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Biografien zu den verlegten Stolpersteinen

Wilhelm Wohler

20. Oktober 1889 – 05. April 1940
Poelerstraße 63
ermordet im KZ Sachsenhausen

Kurzbiografie:

„Man steckt uns in Schutzhaft um uns
mundtot zu machen bedenkt aber nicht, daß man durch die Verhaftung des Warners die Gefahr nicht beseitigt, sondern eher noch vergrößert.“
(Wilhelm Wohler im Oktober 1936 aus der Landesstrafanstalt Neustrelitz- Strelitz an seine Schwester)

Wilhelm Wohler, der am 20. Oktober 1889 in Dodow bei Wittenburg geboren wurde, zog 1919 nach Wismar und gründete dort eine Stellmacherei. Seine Schwester Anna zog zu ihm und führte den Haushalt. Beide lernten die Bibelforscher (Zeugen Jehovas) kennen und schlossen sich ihnen an. 1920/21 trat Wilhelm Wohler aus der Kirche aus und ließ sich taufen. Durch die Inflation verlor er sein Geschäft und aufgrund eines Unfalls, bei dem er die Sehkraft des rechten Auges einbüßte, konnte er nicht mehr als Stellmacher arbeiten. 1933 fand er in der Schleiferei der Firma Häussler eine Beschäftigung.

Trotz des Verbotes der Bibelforschervereinigung durch die Nationalsozialisten betätigte sich Wilhelm Wohler weiter für seinen Glauben. In Wismar fand 1934 eine Zusammenkunft statt, nach der ein Protestschreiben an die Hitlerregierung gesandt wurde. Wilhelm Wohler organisierte Zusammenkünfte, sprach mit anderen über seinen Glauben und hielt Kontakt mit im Untergrund reisenden Predigern der Zeugen Jehovas. 1936 verhaftete man ihn schließlich. Im Februar 1937 wurde er zusammen mit anderen Wismarer Zeugen Jehovas vor das Schweriner Sondergericht gestellt, das im Fürstenhof tagte, und ihn zu zwei Jahren Gefängnishaft verurteilte.

22 Briefe Wilhelm Wohlers aus der Haft sind überliefert; Briefe, die er aus den Gefängnissen Neustrelitz-Strelitz, Dreibergen-Bützow sowie aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen an seine Schwester Anna schrieb. Sie sind ein eindrucksvolles Zeugnis, da sie Wilhelm Wohlers gesamten Haftweg dokumentieren– den ersten Brief verfasste er kurz nach seiner Verhaftung, den letzten etwa zwei Wochen vor seinem Tod.

Man erfährt beim Lesen der Briefe nicht nur die religiösen Gründe seiner Ablehnung des Hitlerregimes, wie sie etwa in obigen Worten zum Ausdruck kommen. Er schreibt positive Erlebnisse nieder und will seiner Schwester Mut machen und sie stärken. Kein Wort von seinem Leiden und von den Demütigungen. Auch über seinem verlorenen Kampf gegen die Zwangssterilisation im Gefängnis schreibt er nichts.

Bewegend, wenn man immer wieder liest, wie er sich über seine angekündigte Entlassung freut und Pläne für die Zukunft schmiedet: „Nun sind die Tage schon zu zählen, es sind keine hundert mehr. Habe ich die vielen herumgekriegt, werde ich die wenigen auch noch herumbekommen.“ Als diese Zeilen entstanden, ahnte er noch nicht, dass die Gestapo ihn nicht nach Hause, sondern in ein Konzentrationslager schicken sollte.

Erschütternd der letzte Brief vom 24. März 1940. Weil er nach wie vor zu seinem Glauben stand, durfte Wilhelm Wohler nur wenige Zeilen aus Sachsenhausen schreiben. Die Sätze: „Mir geht es gut, grüße bitte alle Verwandten und Bekannten.“ sollten die letzten sein, die seine Schwester von ihm erhielt. Denn gut ging es ihm wahrlich nicht. Am 5. April 1940 starb Wilhelm Wohler in Sachsenhausen an Körperschwäche. In diesem Winter kam beinahe jeder vierte inhaftierte Zeuge Jehovas in Sachsenhausen ums Leben.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Wilhelm Wohler wurde am 28. Juli 2009 in der Poelerstraße 63 ein Stolperstein verlegt.

