möglich wäre. So dankte Senator Michael Berkhahn jetzt den Vertretern der Loge zur Vaterlandsliebe Wismar e. V., Dr. Manfred Hunz und Detlef Schmidt, für die großzügige Spende von 1000 Euro auch im Namen des Bürgermeisters Thomas Beyer. Durch die Spenden ist es möglich, weitere intensive Forschungen nach den Schicksalen von Menschen zu betreiben, um an sie zu erinnern, die als Juden, Zeugen Jehovas, politisch Verfolgte oder Euthanasieopfer durch das menschenfeindliche Regime leiden und sterben mussten.
Die Stolpersteine haben in der Wismarer Bevölkerung einen hohen Bekanntsheitsgrad, sicher auch hervorgerufen durch die Nähe zum Geschehen. Zur Zeit sind in Wismar Nachforschungen nach einem Kaufmann Max Ehrlich und einem Tierarzt Dr. Leonhart in Arbeit. Jede Unterstützung ist willkommen, sei es bei den Forschungsarbeiten oder Spenden. Geplant ist auch, im nächsten Jahr eine Broschüre herauszubringen, so Petra Steffan. Erste inhaltliche Gedanken: die Standorte der Stolpersteine mittels eines Stadtplanes aufzuzeigen und über die Biografie der Menschen zu informieren. Diese Broschüre wäre u.a. ein informativer Begleiter bei einem Rundgang durch die Hansestadt.
Der erste Stolperstein in Wismar war dem Arzt Dr. Leopold Liebenthal gewidmet. Mit einer spontanen Zusage reagierte Dr. Manfred Hunz auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, dass die Freimaurer für diesen Stolperstein die Patenschaft übernehmen würden. Es gibt bereits fünf Patenschaften für sechs Pflastersteine in Wismar. Man reinigt die Steine, beseitigt auch Beschädigungen.
GEORGIA MATTHES




Autor: Petra Steffan, 16.03.2011 
Quelle: Ostseeanzeiger