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Kleines Lexikon "Wismarer Straßennamen"

Wismarer Straßennamen



Seit der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Wismar im Jahr 1229 hat sich Wismars Altstadtkern, der vom 13. bis zum 16. Jahrhundert entstand, kaum verändert. Die ältere, nördlich der heute noch erhaltenen Gruben bis zum Hafen gelegenen Siedlung der Fischer und Seefahrer, die spätere Pfarrei St. Nikolai und die planmäßig angelegte "Marktstadt" der Händler, Kaufleute und Handwerker rund um die Marienkirche und den Markt wuchsen zu einer Altstadt zusammen. So wie auch der Altstadtkern sich kaum verändert hat, sind eine Vielzahl von Straßenbezeichnungen erhalten geblieben. Die Bezeichnung Straßen ergab sich häufig aus den dort ansässigen Handwerk und Gewerbe, denn Bürger, die das gleiche Handwerk ausübten, waren nicht nur in Zünften vereint, sondern wohnten auch straßenweise zusammen. So wussten Ortsansässige und Fremde, wo z. B. die Gerber oder Böttcher zu finden waren. Natürlich waren auch öffentliche Gebäude oder ansässige Familien Namensgeber. Nicht alle Namensgebungen konnten geklärt werden, doch daran sollten Sie sich nicht stören lassen, wenn Sie durch die Altstadt schlendern. Vielleicht fabulieren Sie im Freundes- oder Familienkreis darüber und lassen Ihrer Fantasie freien Lauf.
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ABC-Straße
Sie wurde zunächst mit "hinter den Brüdern" bezeichnet. Später so um 1574 und 1580 wurden die ersten Wohnbuden auf einem Teil des Grundstückes des ehemaligen Grauen Klosters errichtet, die nach Buchstaben gekennzeichnet waren.

Altböterstraße
Altböter waren Flickschuster, die "alte Botten" reparierten. Im Gegensatz zu den Schuhmachern durften sie nur für ihren eigenen Gebrauch neue Schuhe anfertigen. Etwa um 1470 tritt die Straße unter dieser Bezeichnung in Erscheinung. Früher hieß sie Judenstraße (nachweislich im Jahre 1342). Juden lebten,  wenn auch nur in geringer Zahl, wohl seit der Stadtgründung in der Stadt. Mitte des 14. Jahrhunderts wurden sie von hier vertrieben. Ab 1866 durften sie sich in Wismar wieder niederlassen

Altwismarstraße
Das  slawischen Dorf Altwismar ist Namensgeber, die Straße  führte dort hin. Das Dorf lag am Mühlenteich in der Nähe des Soldatenfriedhofes.

Alter Hafen
Der Alte Hafen - eine natürliche tief ins Land hineinragende Bucht - bot Schiffen Schutz vor Unwetter und Stürmen. Aufgrund des geringen Gezeitenhubs und einer natürlichen Wassertiefe bis zu 2,60 Meter wurde die Bucht bereits lange vor der Stadtgründung als Anlegestelle für Schiffe genutzt.  Belegbar ist, dass 1147 die Dänenkönige auf ihrem Wendenfeldzug an einem als "Wizmar Havn" benannten Platz anlandeten.
Der Alte Hafen war neben dem Marktplatz und ehemaliger Handelsstraßen ein wichtige Punkt für die Hansestadt Wismar. Der natürliche, geschützte Hafen war ein wichtiger Grundpfeiler für den hansischen Fernhandel.

Am Katersteig
Für diese Bezeichnung gibt es keine eindeutige Erklärung. Kat oder Katt steht im Plattdeutschen für Katze. Katten waren aber auch mittelalterliche Wurfmaschinen, die bei der Stadtverteidigung eingesetzt wurden.
Da dieser Verbindungsweg zwischen der Mecklenburger Straße und der Dr. Leber Straße erst 1902 geschaffen wurde und sehr schmal, also ein "Schleichweg" ist, haben vermutlich Katzen bei der Namensgebung eine Rolle gespielt.

Am Lohberg
Der Lohberg ist seit 1444 urkundliche nachweisbar. Wie es zu dieser Bezeichnung kam, ist nicht ganz klar, zumal in dieser Gegend keine Lohe - dem aus Baumrinde gewonnenen Gerbmittel - für die Gerbereien gelagert wurde. Heute ist dieser Platz ein Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste dieser Stadt. Prächtige Lagerhäuser und Speichergebäude beherbergen schicke Restaurants und urige Kneipen.

