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Rede zum Neujahresempfang

des Bürgermeisters der Hansestadt Wismar, Thomas Beyer,  am 7. Januar 2017 in der St. Georgen-Kirche

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Gäste dieses Neujahrsempfangs 2017,

wenn ich sehe, wie zahlreich Sie heute unserer Einladung gefolgt sind, dann scheint dieses Wagnis bzw. Experiment ganz gut gelungen zu sein, alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt einzuladen. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Sie gekommen sind und ich bitte Sie gleich vorab um Verständnis, wenn vielleicht organisatorisch nicht alles perfekt ist und manches nicht gleich auf Anhieb klappt. Denn wir waren ein bisschen im Ungewissen, bezüglich dessen, auf was wir uns wirklich einlassen, wie viele tatsächlich kommen werden.
Sicher ist aber, Sie sind da und ich darf mit Ihnen zusammen das Jahr 2017 begrüßen, für Sie, für unsere Stadt, für die Menschen, die in unserer Region leben und leben werden.

Geht es Ihnen, meine Damen und Herren,
am Ende eines Jahres und zu Beginn eines neuen auch so, dass Sie sich wünschen, mit etwas fertig geworden zu sein, etwas abgeschlossen zu haben, möglichst etwas Abrechenbares? Und wünschen Sie sich für das neue dann auch Gewissheit darüber, dass Ihre Planungen alle wohl bedacht sind, dass die Pläne aufgehen und nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt? Und wünschen Sie sich, sofern dies zutrifft, dass Ihr Leben wie bisher in sicheren Bahnen verläuft bzw. wenn die Bahnen bisher eher schwankend waren, dass nunmehr Sicherheit einkehrt?
Ich glaube, dass dies vielen von uns ein großes Bedürfnis ist, mit etwas fertig zu werden, es abzuschließen, denn wir leben ungern mit Unfertigkeit.
Ich glaube auch, dass es vielen ein Bedürfnis ist, Gewissheit bezüglich der Zukunft zu haben, denn wir sind ungern im Ungewissen.
Und natürlich wünschen wir uns, uns sicher zu fühlen. Wer lebt schon gern in Unsicherheit?

Nun habe ich mir einmal vorgestellt, wie es wäre, wenn unsere Stadt fertig wäre: Alles wäre saniert, die Stadt wäre blitzsauber, auch im entferntesten Winkel. Eine neue Hochbrücke ist beispielsweise gebaut, die Menschen haben Arbeit, Wohnung, ein gutes Auskommen, alle!
Und bezüglich der Zukunft müssten wir uns keine Sorgen machen. Wir dürfen uns einer guten Zukunft gewiss sein, denn die Unternehmen werden immer Arbeit haben, die Nachfrage nach ihren Produkten bleibt bestehen, es ist gar nicht vorstellbar, dass sich das ändert. Damit ist die Sicherheit der Arbeit gewiss und weil das so ist, leben wir friedlich miteinander. Niemand muss sich unsicher fühlen, das UN vor dem Wort Sicherheit gehört der Vergangenheit an. Es ist gar nicht mehr Bestandteil des gängigen Wortschatzes. Und Arbeitslosigkeit, Kriminalität, all` dies kennen wir nicht mehr.

Wie geht es Ihnen mit einer solchen Vorstellung von einer fertigen Stadt?
Als ich über die Neujahrsrede nachdachte, über das, was uns wohl bewegt, bei mir kenne ich das ja und von Ihnen weiß ich das aus vielen, vielen Gesprächen und werde vielleicht auch heute noch das eine oder andere erfahren, beim Nachdenken über die Rede also sind mir tatsächlich solche Begriffe wie Ungewissheit, Unfertigkeit, Unsicherheit, Unfriede eingefallen.

Ja, wir leben in ungewissen Zeiten! Wir wissen nicht mit hundert- prozentiger Sicherheit beispielsweise, ob die Pläne unseres neuen Werft-Eigentümers aufgehen werden.

Ja, wir leben in einer unfertigen Stadt! Wir bauen zwar kräftig, für Sie unverkennbar und manchmal lästig, aber wir haben trotzdem noch so viel Nachholebedarf, zum Beispiel bezüglich der Sporthalle oder des Stadions an der Bürgermeister-Haupt-Straße, bezüglich einiger Straßen und, und, und...