Gertrud Bernhard, geb. Haendel

13. Januar 1875 -
16. Mai 1944
Am Schilde 4
ermordet in Ausschwitz

 

 

 

 

Kurzbiografie:

Gertrud Bernhard wurde am 13. Januar 1875 unter dem Namen Gertrud Haendel geboren. Sie heiratete später den Händler Paul Bernhard. Zusammen leiteten sie eine Wolle- und Produktionshandlung und eine Gerberei am Schilde 4. Nachdem dem Tod ihres Mannes Paul wurde sie die Inhaberin des Betriebes. Wahrscheinlich ist, dass auch ihr Geschäft im November 1938 – wie viele andere jüdische Geschäfte und Wohnungen – zerstört wurde. Ihrem Sohn gelang es, Deutschland zu verlassen und nach China zu emigrieren. Nach der Verhaftung in Wismar wurde Gertrud Bernhard am 12. Januar 1943 mit dem Transport 1/83 von Berlin aus in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. Seit dem Weitertransport nach Ausschwitz am 16. Mai 1944 verliert sich ihre Spur.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Gertrud Bernhard wurde am 15. Juli 2008 Am Schilde 4 ein Stolperstein verlegt.

Patenschaft:

Die Patenschaft für den Stolperstein für Gertrud Bernhard hat Familie Schmidt-Eggert übernommen.

Willi Gotthardt

09. November 1913 – 20. Januar 1945
Am Torney 31
erschossen in Krotoschin / Polen

Kurzbiografie:

Willi Gotthardt wurde 1913 in Kamps bei Schwaan geboren. Er zog Mitte der 1930er Jahre nach Wismar und wohnte mit seiner Familie Am Torney 31. Beschäftigt war er als Maler in der Waggonfabrik und als Spritzlackerierer in den Dornier-Werken. Gleich zu Beginn der NS-Herrschaft kam er in Konflikt mit dem Regime, indem er sich weigerte, den "Arbeitsdienst" weiter durchzuführen, nachdem dieser uniformiert worden war. Auch nach seiner Einberufung zur Wehrmacht - im November 1939 - verhielt er sich unangepasst. Willi Gotthardt verweigerte den Gehorsam und gab im Rahmen einer Auseinanderandersetzung einem Unteroffizier eine Backpfeife, was ihm neben einer unehrenhaften Entlassung auch acht Monate Wehrmachtsgefängnis einbrachte. Nach Wismar zurückgekehrt beschäftigte ihn die Deutsche Reichsbahn. Aber auch hier blieb Willi Gotthardt nicht still. Als er an seinem Dienstort in Petersdorf einen Transport russischer Kriegsgefangener beobachtete, empörte er sich über die unmenschliche Behandlung - was nicht ungehört blieb. Nach einer Anzeige folgte ein Prozess vor dem Schweriner Sondergericht, dass ihn zu eineinhalb Jahren Gefängnishaft verurteilte, die er in Bützow-Dreibergen absaß. Im April 1944 - nach der Haft - wurde Willi Gotthardt erneut zur Wehrmacht eingezogen und der Organisation Todt zugeteilt. Auf dem Rückmarsch durch Polen hat ihn am 20. Januar 1945 ein deutscher General willkürlich erschossen.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Willi Gotthardt wurde am 28. Juli 2009 Am Torney 31 ein Stolperstein verlegt.

Familie Blass

 

Familie Blass überlebte den Holocaust. Sie konnten nach England flüchten und emigrierten später in die USA.
ABC-Straße 14

Kurzbiografie:

Der 1897 in Hrubieszow (Kreis Lubmin, Polen) geborene Max Blass kam mit seiner Frau Jenny etwa 1920 nach Wismar. Drei Kinder wurden ihnen hier geboren. Bernhard, Ernst und Paula.
Die jüdische Familie wohnte zunächst in der Sargmacherstraße 9, wo Max Blass auch eine Schuh- und Kleiderhandlung eröffnete.
Später zog die Familie in die Mühlengrube 36. Spätestens 1927 eröffnete Max Blass dann eine Schuhwaren- und Konfektionshandlung in der ABC-Straße 14, kurz darauf wohnte seine Familie auch dort.