Am Platz
Unmittelbar an der Stadtmauer gelegen, wurde dieser Platz zur Lagerung von Holz und Steinen für den Bau von Häusern genutzt. Nach der Planierung erhielt der Platz 1873 seinen Namen.

Am Poeler Tor
Benannt nach dem Poeler Tor -  einem der fünf großen mittelalterlichen Stadttore -  die in einer 4 m hohen Stadtmauer eingebunden waren. Es befand sich am Ende dieses Straßenzuges und wurde 1870 abgerissen. Es war üblich, dass die Tore und Straßen meist nach den Siedlungen oder Orten in der näheren Umgebung benannt worden sind.


Am Schilde
Der Straßenzug wurde benannt nach seiner ursprünglichen Gestalt, die einem Schild, einem Teil der mittelalterlichen Rüstung, ähnelt.

Bademutterstraße
Etwa um 1569 wurde die "Bademutterstraße" erstmalig urkundlich erwähnt.  Als Bademutter oder Bademöme wurde eine Hebamme bezeichnet. Vor dieser Namensgebung wurde die Straße nach einer dort wohnenden Familie als die "Kröpelinsche Straße" benannt. 

Badstaven, vor dem "Stavenstraße"
Badstaven, vordem "Stavenstraße", ist eine mittelniederdeutsche Bezeichnung für Badestube, wie eine hier nachweisbar war.
Badestuben als öffentliche Einrichtungen gab es mehrere in der Stadt. Im Badehaus ging es häufig nicht nur um Körperpflege und Hygiene, sondern auch um das Vergnügen.  Badehäuser im Mittelalter hat auch die Funktion von Bordellen.

Bahnhofstraße
Nach der Errichtung des Bahnhofsgebäudes erhielt 1881 diese Straße ihren Namen.

Bauhofstraße
Verschiedene Straßenabschnitte hinter dem ehemaligen Bauhof. "Hinter dem Bauhof" und "Hinter dem Herrenstalle" wurden im Jahr 1876 zur Bauhofstraße zusammengefasst. Die Erweiterung des Straßenabschnittes erfolgt nach Entfernung der Stadtmauer entlang des Lindengartens im Jahr 1903. Bereits im 13. Jahrhundert wird der Stall für die Pferde der Ratsherren erwähnt. Das Gebäude befand sich nördlich in der Nähe des Altwismartores und diente den Ratsherren als Stall für Pferde und Wagen. Das Gebäude war bis Ende des 18. Jahrhunderts im städtischen Besitz.

Baustraße/ Kurze Baustraße
Die Straße erhielt ihren Namen nach den Bauleuten oder sogenannten Ackerbürgern. Ein Ackerbürger war bis in das 19. Jahrhundert hinein ein in der Landwirtschaft tätiger Bürger mit städtischem Bürgerrecht. Das zu bewirtschaftende Land der Ackerbürger lag innerhalb der städtischen Feldmark.
An der Ecke Baustraße/Papenstraße befindet sich das St.-Georgen-Gasthaus. Im "Alten Stadtbuch" wird es als Schneidergasthaus bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert wird aber unterschieden zwischen dem großen Georgengasthaus (Baustraße) und dem kleinen Georgengasthaus (Papenstraße).

Beguinenstraße
Hier wohnten die Beguinen, auch  Beginen genannt. Beginen waren unabhängige, selbstständige Frauen im Mittelalter, sie lebten in einer klosterähnlichen Gemeinschaft und führten ein andächtiges Leben. Sie widmeten sich karitativen Diensten, insbesondere der Krankenpflege. Ab 1424 findet diese Straße unter diesem Namen urkundliche Erwähnung.

Bei der Klosterkirche
Ihren Namen verdankt diese Straße dem Dominikaner- oder Schwarzen Kloster, das, wie auch das Graue Kloster, nach der Reformation aufgelöst wurde.
Die ersten Buden in der Straße sind wohl in der Zeit der Erbauung des Schwarzen Klosters entstanden. Um 1680 befand sich dort auch ein Baumgarten, bis zu dieser Zeit war die Straße als "Windstraße" bekannt. Die heutige Bezeichnung stammt erst aus dem vorigen 18. Jahrhundert.