Ja, wir leben in unsicheren Zeiten! Es ist zwar erstaunlich, wie viele sogenannte Experten nun nach der German-Pellets-Pleite diese vorausgesehen haben wollen und es nach deren Ansicht gar nicht anders kommen konnte. Aber, wenn wir ehrlich sind, waren viele, sehr viele doch zunächst froh, dass dieses Unternehmen hier entstand und waren fasziniert davon, dass die Firma von hier aus zum weltgrößten Pellethersteller avancierte. Ja, auch ein wenig stolz waren wir, und dann gab es diesen Absturz des Unternehmens verbunden auch mit herben menschlichen Enttäuschungen. Sichere Zeiten sehen anders aus!

Und ja, wir leben in Zeiten des Unfriedens! Nach dem Anschlag in Berlin waren auch auf den Wismarer Weihnachtsmarkt schwer bewaffnete Polizisten aufgezogen. Friedliche und fröhliche Weihnachtszeit – darunter stellen wir uns etwas anderes vor.

Ich werde Ihnen weder Ungewissheit und Unfertigkeit noch Unsicherheit und Unfrieden nehmen können! Und ich will hier auch nichts schönreden! Wir werden mit diesen Phänomenen leben müssen! Ja, ich behaupte, wir haben eigentlich immer damit gelebt, nur das Ungewissheit und Unsicherheit immer wieder in neuem Gewand daherkommen. Was mir aber als unredlich erscheint ist, wenn gerade diesen neuen Ungewissheiten, Unfertigkeiten, Unsicherheiten und dem Unfrieden in der Welt mit einfachen Lösungen begegnet werden soll, von Menschen, die meinen, sie allein würden die Wahrheit kennen und alle anderen, beispielsweise jene, die ihnen widersprechen, würden ja zum Establishment und zur Lügenpresse gehören oder wie auch immer. Im „Spielbär“, in der Dankwartstraße, habe ich ein kleines Schild gefunden und herzlich gelacht, als ich es sah, aber es steckt viel Wahrheit drin. Auf dem Schild stand: Wenn das die Lösung ist, dann will ich mein Problem zurück!

Und in abgewandelter Form würde ich jenen, die uns falsche Lösungen, nämlich nationale Lösungen in einer internationalisierten und globalisierten Welt präsentieren oder intolerante Lösungen, die nicht mehr jeder und jedem das Gefühl geben, so leben zu dürfen, wie sie möchten, friedlich, verschieden, tolerant, eben selbstbestimmt, jenen also, die uns solche falschen Lösungen präsentieren, möchte ich sagen: Wenn Ihr die Lösung seid, dann will ich lieber mein Problem der Ungewissheit und Unsicherheit zurück und es selbst mit anders Gesonnenen bearbeiten, auch wenn's mühsam ist und manchmal langsam geht, und ja, auch wenn wir ein paar Dinge ändern müssen, zum Beispiel in der Kommunikation miteinander oder in der Wahrnehmung von Problemen, die manchmal im politischen Diskurs verniedlicht werden oder gar nicht vorkommen. Oder wenn sich zum Beispiel Menschen, wie jene, die tagtäglich schwer arbeiten oder andere, die eher am Rande der Gesellschaft sind, nicht ernst genommen fühlen.

Aber zurück nun zum Jahreswechsel! Wie war denn nun das Jahr 2016? Und was erwarten Sie, was erwarten wir vom Jahr 2017?

Wir haben heute eine neue Form des Bürgerempfangs zum Neujahr. Ich habe deswegen 5 Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Lebensbereichen angesprochen und gebeten, etwas dazu zu sagen, wie sie 2016 erlebt haben und was sie vom Jahr 2017 erwarten. Ich weiß jetzt nicht, was sie sagen werden und bin selbst gespannt darauf. Danach werde ich selbst ein wenig zum Jahr 2016 berichten und auf das neue Jahr schauen. Zu Ihnen sprechen jetzt Frau Ines Scheel, Betriebsrätin von MV-Werften; Moritz Stemmler vom Kinder-und Jugendparlament in der Hansestadt Wismar; Herr Ralf Lorber, Geschäftsführer bei der Firma EGGER; Maysaa Rahban, die als Geflüchtete zu uns gekommen ist und Frau Margret Benz, die als Unternehmerin in Wismar arbeitet. Vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, zu uns zu sprechen! Ich gebe jetzt das Wort an:

