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GRABMALE, GRABGESTALTUNG UND GRABPFLEGE


Grabmahl mit Engel im Totengärtchen
© Presse, Hansestadt Wismar 
Friedhöfe sind nicht nur Orte der Besinnung und der Erinnerung an Verstorbene, sondern sie sind in ihrer Gestaltung und Art der Anlage einschließlich ihres Grabmalbestandes gleichfalls Zeugnisse geistiger und künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Thema Tod in Vergangenheit und Gegenwart. Sie spiegeln Geschichte, kulturgeschichtliche Entwicklungen wie auch die Handwerkskunst verschiedener Epochen auf engem Raum wider.


Die Entwicklung der städtischen Friedhöfe wurde Mitte des 19. Jahrhundert zunehmend vom aufstrebenden Bürgertum beeinflußt.
Das Erbbegräbnis und das Familiengrab blieb den wohlhabenden Familien vorbehalten, die ärmeren Bevölkerungsschichten wählten das Reihengrab.

 

Friedhofsgrundrisse mit pompösen Familiengrüften an repräsentativen Plätzen sind kennzeichnend für diese Periode.
Später führte die Entwicklung vom Erdgrabhügel über das Grabbeet zu flächigen Grabgestaltungsformen.
Im Erscheinungsbild des Friedhofs sind hier und da noch vergitterte Grabstätten zu erkennen. Als »Totengärtchen« bezeichnete man jene Familiengrabstätten, die eine besondere Einzäunung umgab. Diese sollte sowohl Schutz als auch Zierde der Grabstätte sein, hatte aber auch den Besitzanspruch der Familie auf dieses Stückchen Gottesacker zu unterstreichen.
Auf dem Wismarer Friedhof sind einige dieser Totengärtchen erhalten geblieben.
Mitunter sind Grabsteine schon längst nicht mehr vorhanden, die Eisengitter vom Rost zerfressen, aber auch diese Gitter sind Relikte der Friedhofskultur vergangener Jahrhunderte, und die Friedhofsverwaltung bemüht sich, sie instand zu halten, um das alte Friedhofsbild zu bewahren.


Grabanlagen mit ihren Grabmalen prägen wesentlich das Bild eines Friedhofs,


wobei der Auswahl und Gestaltung des Grabmals oder Grabsteins besondere Bedeutung zukommt.
Im Gegensatz zu heute wurden im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufiger Symbole auf Grabsteinen angebracht. Zu den bekanntesten gehören vor allem christliche Sinnzeichen wie Christusmonogramm und Kreuz aber auch Berufs- und Handwerkszeichen, sowie Tier- und Pflanzensymbole.
Grabsteine unserer Vorfahren waren immer Einzelanfertigungen und sind Zeugnisse damaliger Handwerkskunst.
Die heute angebotenen Grabmale sind meist industriell gefertigt und werden lediglich nach individuellen Wünschen in Bearbeitung der Oberfläche und Einschlagen von Schrift und Symbol durch den Steinmetz gestaltet.
Die Grabstättengröße bestimmt auch die Größe des Grabsteins. Daher sollte zwischen beidem ein ausgewogenes Verhältnis angestrebt werden, um Harmonie und Ausgeglichenheit zu erreichen.





Auf dem Wismarer Friedhof gibt es noch sehr schöne alte Grabmale, die die Verehrung der Hinterbliebenen für ihre Toten zum Ausdruck bringen, so u. a. die Grabmale von Lützow, Goetze, Eenboom, Thormann, Cordua, Hinstorff, Böckel und Schmidt.


Grab Sella Hasse
© Presse, Hansestadt Wismar 
Die Entstehungszeit dieser historisch wertvollen Grabmale fällt in den Zeitraum des beginnenden 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine würdige Beerdigung und die regelmäßige Pflege der Grabstätten sind seit Jahrhunderten ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Kultur.
In unseren Breiten sind Erdbestattungen zur Regel geworden; bis in die 1970er Jahre hinein galt das auch für den Wismarer Friedhof.
Staatlicherseits wurden in den 70er und 80er Jahren Feuerbestattungen gefördert und propagiert. So entstand Ende der 80er Jahre das anonyme Urnengrabfeld auf dem Westfriedhof, das zunächst Verstorbenen vorbehalten war, die keine Angehörigen und somit niemanden für die Grabpflege hatten.
Die Bepflanzung der Grabstätte ist eine Erscheinung der christlich geprägten Gesellschaften der Neuzeit. Es wurden bestimmte Gehölze und Stauden gepflanzt, denen eine glaubensgeprägte kultische Bedeutung zukam. Hierzu gehören traditionelle Trauerbäume, etwa die Trauerweide, immergrüne Pflanzen wie Buchsbaum und Immergrün, die als Symbole des Lebens, der Ewigkeit und Unsterblichkeit galten.