Bergstraße
Die Bergstraße verbindet die Schatterau mit der Turmstraße. Im Grundriss aus dem jahr 1879 gab es in diesem Bereich noch keinen Straußenraum, erst nach Aufstellung eines Bebauungsplanes im Jahr 1899 ist diese Straße entstanden. Demnach wurden auf der nördlichen Straßenseite zwei Gebäude dort errichtet. Die kleine Steigung  der Straße gab ihr diesen Namen.

Bliedenstraße
Hier wurden in einem Gebäude, die Bliden oder Blieden -  mittelalterliche Wurfgeschosse, die fast  vollständig aus Holz bestanden, gelagert.
Bliden waren Schleudermaschinen, die vor der Einführung des Schießpulvers zur Kriegsführung genutzt wurden.
Blüffelstraße
In früheren Zeit "Blücherstraße", aus dem Familiennamen Blücher. Ein Hermann Blücher hatte hier ein Haus und auch eine Kapelle in der St. Nikolai-Kirche. Im Laufe der Zeit wurde der Name verballhornisiert in "Blüffel".

Bohrstraße
Diese Straße ist mit großer Wahrscheinlichkeit nach einer dort wohnenden Familie  Boz benannt, wobei die Schreibweise des Öfteren verändert wurde. Ursprünglich wurde sie mit "großer Straße, auf welcher man zur Grube hinabsteigt" benannt. Ab 1327 in verschiedenen Schreibweisen Boßtrate, Botestrasse und endlich um 1475 Borstraße..

Böttcherstraße
Tonnen und Fässer hatten in der mittelalterlichen Stadt eine große wirtschaftliche Bedeutung. Das Wort  "Böttcher" bezeichnet den handwerklichen Beruf des Küfers und Fassbinders. Von ihnen wurden Fässer für die Lagerung und den Transport für Bier, Wein, Salz, Pech und vielen anderen Waren hergestellt.
Die Böttcher hatten ihre Zunftkapellen in der Marien- und Nikolaikirche.
 
Breite Straße
Sie erhielt den Namen nach ihrer Beschaffenheit. Gewöhnlich wurden die Straßen nicht so großzügig angelehnt. Die Bepflanzung der Breiten Straße mit Bäumen wurde im Jahr 1870 datiert.

Büttelstraße
Im 14. Jahrhundert befand sich in dieser Gasse die Büttelei. Die Büttel waren als Gerichtsdiener tätig und nahmen auch polizeiliche Aufgaben war. Zugleich übernahmen sie die Aufgaben des Abdeckers.

Claus-Jesup-Straße
Anlässlich des 725. Stadtjubiläums im Jahre 1954 wurde der Straße dieser Namen verliehen. Davor wurde sie u. a. als Faule Grube oder Vogstgrube bezeichnet.
Claus Jesup war Wollenwebermeister und besaß hier ein Wohnhaus in der rechten Häuserreihe zum Hafen hin. Während der innerstädtischen Auseinandersetzungen im 15. Jahrhundert um die Mitbestimmung der Handwerker im Rat nahm er eine führende Stellung ein und war einige Jahre Bürgermeister.

Dahlmannstraße
Friedrich Christoph Dahlmann (1785 - 1860) war Historiker und Wortführer der "Göttinger Sieben" sowie Initiator der 1. Gesamtdeutschen Verfassung von 1849. Die Stadt wollte damit dem "Sohn der Stadt" ihre Ehrung aussprechen.

Dankwardstraße
Sie verdankt ihren Namen sowohl dem Schmied Tangmar, der 1250 am unteren Ende des Traktes sein Gewerbe ausübte. Wie die Schreibweise des Familiennamens sich häufig änderte, so auch die der Straßenbezeichnung. 1260 noch Danckmar- 1519 aber auch schon Dankuartstrate.

Diebstraße
Für sie gibt es keine eindeutige Erklärung. Einen Zusammenhang mit der ABC-Straße herzustellen, ist unlogisch und falsch.
Zeitweise wurde sie als "devestrate" bezeichnet, wobei das mittelniederdeutsche Wort "dev" Dieb bedeutet. In früheren Zeiten gab es zwischen den Häusern noch einen schmalen Gang zum Markt, der vielleicht eine Möglichkeit war, schnell zu "verduften".

