Bildimpressionen
Head Bild Bürger

Unternavigationspunkte

Sie sind hier: Startseite

Inhalt


Archidiakonat
© Presse, Hansestadt Wismar 
Am 18. September 1800 wurde Friedrich Johann Anton Haupt im damals noch schwedischen Wismar geboren. Da sein Rufname Anton war, wurden die anderen Vornamen in den vorhandenen Überlieferungen oft vernachlässigt.
Haupt stammte aus einer seit mehreren Generationen in Wismar ansässigen einflussreichen Familie. Sein Vater, Gabriel Christian Anton Haupt (1763 - 1818), hatte unter anderem in Jena studiert und lernte hier seine spätere Frau, die Professorentochter Amalia Zickler kennen, über die keine weiteren Angaben nachweisbar sind. Der Vater wurde in Wismar Advokat, 1808 Senator und im Jahre 1814 Syndikus.

Über die ersten Jahre von Anton Haupt ist wenig bekannt. Eine Biografie liegt noch nicht vor. Er selbst schreibt in seinem 1820 verfassten „Selbstbekenntnis“, dass seine Kindheit „Still und freundlich“ verlief. In den bewegten Jahren der Rückkehr Wismars von Schweden an Mecklenburg und der Zeit der napoleonischen Besetzung wirkte sich wohl der durch den Vater vollzogene Aufstieg in das bürgerliche Leben auf ruhige, behütete Kinderjahre aus.

Vom 9. Lebensjahr an besuchte Haupt die Große Stadtschule, die sich zur damaligen Zeit zu einer der berühmtesten Gelehrtenschule im weiten Umkreis entwickelt hatte.
Die Qualität der Schule und die überdurchschnittliche Begabung führten dazu, dass Haupt noch nicht einmal 17 Jahre alt, zu Ostern 1817 die Hochschulreife erwarb. Als er am 28. April desselben Jahres in Jena immatrikuliert wurde, zählte er zu den jüngsten Studenten der Universität.
Der Studienort wurde auch gewählt, weil in Jena die Großeltern wohnten und somit der noch junge Student familiären Anschluss hatte.
Neben dem Studium der „Rechte“ hatte Haupt besonderes Interesse für Dichtung, Malerei und Musik. Seine Naturverbundenheit veranlasste ihn schon bald zu vielen Reisen und Wanderungen.


Großen Einfluss auf Haupt und die anderen Studenten dürften die Vorlesungen der Professoren Jakob Friedrich Fries (1733 - 1843) und Heinrich Luden (1778 - 1847) in Philosophie und Geschichte gehabt haben.
Fries, einst Schüler von Johann Gottlob Fichte, wurde mit Georg Hegel (1770 - 1831) zusammen 1805 Professor in Jena. Aber auch der Naturphilosoph Lorenz Oken (1779 - 1831) hat mit Sicherheit seinen Einfluss auf den Naturfreund Haupt hinterlassen.

Vor allem auf die sich 1815 in Jena gebildete Burschenschaften hatten die Vorlesungen der drei Professoren große Wirkung. Wenige Wochen nach Studienbeginn, am 18. Juni 1817, wurde der junge Haupt ebenfalls in die Burschenschaft aufgenommen. Im Oktober desselben Jahres nahm er mit großer Begeisterung am Wartburgfest teil. Künftig wurde Haupt in der Burschenschaft aktiver und setzte sich für umfangreiche Reformen im studentischen Leben ein. Ziel war auch die Gründung einer gesamtdeutschen Burschenschaft, die im Oktober 1818 erfolgte. Haupt selbst hielt auf der Gründungsversammlung eine Festansprache.

Nach der Ermordung von August von Kotzebue (1761 - 1819) durch den Jenaer Burschenschaftler Karl Ludwig Sand (1795 - 1820) distanzierte sich Haupt von seinem früheren Freund und von vielen Zielen der Bewegung.

Zum Jahresende reiste er nach Berlin, wo er Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) aufsuchte. Jahns Auffassungen von Reformen in einer konstitutionellen Monarchie und Ablehnung einer Revolution sollten ihre Wirkung auf Haupt nicht verfehlen. Im Jahre 1819 immatrikulierte er sich an der Universität in Bonn, wo Haupt in der Studentenorganisation „Allgemeinheit“ abermals eine Funktion bekleidete. Zeitgleich unternahm Haupt in der Hoffnung auf umfangreiche Natur- und Kunsterlebnisse viele Reisen und Wanderungen in Deutschland, der Schweiz und Italien.