Rednerliste für den Neujahrsempfang:
Frau Ines Scheel (Betriebsrat Werft)
Moritz Stemmler (Kijupa)
Frau Margret Benz (Unternehmerin)
Frau Maysaa Rahban (Geflüchtete)
Herr Ralf Lorber (EGGER)

Ich danke Ihnen allen sehr!

Nun, meine Damen und Herren,
ich übergebe vom Jahr 2016 in das Jahr 2017 keine fertige Stadt!
Aber könnten Sie sich vorstellen, in einer fertigen Stadt, wie vorhin geschildert, zu leben? Der japanische Autor Haruki Murakami schildert in einem seiner Bücher, nämlich in Kafka am Strand, einen solchen Ort, der mir sehr fertig erschien. Zeit spielt dort keine Rolle. Erinnerungen werden gelöscht. Es geht eher um eine grenzenlose Harmonie untereinander und mit sich selbst. Entwicklung gibt es nicht. Die Tage sind alle gleich. Dieser Ort hat für mich etwas sehr zwiespältiges. Insofern ist für mich folgerichtig, dass auch der Protagonist des Buches den Ort wieder verlässt, um der Lebendigkeit willen.

Ich könnte es mir, meine Damen und Herren,
insofern ehrlich gesagt nicht vorstellen, an einem so fertigen Ort, in einer fertigen Stadt zu leben. Unfertigkeit birgt Entwicklung, Bewegung. Unfertigkeit produziert Ideen. Ja, und ein bisschen streiten möchte ich auch schon über den jeweils besten Weg, die beste Sondernutzungssatzung zum Beispiel, meinetwegen auch über Blumenkübel, wie wir es 2016 taten oder mit dem Landkreis über die Kreisumlage, Frau Landrätin, oder mit der Landesregierung darüber, ob die ausgerufene Vorpommern-Lastigkeit nun wirklich angemessen ist. Das ist auch ein Thema für den hiesigen Landtagsabgeordneten, lieber Tilo Gundlack.

Auch wenn wir eine unfertige Stadt sind und bleiben, ein paar Dinge haben wir in 2016 allerdings fertig bekommen und nicht nur wir, sondern andere in unserer Stadt auch: So hat EGGER, Herr Lorber sprach ja eben gerade, das Unternehmen erweitert, zweimal gleich, und Mirko Gaitzsch, der Ausbildungsleiter von EGGER wurde ausgezeichnet mit dem Meisterdank, zu Recht, wie ich finde, denn er gibt den jungen Leuten in seinem Unternehmen Sicherheit.
Bayer CropScience und Aero Coating taten es EGGER gleich, letztere starteten, als sie sich in Wismar niederließen, mit 7 Mitarbeitern, heute sind es 10mal so viel.

Wenn wir von einer wachsenden Stadt sprechen dürfen, dann hat dies auch und gerade im Wachstum der Unternehmen seine Gründe. Und das geschieht durch das verarbeitende Gewerbe, das immerhin für 23 Prozent unserer Arbeitsplätze in Wismar verantwortlich zeichnet, in besonderen Maße.

Natürlich tragen aber auch Tourismus, Handel, Handwerk, Dienstleistungen dazu das ihre bei. Zum Beispiel errichtete das Wismarer Sanitätshaus Köhler das Gesundheitshaus am Schiffbauerdamm. Das Wonnemar-Hotel öffnete seine Pforten.

Ich kann all die kleinen und großen Firmenerweiterungen und Neubauten, wie zum Beispiel die Goertz-Möbelmanufaktur oder HW-Leasing gar nicht nennen. Die unfertige Stadt jedenfalls lebt. Sie verändert sich. Sie wächst.

Einen Abschied muss ich aber noch mit benennen. Abschied genommen haben wir vom Schuhhaus Christiansen, schade! Doch die Familie Christiansen-Stiftung bewirkt nach wie vor viel, viel Gutes in unserer Stadt.