Dr.-Leber-Straße
Julius Leber (1891 - 1945) war sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter.  Während des 2. Weltkrieges gehörte er der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis an. Im Januar 1945 wurde Dr. Leber in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Am 5. Februar 1946 erhielt die ehemalige Lindenstraßen seinen Namen.

Fischerreihe
Dieser Name ist erst seit etwa 1820 gebräuchlich, bis dahin wurde die Straße u. a. als Fischergrube und, mit der Breiten Straße zusammen, auch als Salze Grube bezeichnet. Bis in das 14. Jahrhundert existierte hier ein Wassergraben, der vom Hafen aus mit Meereswasser gespeist wurde.

Frische Grube
Die Grube (mittelniederdeutsch "grave" oder "grove") ist einer der ältester Wassergräben in Deutschland und wurde im 13. Jahrhundert künstlich angelegt. Sie diente zunächst zur Versorgung der Stadt mit Süßwasser als Trink- und Brauchwasser. Daneben sind  in früherer Zeit auch Waren auf ihr befördert worden. Das Wasser der Grube trieb auch die dort befindlichen Mühlräder an und diente als Löschwasserreservoir.
Anfangs wurde der Graben in seiner ganzen Länge, zum Unterschied zur Salze Grube, als Frische Grube bezeichnet. Erst später entstanden: Mühlengrube, Frische Grube und Runde Grube, deren Namen dann auch jeweils auf die entlang der Grube führenden Straßen übertragen wurden. Die Frische Grube beginnt
an der Schweinsbrücke und endet am Ziegenmarkt.

Gerberstraße ( nach 1260 so benannt)
Die Gerber oder auch Lederer genannt, verarbeiteten tierische Häute und Felle zu Leder.
Loh- und Weißgerber gehörten zu den wichtigsten Gewerbetreibenden. Die einen stellten grobes Leder her, die anderen das feine, weiche.
Weißgerber fertigten die edleren Ledersorten her, die für die Anfertigung von Kleidung verwandt wurde. Lohgerber stellten Leder für Sattel, Zaumzeug und Schuhe her.
Da sie zur Ausübung ihres Gewerbes sehr viel Wasser benötigten, lagen die Häuser der Gerber in der Nähe von  Flüssen und Bächen. In unserer Stadt in diesem Fall nahe an der Grube.

Glatter Aal
Seit dem 15. Jahrhundert wohl benannt wegen des ursprünglich glitschigen und glatten Zustandes des unbefestigten Ganges, fast wie ein Aal.
Auch Spott und Witz trugen zur Namensfindung bei, wie es beim "Glatten Aal" zutrifft. Dieser Durchgang von der Bau- zur Bliedenstraße entlang der Georgenkirche hat keine Hausnummerierung.

Große Hohe Straße
Benannt nach der Eigenschaft des Straßenzuges. Die Große Hohe Straße führt von der Lübschen Straße zur St.-Georgen-Kirche und wurde Ende des 13. Jahrhunderts bereits urkundlich erwähnt.

Großschmiedestraße
Grob- oder Großschmiede stellten Beile, Äxte und Hufeisen her. Außerdem besorgten sie den Hufbeschlag der Pferde.

Grützmacherstraße
Die Grützmacher bildeten in der mittelalterlichen Stadt einen eigenständigen Gewerbezweig und gehörten zu den Müllern. Sie verarbeiteten das Getreide mit Handmühlen und verkauften ihr Produkt, die Grütze selbst. Die Straße wird erstmalig 1408 als "platea pultificum" (Straße der Breihersteller) urkundlich erwähnt.


Grüne Straße
Ihren Namen verdankt die Straße den sogenannten "Grünen Hof", einem Grundstück, das an der Ecke zur Papenstraße lag und einem Bürgermeister gehörte.

Hegede
Ist abgeleitet von dem mittelniederdeutschen Wort "heghe" und bedeutet soviel viel Abgrenzung, Zaun, Hecke. Die ursprüngliche "Hege" zum Markt wurde durch die westliche Häuserreihe der späteren Straße gebildet. Die östliche Reihe entstand durch Errichtung von festen Ständen und Verkaufsbuden zu Beginn des 14. Jahrhundert.

Heide
Zur Entstehung und Bedeutung dieses Namens gibt es in den Stadtbüchern keinen Hinweis, obwohl er seit dem 15. Jahrhundert belegbar ist.