Mit den unter anderem durch die Ermordung Kotzebues vom Bundestag in Frankfurt begründeten „Karlsbader Beschlüssen“ erfolgte auch eine polizeiliche Überwachung von Haupt. Verhöre und Vernehmungen sowie die Beschlagnahme seiner schriftlichen Aufzeichnungen folgten.

Zu diesem Zeitpunkt verfasste Haupt sein „Selbstbekenntnis“, in dem er sein Verhältnis zur Burschenschaft darlegt. In dieser Schrift wird die Wendung von Haupt zu einem gemäßigten Liberalismus deutlich. Ein über ihn verhängter Hausarrest wird auf Antrag im August 1820 aufgehoben. Nun kehrt Haupt nach Wismar zurück, wo er bald die Zulassung als Rechtsanwalt erhielt.

Die Studienzeit lag hinter dem jungen Mann, für den sich nun ein bürgerliches Leben ankündigte. Ziel für Haupt war es, ein tüchtiger Advokat zu werden und später als Hochschullehrer zu arbeiten.  In Vorbereitung dieser Absicht erschien 1822 seine Abhandlung „Über die Idee eines neuen Gesetzbuches für Mecklenburg“. Außer Studien und Schriften zur Stadtgeschichte sollte diese Arbeit die einzige gedruckte Publikation bleiben.
Kurze Zeit nach Herausgabe seiner Schrift wurde er am 23. Januar 1823 zum Ratsmitglied gewählt.

Ein Jahr zuvor hatte er Johanna Wachenhusen (1800 - 1852), die Tochter eines Gewürzkrämers geheiratet. Aus dieser Ehe stammten drei Kinder, der Sohn Anton Haupt (1826 - 1889), von 1872 - 1889 ebenfalls Bürgermeister von Wismar und die Töchter Amalie Haupt (1824 - 1879) sowie Josephine Haupt (1828 - 1914).

Am 20. August 1826 wurde Haupt in das Amt des rechtsgelehrten Bürgermeisters von Wismar gewählt. Getreu seinem liberalen Grundsatz „Ändert, aber ändert nicht gewaltsam“ setzte er nun in seiner Heimatstadt ein ganzes Reformwerk um. Auf seine Initiative wurde im Jahre 1824 die erste städtische Ersparnisanstalt gegründet, aus der die Sparkasse hervorging. Aus den Gewinnen finanzierte er das Stadttheater und die Neuvermessung der Stadt- und Feldmark.

Auf Grund einer von ihm ausgearbeiteten Armenordnung errichtete die Stadt ein Armenhaus mit Krankenanstalt und Kinderheim. Das erste städtische Krankenhaus wurde 1831 in der Nähe des ehemaligen Schwarzen Klosters eröffnet.

Gegen den Unwillen der Bürger setzte Haupt eine neue Friedhofsanlage außerhalb der Stadt durch. Verschiedene strukturelle Veränderungen innerhalb der Stadtverwaltung bewahrten die Stadt vor finanziellen Verlusten und sicherten die Steuereinnahmen. So reformierte er beispielsweise die Kämmereiverwaltung und errichtete das Hebungsdepartement, in dem die Verwaltung der einzelnen Geistlichen Hebungen vereinigt wurde.

Die Reform der städtischen Rechtssprechung ist ebenfalls Bestandteil seiner umfangreichen Veränderungen. Die Neuordnung des Stadtbuchwesens sollte seine letzte Reform werden. Während der revolutionären Ereignisse im Jahre 1830 ließ Haupt auf Grund seiner konservativ-liberalen Einstellung einer Bürgerwehr aus Besitzbürgern aufstellen, die für Ruhe und Ordnung in der Stadt sorgen sollte. In den folgenden Jahren litt Haupt immer mehr an auftretenden Schwächeanfällen, die er bereits in seiner Studienzeit hatte.

Als er am 22. November 1835 an einem Schlaganfall verstarb, hatte er in seiner Heimatstadt die Grundlagen für eine den damaligen Verhältnissen entsprechende moderne Kommunalverwaltung geschaffen.



20.11.2010 
Quelle: Stadtanzeiger 20/2010