Natürlich hat uns dann die Nachricht, dass Genting die drei Werften in Mecklenburg-Vorpommern übernimmt und Wismar Hauptstandort sein wird, kolossal gefreut. Und, um auf das eingangs gesagte zurückzukommen: Die Pläne sind gewaltig! Zweifelsohne, und Garantien gibt es in der Welt der Wirtschaft nicht.

Aber mich überzeugt die Ernsthaftigkeit mit der Genting an der Umsetzung arbeitet. Insofern ist nicht Skepsis angezeigt. Auch wenn nicht alle Zulieferer zunächst zum Zuge gekommen sind, ich habe an den Konzern geschrieben und die Erwartung der Stadt ausgedrückt, dass die hiesigen Unternehmen eine faire Chance erhalten. Klar, alles Weitere kann nur mit guten Angeboten und mit Beharrlichkeit erreicht werden. Nicht Skepsis ist angesagt, sondern Vertrauen.

Genting, meine Damen und Herren,
bietet uns jetzt eine große Chance und diese Chance müssen wir nutzen und wir werden sie nutzen. Auch wir arbeiten mit großer Ernsthaftigkeit mit und ich bin froh, dass bisher alle mitgezogen haben. Möge das so bleiben, auch wenn sich zweifelsohne mit diesen Plänen unsere Stadt verändern wird.

Wenn die Stadt wächst, muss die Infrastruktur zwangsläufig mitwachsen. So konnten wir einige Straßensanierungen in Angriff nehmen. Die Brücke in der Scheuerstraße wurde fertiggestellt, auch wenn jetzt noch einige von den Baufirmen verursachte Mängel beseitigt werden müssen. Die eine Hälfte der Mecklenburger Straße ist weitestgehend fertig. Am Schweriner Tor werden wir noch bis 2018 arbeiten.

Das Krankenhaus hat erheblich in seine Notaufnahme investiert. Die Westhafenkai ist komplett saniert und bietet jetzt zusätzliche Liegeplätze für Segelschiffe an. Der Weinberg hat seinen Betreiber gefunden. Das Lotsenhus feierte Richtfest. Für 20 betreute, altengerechte Wohnungen konnten wir den Grundstein in der Störtebeckerstraße durch die Seniorenheime der Hansestadt Wismar legen. An der Koch'schen Stiftung konnte ein neuer Krippenteil, auch mit Hilfe von Städtebauförderung, gebaut werden. Das WIKI wurde zu neuem Leben erweckt und es entstanden neue Hortplätze.
Also, wie gesagt, fertig bekommen haben wir einiges, fertig sind wir noch lange nicht.

Und darüber hinaus sind viele Vorhaben für die nächsten Jahre vorbereitet worden. Was mich freut ist, dass der neue Eigentümer des Pellet-Werkes, jetzt Wismar Pellets, für neues Vertrauen gesorgt hat, alte Geschäftsbeziehungen wiederbelebt werden konnten und Mitarbeiter eingestellt werden. Absolute Sicherheit werden auch die neuen Eigentümer für die Zukunft nicht geben können. Sie sind Geschäftsleute und wollen Geschäfte machen, aber zumindest können sie zeigen, dass sie das Bestmögliche für den Standort und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausholen. Und das ist gut so!

Was mich immer wieder freut, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist das, was so gar nicht selbstverständlich ist und worauf wir trotzdem immer wieder bauen können: Das Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger!

Ohne das wäre ein Stadtmodell im Gotischen Viertel – dort halfen vor allem die Hochschule und der Rotary-Club – oder die neuen Stadtwappen am Stadthaus, die vom Lions-Club Wismar, dem Kiwanis-Club Wismar, der Mittwochsrunde zu Wismar, dem Verein der Stadtführer Wismar, der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest, dem Steigenberger Hotel Stadt Hamburg, den Einzelhändlern der „Guten Adressen Wismar“ und der Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar finanziert wurden, nicht denkbar.