Hinter dem Chor
die  St.- Nikolai-Kirche fungierte als Namensgeber.
Die Anfänge der Bautätigkeiten für die Nikolai-Kirche liegen im 14. Jahrhundert. Das Mittelschiff ist 37 m hoch und ist somit das vierthöchste Kirchenschiff in Deutschland.
Die St. Nikolai-Kirche war die Kirche der Schiffer und Fahrensleute.

Hinter dem Rathaus
Die Straße erhielt ihre Bezeichnung  nach der Lage.
Das Rathaus wurde in den Jahre 1817 bis 1819 nach Plänen des Ludwigsluster Hof- und Landbaumeister Johann Georg Barca im klassizistischem Stil wieder aufgebaut, denn bereits im Jahr 1807 stürzte der linke Flügel des spätgotischen Vorgängerbaus ein.

Hopfenmarkt
Diese Bestimmung ist eindeutig, und findet 1286 erstmalige Erwähnung. Die an ihr gelegene Löwenapotheke wurde 1659 von Mathias Scheffel gegründet.
In früheren Zeit war der Hopfenmarkt mit dem Hafen durch einen Kanal verbunden. Im Jahr 1374, in der Nacht zum 3. Dezember (nach der Chronik des Wismarer Stadtschreibers) stieg die Meeresflut bis dorthin. Für die Stadt entstand durch das Brackwasser großer Schaden.

Hundestraße
Sie wird erstmals urkundlich 1323 erwähnt, jedoch gibt es keine Erklärung für diese Namensgebung. Ob für den Torwärterdienst hier am Poeler Tor Hunde gehalten wurden, lässt sich bis heute nicht beweisen.

Johannisstraße
Die Zugänge von der Lübschen Straße zur Marienkirche hatten bis Mitte des 16. Jahrhunderts keine feststehende Bezeichnung. Die Johannisstraße erhielt ihren Namen 1572, wobei die Bedeutung derselben nicht bekannt ist.

Kellerstraße
Findet 1289 als "retro socolas" bzw. "apud socolas" (hinter oder bei den Schulen) urkundliche Erwähnung.

Kleine Hohe Straße
Benannt nach der Eigenschaft der Straße.

Kleinschmiedestraße
Findet um 1372 Erwähnung als "Straße, durch die man zu den Predigerbrüdern geht".
Die heutige Bezeichnung lässt sich vor 1440 nicht belegen. Messerschmiede und Schlosser waren nachweislich zur Zeit des Mittelalters in jener Straße ansässig. Nagelschmiede noch bis in das 19. Jahrhundert.
Von den Kleinschmieden wurde im Gegensatz zu den Großschmieden das feinere Handwerkszeug, wie Messer und Nägel, hergestellt. Ebenso führten sie Schlosserarbeiten aus.
Im Mittelalter gab es zahlreiche Spezialisierungen des Berufes, beispielsweise Sensenschmied, Büchsenschmied, Kupferschmied, Hufschmied und Zirkelschmied.
 
Königsstraße
Wohl benannt nach einer Person. Zeitweise wurde sie auch als "kleine Grützmacherstraße" bezeichnet. Erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1494 im Zusammenhang mit der Frischen Grube und der Grützmacherstraße.

Krämerstraße
Die Krämerstraße war bereits in früheren Zeiten eine Geschäftsstraße. Sie gehört zu den Straßen, deren Namen bereits Mitte des 13. Jahrhunderts festgeschrieben wurde. Die Krämer handelten mit Gewürzen, Tuchen, Garnen, Messern und anderen Kleinwaren. Wer aber Lebensmittel und Gemüse kaufen wollte, musste zum Haak oder Höcker gehen. Von beiden unterschieden sich die Kaufleute, in deren Händen der Groß- und Fernhandel zu Wasser und zu Lande lag.

Krönkenhagen
Für diese Benennung gibt es keine eindeutige Erklärung. In den Aufzeichnungen um 1410 findet die Straße mit der Bezeichnung "Kromekenhagen" Erwähnung .
Dass sie von dem Familiennamen des hier ansässigen Peter Kromeke stammt, ist nicht belegt und sicherlich irrig, da es in Richtung Rostock und Stralsund ebenfalls Straßen mit der gleichen Bezeichnung gibt. Auch sind in den Ortsregistern Mecklenburgs mehrere Dörfer mit diesem Namen nachweisbar.