Ab 1933 rief die NSDAP zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Max Blass war davon unmittelbar betroffen. Im nationalsozialistischen Niederdeutschen Beobachter wurden Kunden davor gewarnt, bei ihm einzukaufen. Zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde sein Geschäft zerstört, er und sein Sohn Ernst in Schutzhaft genommen und in der Landesstrafanstalt Neustrelitz-Strelitz inhaftiert. Wieder freigelassen und jeglicher Existenzgrundlage beraubt verließ Familie Blass Wismar. Über Großbritannien gelangten sie in die USA und begannen ein neues Leben.
Max Blass starb 1976 in Ramat-Gan (Israel).

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Familie Nierath

Martha Nierath, geborene Fromm
13. September 1892 – 18. Juli 1941
Klußer Damm 52
getötet in Bernburg

Rudolf Nierath
02. September 1893 – 18. Juli 1941
Klußer Damm 52
getötet in Bernburg

 

Kurzbiografie:

Stolpersteinverlegung am Klusser Damm Diese Stolpersteine erinnern an Familie Nierath. Wir wissen jedoch kaum etwas über sie.

Martha Nierath wurde am 13. September 1892 in Groß Niendorf bei Wismar geboren und war in erster Ehe mit Albert Ortmann verheiratet. Ihr Sohn Werner, geboren am 4. Januar 1916, lernte den Beruf des Elektrikers und fiel um Zweiten Weltkrieg als Soldat.

Martha und Rudolf heirateten am 22. April 1919, kurze Zeit später zogen sie nach Wismar, in den Klußer Damm 52. Martha Nierath brachte bereits ein Kind aus erster Ehe mit in die Familie ein. Ihre gemeinsame Tochter Elli kam am 30. April 1920 zur Welt. Die Tochter Elli arbeitete später als Hausmädchen.

Rudolf und Martha Nierath wurden im Jahr 1939 in die Heil- und Pflegeanstalt bei Schwerin eingeliefert. Zwei Jahre später wurden sie mit weiteren Patienten dieser Anstalt nach Bernburg transportiert. Sie kamen am Abend des 18. Juli in Bernburg an und wurden noch in der selben Nacht vergast.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Martha und Rudolf Nierath wurden am 28. Juli 2009 am Klußer Damm Stolpersteine verlegt.

Paten:

Familie Junge, wohnhaft am Klußer Damm 52, haben die Patenschaft für die Stolperstein für Martha und Rudolf Nierath übernommen.

Johann Frehse

10. Januar 1886 – 20. Januar 1942
letzter Wohnort Kanalstraße 8
ermordet in Dachau / Schloss Hartheim

 

Kurzbiografie

Johann Frehse wurde im Januar 1886 als Sohn einer Landarbeiterfamilie in Bantow geboren. Später lebte der gelernter Schiffszimmermann in Wismar und arbeitete als Fischer.
Sein Leben wurde schon früh durch seine Kriegsinvalidität eingeschränkt, im 1. Weltkrieg verlor er seine linke Hand und sein linkes Augenlicht.
Geprägt durch die Kriegserlebnisse nahm Frehse an antifaschistischen Aktionen teil. Auch nach der Machtübernahme der Nazis blieb er in der KPD und wechselte in den Widerstand. Aus diesem Grund wurde er am 6. Dezember 1934 im Zuge eines Hochverratsprozesses zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Frehse war unter anderem daran beteiligt, Parteigenossen mit seinem Fischerboot nach Dänemark ins Exil zu bringen. Darunter war am 5. Mai 1934 Franz Jakubek, der Vorsitzende der Wismarer Ortsgruppe. Bei dem Versuch wurden sie aufgegriffen und Frehse musste eine Haftstrafe in Dreibergen-Bützow absitzen.
Danach kehrte er wieder nach Wismar zurück, wo er bis 1939 mit seiner Familie lebte. In diesem Jahr wurde er erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen überführt. Am 29. August wurde er nach Dachau überführt und am 20. Januar 1942 in der Tötungsanstalt Schloß Hartheim vergast.