Ohne das bürgerschaftliche Engagement wäre ein Tag der Architektur, diesmal vor allem mit dem Kinder- und Jugendparlament, wäre das fantastische Musikfest der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, wäre gute Integration von Geflüchteten, wären die zahlreichen Sportveranstaltungen, die Wismarer Tafel und Licht am Horizont e. V. für unsere Kinder und wären das wunderbare Konzert der Religionen, hier in St. Georgen, am 16. Mai 2016, nicht denkbar und nicht finanzierbar. Und gleiches gilt auch für die Bürgerinitiativen „Strandbelebung in Seebad Wendorf“ und die Bürgerinitiative „Lindengarten“. Und all' dies habe ich beispielhaft genannt. Es wäre noch so viel anderes zu erwähnen.

In ungewissen und unsicheren Zeiten ist für mich dieser unerschütterliche Gemeinsinn vieler, vieler Wismarerinnen und Wismarer eine mehr als wertvolle Konstante. Und wenn wir so zusammenrücken, dann halten wir es auch aus, wenn unser Weihnachtsmarkt vorübergehend so bewacht wird, wie geschehen, wohlwissend, dass auch das uns nicht vor allem schützen kann. Generell erfreulich finde ich, dass in den letzten Monaten des Jahres die Polizei mehr Präsenz in unserer Stadt gezeigt hat. Wenn wir Regeln unseres Zusammenlebens aufstellen, dann gehört einfach dazu, dass auch darauf geachtet wird, dass diese Regeln eingehalten werden. Auch das ist Bestandteil eines funktionierenden Gemeinwesens.

2016 mussten wir auch Verluste hinnehmen: Völlig unerwartet starb Andrej Subarew. Seinem Wirken wird eine Retrospektive in diesem Jahr in der Gerichtslaube, im Rathaus gewidmet sein.
Und auch Angelika John, Künstlerin und einst Vorsitzende der Wismarer Künstlergemeinschaft, erlag ihrer schweren Erkrankung. Doch ihre Kunstwerke bleiben lebendig unter uns.

Die Hilfsbereitschaft der Wismarer ist riesig:
Denken Sie an die Aktion „Helft Anne“, als es um Knochenmarkspenden ging oder die OZ-Weihnachtsaktion ist noch in frischer Erinnerung. Auch nach außen wurde durch Wismarer Hilfe geleistet. Beispielhaft sei die Albanienhilfe für die Stadt Pogradec genannt. Auch wir als Hansestadt Wismar haben die albanische Kommune mit einem gebrauchten Feuerwehrfahrzeug unterstützen können.

Und wir selbst erhielten Hilfe von Jugendlichen, die sich hier zum Internationalen Jugendworkcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge trafen und unsere Friedhöfe pflegten.

Über Auszeichnungen und errungene Titel in 2016 darf ich ebenfalls berichten, das gleich verbunden mit herzlichen Glückwünschen:
Christoph Wohlleben von Wismar TV erhielt den Regio-Star als bester Moderator und Kirchenmusikdirektor Kienast bekam den Kulturpreis des Landkreises Nordwestmecklenburg. Anna-Lena Hell wird Kampfsportvizeweltmeisterin in Florida und die Karo Buben holen zum dritten Mal den Deutschlandpokal nach Wismar. Unsere Sportlerinnen und Sportler sind überhaupt wieder mit zahlreichen Titeln von Meisterschaften nach Wismar zurückgekehrt.

Was unsere lebendige Stadt auch auszeichnet sind die vielen, kleinen und großen Veranstaltungen: War das Straßentheaterfest BoulevART nicht wieder großartig? Und ist es nicht wunderbar, dass die Klassiker mit dem FAUST und dem JEDERMANN hier in St. Georgen einen festen Platz gefunden haben?

Wunderschöne Konzerte durften wir erleben, kleine und große. Zum Eröffnungskonzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern wurde gar die Wismar gewidmete Festspiel-Ouvertüre „Soundscapes“ von Catherine Milliken uraufgeführt. Wir konnten uns an den Novemberlichtern der Stadtwerke ebenso erfreuen wie am Fußballspiel von Anker gegen den HSV. Noch mehr SOKO- Wismar-Folgen für 2017 wurden gedreht. Das ist kostenloses Marketing mit einem Rieseneffekt für uns.