Lübsche Straße
Ursprünglich Lubekerstrate, im Laufe der Zeit in Lübsche Straße eingekürzt.
Die für Wismar wichtigste Handelsstraße, so Lübeck führend. Ursprünglich endete sie an der Heiligen-Geist-Kirche.

Mecklenburger Straße
Benannt nach der Burg Mecklenburg, die erstmals 995 urkundlich erwähnt wird. Er bezeichnet damals die slawische Burg Mecklenburg im heutigen Dorf Mecklenburg und bedeutet soviel wie "Große Burg".
Am unteren Ende der Straße stand bis circa 1680 das erste Mecklenburger Tor.


Mühlengrube und Mühlenstraße
Beide Straßennamen nehmen Bezug auf die Grubenmühle, die seit 1371 im Besitz der Stadt ist und 1885 / 56 zu einer Dampfmühle umgebaut wurde.
Die Mühlenstraße wurde 1272 erstmalig erwähnt. Der Mühlenbach, kommend vom Mühlenteich, fließt in die Grube rein.

Negenchören
Die Herkunft und die Bedeutung des Namens gab bisher viele Rätsel auf.
Dr. Techen vermutete, dass er aus einem Volkswitz entstand auf auf "Engelschöre" anspielte.

Neustadt
Den Namen verdankt die Straße dem zwischen 1238 und 1250 von hier aus in westlicher Richtung erbauten Stadtteil. Er ist aber erst seit circa 1360 gebräuchlich.

Papenstraße
Sie erhielt den Namen aufgrund der Tatsache, dass viele Geistliche hier wohnten. Da die Geistlichen größtenteils keinen guten Ruf genossen, wurde sie abwerten als Pfaffen oder Papen bezeichnet.  Außerdem befand sich an der Ostseite ein Kloster der Antoniter von Tempzin, der Hospitalorden war von 1222 bis 1552 in Tempzin ansässig.  Der Antoniter-Orden widmete sich hauptsächlich der Krankenpflege.

Petriberg
Die Entstehung des Namens ist nicht eindeutig. Eine Pforte in der Stadtmauer wurde im letzten Jahrhundert als "Petrithor" urkundlich erwähnt.

Platter Kamp
"Kamp" bedeutet im Niederdeutschen soviel wie eingezäuntes Land. Im 16. Jahrhundert war dort eine Familie Plate ansässig. Es lässt sich vermuten, dass die Familie  als Namensgeber fungierte.

Rosmarienstraße
Vermutlich hat das Küchen- und Heilkraut Rosmarin, das in keinem Kräutergarten fehlen durfte, zu dieser Namensfindung beigetragen.
Die "Rosmarienstraße" begegnet interessierten Lesern in alten Stadtbüchern als Straße "welche von der Nikolaikirche zu den Barfüssern" führte. Zu späterer Zeit, wohl um 1680 auch Engestraße und vorübergehend auch als Straße der keifenden Weiber "Kyverwyverstrat" aufgeführt. Der heutige Name wurde so um 1750 geprägt. Östlich grenzte an dieser Straße der große Garten des "Schabbellhauses", in dem heute das Stadtgeschichtlichen Museum der Stadt untergebracht ist.

Runde Grube
Die Bezeichnung Runde Grube wird daher rühren, dass die Grube hier früher nach der Fahrstraße hin ausgebuchtet war, sodass das Stück zwischen der Brücke und dem Gewölbe tatsächlich eine runde Gestalt hatte. Diese "zu nicht dienende, unnütze große Bucht" ließ der damalige Besitzer im Jahre 1799 mit obrigkeitlicher Erlaubnis und "durch gemeinschaftliche Mitwirkung und Hilfe" seine Mitbürger zudämmen, um die enge Passage vor seinem Haus zu erweitern.
Die Runde Grube wird übrigens vor 1653 nicht erwähnt, wie es erscheint, nannte man ursprünglich die ganze Grube unterschiedslos Frische Grube, und zwar im Gegensatz zur Salzenen Grube.
"Salze Grube" - die Breite Straße und die Fischerreihe, durch die sich bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ein Kanal vom Hafen bis zum Hopfenmarkt zog.

Rudolf-Karstadt-Platz
Zu Ehren Rudolf Karstadts, des einstigen Wegbereiters für einen modernen Einzelhandel,  trägt dieser Platz seit dem Jahr 2002 seinen Namen. Im Jahr 1881 eröffnete er in Wismar sein 1. "Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft".