Pate:

Bernhard Krummhauer, Pächter der Tankstelle „Total-Station“ an der Dr. Leber-Straße, hat die Patenschaft für diesen STOLPERSTEIN übernommen.
Nach der Verlegung am 15. Juli 2008 wurde der Stein in der Nacht vom 1. Oktober 2008 von Unbekannten entfernt. Die Projektgruppe STOLPERSTEINE konnte mit Hilfe von Spenden einen neuen Stein anfertigen lassen. Ein Mitarbeiter des Bauamtes der Hansestadt Wismar verlegte dann den neuen Stein am 20. November 2008.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Johann Frehse wurde am 15. Juli 2008 in der Kanalstraße 8 ein Stolperstein verlegt.

Louis Lewinski

1. April 1869 bis 26. März 1943
Altwismarstraße 17
ermordet in Sobibor

Kurzbiografie:

Der Kaufmann Louis Lewinski wurde am 1. April 1869 in Konitz (Westpreußen) geboren. Anfang der 1930er Jahre zog er nach Wismar, lebte in der Altwismarstraße 17 (damals Nr. 12) und eröffnete in der Dankwartstraße 14 ein Schuhgeschäft. Mitte der 1930er Jahre zog Arthur Lewinski, ein Verwandter, zu ihm.

Während des Novemberprogroms 1938 wurde Louis Lewinski so wie andere Wismarer Juden verhaftet und für etwa eine Woche im Zuchthaus Neustrelitz-Strelitz festgehalten. Nach seiner Entlassung kehrte er zunächst nach Wismar zurück, stellte aber fest, dass ihm hier die Lebensgrundlagen entzogen wurden. Er emigrierte in die Niederlande und lebte in Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht auch in die Niederlande einmarschierte und die Juden auch dort verfolgte, wurde Louis Lewinski am 9. März 1943 verhaftet und im Sammel- und Durchgangslager Westerbork inhaftiert. Am 23. März 1943 wurde er mit 1250 anderen Personen in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Louis Lewinski wird am 10. August 2013 in der Altwismarstraße 17 ein Stolperstein verlegt.

Paten:

Carl Glöde

11. Mai 1881 – 20. April 1943
Krönkenhagen 26
ermordet in Neuengamme

Kurzbiografie:

Im Jahr 1937 kehrte der Maschinenschlosser Carl Glöde aus Ostpreußen in seine Geburtsstadt Wismar zurück. Das Ehepaar Glöde, das den Zeugen Jehovas angehörte, fand in Krönkenhagen 26 eine Wohnung. Es dauerte nicht lange und Carl Glöde kam mit dem NS-Regime in Konflikt. Er wurde wegen Aufrechterhaltung seiner Glaubensaktivitäten zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Den Hinweisen zufolge hatte ihn ein Nachbar denunziert. Weitere Verurteilungen wegen seiner kritischen Äußerungen gegen die Nationalsozialisten folgten. Vor der Haft in Dreibergen-Bützow überführte man Carl Glöde in das Konzentrationslager Sachsenhausen und von dort nach Neuengamme. Im April 1943 fand er im dortigen Konzentrationslager der Tod.

 Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Carl Glöde wurde am 15. Juli 2008 in Krönkenhagen 26 ein Stolperstein verlegt.

Patenschaft:

Die Patenschaft für den Stolperstein für Carl Glöde hat Duncan O`Ceallaigh übernommen.