Unsere Kinder und Jugendlichen tragen das ihre zur lebendigen Stadt bei. Ich war sehr beeindruckt vom aufwendigen Weihnachtsspiel der Schülerinnen und Schüler der Ostsee-Schule.

Die Große Stadtschule „Geschwister Scholl“ darf sich nun UNESCO-Projektschule nennen. Das ist super! Und das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium errang erneut das Berufswahlsiegel.

Das alles sind Beispiele, meine Damen und Herren, Beispiele, die für viele andere stehen, Beispiele dafür, wie Kinder und Jugendliche an ihrer unfertigen aber lebendigen Stadt mitbauen.

Feiern tun die Wismarerinnen und Wismarer gern. So konnten wir einige Jubiläen begehen: Die Wohnungsbaugesellschaft wurde 25 Jahre alt. Sie ist ein wunderbares Beispiel für ein Unternehmen, das sozialen Auftrag und Wirtschaftlichkeit bestens verbindet, als Sponsor wirkt und uns bei der Stadtentwicklung kräftig unterstützt. Die WWG und die Mittwochsrunde feierten ebenfalls 25. Geburtstag und werden sich weiter in die Hansestadt Wismar einbringen. Anne Werth beging mit ihrem Hotel Wismar den 10. Geburtstag. Und die Große Stadtschule wurde gar 475. Jahre alt. Allen Jubilaren, auch den ungenannten, sei noch einmal herzlich gratuliert.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
2016 wurde auch davon gesprochen, wir seien in einem postfaktischen Zeitalter angekommen.
Nein, ich werde jetzt nicht die Diskussion um das Wohngebiet Seebad Wendorf bemühen, so – sagen wir einmal eher sehr vorsichtig - problematisch sie auch war. Dazu habe ich mich bereits abschließend geäußert.

Aber ein Beispiel war die Diskussion um den Winterdienst: Nach dem zwei oder drei Artikel erschienen, baten wir die Medien, doch bitte einmal beim Winterdienst selbst nachzufragen, wie es denn aus deren Sicht gelaufen sei. Sie erinnern sich, das war Anfang November. Das geschah auch. Und siehe da, nach zunächst postfaktischer Debatte stellte sich die Situation, nämlich auf Basis der Fakten, ganz anders da. Ich habe die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Winterdienstes heute extra eingeladen, bei uns zu sein. Sie haben das mehr als verdient und ich freue mich auch, dass viele von Ihnen gekommen sind.

Ein anderes Beispiel war die Diskussion um das Schwedenfest: Ein Brief eines Besuchers des Schwedenfestes führt zu großen Artikeln, Bürgerschaftsanträgen und Beschlüssen und Ähnlichem. Ein Kollege aus einer Nachbargemeinde schrieb mir dazu sinngemäß, dass er das alles reichlich übertrieben findet.

Nun, ich will hier keinen falschen Eindruck erwecken, Kritik und Diskussionen bringen uns weiter, gehören auch zur lebendigen Stadt. Nur es lohnt sich oft, zunächst die Faktenlage zu klären, dann können um so mehr auch gute Diskussionsergebnisse erzielt werden.

Liebe Gäste, meine sehr verehrten Damen und Herren,
auch wenn Unsicherheit und Ungewissheit in vielerlei Hinsicht bleiben, eines ist sicher, wir haben in 2016 wichtige Weichen für 2017 und die folgenden Jahre gestellt. Deshalb setze ich Ungewissheit und Unsicherheit Zuversicht entgegen. Es war nämlich eine kolossal wichtige Beschlussfassung im Deutschen Bundestag, als der Bundesverkehrswegeplan verabschiedet wurde und damit grünes Licht für die Fahrrinnen-Optimierung in der Wismarbucht gegeben wurde. Das korrespondiert mit der 2016 bereits begonnenen Hafenerweiterung. Dies sind infrastrukturelle Lebensgrundlagen, die wir uns damit schaffen. Und nebenbei erfahren wir sogar noch etwas über die Stadtgeschichte, weil ein paar alte Koggen gefunden wurden.

Weichen wurden auch gestellt bezüglich der Eisenbahnüberführung Poeler Straße. Die Bahn wird 2017 mit ersten Maßnahmen beginnen. 2020 werden die Schranken dort der Geschichte angehören.