Salzfässchen
Benannt nach einen an ihm gelegenen Häuschen, das die Form eines Salzfässchen hatte.

Sargmacherstraße
Die Sargmacher gehörten nicht zu den Tischlern und Kistenmachen, sondern bildeten einen eigenen Berufszweig.  Diese Straßenbenennung entstand am Ende des 14. Jahrhunderts.

Schatterau
Findet sich im Jahr 1465 in den Chroniken der Stadt  wieder. Der Name ist entstanden aus dem Mittelniederdeutschen "scatrouwe" , bedeutet "Lanzenruhe, Waffenruhe" und wird mit den mittelalterlichen Turnieren auf dem Marktplatz in Verbindung gebracht.

Scheuerstraße
Diese Straße findet um 1410 unter "Schurstrate" urkundliche Erwähnung. Wahrscheinlich benannt nach der hier ansässigen Familie Schüre. In diesem Straßenzug befinden sich viele wertvolle Giebel- und Traufenhäuser aus den verschiedensten Stilepochen - von der Gotik bis zum Klassizismus.

Schüttingstraße
Schütting -  das ist ein prächtige ausgestattete Versammlungs- oder Krugshaus der Kaufmannsschaft. Bereits im Jahr 1532 ist der "Kremerkrug" in den Annalen der Stadt vermerkt.
Der Schütting, hatte an der Südseite dieser Straße gestanden.
Die Schüttingstraße ist übrigens erst durch dass Stadtbuch von 1680 belegt, ältere Bezeichnungen sind u. a. Kleine Hege, Riemenschneiderstraße und Korbmacherstraße.

Schulstraße
Die Namen für diese Straße änderten sich sehr oft, nahmen aber immer Bezug auf das Kloster der Zisterzienser bzw. "Grauen Mönche"  und der 1541 gegründeten Großen Stadtschule.
Ab 1680 wurde "Schulstraße" festgeschrieben.

Schweinsbrücke
Sie hat diesen Namen wohl von Anfang an geführt, ohne dass sich sagen lässt, welchen Umstand die Namensgebung sie ihn verdankt. Seit 1400 ist die Straße unter "boven der zwinebruggen" aktenkundlich.
Heute sind die dort vier kleinen Schweinchen auf der Brücke ein beliebtes Fotomotiv für Touristen der Stadt und gelten als Glücksbringer.

Speicherstraße
1357 wird sie als "spiekerstrate" urkundlich erstmalig erwähnt. Um 1680 stehen dort jedoch Wohnbuden, es waren keine Speicher vorhanden.

Spiegelberg
"Spegelberch", "mons speculi", diese Bezeichnungen finden sich in den Geschichtsbüchern der Stadt um 1250/75. Die Herkunft des Namens konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden.
Ob das Straßengefälle oder das Wasser zur Findung beigetragen haben, ist sehr zweifelhaft. Diese Straßenbezeichnung findet sich auch in anderen Städten wieder.

Stavenstraße
Staven waren Häuser mit kleinen Badestuben, die es in mehreren Straßen gab, jedoch nicht in dieser! Die Stavenstraße als Verbindungsweg von der Baustraße zur Wallstraße hieß um 1833 u.a. Stamerstraße und ist wahrscheinlich von einem Familiennamen abgeleitet.

Marienkirchhof, St. Georgen-Kirchhof,  St. Nikolai-Kirchhof
Die betreffende  Kirchhöfe gaben diesen Plätzen ihren Namen. Bis zur Einrichtung des städtischen Friedhofes auf dem ehemaligen Galgenberg an der Schweriner Straße im Jahre 1831 wurden die Toten in oder bei den Kirchen bestattet.

Tittentasterstraße
Bei den Urlaubern ist das "schlüpfrige" Straßenschild als Fotomotiv sehr beliebt. Hier war in früheren Zeiten ein kleiner Durchgang vom Markt nach der Diebstraße. Diese Straße ist so eng, dass zwei Menschen nur aneinander vorbeikamen, wenn sie sich "betasteten".