Arthur Lewinski

6. Februar 1867 bis 24. Januar 1943
Altwismarstraße 17
ermordet in Theresienstadt

Kurzbiografie:

Der jüdische Kaufmann Arthur Lewinski wurde am 6. Februar 1867 in Saalfeld (Ostpreußen) geboren. Mitte der 1930 Jahre zog er nach Wismar und lebte bei einem Verwandten (Louis Lewinski) in der Altwismarstraße 17 (damals Nr. 12). Nach dem Novemberprogrom 1938 wurden auch ihm die Lebensgrundlagen in Wismar entzogen, so dass er sich entschied, nach Eisenach zu ziehen. Dort wurde er verhaftet und nach Leipzig gebracht, von wo er am 20. September 1942 mit einem Transport nach Theresienstadt kam. Hier starb er am 24. Januar 1943.

 

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Arthur Lewinski wird am 10. August 2013 in der Altwismarstraße 17 ein Stolperstein verlegt.

Bertha Heinsius, geborene Waack

02. Januar 1889 – 18. Juli 1941
Poelerstraße 59
ermordet in Bernburg

 

Kurzbiografie:

Die Hausfrau Bertha Heinsius lebte mit ihrer Familie in der Poeler Straße 59. 1927 schloss sie sich den Zeugen Jehovas an. Auch nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft im Jahre 1933 war sie für ihren Glauben weiter tätig, sodass die Nationalsozialisten auf sie aufmerksam wurden und sie vor einem Sondergericht stellten. Sie wurde im Februar 1937 zu neun Monaten Gefängnishaft verurteilt. Man hatte ihr vorgeworfen, mit einem Mitgläubigen über biblische Themen gesprochen zu haben. Im Gefängnis Dreibergen-Bützow brach bei ihr eine Krankheit aus, die der Anstaltsarzt zunächst nicht erkannte. So wurde Bertha Heinsius gefesselt in eine Arrestzelle gesperrt.
Erst im Oktober 1937 brachte man die schwerkranke Frau in die Heil- und Pflegeanstalt Gehlsheim und schließlich nach Schwerin Sachsenberg. Im Zuge des sogenannten „Euthanasieprogramms“ wurde Bertha Heinsius am 18. Juli 1941 von Schwerin nach Bernburg transportiert und dort vergast.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Bertha Heinsius wurde am 15. Juli 2008 in der Poelerstraße 59 ein Stolperstein verlegt.

 

Pate:

Max Ehrlich

26. Dezember 1873 bis 21. September 1942
Dankwartstraße 35
ermordet in Treblinka

Kurzbiografie:

 

Max Ehrlich wurde am 26. Dezember 1873 in Sonnenburg (bei Halberstadt) geboren. Seine Eltern waren Friedemann Ehrlich (1843 bis 1915) und Fanny Ehrlich, geborene Abrahamsohn (1843 - 1889). Als er 16 Jahre alt war, starb seine Mutter. Der spätere Kaufmann heiratet 1898 in Berlin die 1874 in Sonnenburg geborene Sara Prager und gründete dort eine Familie. 1904 wurde die Tochter Paula, 1910 der Sohn Kurt geboren. 1927 wurde die Ehe geschieden. Max Ehrlich zog mit seinem Sohn um das Jahr 1930 nach Wismar. Hier wohnte er in der Dankwartstraße 35 und arbeitete als Verkäufer. Er gehörte der israelitischen Gemeinde Schwerin an.

Während des Novemberprogroms 1938 wurde Max Ehrlich so wie andere Wismarer Juden verhaftet und für etwa eine Woche im Zuchthaus Neustrelitz-Strelitz festgehalten. Nach seiner Entlassung kehrte er zunächst nach Wismar zurück, stellte aber fest, dass ihm hier die Lebensgrundlagen entzogen wurden. So zog er in der Hoffnung, die Anonymität der Großstadt werde sein Leben erleichtern, 1940 nach Hamburg und war dort im Haus Jungfrauenthal 37 gemeldet. Auf der Kultursteuerkarte der Israelitischen Gemeinde Hamburg ist für das Jahr 1940 noch seine Beitragspflicht bei der Israelitischen Gemeinde Rostock festgehalten.