Mehrere Bauleitplanungen verabschiedete die Bürgerschaft für Wohngebiete. Das ist nicht nur gut, sondern vor allem dringend notwendig, denn die Nachfrage ist groß. An der Erschließung wird 2017, ob nun an der Lübschen Burg, in Wendorf, am Klußer Damm, am Friedenshof oder in Redentin- Ost, kräftig weitergearbeitet.

Und natürlich brauchen wir auch weitere Kindertagesstätten. Wie schön so etwas sagen zu dürfen! So wird die Wismarer Werkstätten gGmbH an der Turmstraße 2017 ebenso beginnen wie die Perspektive gGmbH am Friedenshof und weitere Einrichtungen sind in Planung.

Dass wir mit unserem Förderantrag St.-Marien-Forum als Premiumprojekt ausgezeichnet wurden, bereitet auch die Grundlage dafür, ab 2017 dieses besondere Gotische Viertel weiter aufzuwerten.

Und am Kagenmarkt übergeben wir das neue Feuerwehrgerätehaus gleich im Januar, feiern werden wir es am 1. April mit einem zünftigen Stadtteilfest, gemeinsam also mit den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr und den Bürgerinnen und Bürgern.

Zur großartigen Entwicklung auf unserer Werft habe ich schon einiges gesagt. Aber auch weitere Unternehmen werden sich erweitern, sich neu ansiedeln usw... .Gut, dass wir noch Gewerbeflächen haben, gut, dass wir aber auch mit der Gemeinde Hornstorf gemeinsam die Flächen am Autobahnkreuz entwickeln, auch da wird es 2017, sozusagen anschließend an das Gewerbegebiet Dargetzow, weitergehen.

Die Hochschule wird auch 2017 einer der wichtigsten Standortfaktoren sein und ihren Beitrag zum Wachstum leisten.

11 Kreuzfahrer erwarten wir 2017, 13 Anmeldungen sind es bereits für 2018, überhaupt sind wir als Reise-und Ferienziel beliebter denn je. Viele arbeiten daran, das ist gut so.

Ab August wird es eine Musikschule in Wismar und Nordwestmecklenburg geben, damit wird das Angebot für unsere Stadt langfristig gesichert, das war uns mit unserem eingeschränkten Haushalt wichtig.

Apropos Haushalt: Ich darf Ihnen berichten, dass die Zahlen des vorläufigen Jahresabschlusses 2016 wiederum deutlich besser aussehen als die Planzahlen. Wir haben durch geringere Ausgaben und höhere Einnahmen Verbesserungen in Millionenhöhe erzielt, dank der Disziplin von Verwaltung und Bürgerschaft. Das lässt uns hoffen, dass wir unser Konsolodierungsziel wirklich erreichen und spätestens ab 2020 beweglicher sind. Trotzdem: Auch mit unserem jetztigen Haushaltsrahmen können wir einiges stemmen.

Nun möchte ich auch ein paar Dinge nennen, die wir oft als absolut selbstverständlich erachten, und bezüglich dieser Fakten darf ich dann die allgemeine Ungewissheit mit Fug und Recht relativieren:
Die Stadtwerke Wismar, beispielsweise, werden uns weiter mit Strom, Gas und Wasser stabil versorgen. Natürlich ist das so! Um dies aber zu gewährleisten, geschieht im Hintergrund auch einiges, namentlich, seitdem sehr viel alternativ erzeugte Energie eingespeist wird. Und es gibt viele, viele Gegenden auf dieser Erde, die würden sich wenigstens eine stabile Wasserversorgung wünschen. Gleiches gilt für den stabil funktionierenden Rettungsdienst oder für die Feuerwehr. 2016 ist in einer Fachzeitschrift die eng verzahnte Kooperation der Wismarer Berufsfeuerwehr mit den freiwilligen Feuerwehren als bundesweit beispielhaft gelobt worden.