Vorstellungen vom Paradies wurden u.a. durch Blumen versinnbildlicht, sie sind das Symbol für das Werden und Vergehen.

Das Wissen um die Symbolik der ursprünglich ganz bewußt verwendeten Blumen, Stauden und Sträucher sollte bei der Grabbepflanzung wieder zunehmend Beachtung finden.
Zu den traditionellen Friedhofspflanzen und Pflanzen mit Symbolcharakter gehören u. a.:

  • Efeu: Sinnbild des Lebens in Christus, das immer grünt;
  • Immergrün: Ewigkeitssymbol, Symbol des Paradieses, Symbol für Treue und Beständigkeit;
  • Buchsbaum: Zeichen der Auferstehungs-hoffnung, Sinnbild des Lebens und des Todes;
  • Eibe: Totenbaum, Schutz vor bösen Mächten;
  • Lorbeer: Götterbaum, Sinnbild der Unverweslichkeit, Dämon vertreibend; 
  • Wachholder: Kirchhofsbaum, bei Totenverbrennung benutzt;
  • Stiefmütterchen: Zeichen für die Dreieinigkeit;
  • Studentenblume: als Totenblume bezeichnet;
  • Ringelblume: Sinnbild der Erlösung;
  • Lilie: Gräberblume und Lichtsymbol, steht für Unschuld und Hoffnung;
  • Nelke: Sinnzeichen der Passion, in der Form erkannte man die Nägel der Kreuzigung;
  • Rose: christliches Sinnbild des Blutes Christi, der Liebe, der Vergänglichkeit und des Todes;
  • Maiglöckchen: auf Darstellungen als Paradies- und Marienblume, Sinnbild der reinen Liebe, des Heils;
  • Kranz aus Zweigen: Sinnbild des Lebens im Jahreskreislauf.

Efeu-Symbolpflanze-Sinnbild des Lebens
© Presse, Hansestadt Wismar 
Anstelle exotischer Bodendecker und Koniferen sollten wieder mehr einheimische, standortgerechte Pflanzen, Stauden und Blumenzwiebeln für die Bepflanzung der Gräber Verwendung finden. Auf Kies, Splitt und grababdeckende Steinplatten sollte ebenso verzichtet werden wie auf die Verwendung nicht kompostierbaren Grabschmucks und chemischer Mittel bei der Grabpflege. Durch die liebevolle Pflege des Grabes wird die innere Verbundenheit mit dem Verstorbenen zum Ausdruck gebracht und erhalten. Nicht in jedem Fall ist es den Angehörigen möglich, selbst für die Grabpflege zu sorgen.
In unserer immer hektischer werdenden Zeit ist Mobilität gefragt. Familien leben in räumlicher Trennung, und somit stellt sich die Frage, wie einmal die Pflege des eigenen Grabes gewährleistet werden könnte. Dafür bieten Friedhofsgärtner als kompetente Ansprechpartner mit einer Dauerpflege die passende Lösung. Gemeinsam mit einem Friedhofsgärtner kann man schon zu Lebzeiten sein persönliches Grabpflegekonzept entwickeln.Stehen der Pflegeumfang und die Pflegedauer fest, ergibt sich ein Betrag, der auf ein spezielles Treuhandkonto eingezahlt wird. Die sich aus der Geldanlage ergebenen Zinsen werden zur Deckung späterer Preissteigerungen verwendet. Mit Dauergrabpflegeverträgen werden nicht nur individuelle Wünsche des Auftraggebers erfüllt, sondern sie helfen gleichzeitig, die Friedhofskultur zu bewahren, damit unsere Friedhöfe grüne und gepflegte Stätten der Ruhe und Besinnung bleiben.
Naturnahe Grabgestaltung und Pflege tragen dazu bei, den Charakter unseres grünen, parkartig angelegten Friedhofs auch für die  kommenden Generationen zu erhalten. 

Die Friedhofssatzung der Hansestadt Wismar gibt ausreichend Informationen zur Gestaltung und Pflege der Grabstätten.