Am 26. Juni 1941 zog Max Ehrlich - in Begleitung der 82jährigen Bertha Juchenheim - von Hamburg nach Bremen. Dort war er in Bremen-Aumund bei der Familie Arthur Cohen gemeldet, die dort aus Wilhelmshaven vertrieben, in sehr beengten Verhältnissen lebte. Arthur Cohen war Bertha Juchenheims Neffe. Am 8. Juli 1941 zog er wiederum in Begleitung von Bertha Juchenheim von Bremen zurück nach Hamburg und wurde im "Judenhaus" in der Schäferkampsallee 27 untergebracht, von wo er am 16. Juli 1941 nach Theresienstadt deportiert wurde. Von Theresienstadt ging es am 21. September 1942 auf einem 1985 Personen umfassenden Transport nach Treblinka. Alle mit diesem Transport Deportierten wurden ermordet.

Max Ehrlich wurde 68 Jahre alt.

In dem 1939 in Shanghai erschienenden "Emigrantenadressbuch" ist ein "Ehrlich, Kurt, Berlin, Kfm." verzeichnet. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich dabei um Max Ehrlichs Sohn handelt.

Treblinka

Vom 22. Juli 1942 bis 21. August 1943 wurden dort zwischen 700.000 und 1,1 Millionen Menschen ermordet.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Max Ehrlich wird am 10. August 2013 in der Dankwartstraße 35 ein Stolperstein verlegt.

Paten:

Günter Nevermann

05. November 1933 – 16. Dezember 1942
Poeler Straße 102
ermordet in Schwerin

 

Kurzbiografie:

Besonders deutlich wird die verbrecherische Politik der Nationalsozialisten bei der Ermordung unschuldiger Kinder. Im Alter von zwei Jahren wurde bei Günter Nevermann die „Littlesche Krankheit“ diagnostiziert. Diese Krankheit verursachten starke Krämpfe, durch welche sein Gang beeinträchtigt war. 1937 erfolgte dann eine geplante Hüftoperation. Der Befund des Arztes am 5. Juli 1939 beschreibt eine stark rundrückige Sitzhaltung sowie einen schwachen Eindruck des Jungen. Die Mutter von Günter möchte trotz der Empfehlung des Arztes der Einlieferung ihres Sohnes nicht zustimmen.

Am 22. September 1942 erhalten die Eltern ein Schreiben von der Pflegeanstalt, indem ihr Kind für schwachsinnig erklärt wird. Der Vater von Günter Nevermann schrieb auf diese Diagnose eine Widerlegung dieser Ansichten. Er betonte, dass sein Kind keinesfalls geisteskrank sei, sondern lediglich an einer Lähmung leide, die in keinem Fall seine psychischen Fähigkeiten beeinträchtigte.

Am 16. Juli 1940 erfolgte die Wiederaufnahme in die Orthopädische Klinik in Rostock. Zur weiteren Behandlung wird Günter am 19. Oktober 1942 in die Pflegeanstalt eingewiesen.
In der Nacht vom 16. Dezember 1942 verstirbt er. In den Unterlagen des damaligen Facharztes für Orthopädie vom 16. März 1942 ist vermerkt, dass der Arzt Günter für nicht förderungswürdig hielt. Günter Nevermann verstarb im Alter von 9 Jahren.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Günter Nevermann wurde am 15. Juli 2008 in der Poeler Straße 102 ein Stolperstein verlegt.

Pate:

Herr Schulz hat die Patenschaft für den STOLPERSTEIN für Günter Nevermann übernommen.

Wilhelm Leonhardt

Jahrgang 1875 bis 13.Juni 1942
Goethestraße 9
ermordet in Sachsenhausen

Kurzbiografie:

Der Oberstabsveterinär Dr. med. vet. Wilhelm Leonhardt wurde am 15. Dezember 1875 in Brüel geboren. Später zog er nach Wismar und heiratete in zweiter Ehe die Buchhändlerin Ilse Rathke. Gemeinsam wohnten sie in der Straße Fürstengarten Nr. 9 in Nachbarschaft mit der Malerin Sella Hasse.