Und die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr, auch die von THW und der DLRG und allen anderen Hilfsorganisationen, haben ein kräftiges Dankeschön verdient. Sie machen das hervorragend und das werden sie auch im Jahr 2017 tun. Dessen bin ich gewiss. Wir sehen das alles als selbstverständlich an. Das ist es bei uns auch. Aber lassen Sie sich einmal erzählen, wie all` dies in Pogradec, in Albanien funktioniert. Und damit will ich weiß Gott nicht auf die Menschen dort herabschauen, ganz im Gegenteil!

Ein letztes Beispiel: Schauen Sie auf unsere Pflegeinfrastruktur, Tagespflege, ambulante Dienste, Pflegeheime und, und, und... All' diese mit unterschiedlichen Konzepten und dazu das Engagement vieler, vieler Angehöriger, das oft im Verborgenen geschieht, all` diese unterschiedlichen Aspekte gehören dazu. Insofern ist hier heute auch der Ort, die Arbeit aller Pflegender einmal zu würdigen und Ihnen zu danken! Selbstverständlich ist das nicht! Wir nehmen es aber so und wir dürfen darin wirklich sicher sein, dass all' diese Dienste auch in diesem Jahr für uns zur Verfügung stehen werden.

Liebe Wismarerinnen, liebe Wismarer,
Herrn Senator Berkhahn, Frau Senatorin Bansemer, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mich erreichten viele, viele freundliche und herzliche Grüße zum Weihnachtsfest und Wünsche zum neuen Jahr. Dafür sagen wir ebenso herzlich Dankeschön!
Was für mich genauso schön ist, wie diese Wünsche, ist das was Wismarer, ob jung oder alt, über ihre Stadt sagen, veröffentlicht in einer Broschüre, die in einem Semesterprojekt der Hochschule Wismar und des Geschwister-Scholl- Gymnasiums entstand. Auf die Frage: Was ist gut an Wismar? das war eine von 3 Fragen, die zu beantworten waren, die anderen lauteten: Was ist gut an mir und was ist gut am Universum? auf die Frage also nach unserer Stadt antwortete Christoph “die Altstadt, die Ostsee und die zentrale Lage, als kleine Stadt zwischendrin haben wir alle großen Städte in der Nähe“; Vanessa sagt “die Leute sind hier sehr offen und das Stadtbild sehr schön“; von der 75jährigen Monika ist zu lesen “die Gebäude sind so schön wieder hergerichtet worden und die schönen Kirchen, wie es sich entwickelt hat und dass Wismar eine freundliche Gastgeberin ist“; Mattis führt aus „an Wismar mag ich die Gemütlichkeit...also Dich kennt jede Sau, aber Du kannst trotzdem Dein Stück Privatsphäre für Dich haben“; Nagi aus der Mongolei meint “an Wismar ist die Luft gut“; Marcus findet „Burger King & McDonalds gut“; die achtjährige Theresia mag “die Stadtbibliothek und das Jungle im Mumpitz“; Linus ebenfalls acht Jahre alt, freut sich über „das Wonnemar“; Finn, wiederum acht Jahre alt, mag „den Marktplatz“ und der siebenjährige Leon mag „den Sportplatz und den Kagenmarkt“; Tabea, sie ist 10 Jahre alt, findet „die Nähe zur Ostsee gut“; und die neunjährige Sophia mag an Wismar einfach „dass es eine tolle Stadt ist“.

Wissen Sie, wenn ich das lese und dazu auf das schaue, was wir mit unserer Stadt vorhaben, jede und jeder für sich und wir miteinander, dann werde ich wirklich sehr zuversichtlich. Und so können wir der Ungewissheit Zuversicht und Neugier, der Unsicherheit Vertrauen und Mut, ja auch unternehmerischen Mut, der Unfertigkeit Tatkraft und dem Unfrieden unseren Gemeinsinn, Respekt und unsere Toleranz entgegensetzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein neues Jahr, in dem möglichst viele Ihrer Wünsche in Erfüllung gehen. Lassen Sie uns an dieser unfertigen, weltoffenen und wachsenden, aber vor allen Dingen wunderschönen Stadt miteinander weiter bauen. Wir haben mehr Chancen denn je. Nutzen wir sie in diesem neuen Jahr 2017.
Vielen Dank!

 

07.01.2017 
Quelle: Öffentlichkeitsarbeit / Pressestelle