Turmstraße
Seit 1894 trägt die Straße diesen Namen, in früheren Zeiten hieß sie "hinter der Mauer".
Gemeint war damit die Stadtmauer.
Dort, wo Turm- und Großschmiedestraße zusammentreffen, stand früher ein mittelalterlicher Wachturm aus dem 14. Jahrhundert. Später wurde er als Gefangenenturm genutzt. Nach alten Überlieferungen gab es dort im Jahr 1866 noch eine Tobe- und Ausnüchterungszelle für Rauf- und Trunkenbolde. Im Jahr 1942 wurde der Turm so schwer beschädigt, dass nur noch eine Ruine übrig blieb. Diese wurde 1960 abgerissen.

Turnerweg
Der Turnerweg liegt außerhalb des ehemaligen Stadtmauerrings und stellt eine Verbindung zwischen den Straßen Bei der Klosterkirche und der Dr. Leber Straße her. 
Der in der Nähe befindliche Turnplatz gab dieser Straße ihren Namen. Im Turnerweg steht u. a. die Katholischer Kirche der Stadt Wismar. Im Herbst 1901 wurde mit den Arbeiten für die Errichtung der Kirche begonnen und bereits im März 1902 erfolgte die Grundsteinlegung.

Ulmenstraße
Zwei große Ulmen sind Namensgeber für diese Straße. Sie zierten die sogenannte Promenade vorbei am Zeughaus.

Vor dem Fürstenhof
Diese Straße ist nach seiner Lage benannt worden.
Anlässlich seiner Vermählung mit der preußischen Prinzessin Anna Sophia im Jahre 1555 ließ der Herzog von Mecklenburg, Johann Albrecht I. (1525-1576) in Wismar ein "kleines Schloss" - den Fürstenhof - erbauen. Nach der Abtretung Wismars an die schwedische Krone im Jahr 1648 wurde im Fürstenhof von 1653 bis 1802 höchste schwedische Gericht für die schwedischen Besitzungen in Norddeutschland - das sogenannte Tribunal - dort eingerichtet.

Wallstraße
In früheren Zeiten hieß dieser Straßenzug "hinter der Mauer" wie auch die jetzige Wasserstraße . Etwa 1901 wurde davon die Neue Wallstraße abgetrennt.

Wasserstraße
Im Zuge der  Erweiterung der Stadt Wismar im 19. Jahrhundert wurde nach einer Entscheidung des Rates die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren Toren abgetragen. Ein Straßenzug des ehemaligen Mauerrings ist die Wasserstraße.

Weberstraße
Sie wird in den Stadtbüchern erstmals 1273 erwähnt.

Wollenweberstraße
Die Wollenweber gehörten zu den bedeutendsten Gewerbetreibenden und waren zahlreich vertreten. Sie hatten ihre Wohn- und Wirkungsstätten vor allem im St. Georgen-Kirchspiel und besaßen in dieser Kirche eine eigene Kapelle, die sogenannte Wollenweberkapelle. Das von ihnen hergestellte grobe und feine Tuch, die Laken, zählte zu den Hauptexportartikeln Wismars in der Hansezeit.
Bis 1933 hieß diese Gasse von der Claus-Jesup-Straße zur Neustadt "Im Düstern" und, was kaum bekannt ist, die kleine Ausbuchtung in deren Mitte "Hasenleger" oder "Hasenlager".

Zeughausstraße
Das dort stehende Zeug- oder Provianthaus gab der Straße ihren Namen.
Im Zeughaus lagerten Waffen und andere militärische Dinge. Im Jahr 1699 wurde das alte Zeughaus durch eine von einem starken Gewitter verursachte Pulverexplosion zerstört. Ein Jahr später wurde das Gebäude durch ein neues ersetzt.  Im Jahr 1871 findet die Straße erste urkundliche Erwähnung.

Ziegenmarkt
Seit 1750 ist der Ziegenmarkt historisch belegt. Ob tatsächlich mit Ziegen und Kleinvieh gehandelt worden ist, , lässt sich nicht belegen.
Einleuchtender sind die älteren Bezeichnungen für diesen Platz, wie "bei der Breiten Brücke" oder "bei der Ankerschmiede".



Quellen:
· Gustav Willgeroth "Bilder aus Wismars Vergangenheit" 1903
· Christel Kindler "Straßennamen von A bis Z im historischen Stadtkern"  (Wismarer Beiträge)
· Dr. Friedrich Techen "Die Straßennamen Wismars"
· "Das Wismarer Grundbuch" Ernst Münch, 2002