Leonhardt machte auf dem Gebiet der Geburtenregelung eine Erfindung, die international große Anerkennung fand. Während der NS-Zeit wurde seine patentierte Entdeckung verboten. Am 30. Dezember 1941 wurde er von Gestapo-Beamten in seiner Wohnung verhört. Nach der Unterzeichnung des Verhörprotokolls auf dem Polizeiamt wurde Leonhardt nach Schwerin in das dortige Gefängnis gebracht. Von hier wurde er später in das KZ-Sachsenhausen überführt. Am 15. Juni 1942 erhielt seine Frau telegrafisch die Nachricht, dass ihr Mann am 13. Juni an Tuberkulose verstorben sei.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Wilhelm Leonhardt wird am 10. August 2013 in der Goethestraße 9 ein Stolperstein verlegt.

Paten:

Dr. Leopold Liebenthal

26. Mai 1868 – 30. November 1938
Altwismarstraße 10
verfolgt und gestorben in Wismar

Kurzbiografie:

Leopold Liebenthal wurde als Sohn des Kaufmanns Lois Liebenthal und dessen Frau Emmi, geborene Leopold, am 26. Mai 1868 in Bergen auf Rügen geboren. Er absolvierte 1894 die Medizinische Staatsprüfung in Berlin und promovierte. Im Oktober 1894 kam Dr. Liebenthal als praktizierender Arzt nach Wismar und richtete in der Altwismarstraße 10 seine Praxis ein. Am 10. August 1898 ließ er sich in St. Marien taufen und heiratete die 24jährige Marie Spohr. Dr. Liebenthal war wegen seiner beispielhaften, unermüdlichen und selbstlosen Hilfe vor allem in der armen Bevölkerung hoch geschätzt. Sein soziales Engagement ging so weit, dass er zum Teil Behandlungen nicht in Rechnung stellte oder sogar Medikamente, die zur Behandlung notwendig waren, aus eigener Tasche finanzierte. "Liebenthal kümmt ümmer" hieß es in Wismar. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurde seine Praxis geschlossen und ihm wurde verboten zu praktizieren. Liebenthal litt sehr unter der Isolierung und des psychischen Terrors.

Am 29. November 1938 folgte eine „Sicherungsverordnung zur Vermögungssicherung von jüdischen Bürgern“. Das Eigentum von Dr. Liebenthal wurde beschlagnahmt wegen des Verdachtes auf Auswanderung. Am 30. November 1938 starb Dr. Leopold Liebenthal an Herzversagen im Alter von 70 Jahren. Sein Trauerzug wurde auf Grund des Drucks der Nationalsozialisten nur von zwei Personen verfolgt, jedoch ehrten viele Liebenthal, in dem sie an den Straßen oder auf dem Friedhof zu der Zeit „zu tun“ hatten. In der Altwismarstraße 10 wurde zu Ehren von Dr. Liebenthal eine Gedenktafel angebracht, hier wohnte und arbeitete er. Auch eine Straße in Wismar trägt seinen Namen. Er liegt heute mit seiner Frau auf dem Westfriedhof an der Schweriner Straße in Wismar.

Dr. med. Liebenthal wude am 1. Januar 1895 in die Freimaurerloge Wismar aufgenommen. Die Wismarer Loge hat sich bei Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht von seinem Mitglied getrennt. Immerhin waren etwa 130 Männer aus der Wismarer Gesellschaft Mitglied der Loge, darunter etwa der hochgeachtete Direktor der Stadtwerke Lindekungel und der letzte Vorsitzende war Karl-Ludwig Eschenhagen, Fabrikant einer bekannten Spirituosenfabrik und weiterer Unternehmungen. Es gehörten Männer der Loge an, dessen Familiennachfahren noch heute in Wismar leben.
Die Wismarer Loge wurde am 16. Juli 1935 zwangsweise aufgelöst.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Dr. Leopold Liebenthal wurde am 15. Juli 2008 in der Altwismarstraße 10 ein Stolperstein verlegt.

 

Patenschaft:

Die Patenschaft für den verlegten Stolperstein hat die Loge zur Vaterlandsliebe Wismar e. V. übernommen.

Walter Mantow

30. Mai 1897 – 18. Juli 1941
Krönkenhagen 20
ermordet in Bernburg

Kurzbiografie:

Walter Mantow wurde am 30. Mai 1897 in Wismar geboren. Er wohnte in Krönkenhagen 20 und war bis zum Ausbruch eines Nervenleidens als Malermeister tätig. Auf Grund dieser Krankheit konnte er seine Arbeit nicht mehr ausüben und war auf die Hilfe und Pflege seiner Mutter angewiesen. Sie stellte zahlreiche Anträge an das Wohlfahrtsamt Wismar und erhielt Hilfe durch einen Armenpfleger.

Im Mai 1933 konnte Walter Mantow für kurze Zeit arbeiten gehen. Jedoch verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand in den folgenden Wochen. Der Arzt unterstützte die dringende Aufnahme des Wiedererkrankten in eine Heilanstalt und so stellte die Mutter schließlich den Antrag auf Aufnahme ihres Sohnes in ein Wismarer Heim. Walter Mantow wurde aufgenommen und ein Jahr später „zur dauerhaften Anstaltspflege“ in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg Schwerin umquartiert.

Am 18. Juli 1941 wurde Walter Mantow mit anderen Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg mit der „Gemeinnützigen Krankentransportgesellschaft“ einer Organisation der SS – in die Tötungsanstalt Bernburg verlegt und noch am selben Tag vergast. Er starb im Alter von 44 Jahren.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Walter Mantow wurde am 15. Juli 2008 in Krönkenhagen 20 ein STOLPERSTEIN verlegt.

Ernst Scheel

16. Juni 1872 – 04. Juli 1944
Böttcherstraße 4
ermordet in Dachau

 

 

Kurzbiografie:

Ernst Scheel wurde 1872 in Loppin geboren, wuchs in Wismar auf, erlernte den Beruf eines Schlossers und fuhr nach der Ausbildung zur See. Er verbrachte viele Jahre im Ausland, bewirtschaftete u. a. eine Farm in Ägypten. Seine Erlebnisse veröffentlichte er später in Büchern. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland zurück. In Wismar wurde er Mitglied der KPD. 1926 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des Rot-Frontkämpferbundes und wirkte beim Aufbau einer Schalmeienkapelle mit, die er finanziell unterstützte.
Nach der Machtergreifung Hitlers blieb er seiner politischen Überzeugung treu und wurde deshalb mehrfach verhaftet.

Zuletzt war er wohnhaft in der Böttcherstraße und wurde von dort aus in das KZ Sachsenhausen gebracht und im November 1942 in das KZ Dachau überführt. Er verstarb dort im Juli 1944 im Alter von 72 Jahren.

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Ernst Scheel wurde am 15. Juli 2008 in der Böttcherstraße 4 ein Stolperstein verlegt.

Heinrich Woest

07. Juni 1886 – 08. Februar 1939
St. Georgenkirchhof 13
ermordet in Sachsenhausen

 

Kurzbiografie:

Im St. Georgenkirchhof 13 wohnte und arbeitete der Schuhmacher Heinrich Woest. 1935 wurde er das erste Mal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er mit der Wismarer Gemeinde der Zeugen Jehovas einen Protestbrief an die Hitlerregierung geschickt hatte.

Nach seiner Freilassung engagierte er sich weiterhin für die 1933 verbotene Glaubensgemeinschaft und so dauerte es nicht lange bis die Gestapo wieder auf ihn aufmerksam wurde.

Im Sommer 1936 wurde er verhaftet und schließlich am 3. Februar 1937 vom Schweriner – Sondergericht, das im Wismarer Fürstenhof tagte, verurteilt. Die zweijährige Haftstrafe verbrachte er in Neustrelitz-Strelitz und Dreibergen-Bützow. Statt aber 1938 entlassen zu werden, überführte ihn die Gestapo in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort verstarb Heinrich Woest nur wenige Monate später.

Er war einer von 168 Zeugen Jehovas, die in Sachsenhausen um Leben kamen.

 

Verlegung des STOLPERSTEINS:

Für Heinrich Woest wurde am 15. Juli 2008 Am St. Georgenkirchof 13 ein Stolperstein verlegt.